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Branchennews

Nachfolgend haben wir die letzten Meldungen aus dem Pharma-Bereich für Sie zusammengefasst

EMA bewertet Nutzen und Risiko von Fosfomycin neu

Datum: 17.12.2018

Verschärfen sich Resistenzen gegen Fosfomycin? Das BfArM hat zumindest Sorge: Die Bundesoberbehörde hat bei der EMA eine neue Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnis-ses des Antibiotikums beantragt. Nun untersucht der dortige CHMP die Resistenzsituation bei oralen und parenteralen fosfomycinhalti-gen Arzneimitteln.
Fosfomycin stellt hinsichtlich seines Wirkmechanismus unter den antiin-fektiven Arzneimitteln einen Exoten dar. Sein spezifischer Wirkansatz wird nicht zuletzt dafür verantwortlich gemacht, dass die Resistenzentwicklung gegen Fosfomycin bislang als gering eingestuft wurde. Allerdings trüben auch bereits hier einige Daten das bislang diesbezüglich als günstig bewertete Profil des Antibiotikums.
So äußerten in einer im Mai im JAMA veröffentlichten klinischen Studie die Autoren Zweifel, ob die Einmalgabe von 3000 mg Fosfomycin tatsächlich sinnvoll ist. Sie beschrieben in der Untersuchung unter anderem, dass der zunehmende Einsatz von einmalig 3000 mg Fosfomycin oral die Resistenzlage gegen das Antibiotikum verschärft. So erhöhte sich zwischen 1997 und 2009 das Nichtansprechen auf Fosfomycin in Spanien von 4 Prozent auf 11 Prozent, der Einsatz von Fosfomycin wuchs in diesem Zeitraum um 340 Prozent.
Innerhalb der einzelnen Mitgliedstaaten wird Fosfomycin recht unterschiedlich eingesetzt. In Deutschland gibt es zur oralen Therapie beispielsweise Monuril® beziehungsweise Generika als Einzelgabe mit 3000 mg Fosfomycin für eine Einmaltherapie unkomplizierter Harnwegsinfektionen bei Frauen. Als parenterale Darreichungsform kommt Fosfomycin vor allem bei schweren Infektionen zum Einsatz, insbesondere als wertvolle Alternative zu Penicillinen und Cephalosporinen, sei es aufgrund von Unverträglichkeiten oder wenn die Wirksamkeit dieser Betalactame wegen der Lokalisation der Infektion nicht ausreicht. Fosfomycin ist knochengängig und wird beispielsweise bei einer Streptokokkenosteomyelitis eingesetzt. Außerdem dient Fosfomycin auch als Kombinationspartner bei multiresistenten Keimen (beispielsweise Pseudomonas: Kombination mit Meropenem oder Levofloxacin). Fosfomycinhaltige Arzneimittel zur Injektion in den Muskel sind in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zur Behandlung oder Vorbeugung verschiedener Infektionen einschließlich Infektionen der Harnwegs- und Fortpflanzungsorgane zugelassen.
Resistenzen geben Grund zur Sorge
Bedenken hegt offenbar auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Bun-
desoberbehörde hat nun die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA aufgefordert, Fosfomycin im Hinblick auf zunehmende Resistenzen neu zu bewerten. Am 14. Dezember 2018 hat die EMA das Risikobewertungsverfahren gestartet: „Im Einzelnen werden die Indikationen und Dosierungen von fosfomycinhaltigen Arzneimitteln sowie die sicherheitsrelevanten Informationen und die pharmakologischen Eigenschaften im Hinblick auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand neu bewertet", schreibt das BfArM auf seiner Homepage.
Wie wirkt Fosfomycin?
Fosfomycin greift in die bakterielle Zellwandsynthese ein. Die Bakterienzellwand besteht vornehmlich aus N-Acetylglukosamin und N-Acetyl-muraminsäure, wobei N-Acetylmu-raminsäure aus N-Acetylglukosamin und Phosphoenolpyruvat entsteht. Als Strukturanalogon zu Phos-phoenolpyruvat blockiert Fosfo-mycin das synthetisierende Enzym Phospoenolpyruvat-Transferase und verhindert so eine stabile Zellwandsynthese. Der Wirkstoff zeigt eine zeitabhängige Bakterizidie, sprich die Wirksamkeit hängt vor allem davon ab, wie lange Fosfomycin-Spiegel oberhalb der minimalen Hemmkon-zentration des Erregers liegen. PharmNef
Aktiengesellschaft

Resistenzen können plasmidkodiert auf der Metabolisierung von Fosfo-mycin beruhen oder auf der Hemmung der aktiven Aufnahme des Antibiotikums in die Bakterienzelle. Kreuzresistenzen sind laut Fachinformation nicht bekannt. Die empfohlene Dosierung bei unkomplizierter
Zystitis von Frauen ab einem Alter von zwölf Jahren liegt bei einmalig 3000 mg Fosfomycin-Trometamol. Durch Trometamol verbessert sich die orale Bioverfügbarkeit von Fos-fomycin.
Das Prozedere
Zuständig für die Neuevalution von Fosfomycin ist der Humanarznei-
mittelausschuss CHMP bei der EMA. Nachdem dieser Stellung bezogen hat, wird dessen Empfehlung der Europäischen Kommission vorgelegt. Diese entscheidet abschließend und rechtsverbindlich, ob die Zulassungen fosfomycinhalteiger Arzneimittel in der EU angepasst werden müssen.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftForschung und Entwicklung
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/17/ema-bewertet-risiko-von-fosfomycin-neu


Exenatid könnte jüngeren Patienten helfen

Datum: 17.12.2018

Vor gut einem Jahr hatte eine klinische Studie gezeigt, dass das Antidiabetikum Exenatid die motorischen Symptome von ParkinsonPatienten signifikant verbessern kann. Eine neue Subanalyse zeigt nun, dass vor allem jüngere Patienten auf diese auf den ersten Blick ungewöhnliche Therapie mit einem Antidiabetikum ansprechen.
»Die Daten zur Wirksamkeit von Exenatid bei der Parkinson-Krankheit sind von großem Interesse, da sie auf einen völlig neuartigen Wirkmechanismus mit Bezug zur InsulinSignaltransduktion hinweisen«, erklärt Professor Dr. Werner Poewe, Direktor der Neurologie der Universitätsklinik Innsbruck, in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Mit den derzeit verfügbaren Medikamenten wird versucht, den Dopamin-Mangel im Gehirn auszugleichen oder generell das Gleichgewicht der Neurotransmitter wieder herzustellen. Das gelingt jedoch nicht immer oder die Wirkung lässt mit der Zeit nach. Zudem handelt es sich um eine rein symptomatische Behandlung, die die eigentliche Ursachen, den Untergang von Nervenzellen, nicht verhindern kann.
Forscher hoffen, dass Agonisten am Rezeptor des Glucagon-like Peptides 1 (GLP-1) wie Exenatid nicht nur antidiabetisch, sondern auch neuroprotektiv wirken. Denn GLP-1-Rezeptoren gibt
es nicht nur im Magen-Darm-Trakt, wo sie eine zentrale Rolle für die InsulinAusschüttung und Glucagon-Produk-tion spielen, sondern auch im Gehirn. »Dort scheint es zur Stabilisierung dopaminerger Neuronenverbindungen zu kommen und somit zur anhaltenden Verbesserung der ParkinsonSymptome«, erläutert die DGN.
2017 schrieben Forscher des Instituts für Neurologie am University College London in der Fachzeitschrift »The Lancet«, dass die Gabe von Exenatid die motorischen Symptome bei Patienten mit moderater Parkinson-Erkrankung verbessert. An der placebokontrollierten, randomi-sierten Studie nahmen 62 Patienten im Alter von 25 bis 75 Jahren mit leichter Symptomatik teil. Sie waren vor Studienbeginn im Schnitt bereits sechs Jahre lang mit den üblichen Parkinson-Medikamenten behandelt worden, die Wirkung der Arzneimittel hatte jedoch nachgelassen.
Eine Gruppe erhielt nun 48 Wochen lang zusätzlich zur üblichen Medikation einmal wöchentlich 2 mg Exenatid subkutan als Injektion, die Kontroll-gruppe bekam ebenfalls die Standardbehandlung und eine PlaceboInjektion. Nach 60 Wochen wurden Veränderungen im motorischen Teil der MDR-UPDRS-Punkteskala (»Movement Disorders Society Unified Parkinson's Disease Rating Scale Part III«) untersucht. Dabei zeigte sich in der Verumgruppe eine Verbesse-
rung von +1,0 Punkten, wohingegen es in der Placebogruppe zu einer Verschlechterung von -2,1 Punkten gekommen war. Der Unterschied war statistisch signifikant.
In einer kürzlich veröffentlichten Posthoc-Analyse dieser Studie hat dieselbe Forschergruppe nun untersucht, ob sich das Ansprechen auf eine Therapie mit dem GLP-1-Agonis-ten vorhersagen lässt und die Effekte in den verschiedenen PatientenUntergruppen vergleichbar sind. Die Subgruppen umfassten eine Klassifizierung nach Alter, dem motorischen Erscheinungsbild der Erkrankung, der Erkrankungsdauer und Schwere der Erkrankung.
»Im Ergebnis zeigten sich in allen Subgruppen umfassende Verbesserungen der motorischen, aber auch der nicht motorischen Symptome«, berichtet die DGN. Die Patienten profitierten zudem hinsichtlich der Kognition und der Lebensqualität. Ältere Patienten und solche mit einer Krankheitsdauer von mehr als zehn Jahren sprachen dabei weniger gut auf die Therapie an als jüngere Patienten mit kürzerer Erkrankungsdauer. Dies könnte sich damit erklären lassen, dass bei den älteren beziehungsweise länger erkrankten Patienten bereits mehr Neuronen verloren gegangen sind und der schützende Effekt weniger zum Tragen kommt. Das beste motorische Therapie-Ansprechen zeigten Patienten mit tremordominantem Parkinson-Phänotyp und niedrigeren Scores des zweiten Teils des MDR-UPDRS (dieser umfasst motorische Fähigkeiten wie Sprechen, Speichelfluss, Kauen/ Schlucken, Ankleiden, Körperpflege,
PharmNef
Aktiengesellschaft
Handschrift, Drehen im Bett, Aufstehen aus dem Sitzen, Gehen/Gleichgewicht und Freezing/Gangblockaden). »Nun sind weitere Studien erforderlich, um einen möglichen krankheitsmodifizierenden Effekt sicher nachzuweisen«, so der Neurologe Poewe, der die Originalstudie 2017 im »Lancet« mit kommentiert hatte.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftForschung und Entwicklung
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/exenatid-koennte-juengeren-patienten-helfen/


Gematik-Chef sträubt sich gegen Reformpläne

Datum: 04.01.2019

Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens hakt es immer wieder. Als Paradebeispiel für Pannen gilt die elektronische Gesundheitskarte, deren Einführung seit Jahren verschoben wird. Von Reformplänen zeigt sich die für Digitalisierung zuständige »Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte« (Gematik) aber wenig begeistert.
Bereits im Dezember hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einem Kongress der CDU-Bundestagsfraktion einen Umbau der Gematik angekündigt. Der Minister kritisierte vor allem die komplexe Gesellschafterstruktur, die häufig zu Blockaden bei wichtigen Entscheidungen führe. »Die Gematik kann aus meiner Sicht nicht so bleiben, wie sie ist«, so Spahn damals vor Fraktionskollegen. Was Spahn also offenbar ein Dorn im Auge ist, will der Geschäftsführer der Gematik, Alexander Beyer, möglichst beibehalten. Vor allem Spahns Vorstellungen, den Ge-
sellschafterkreis von derzeit sieben Parteien zu verschlanken, steht der Gematik-Chef kritisch gegenüber. In einem Interview mit der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« betonte er, es sei in der Vergangenheit immer gut gewesen, »auf einen breiten Konsens aller Beteiligten bauen zu können«. Das solle auch so bleiben.
Sieben Gesellschafter mit verschiedenen Interessen
Tatsächlich mischen seit Gründung der Gematik im Jahr 2005 sieben Akteure mit unterschiedlichen Interessen bei der Entscheidungsfindung mit. Neben den Krankenkassen, die den größten Stimmenanteil haben, sind laut Gematik die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Bundesärztekammer, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Bundeszahnärztekammer sowie der Deutsche Apothekerverband mit im Boot. Für Entscheidungen sind Zweidrittelmehrheiten nötig, was Blockaden begünstigt.
Dennoch ging Beyer gegenüber der FAZ in Verteidigungshaltung. »Wenn man weniger Parteien entscheiden lässt, dann werden die Ergebnisse auch von weniger Parteien getragen«, so der Jurist. Vorwürfe, die Struktur sei schwerfällig und verlangsame die Arbeit der Gematik, ließ er nicht gelten. »Wir arbeiten nicht so langsam«, sagte er dem Blatt und erteilte auch der politischen Idee, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung in ein Bundesinstitut umzuwandeln, eine Absage. »Ich halte die Gründung eines Bundesinstituts für keine gute Idee«, sagte er. Ein solcher Umbauprozess brauche viel Zeit und schrecke Personal ab. So würde wertvolles Wissen verloren gehen - was wiederum den Prozess der Digitalisierung verlangsamen könne. Beyer: »Das kann nicht funktionieren.« Zur Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung, ob tatsächlich solche Umbaupläne bestehen und wenn ja, wie konkret sie sind, wollte das Bundesgesundheitsministerium keine Stellung nehmen.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftGesundheitspolitik
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gematik-chef-straeubt-sich-gegen-reformplaene/


Bär will beim Datenschutz im Gesundheitswesen abrüsten

Datum: 24.12.2018

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) fordert Abstriche beim deutschen Datenschutz, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu forcieren. „Wir haben in Deutschland mit die strengsten Datenschutzgesetze weltweit und die höchsten Anforderungen an den Schutz der Privatsphäre. Das blockiert viele Entwicklungen im Gesundheitswesen, deshalb müssen wir da auch an der einen oder anderen Stelle abrüsten, einige Regeln streichen und andere lockern“, sagte Bär der „Welt am Sonntag“.
Die Deutschen seien „insgesamt bei allem zu zögerlich und zu sehr von Ängsten getrieben und gehemmt", so die CSU-Politikerin. Bär hatte sich erst kürzlich zum Versandhandel und zur Digitalisierung im Apothekenwesen geäußert: „Man sollte nicht versuchen, gesetzlich alte Geschäftsmodelle durchzudrücken, wenn man sie nicht mehr aufrechterhalten kann", sagte Bär. Sie sprach vom - eigentlich im Koalitionsvertrag festgeschriebenen - Verbot des Versandhandels
mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln. „Besitzstandswahrer", also Apotheker, wollten hier lediglich die Politik mit ins Boot nehmen. Erstmals distanzierte sich damit eine prominente CSU-Poli-tikerin vom Rx-Versandverbot.
Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hatte Ende November ergeben, dass der digitale Fortschritt mit seinen Chancen für die Gesundheitsversorgung bei Patienten in Deutschland längst nicht ausreichend ankomme. In der internationalen Erhebung landete das deutsche Gesundheitswesen beim Thema Digitalisierung abgeschlagen auf Platz 16 von 17 untersuchten Staaten.
Die Deutschen Stiftung Patientenschutz warnte vor Abstrichen beim Datenschutz. Im Gesundheitswesen gehe es um die sensibelsten Daten überhaupt, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. „Die Menschen müssen sicher sein, dass Informationen über ihre Krankheit und Therapie nicht ungeschützt für jedermann zugänglich sind." Die Datenschutz-Grundverord-nung der EU lasse das auch gar nicht
zu. Bär und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollten ein Bundesamt für die Digitalisierung im Gesundheitswesen schaffen. „So kann unter höchsten Sicherheitsstandards eine einheitliche und dynamische Plattform geschaffen werden", erklärte Brysch.
Bär: E-Patientenakte spätestens bis 2021 in Betrieb
Auf eine grundsätzliche Struktur der schon lange geplanten elektronischen Patientenakte haben sich Ärzte und Kassen inzwischen verständigt. Bis 2021 vorgesehen sind drei Bereiche, die etwa auch über Smartphones abrufbar sein sollen: einer mit medizinischen Daten der Ärzte, einer mit Versicherten-Informationen der Kassen und einer, in den Patienten selbst Daten einspeisen können.
Bär sagte, die elektronische Patientenakte werde noch in dieser Legislaturperiode in den Regelbetrieb gehen, bis spätestens Ende 2021.
„Das muss so sein, schließlich bauen alle anderen digitalen Gesundheitsleistungen darauf auf."


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftGesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/24/baer-will-beim-datenschutz-im-gesundheitswesen-abruesten


Österreichs Apothekerkammer klagt gegen Shop Apotheke

Datum: 14.12.2018

Die aggressive Expansionspolitik der Shop Apotheke sorgt nun auch in Österreich für Ärger. Österreichischen Medienberichten zufolge klagt die Apothekerkammer des Landes gegen den EU-Versender. Aus Sicht der Apotheker ist der Marktauftritt der Shop Apotheke in Österreich irreführend. Auch in Frankreich und Italien sorgten die Verkaufsstrategien der Shop Apotheke schon für Ärger.
Die Apothekerkammer Österreichs hat gegen die niederländische Versandapotheke Shop Apotheke eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs vor dem Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen eingereicht.
Die Tageszeitung „Standard" und die Nachrichtenagentur APA berichten, dass die Klage sogar schon seit März dieses Jahres vorliege, eine Entscheidung des Gerichtes steht demnach aber noch aus.
Wie schon zuvor in anderen europäischen Ländern geht es auch in Österreich um den Marktauftritt der Niederländer: Das Unternehmen präsentiert sich mit der Adresse shop-apotheke.at und gibt auch eine österreichische E-Mail-Adresse für seine Kunden an. Erst aus dem Impressum geht allerdings hervor, dass es sich um ein niederländisches Unterneh-
men handelt. Dort steht, dass es eine niederländische Aufsichtsbehörde gibt und dass das Unternehmen im niederländischen Apothekenregister eingetragen ist. Auch das EU-Logo für den sicheren Versandhandel ist auf niederländisch.
Kammer: Shop Apotheke wirkt zu österreichisch
Aus Sicht der Kammer kennzeichnet das Unternehmen damit zu wenig, dass hinter dem Internetauftritt keine österreichische Apotheke steckt, berichtete der „Standard" am gestrigen Donnerstag. Die Klage nach dem Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb bestätigte ein Sprecher der Apothekerkammer auf Anfrage der Nachrichtenagentur APA. Die Shop Apotheke selbst äußerte sich nicht gegenüber den österreichischen Medien.
Da Arzneien sensible Ware seien, sei für viele Kunden die österreichische Herkunft eines Händlers kaufentscheidend, wird ein Jurist der Apothekerkammer im „Standard"-Bericht zitiert. In einer der APA übermittelten Stellungnahme kritisiert die Apothekerkammer außerdem, dass Einkäufe bei der „Shop Apotheke" nicht der heimischen Wirtschaft zugute kämen
- weil es sich eben um ein niederländisches Unternehmen handle.
Auch in Frankreich und Italien aggressives Vorgehen
In Österreich dürfen Apotheken seit etwas mehr als drei Jahren rezeptfreie Medikamente über das Internet verkaufen. Für rezeptpflichtige Präparate bleibt dieser Vertriebsweg versperrt. Auf große Begeisterung war der Vertriebsweg für OTC-Arzneimittel schon von Beginn an nicht gestoßen. Derzeit haben knapp 60 Apotheken im Alpenland eine Versandhandelserlaubnis. Viel lebendiger als der inländische Versandhandel ist allerdings auch in Österreich der grenzüberschreitende Versand. Zur Rose, MyCare, ShopApotheke oder die tschechische Versandapotheke Vamida sind in Österreich aktiv und sehr bekannt.
Dass Shop Apotheke mit seiner Expansionspolitik in den einzelnen europäischen Ländern für Ärger sorgt, ist allerdings bestens bekannt. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der EU-Versender in Italien auf einer italienischsprachigen Seite italienische Arzneimittel anbietet. Im italienischen Gesetz ist der OTC-Versand strikt reguliert, der Rx-Versand gar nicht erlaubt. Zudem gibt es dort nicht-gesetzliche Vorschriften, die den grenzüberschreitenden Versand quasi unmöglich machen. PharmNef
Aktiengesellschaft

Und auch in Frankreich ist Shop Apotheke bereits angeeckt. In Frankreich gelten ähnlich strenge Einschränkungen für den Versandhandel wie in Italien. Dort hatte Shop Apotheke aber schon vor einigen Jahren eine Koope-
ration mit dem Versand-Konzern Zalando geschlossen: In den Paketen an Kunden in Frankreich wurden Flyer mitgeliefert, auf denen Rabatte auf Arzneimittel versprochen wurden, wenn diese auf der französischen Internetseite der niederländischen Versandapotheke bestellt wurden.
Zwei Apotheker-Organisationen gingen gegen die Werbung gerichtlich vor - und gewannen: Im vergangenen Jahr verurteilte ein Gericht die Niederländer zu einer Geldstrafe wegen unlauteren Wettbewerbs.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/14/oesterreichs-apothekerkammer-klagt-gegen-shop-apotheke


Neue Regelungen zum 1. Januar

Datum: 13.12.2018

Apotheker und Kassen haben sich auf Änderungen in der Hilfstaxe geeinigt. Gestern haben die Mitglieder des Deutschen Apothekerverbands (DAV) auf einer außerordentlichen Versammlung in Berlin dem Verhandlungsergebnis zugestimmt. Die neu angepassten Anlagen 1 und 2 sollen zum 1. Januar 2019 in Kraft treten.
Nach langen und zähen Verhandlungen haben der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die Preise für Rezepturen und die dafür benötigten Stoffe und Gefäße neu festgelegt. Die geänderten Anlagen 1 und 2 sollen ab 1. Januar 2019 gelten. Neben größtenteils deutlich höheren
Preisen für die einzelnen Positionen umfasst die Neuregelung auch mehr Stoffe. So sind etwa in Anlage 1 nun 280 Stoffe aufgeführt, zuvor waren es 262 Stoffe .
Die bislang gültige Fassung dieser Anlagen vom 1. Oktober 2009 hatte der DAV bereits im Juni dieses Jahres gekündigt. Aus Sicht der Apotheker waren die darin festgelegten Preise schon lange nicht mehr zeitgemäß. Bislang war es für die Vertragspartner anscheinend nicht möglich, auf Preisschwankungen des Marktes zu reagieren, da verlässliche Daten etwa zu Absatzzahlen fehlten. Dem Vernehmen nach haben beide Seiten nun erstmals ein System gefunden, sich mit der Hilfstaxe am Markt auszurichten. Um künftig Preisanpassungen vornehmen zu können, soll der DAV
dieselben Marktdaten zur Verfügung gestellt bekommen, die auch dem GKV-Spitzenverband vorliegen.
Die Einigung erfolgt nun gerade noch rechtzeitig. Da sich die Verhandlungspartner nicht bis zum Auslaufen des Vertrags zum 30. September auf eine Neuregelung hatten einigen können, hatten sich beide Seiten auf eine Verlängerung der Vereinbarung bis zum Jahresende verständigt.
Wäre bis zum Jahresende keine Einigung zustande gekommen, hätten ab 1. Januar 2019 dann die Preise für diesen Bereich über die ArzneimittelPreisverordnung geregelt werden müssen. Dies wäre für die Kassen um einiges teurer geworden. Und für die Apotheker wäre die Abrechnung von Rezepturen in vielen Fällen mit mehr Aufwand verbunden gewesen.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neue-regelungen-zum-1-januar/


Minus 219: Apothekenzahl sinkt weiter

Datum: 12.12.2018

Der Trend setzt sich fort: Die öffentlichen Apotheken werden immer weniger. Laut den neuesten Zahlen des DAV gab es zum Ende des dritten Quartals 2018 genau 19.529 Apotheken und damit 219 weniger als Ende 2017. Noch stärker sank die Zahl der selbstständigen Apothekenleiter.
So gab es Ende des dritten Quartals 2018 265 weniger Hauptapotheken als Ende 2017.
Seit Anfang 2009 sinkt die Zahl der öffentlichen Apotheken in Deutschland stetig. Ende 2017 hatte sie mit 19.748 den niedrigsten Stand seit 1987 erreicht. Nach der Wende hat es bislang noch nie so wenige Apotheken gegeben. Zuletzt hatte sich der Sinkflug dann auch noch beschleunigt. So war der Rückgang 2017 mit einem Minus von 275 deutlich stärker
als der in 2016 - damals wurden am Ende des Jahres 226 Apotheken weniger gezählt. Im ersten Halbjahr 2018 ging die Apothekenzahl um 157 zurück. Nun liegen die Zahlen für das dritte Quartal vor. Demnach gab es am Ende des dritten Quartals 19.529 Apotheken. Das waren 219 weniger als Ende 2017. Der Rückgang betrifft alle Kammerbezirke außer Bremen
- wie auch im ersten Halbjahr. In der ersten Jahreshälfte konnte allerdings auch Mecklenburg-Vorpommern einen Zugewinn verzeichnen.
Noch weiter ist die Zahl der selbstständigen Apothekenleiter zurückgegangen. Dass diese Zahl schneller fällt als die der Apotheken, hängt damit zusammen, dass Hauptapotheken teilweise als Filialen von anderen Apothekern übernommen werden.
So gab am Ende des dritten Quar-
tals 2018 nur noch 14.971 und damit 265 weniger als Ende 2017, wo noch 15.236 Hauptapotheken betrieben wurden. Die Abwärtskurve ist damit im Vergleich zu den ersten sechs Monaten leicht abgeflacht. Die Zahl der Haupt- und Einzelapotheken ging im ersten Halbjahr 2018 um 202 zurück. Ob von dem Rückgang eher Apotheken in ländlichen oder städtischen Gegenden betroffen sind, ist aus den DAV-Zahlen nicht ersichtlich. Versorgungszahlen aus Baden-Württemberg zeigten im vergangenen Jahr, dass vom Apothekenrückgang nicht nur ländliche, sondern auch städtische Regionen betroffen sind.
In Baden-Württemberg war es im vergangenen Jahr fast jede dritte Gemeinde, die ohne Apotheke war, und der der Trend hat sich den aktuellen Zahlen zufolge nicht umgekehrt.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/12/minus-219-apothekenzahl-sinkt-weiter


DocMorris-Chefeinkäufer geht

Datum: 12.12.2018

Berlin - Jörg Wienpahl hat in seinen 16 Jahren bei DocMorris wilde Zeiten erlebt. Er kam zwei Jahre nach Gründung der niederländischen Versandapotheke durch Jacques Waterval und Ralf Däinghaus als Einkaufschef in das Unternehmen. Ende des Jahres verlässt er die Zur Rose-Tochter auf eigenen Wunsch. Ein Nachfolger steht bereits fest.
Wienpahl baute den Einkauf von DocMorris auf. Durch sein Mitwirken wurden laut Firmenangaben die Marktposition sowie die wirtschaftliche Situation der Versandapotheken bei Herstellern und Industrie nachhaltig gestärkt und zukunftsfähig ausgerichtet. Sein Nachfolger ist Philipp Storb. Der ehemalige Regionalleiter Nord bei Gehe arbeitete seit Mitte 2017 gemeinsam mit Wienpahl zusammen. Bereits damals hatte der 60-Jährige seine Ruhestandspläne
angekündigt. DocMorris-Chef Olaf Heinrich dankte ihm für sein Engagement. „Jörg Wienpahl hat seit der Gründung von DocMorris das Unternehmen sehr erfolgreich mit aufgebaut und damit die Weiterentwicklung der Apotheke in den vergangenen Jahren vorangetrieben." Auch im Namen des gesamten Vorstandes würdigte er seinen loyalen Einsatz für DocMorris und die gute Zusammenarbeit sowie die reibungslose Übergabe an seinen Nachfolger.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/docmorris-chefeinkaeufer-geht-abschied-nach-16-jahren/


Erste Kassen senken Zusatzbeitrag deutlich

Datum: 10.12.2018

Die gute Konjunktur und hohe Reserven machen sinkende Zusatzbeiträge möglich - aber nicht bei jeder Krankenkasse.
BERLIN. Mitte Dezember legen die Verwaltungsräte der meisten gesetzlichen Krankenkassen den Zusatzbeitrag für 2019 fest. Bislang deutet sich ein moderat sinkender Trend an.
Bei einzelnen Kassen fällt die Senkung des Extra-Obolus aber drastisch aus. So hat die Securvita Krankenkasse angekündigt, den Zusatzbeitrag im kommenden Jahr um 0,6 Punkte auf dann 1,1 Prozent zu senken: auf 15,7 Prozent.
Die Kasse mit rund 225.000 Versicherten schreibt das ihrer „verantwortungsvollen Haushaltsführung" zu. Bislang gehörte die Securvita mit
1,7 Prozent zu den teuersten Kassen. Die BKK Viactiv, drittgrößte Betriebskasse bundesweit, hat bereits
ebenfalls einen deutlichen Rückgang angekündigt. Um 0,5 Punkte soll der Zusatzbeitrag auf 1,2 Prozent sinken -allerdings erst zum 1. April 2019.
Der Platzhirsch Techniker Krankenkasse will ebenfalls den Obolus von derzeit 0,9 Prozent senken - wieweit, das ist noch nicht ausgemacht. Dagegen hat die DAK-Gesundheit Konstanz beim Zusatzbeitrag angekündigt. Dieser liegt aktuell bei 1,5 Prozent oder 16,1 Prozent insgesamt. Die DAK gehörte denn auch zu den Kassen, die die Senkung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags durch das Bundesgesundheitsministerium ungern gesehen haben.
Vorgaben durch Versichertenentlastungsgesetz
Ende Oktober hatte das Bundesgesundheitsministerium bekannt gegeben, dass dieser Wert von 1,0 auf 0,9 Prozent sinken soll. Bereits mit
dem Versichertenentlastungsgesetz hat die Koalition es Kassen verboten, die mehr als eine Monatsausgabe an Finanzreserven bunkern, ihre Zusatzbeiträge anzuheben.
Doch fallen die Zusatzbeiträge keineswegs auf breiter Front - in der Regel sind es Trippelschritte. So senkt die BKK firmus den Wert von 0,6 auf 0,44 Prozent (gesamt: 15,04 Prozent). Bei der BKK Freudenberg fällt der Rückgang mit 0,2 Punkte auf künftig
15,3 Prozent etwas kräftiger aus.
Die AOK Rheinland-Hamburg (drei Millionen Versicherte) hat für 2019 eine Kappung ihres Obolus um 0,3 Punkte auf 1,1 Prozent angekündigt. Bei der AOK Bremen (250.000 Versicherte) steht eine Senkung um 0,1 Punkte auf 15,3 Prozent im Raum. In den kommenden Tagen werden viele weitere Kassen ihre Zusatzbeiträge für 2019 bekannt geben. (fst)


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/krankenkassen/article/978043/gkv-beitrag-erste-kassen-senken-zusatzbeitrag-deutlich.html


Grippeimpfstoffe: Der Markt ist leer

Datum: 10.12.2018

Verteilungsproblem, Engpass, Import? Entspannung? Wie ist die Lage bei Grippeimpfstoffen? So richtig scheint niemand informiert, ob es noch Influenzavakzine gibt, wo es welche gibt und, ob diese dann auch nach Deutschland importiert werden können. Denn der Markt ist offenbar leergefegt, in Deutschland, der EU und den USA. Das erklärt zumindest ein Teilnehmer der LAGI-Sondersitzung zu den Engpässen in Bayern und die auf Importe spezialisierte Ilapo aus München. Doch: Es gibt noch Influenzavakzine - nämlich trivalente.
Die Lage um Grippeimpfstoffe war angespannt, eigentlich bereits seit Beginn der Saison. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die für Impfstoffe in Deutschland zuständige Bundesoberbehörde, untersuchte die Lage. Sowohl PEI als auch die Politik sprachen sodann von einem „Verteilungsproblem". Dem wollte man entgegenwirken - das Bundesgesundheitsministerium (BMG) veröffentlichte am 23. November eine Bekanntmachung im Bundesanzeiger und machte somit den Weg frei, den Grippeimpfstoff unbürokratisch unter Ärzten und Apothekern auszutauschen und gleich zu „verteilen". Jedoch ermöglicht § 79 Abs. 5 des Arzneimittelgesetzes gegebenenfalls auch zugleich den Import von
Grippeimpfstoffen aus der EU und den Verkehr derselbigen in Deutschland, auch wenn sie hier keine Zulassung haben. Diese Aussichten ließen zumindest kurz aufatmen. Die Länder kamen in die Pötte, erließen Allgemeinverfügungen, machten diese bekannt und der Weg für die Großhandlungen zum Import von Grippeimpfstoffen schien frei.
Trügerische Sicherheit?
Entspannung: Hessen wollte sich kümmern, auch Sachsen verlautete, dass Apotheker direkt bei Mylan bestellen könnten, und Bayern „sicherte" laut Dr. Hans-Peter Hubmann in der Süddeutschen Zeitung 20.000 französische Grippeimpfstoffe. Und auch Baden-Württemberg will nun importieren. Allerdings gestaltet sich dies alles nicht ganz so trivial, wie vielleicht ursprünglich gedacht, und die Euphorie ob der in Aussicht gestellten Vakzine schrumpft wie ein Luftballon mit Loch. Mittlerweile rudern die Akteure wieder zurück.
So wurde gestern bekannt, dass die
20.000 französischen Grippeimpfstoffe vielleicht zu optimistisch waren, und die Franzosen sie vielleicht doch lieber selbst verimpfen mögen
- denn der zuständige Importeur Kohlpharma kann seine Zusage wohl nicht halten. Sanacorp, der Pharmag-roßhandel, über den die potenziell importierten Impfstoffe hätten aus-
geliefert werden sollen, erklärt: „Das Importthema gestaltet sich schwierig, verlässlich können wir nichts sagen." In einer Mitteilung an die Apotheken erklärt die Sanacorp: „Aufgrund der kurzfristig stark erhöhten Nachfrage auf dem französischen Markt haben sich kurzfristig Probleme bei der Verfügbarkeit ergeben. Deshalb kann die Lieferzusage für den avisierten Impfstoff nicht mehr aufrecht erhalten werden." Es sei nicht klar, ob und wann welche Mengen an französischen Impfdosen zur Auslieferung kämen. Gibt es also überhaupt noch Grippeimpfstoff - irgendwo in der EU? Es sieht wohl eher schlecht aus.
Grippeimpfstoff: „Auf dem Markt ist nichts mehr“
Bereits Ende November 2018 kam die LAGI in Bayern zu einer Sondersitzung zusammen. DAZ.online hat mit einem LAGI-Mitglied gesprochen
- wie es zu der Zusage dieser 20.000 Impfstoffe gekommen ist. „Wir haben in der Sondersitzung nicht über konkrete Möglichkeiten von Grippeimpfstoffimporten gesprochen", so ein Teilnehmer. Weder Frankreich als mögliches Importland sei gefallen, noch wurde die Sanacorp genannt als möglicher Großhändler, der dies koordiniere. PharmNef
Aktiengesellschaft

„Es gab jedoch eine ganz klare und eindeutige Aussage der beiden Influenzavakzin-Hersteller GSK und Sanofi-Pasteur, dass diese weder in Deutschland noch in der EU noch Grippeimpfstoffe haben und zur Verfügung stellen könnten. Mylan gab sich hingegen vage und stellte in Aussicht, noch wenige Impfstoffe beschaffen zu können. Konkrete Angaben machte Mylan allerdings nicht."
Umverteilung funktioniert wohl nicht gut
Auch die deutschlandinterne „Umverteilung" von Grippeimpfstoffen funktioniere wohl nur im Einzelfall. „Auf dem Markt ist nichts mehr". Diese Aussagen dürften sich wohl mehr oder minder mit den Einschätzungen der hiesigen Apotheken decken. Bleibt nun wohl allein die Hoffnung, dass in den EU-Ländern doch wider Erwarten weniger Grippeimpfstoffe benötigt werden, als ursprünglich geplant. Inwiefern diese Hoffnung berechtigt ist, ist mehr als fraglich. Offenbar scheinen auch andere Länder - erfreulicherweise - eine verstärkte Nachfrage an Grippeimpfstoffen zu verspüren.
Darüber hinaus wird es natürlich so sein, dass - so der Import möglich
wäre - hier vermutlich keine unbändigen Mengen verbracht werden. Bayern hatte wohl ein Impfstoffvolumen von zwei Millionen Dosen, da muten 20.000 weitere Vakzine fast niedlich an, sind sie gerade einmal ein Hundertstel des ursprünglichen Bestandes.
Dreifach-Grippeimpfstoffe können importiert werden
Dass der Markt leergefegt ist von Influenzavakzinen, wird immer transparenter. DAZ.online hat sich beim Arzneimittelimport-Experten, der Ilapo Internationale Ludwigs-Arzneimittel, nach den aktuellen Importmöglichkeiten erkundigt: „Wir können für die aktuelle Saison keine tetravalenten Grippeimpfstoffe mehr bekommen", heißt es aus der auf den Import von Arzneimitteln spezialisierten Apotheke mit Sitz in München. Man habe alle Lieferanten abgefragt - komplett die EU und auch Drittstaaten wie die Schweiz und die Vereinigten Staaten. Ob die Länder tatsächlich keine Grippeimpfstoffe mehr hätten oder nicht mehr exportieren dürften, darüber könne man nur spekulieren. Bis vor drei Wochen konnte die Ilapo Grippeimpfstoffbestellungen noch bedienen. Mittlerweile allerdings sei es unmöglich, an tetravalente Influenzavakzine zu kommen. Doch: „Was
gut verfügbar ist, sind die trivalenten Influenzavakzine", erklärt die Ilapo. „Stand jetzt: Dreifach-Grippeimpfun-gen können wir gut liefern", und diese würden auch zunehmend bestellt.
Sandovac und Agrippal können bestellt werden
Welche Länder haben trivalente Influenzavakzine übrig? Österreich und Italien offenbar. Wie in einer Mitteilung der dpa vom 22.11.2018 zu lesen ist, ist der Grund für den „Überschuss" in Österreich wohl eine miserable Impfquote, die im letzten Winter 2017/18 bei gerade einmal 6,36 Prozent lag. Österreich ist auch die Quelle der Ilapo. Verfügbar ist dort der trivalente Grippeimpfstoff von Seqirus Sandovac. Aus Italien bezieht die Apotheke die triavalente Vakzine Agrippal, ebenfalls von Seqirus.
Für Deutschland hatte Seqirus, außer das adjuvantierte trivalente Fluad (ab 65 Jahren) keine Grippeimpfstoffe produziert. Auf Nachfrage von DAZ. online erklärt Seqirus dies mit strategischen Entscheidungen: „Wir hatten nie einen Vierfach-Impfstoff", erklärt Seqirus hierzu. So sei, als zur Diskussion stand, eine tetravalente Variante von Berigripal und Afluria zu entwickeln, „die strategische Entscheidung gefallen, einen zellbasierten Impfstoff herzustellen", so Seqirus.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/07/gibt-es-ueberhaupt-noch-grippeimpfstoffe


Roches Pharma-Chef wechselt an die Gilead-Spitze

Datum: 12.12.2018

BASEL/FOSTER CITY. Daniel O’Day, seit 2012 globaler Leiter der Phar-masparte des Schweizer Roche-Kon-zerns wechselt zum kalifornischen Wettbewerber Gilead.
Dort wird O'Day zum 1. März kommenden Jahres als Vorstandsvorsitzender die Nachfolge John Milligans antreten, der bereits im Juli angekündigt hatte, das Biotechunternehmen nach 28 Jahren verlassen zu wollen. Bei Roche werde O'Day zum Jahres-
ende demissionieren, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Zu seinem Nachfolger an der Pharmaspitze wurde William Anderson, derzeit noch CEO der amerikanischen Roche-Tochter Genentech, ernannt. Anderson werde sein Amt am Konzernstammsitz Basel zum 1. Januar antreten, bis Ende Februar werde Daniel O'Day noch für die reibungslose Übergabe der Aktivitäten an seinen Nachfolger sorgen. (cw)


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftHersteller
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/unternehmen/article/978090/personalie-roches-pharma-chef-wechselt-gilead-spitze.html


Monopolkommission contra Preisbindung

Datum: 11.12.2018

Die Monopolkommission plädiert beinahe schon aus Tradition für mehr Wettbewerb im Apothekenmarkt. Ihre jüngsten Vorschläge provozieren in der Branche harsche Worte. Auch Gesundheitminister Jens Spahn macht Vorschläge zur Neugestaltung der Versorgung.
Von Christoph Winnat
BERLIN. Aus Apothekersicht bietet diese Woche reichlich Diskussionsstoff. Am Dienstagmittag stellte Gesundheitsminister Jens Spahn seine Reform-Pläne in Reaktion auf das Rx-Boni-Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2016 vor. Danach wird es in Deutschland kein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel geben. Dieses von seinem Vorgänger Hermann Gröhe angestrebte Ziel hält Spahn aus europarechtlichen Unwägbarkeiten für nicht realisierbar. Im Gegenzug soll aber die „Apotheke vor Ort" gestärkt werden: 375 Millionen Euro sollen zusätzlich in Nacht- und Notdienste sowie die Vergütung von Beratungsund Präventionsleistungen fließen.
Das kündigte Spahn vor der Mitgliederversammlung des Apothekerdachverbands ABDA in Berlin an.
Ferner sollen die Rezept-Boni, die ausländische Versandapotheken gewähren dürfen, auf maximal 2,50 Euro je Packung begrenzt werden. ABDA-Chef Friedemann Schmidt betonte, dass die Präsenzapotheke, die Regel-
versorgung und der Versandhandel die Ausnahme bleiben müsse.
Apotheken-Honorar unter der Lupe
Danach befasst sich am Mittwoch auf Antrag der Grünen der Wirtschaftsausschuss des Bundestages mit dem Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums zur ApothekenHonorierung. Das Mitte Dezember
2017 vorgestellt Papier hatte einen Honorarüberhang zugunsten der Apotheken und zu Lasten der GKV von rund einer Milliarde Euro konstatiert sowie Umverteilungsvorschläge unterbreitet. Eine parlamentarische Auseinandersetzung darüber hat seither nicht stattgefunden. Aus Oppositionskreisen wurde wiederholt der Vorwurf laut, die Koalitionsfraktionen würden die Diskussion blockieren, um die Apothekerbranche nicht weiter zu verärgern. Pünktlich zur jetzt wieder anhebenden Honorardebatte meldet sich auch die Monopolkommission zu Wort - erstmals mit einem „Policy Brief", um anlassbezogen Einfluss zu nehmen. Dass das Beratergremium kein Freund von Preisbindungen und Wettbewerbsverboten ist, ist bekannt. Wenig überraschend sind daher die jüngsten Kommissions-Vorschläge zur Reform des Apothekenhonorars.
Das schlägt die Monopolkommission vor
■ Das Vergütungsvolumen für die Abgabe rezeptpflichtiger Arzneimittel solle zwar nicht gekürzt
werden. An der Rx-Preisbindung sei jedoch nicht länger festzuhalten. Einheitspreise würden - weil Umsatz danach allein von der eingelösten Rezeptmenge abhängt
- die Apothekengründung in dicht besiedelten Regionen fördern. Anders als von Standesvertretern vielfach proklamiert trägt die Rx-Preisbindung nach Ansicht der Kommissionsexperten den „regional unterschiedlichen Anforderungen an die Apothekenversorgung nicht angemessen Rechnung".
■ D en Apotheken sollte daher erlaubt werden, Rezept-Rabatte bis zur Höhe der gesetzlichen Zuzahlung gewähren zu dürfen.
■ In einem zweiten Schritt sei das Vergütungssystem so zu ändern, dass einerseits Kassen und Apotheker ein fixes Beratungshonorar aushandeln und andererseits die Patienten-Zuzahlung durch ein apothekenindividuelles, also variables „Serviceentgelt" ersetzt wird.
DAV: Vorschläge sind Nonsens
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) bezeichnete diese Vorschläge in einer ersten Stellungnahme als „Nonsens". Verbandspräsident Fritz Becker: „Die Vorschläge der Monopolkommission bedeuten, dass Apotheken sich mit Rabatten unterbieten sollen, die höher sind als ihre Einnahmen. Wie man so eine flächendeckende Versorgung hinbekommen will, ist mir schleierhaft."


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftGesundheitspolitik
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/978094/apothekenmarkt-monopolkommission-contra-preisbindung-arzneien.html


Spahn will Marktanteil-Grenze für DocMorris & Co.

Datum: 11.12.2018

Die Katze ist aus dem Sack: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat der ABDA-Mitgliederver-sammlung heute seine Pläne für den Apothekenmarkt vorgestellt. Das Rx-Versandverbot will er nicht, das ist jetzt klar. Wie DAZ.online schon berichtete, soll es dafür einen Boni-Deckel von 2,50 Euro geben, der nur für EU-Versender gilt. Außerdem sollen die Apotheker über eine Verdoppelung der Notdienstpauschale und neue Dienstleistungshonorare mehr Geld bekommen. Der Coup des Apotheken-Pakets: Spahn will den Marktanteil der EU-Versender auf 5 Prozent beschränken.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte in den vergangenen Monaten keine einfache Aufgabe: Das im Koalitionsvertrag festgehaltene Rx-Versandverbot wollte er nicht, das konnte man schnell durchhören. Gleichzeitig wollte er aber auch
- nach eigenem Bekunden - den Marktanteil der EU-Versender und damit deren Einfluss auf die Apothekenstruktur im Zaum halten. Die Apotheker waren der Meinung: Ohne ein Rx-Versandverbot werde das nicht möglich sein. Doch Spahn hat sich auf seiner Suche nach Alternativen nicht beeindrucken lassen und stellte am heutigen Dienstag in Berlin seine Eckpunkte für diese ApothekenReform im Rahmen eines Pressegesprächs nach seinem Besuch bei der
ABDA-Mitgliederversammlung vor:
1. Spahn erklärte, er wolle den „WildWest" bei Rx-Boni aus dem Ausland begrenzen. „Nicht jeder soll machen können, was er will", sagte der Minister. Dafür will er DocMorris und Co. eine Boni-Obergrenze von 2,50 Euro vorschreiben. Wie er diese verankern und juristisch begründen will, ließ er aber offen. Zum Rx-Versandverbot erklärte er, dass es „europarechtlich und politisch unwägbar" sei. Er wolle die flächendeckende Versorgung daher auch „jenseits des Verbotes" stärken. Aus seiner Sicht ist der Boni-Deckel in Höhe von 2,50 Euro europarechtlich machbar. Schließlich entspreche das dem „Argumentationsmuster des EuGH-Urteils". Der EuGH habe schließlich erklärt, dass man Nachteile für EU-Versender beseitigen müsse.
2.Noch nicht bekannt war, dass Spahn DocMorris und Co. nicht nur pro Rezept eingrenzen, sondern auch das gesamte Wachstum der EU-Ver-sender eingrenzen will. Konkret soll es eine Marktanteil-Obergrenze von
5 Prozent geben. Überschreiten die EU-Versender diese Grenze, sollen die Boni-Möglichkeiten laut Spahn eingegrenzt werden. Denkbar wäre dann beispielsweise, dass gar kein Rabatt auf Rx mehr gewährt werden darf. Aber auch hier blieb völlig unklar, wie das BMG diese Maßnahme juristisch begründen und umsetzen will. Fraglich ist auch, wie man die
Marktanteile der EU-Versender überhaupt objektiv messen würde. Denn heute liegen höchst unterschiedliche Zahlen dazu vor, teilweise sind diese auch interessengeleitet.
3. Die Apotheker sollen mehr Geld bekommen. Die Honorarerhöhung will Spahn auf zwei verschiedenen Wegen erreichen: Erstens soll die Notdienstpauschale verdoppelt werden. Im Moment erhalten die Apotheker 16 Cent von den Kassen. Diese
16 Cent wandern in den Nacht- und Notdienstfonds. Von dort aus wird das Geld an die Notdienst-habenden Apotheken ausgeschüttet. Im vergangenen Jahr bekamen die Apotheker auf diesem Weg knapp 114 Millionen Euro - pro Dienst waren das zuletzt etwa 290 Euro. Diese Pauschale soll nun verdoppelt werden, das entspricht also einem Honorarplus von ca 120 Millionen Euro. Zweitens soll es aber neue Dienstleistungshonorare für Apotheker geben. Spahn erklärte nicht konkret für welche Leistungen, nannte als Beispiele Projekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit und Präventionsleistungen. Auch der Ausschüttungsweg blieb zunächst unklar. Auf diesem Weg soll es 240 Millionen Euro mehr geben. Wie DAZ. online bereits berichtete, soll so ein Honorarplus von etwa 360 Millionen Euro zustande kommen. PharmNef
Aktiengesellschaft

4. Ebenfalls unerwartet hat Spahn am heutigen Dienstag angekündigt, dass er die Vergütung für BtM-Abgaben erhöhen will. Nach Informationen von DAZ.online sind dafür weitere 15 Millionen Euro pro Jahr geplant.
Wie geht es weiter?
Spahn und ABDA-Präsident Friedemann Schmidt erklärten am Rande der ABDA-Mitgliederversammlung, dass sie weiter im Gespräch bleiben werden. Nach Informationen von DAZ.online könnten die Regelungen an das Gesetz für Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) eingebunden werden, das das BMG
kürzlich vorgestellt hatte. Spahn erklärte, dass diese Eckpunkte der „Anfang einer Debatte" seien. Änderungen sind also durchaus möglich. Im Januar kommt auch die ABDA-Mitgliederversammlung noch zu einem weiteren Treffen zusammen. Dann soll beraten werden, wie die Standesvertretung mit den Vorschlägen des Ministers umgeht.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftGesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/11/spahn-will-marktanteil-grenze-fuer-doc-morris-co


Spahns Plan B

Datum: 11.12.2018

Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat der ABDA-Mitgliederversammlung seinen Plan B präsentiert: Insgesamt bietet Spahn für den Verzicht auf das Rx-Versandverbot 360 Millionen Euro. Der Not- und Nachtdienstfonds soll von 16 Cent auf 32 Cent je Rx-Packung verdoppelt werden. 240 Millionen Euro will Spahn für neue Leistungen der Apotheker in der Prävention und für AMTS ausgeben. Zusammen mit der bereits vorgeschlagenen Aufstockung des Arbeitspreises für Zyto-Apotheken umfasst das Gesamtpaket einen Wert von 480 Millionen Euro.
Begrenzen will Spahn den Versandhandel am Rx-Arzneimittelmarkt auf 5 Prozent. Sollte der Rx-Versandhan-del in den kommenden Jahren diese Schwelle überschreiten, soll der Boni-Deckel überprüft werden. Wie bereits berichtet, sollen die Boni-Vergabe ausländischer Versandapotheken auf 2,50 Euro je Rx-Arzneimittel begrenzt werden. Inländische Versandapotheken und Vor-Ort-Apotheken sollen wie bisher keine Boni gewäh-
ren dürfen. In der ABDA-Mitglieder-versammlung kündigte Spahn an, zur Umsetzung des Boni-Deckels die Arzneimittelpreisverordnung (AMP-reisV) aus dem Arzneimittelgesetz in das Sozialgesetzbuch V (SGB V) zu überführen. Spahn kündigte zudem an, in Zusammenhang mit der Einführung des eRezepts, den Botendienst für Präsenzapotheken zu erleichtern. Mit diesem Paket soll die Rolle der Vor-Ort-Apotheken im Wettbewerb mit den Versendern gestärkt werden, sagte Spahn. Ein Rx-Versandverbot sei sowohl europarechtlich als auch politisch „unwägbar". Außerdem habe auch der Versandhandel „seine Bedeutung". In den kommenden Wochen müsse jetzt diskutiert werden, ob sein Vorschlag der „Modifizierung des Koalitionsvertrages" auch von den Koalitionsfraktionen mitgetragen werde. Diese seien ebenfalls über seine Vorschläge informiert.
Sein Angebot habe zum Ziel, die Präsenzapotheken „jenseits" des Rx-Versandverbotes zu stärken.
Ende Januar soll Spahn zufolge mit der gesetzgeberischen Umsetzung begonnen werden. Der Gesund-
heitsminister schloss nicht aus, dass seine Vorschläge im Rahmen eines bereits vorliegenden Gesetzespaketes umgesetzt werden könnten. In der ABDA-Mitgliederversammlung machte Spahn klar, dass es im Fall einer Ablehnung seiner Vorschläge keine zusätzliche Honorierung geben werde.
ABDA-Präsident Friedemann Schmidt sagte Spahn eine „konstruktive" Prüfung seiner Vorschläge zu. In der Mitgliederversammlung habe Spahn „offen und transparent" seine Argumente vorgetragen. Der entscheidende Punkt sei, dass die Präsenzapotheken bei der Arzneimittelversorgung die dominierende Rolle behielten und der Versandhandel nur die Ausnahme bleibe. „Der Marktanteil des Versandhandels muss erträglich blieben", so Schmidt. Falls der Rx-Versandhandel über fünf Prozent hinauswachse müsse „nachgesteuert" werden. Der ABDA-Präsident zeigte sich „sehr zuversichtlich" dass man nach ausführlicher Diskussion über Spahns Plan B zu einer „konstruktiven Lösung" komme.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftGesundheitspolitik
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/spahns-plan-b-kein-rx-versandverbot/


Kontaktallergien durch Free Style Libre

Datum: 07.12.2018

Die AkdÄ berichtet seit vergangenem Freitag über bislang fünf Fälle von allergischen Hautreaktionen im Bereich unter dem Einwegsensor des Flash Glucose Messsystems Free Style Libre. Laut Gebrauchsinformation können manche Menschen zwar empfindlich auf die Klebefolie des Sensors reagieren, doch die Ekzeme werden wahrscheinlich durch den Sensor selbst verursacht. Bei der Aufklärung soll sich der Hersteller wenig kooperativ zeigen.
Free Style Libre Flash Glucose Messsysteme messen Glucosespiegel in der interstitiellen Flüssigkeit mithilfe einer feinen, biegsamen sterilen Spitze dicht unter der Haut, die Teil eines Einwegsensors ist. Dieser wird mit einer Klebefolie fixiert und kann bis zu 14 Tage getragen werden.
Die so ermöglichte Glucosemessung in Echtzeit bringt Patienten mit Diabetes mellitus viele Vorteile. Allerdings könnten schwere Hautreaktionen unter Anwendung des Sensorsystems das positive Bild ein wenig trüben. Der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) wurden bis dato fünf Fälle von allergischen Hautreaktionen gemeldet. Ein Dermatologenteam aus Belgien und Schweden untersuchte
bislang bereits 15 Fälle von Patienten mit teils schweren ekzematösen Hautreaktionen (Foto siehe AkdÄ) und konnte anhand von Allergietests zeigen, dass vermutlich der Stoff Isobornylacrylat (IBOA) bei einem Großteil der Patienten für die Hautreaktionen verantwortlich ist. Verschiedene Acrylate sind laut AkdÄ als bedeutsame Kontaktallergene bekannt - zu denen auch IBOA gehören soll. Es wird beispielsweise in Klebstoffen verwendet. Doch IBOA scheint bei Free Style Libre nicht aus der Klebefolie zu stammen, sondern aus dem Sensor selbst. Wahrscheinlich ist das IBOA im Klebstoff enthalten, der die Plastikkomponenten des Sensors miteinander verbindet. Dafür spricht, dass einige Patienten mit Hautreaktionen versucht haben, den Sensor ohne die Klebefolie zu verwenden und sich die Symptome nicht verbessert oder sogar verschlimmert haben. Entsprechend zeigte sich im Allergietest als Reaktion auf IBOA laut AkdÄ eine typische „Crescendo"-Entwicklung
- was als Hinweis auf eine Kontaktallergie (allergische Kontaktdermatitis) gewertet wird. Bei einer irritativen Kontaktdermatitis würde die Hautreaktion nach Entfernen abnehmen. Man vermutet zudem, dass die lange
Tragedauer des Sensors (bis zu zwei Wochen) die Entwicklung einer Kontaktallergie begünstigen könnte. Eine Sensibilisierung bleibt lebenslang bestehen.
Kritik am Hersteller
Aus den Publikationen geht laut AkdÄ hervor, dass der Hersteller von Free Style Libre sich nur sehr zurückhaltend an der Aufklärung der Hautreaktionen beteiligt hat. Die Bestandteile des Sensors gab dieser der Forschergruppe nicht preis. Aus Sicht der AkdÄ sollte sich der Hersteller aktiv an der Aufklärung der gemeldeten Fälle von Hautreaktionen beteiligen, und er sollte daran arbeiten, zum Schutz der Patienten IBOA im Sensor gegen eine weniger allergene Substanz zu ersetzen.
Fälle von Kontaktallergien auf den Free Style Libre Sensor sollen an die Abteilung für Medizinprodukte des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gemeldet werden. Dem Hersteller soll eine Untersuchung des betroffenen Sensors ermöglicht werden. Das gelte vor allem, wenn eine Allergie auf IBOA im Epikutantest bestätigt wurde - die Lösung dazu sollte vom Hersteller des Sensors zur Verfügung gestellt werden.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/07/kontaktallergien-durch-free-style-libre


Droht Italien ein eigener Versandhandelskonflikt?

Datum: 04.12.2018

Die niederländische Versandapotheke Shop Apotheke bietet italienischen Kunden in einem italienischsprachigen Webshop OTC-Präparate an. Mit Blick auf die derzeitige Expansionspolitik der Versender ist das keine große Überraschung. Aber schaut man sich die regulatorischen Gegebenheiten in Italien an, wird schnell klar, dass die Shop Apotheke mehrere Vorgaben nicht einhalten kann, die in Italien zumindest für Apotheker gelten. Droht Italien nun ein eigener Versandhandelskonflikt?
Das italienische Apotheken-Bran-chenportal „Pharmacyscanner" hatte vor einigen Tagen darüber berichtet, dass die niederländische Versandapotheke Shop Apotheke auf einer italienischsprachigen Seite (www. shop-apotheke.it) italienische OTC-Präparate verkauft. Die Firmenadresse auf der Internetseite ist die von Shop Apotheke im niederländischen Venlo, auch das grüne EU-Logo für den sicheren Internet-Versandhandel ist niederländisch und die zuständige Aufsichtsbehörde sitzt laut Webshop ebenfalls in den Niederlanden. Das Unternehmen macht also gar keinen Hehl daraus, dass das Geschäft aus den Niederlanden gesteuert wird.
Seit 2016 in Italien aktiv
Dass das niederländische Unternehmen in Italien aktiv ist, ist nicht neu:
2016 übernahm Shop Apotheke das belgische Versand-Unternehmen Farmaline. Farmaline wiederum hatte bereits mehrere Webshops in südeuropäischen Ländern etabliert.
In Italien ist Farmaline.it nun offle, es gibt nur noch das Angebot der Shop Apotheke selbst. Seit wann der Webshop online ist, ist unklar, das Unternehmen selbst erklärt auf der Seite aber dass es „neu" sei.
Auf welcher rechtlichen Basis funktioniert das Geschäftsmodell?
Hört man sich im italienischen Apothekenmarkt um, besteht aber die Frage, auf welcher rechtlichen Basis die Niederländer ihr Geschäft betreiben. Denn: In Italien ist der Versandhandel strikt reguliert. Erst 2014 wurde der OTC-Versand überhaupt erlaubt, der Rx-Versand ist strengstens verboten. Laut Gesetz drohen Apothekern, die Rx-Arzneimittel versenden, bis zu 10.000 Euro Geldstrafe. Aber auch für den OTC-Versand und den Betrieb eines OTC-Shops gibt es strikte Voraussetzungen: Nur Apotheker und die Betreiber der sogenannten „Parafarmacie" (OTC-Shops) dürfen OTC online verkaufen. Wenn sie dies tun möchten, benötigen sie eine Lizenz des Gesundheitsministeriums, die sie vorher beantragen müssen. Erteilt das Ministerium die Lizenz, dürfen die Versender das EU-Sicherheitslogo auf ihrer Seite
veröffentlichen - erst dann dürfen sie auch im Internet Ware anbieten. Auch aufgrund dieser strengen Regulierung hat der Versandhandel in Italien keinen großen Marktanteil: Nach Informationen von DAZ.online haben zwar mehrere hundert Apotheker eine solche Lizenz. Einen ernsthaften Webshop betreiben allerdings nur etwa 30 Apotheker in ganz Italien.
Rundschreiben des Ministeriums: Preise müssen denen in der Apotheke entsprechen
Doch damit nicht genug: Als der OTC-Versand 2014 erlaubt wurde, hat das Gesundheitsministerium an die Apothekerverbände und die Betreiber der OTC-Shops ein Rundscheiben verschickt, das den OTC-Versand noch weiter reguliert. Das Rundschreiben („circolare") hat zwar keinen rechtlich bindenden Charakter, dient den Apothekern jedoch als Hinweis darauf, wie die Politik den Arzneimittelversand gerne realisiert hätte. In dem Schreiben stehen die folgenden Maßnahmen:
■ Der Preis der online verkauften OTC-Präparate muss dem Preis entsprechen, für den das Arzneimittel auch in der jeweiligen VorOrt-Apotheke des Shop-Betreibers angeboten wird. PharmNef
Aktiengesellschaft

■ Die Apotheker dürfen ihre Ware NICHT auf Seiten anbieten, die nicht ausdrücklich zu ihrer Apotheke gehören. Damit will das Ministerium vermeiden, dass sich sogenannte „Marketplaces" wie Amazon oder Ebay bilden oder - wie in Frankreich - eine gemeinsame Shop-Plattform aufgebaut wird, auf denen Apotheker gemeinsam Produkte verkaufen. Auch der Verkauf über Apps ist laut Rundschreiben nicht erwünscht.
■ Dort ist auch festgehalten, dass Großhändler in den Online-Verkauf nicht verwickelt sein sollten. Damit soll vermieden werden, dass Apotheker zwar eine Internetseite mit OTC-Angeboten aufbauen, der Versand und die Logistik aber vom Grossisten übernommen wird.
■ Damit eng verknüpft ist der Wunsch, dass nur Arzneimittel verkauft werden, die sich zum Zeitpunkt des Versendens schon im Besitz des Apothekers oder OTC-Shop-Betreibers befinden.
Auch in Frankreich geht Shop
Apotheke aggressiv vor
Klar ist: Shop Apotheke kann diese
strengen Vorgaben für die italienischen Apothekenbetreiber nicht einhalten. Das Unternehmen gibt auf seiner Webseite weder eine italienische Apotheke als Basis an und hat auch kein italienisches EU-Sicherheitslogo auf der Seite. Die Vorschriften in dem
- nicht bindenden - Rundschreiben des Ministeriums (Preise, Gestaltung des Webshops etc,) können von Shop Apotheke ebenfalls nicht erfüllt werden.
Wie erklärt das Unternehmen selbst sein Vorgehen in Italien? Mehrere Nachfragen von DAZ.online beim niederländischen Versender zu dem Geschäftskonstrukt liefen ins Leere: E-Mails an die Pressestelle wurden nicht beantwortet, Telefonate abrupt beendet. Auch der italienische Apothekerverband und die Politik haben (zumindest öffentlich) noch nicht reagiert, seitdem das Branchenportal „Pharmacyscanner" auf das italienische Angebot der Niederländer hingewiesen hat. Fest steht aber, dass die Niederländer - ähnlich wie beim Versandhandelskonflikt in Deutschland - einen gewissen Wettbewerbsvorteil gegenüber den italienischen Apothekern haben: In den Niederlanden gibt es solche strikten VersandRegulierungen schlichtweg nicht.
In Frankreich wegen unlauteren Wettbewerbs verurteilt
Dass Shop Apotheke seit einigen Jahren einer aggressiven Expansion in Europa nachgeht, ist auch Frankreichs Apothekern bestens bekannt. In Frankreich gelten ähnlich strenge Einschränkungen für den Versandhandel wie in Italien. Dort hatte Shop Apotheke aber schon vor einigen Jahren eine Kooperation mit dem Versand-Konzern Zalando geschlossen: In den Paketen an Kunden in Frankreich wurden Flyer mitgeliefert, auf denen Rabatte auf Arzneimittel versprochen wurden, wenn diese auf der französischen Internetseite der niederländischen Versandapotheke bestellt wurden. Zwei ApothekerOrganisationen gingen gegen die Werbung gerichtlich vor - und gewannen: Im vergangenen Jahr verurteilte ein Gericht die Niederländer zu einer Geldstrafe wegen unlauteren Wettbewerbs, berichtete die französische Apothekerzeitung „Quotidien Pharmacien".


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche ApothekerZeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/04/droht-italien-ein-eigener-versandhandelskonflikt


Phagro verabschiedet Bernadette Sickendiek

Datum: 06.12.2018

Die langjährige Geschäftsführerin des Bundesverbandes des pharmazeutischen Großhandels, Bernadette Sickendiek, geht zum Jahresende in den Ruhestand. Im Rahmen der Phagro-Mitgliederversammlung am heutigen Donnerstag wird die Juristin feierlich verabschiedet.
Für Bernadette Sickendiek war die Verbandsarbeit für den pharmazeutischen Großhandel nie „nur" Beruf, sondern immer auch Berufung, betont der Phagro anlässlich der Verabschiedung seiner langjährigen Geschäftsführerein. Mehr als 20 Jahre lang führte sie die Geschäfte des Pagro: Zunächst von 1983 bis 1991
- in dieser Zeit war sie auch Justitiarin des Verbands - dann wieder von 2005 bis 2018. In der Zwischenzeit lebte sie 14 Jahre in Lateinamerika. Während ihrer Zeit beim Phagro hat die Juristin Verband und Branchenpolitik geprägt. Ob es um die Diskussion um die Großhandelsspanne oder die Einführung nationaler und internationaler Gesetze ging, die den pharmazeutischen Großhandel betreffen - sie war dabei. Und überdies baute Bernadette Sickendiek ein gut funktionierendes Hauptstadtbüro auf. „Sie hat den Phagro nach innen und außen gut aufgestellt", sagt Verbandsvorsitzender Dr. Thomas Trümper, der seit zwölf Jahren eng
mit Bernadette Sickendiek zusammenarbeitet. „Ihr größter Verdienst", so Trümper, „sind die guten persönlichen Verbindungen, die sie zu Nachbarverbänden, Politik und Ministerien geknüpft hat."
Eine Frau setzt Zeichen
Sickendieck setzt auch Zeichen: Als die Juristin 1983 beim Phagro anfing, waren Frauen in der Geschäftsführung eines Branchenverbands alles andere als alltäglich. „Es war schon die Frage: Soll man eine Frau mit diesem Amt betrauen?", erinnert sich der ehemalige Phagoro-Vorsitzende Otto Weber, damals Geschäftsführer der Ferdinand Schulze GmbH (heute Phoenix Pharmahandel). Doch sie hat ihn überzeugt - auch wenn es Gegenwind im Vorstand gab. „Ich gebe Ihnen ein Jahr", habe einer der Vorstände zu ihr gesagt, erinnert sich Sickendiek selbst. „Ein Jahr ist lang", habe sie geantwortet - und hat es genutzt.
Eigentlich wollte Bernadette Sicken-diek nach dem Abitur Biologie studieren, um als Verhaltensforscherin in Afrika zu arbeiten, verrät der Phagro. Ihr großes Vorbild: die britische Primatenforscherin Jane Goodell. Aber sie bekam keinen Studienplatz und wich daher auf Jura aus. Hier lernt sie die ausgleichende, lösungsorientierte Denkweise der Juristen schätzen. Das
neue Berufsziel: Richterin. „Positionen abwägen und Ergebnisse finden -das hat mir immer gelegen", sagt sie. Auch damit klappt es nicht, denn als sie Ende 1981 das 2. Staatsexamen ablegt, herrscht Juristenschwemme. Und so landet sie beim Phagro. Auch für Bernadette Sickendiek ist die Position als Justitiarin und Geschäftsführerin zunächst ein Test. Eine „Übergangslösung", die acht Jahre lang anhält. Erst 1991 verlässt sie den Verband, weil sie ihrem Ehemann in dessen Heimat Peru folgt.
Oesterle holte Sickendiek ins Großhandelsgeschäft zurück
Als der Phagro Anfang der 2000er Jahre erneut einen Geschäftsführer sucht, lehnt sie ein Angebot zunächst ab. Doch Dr. Fritz Oesterle, damals Vorstand der Celesio AG, lässt nicht locker und 2005 kehrt Bernadette Sickendiek nach Deutschland und zum Phagro zurück. Doch nun soll wirklich Schluss sein beim Phagro.
Im September 2018 haben Michael Dammann und Thomas Porstner das operative Geschäft des Verbandes übernommen. Ende Dezember scheidet Sickendiek aus der Geschäftsführung aus. Ganz aus der Berliner Gesundheitsszene wird sie allerdings nicht verschwinden. So wird sie etwa ihr ehrenamtliches Engagement für die Healthcare Frauen beibehalten.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/06/phagro-verabschiedet-bernadette-sickendiek


Gehe-Hausmarke „gesund leben“ bald für alle Apotheken

Datum: 04.12.2018

Super- und Drogeriemärkte haben sie, aber auch bei anderen Einzelhändlern sind sie verbreitet - und auch bei den Apothekenkooperationen. Die Rede ist von Eigenmarken. In vielen Fällen sind diese Eigenmarken aber den Mitgliedern einer Kooperation vorbehalten.
Der Stuttgarter Großhändler Gehe ändert dies nun und macht seine Hausmarke „gesund leben“ für alle Apotheken zugänglich
Die gleichnamige Eigenmarke der Gehe-Kooperation „gesund leben" umfasst OTC-Arzneimittel wie Schmerztabletten mit Ibuprofen oder Paracetamol, Xylometazolin Nasenspray und Bisacodyl Abführdragees
- Gehe war die erste Apothekenkooperation, die OTC-Arzneimittel unter der Hausmarke herausbrachte. Außerdem umfasst das Sortiment eine ganze Reihe anderer apothekenüblicher Artikel wie Inkontinenzprodukte, Blutdruck- und Fiebermessgeräte, Schwangerschaftstests, Mittel zur Körperpflege und Vitamine.Ab 2019 soll die Sonnencreme-Eigenmarke Solero eingeführt werden. Die „gesund leben"-Eigenmarken wurden bereits mehrfach ausgezeichnet -beispielsweise die letzten fünf Jahre in Folge vom Kooperationskompass
mit dem Titel „Beste Eigenmarke". Zum 1. Januar macht die Gehe diese Artikel nun allen Apotheken zugänglich, auch solchen, die nicht in der Kooperation sind. Im ersten Schritt zunächst nur Gehe-Kunden, voraussichtlich ab April können dann Apotheken, die nicht Großhandelskunden bei Gehe sind, die „gesund leben"-Produkte bestellen - direkt oder sowie über alle weiteren pharmazeutischen Großhändler, die die Produkte vertreiben möchten.
Mit der Einführung reagiere man auf die wachsende Bedeutung von Eigenmarken für Apotheken, heißt es seitens der Gehe. Denn die Kundennachfrage in diesem Bereich sei hoch und wachse stetig. Im zunehmend harten Wettbewerb hätten Apotheken mit etablierten Eigenmarken daher gute Chancen, bestehende Kunden zu binden und neue hinzuzugewinnen, erklärt der Stuttgarter Großhändler in einer Mitteilung.
Apothekenqualität und Beratung
Zwei Komponenten seien dabei für den Erfolg der Vor-Ort-Apotheke wichtig, heißt es weiter. Einerseits Eigenmarkenprodukte, die Apothekenqualität aufweisen, und anderseits die kompetente pharmazeutische Beratung durch das Apothekenteam.
Geschäftsführer Andreas Thiede erklärt: „Die Kombination aus diesen beiden Komponenten verschafft der Apotheke ein Alleinstellungsmerkmal, durch das sie sich - vor allem vom Drogerie- und dem konventionellem Handel - in der Positionierung absetzen kann." Und auch für die Kooperation verspricht sich die Gehe Vorteile von der Maßnahme: „Durch die damit einhergehende höhere Marktdurchdringung wird die Markenbekanntheit und die Markenakzeptanz der Marke bei den Endverbrauchern und Patienten weiter steigen, wovon vor allem die ,gesund leben'-Kooperati-onsapotheken profitieren werden", so Geschäftsführer Thiede.
Die Gehe-Kooperation umfasst laut eigener Aussage etwa 2.100 Apotheken. Sie hatte zuletzt von sich Reden gemacht, weil der Apotheken-Beirat öffentlich die Forderung nach Impfungen in der Apotheke unterstützt hatte. Der „gesund leben"-Beirats-vorsitzende und Inhaber der „Saxonia Apotheke - Internationale Apotheke" in Dresden, Christian Flössner, sagte damals: „Gerade jetzt zur Grippezeit könne die Kompetenz der Apotheker genutzt werden, um die Durchimpfungsrate zu erhöhen”.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/04/gehe-hausmarke-gesund-leben-bald-fuer-alle-apotheken


Großaktionär vergessen - Panne bei Zur Rose

Datum: 03.12.2018

Berlin - Peinliche Panne: Bei der Kapitalerhöhung des DocMorris-Mutterkonzerns Zur Rose wurde die Unternehmerfamilie Frey als Hauptaktionärin vergessen. Obwohl die Gruppe mit 14,5 Prozent größter Einzelaktionär ist und im Vorfeld erklärt hatte, die entsprechenden Anteile zeichnen zu wollen, ging die Transaktion ohne sie über die Bühne. Nun wird nach einer Lösung gesucht.
Die Familie Frey war vor zwei Jahren über ihre Beteiligungsgesellschaft KWE als erster externer Großinvestor bei Zur Rose eingestiegen; bis dahin durfte kein Aktionär mehr als 3 Prozent auf sich vereinen. Doch 2016 musste sich Zur Rose auf die Suche nach frischem Geld machen, denn zum Jahresende lief damals eine Anleihe über 50 Millionen Euro aus, mit der Zur Rose 2012 den Kauf von DocMorris finanziert hatte.
Als Investor dürfte die Familie Frey im Vorfeld des EuGH-Urteils zu Rx-Boni ihre Chance gesehen haben. Nach der erforderlichen Satzungsänderung erwarb KWE für 40 Millionen Franken in zwei Tranchen 22 Prozent der Anteile. Durch den Einstieg des saudischen Königshauses und den Börsengang im Sommer 2017 sank der Anteil auf 14,5 Prozent.
Dieses Paket wollte die Familie auch bei der aktuellen Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Medpex-Übernah-me halten. Um eine Verwässerung
der Anteile zu vermeiden, verkündete KWE schon bei Bekanntgabe der Ausgabe neuer Aktien, im vollen Umfang von den Bezugsrechten Gebrauch zu machen. Diese Absichtserklärung des Hauptaktionärs war natürlich auch als Botschaft an den Kapitalmarkt zu verstehen.
Der Auftrag wurde laut Zur Rose auch ordnungsgemäss bei der Hausbank eingereicht, die den Eingang schriftlich bestätigte, jedoch versehentlich nicht an die mit der Kapitalerhöhung beauftragten Banken übermittelte. Damit wurden die entsprechenden Bezugsrechte nicht rechtsgültig ausgeübt - der Familie Frey beziehungsweise ihrer Beteiligungsgesellschaft KWE wurden in der Folge keine Aktien zugeteilt. Der Anteil sackte damit auf knapp 10,8 Prozent ab.
Somit waren in der Börsenmeldung zum Vollzug die Aktien, die von der KWE gezeichnet werden sollten, nicht enthalten. „Diese Aktien konnten daher bei der Ermittlung der Anzahl Aktien im International Offering auch nicht als während der Bezugsfrist gezeichnet berücksichtigt werden", heißt es von Zur Rose. Statt 41 wären also 59 Prozent der neuen Aktien von bestehenden Aktionären gezeichnet worden; statt einem Drittel hätte sich fast die Hälfte von ihnen an der Maßnahme beteiligt.
Der Investor hat Zur Rose informiert, dass mit der Hausbank zeitnah nach
einer Lösung gesucht wird. Das dürfte alles andere als einfach werden: Zwar sind rund drei Viertel der Aktien von Zur Rose in Streubesitz. Doch der Kauf eines solch großen Pakets -immerhin knapp 4 Prozent - würden den Börsenkurs massiv beeinflussen. Womöglich muss sich die Bank an einen der Finanzinvestoren wenden, die größere Aktienpakete halten. Zur Rose betont, dass der Vorfall weder einen Einfluss auf die geplante Lieferung der neuen Aktien gegen Bezahlung des Angebotspreises am 4. Dezember noch auf die Kapitalstruktur der Gruppe hat.
Im Zusammenhang mit der Übernahme von Medpex, der Nummer 3 im deutschen Markt, wurden knapp 2,7 Millionen Aktien neu ausgegeben.
Wie Zur Rose mitteilte, hatte nur ein Drittel der Aktionäre von ihrem Bezugsrecht Gebrauch gemacht.
Je sieben Aktien hätten die bisherigen Gesellschafter drei neue Aktien zeichnen können. Ein Handel mit den Bezugsrechten war ausgeschlossen; Aktien, die nicht von bestehenden Aktionären gezeichnet wurden, sollten vielmehr durch ein öffentliches Angebot an berechtigte Investoren in der Schweiz sowie durch Privatplatzierungen in bestimmten Ländern außerhalb der Schweiz und den USA platziert werden. PharmNef
Aktiengesellschaft

Nach derzeitigem Stand gibt es - neben Frey und Al Faisaliah - mehrere institutionelle Anleger, die größere Aktienpakete halten, darunter die Finanzinvestoren Wellington und T. Rowe Price sowie Fonds der Vermögensverwalter Patrick Schmitz-Morkramer und Patrick Bierbaum. Neu an Bord sind mit einem Paket von 4,5 Prozent auch Christiane Maria Bülow-Bichler, Ulrich Spindler, Tobias Kindlieb und Frank Müller. Die
Medpex-Gründer hatten einen Teil des Kaufpreises in Aktien von Zur Rose erhalten.
Zu ihrem Vermögen kam die Familie Frey vor allem mit dem Verkauf des Reiseveranstalters Privat Safaris an Kuoni. Über Corisol beziehungsweise deren Finanzvehikel KWE, Swiss Small Cap Invest und VBF beteiligt sich die Familie heute vor allem an mittelgroßen Unternehmen aus der Schweiz, aber auch im Ausland. Vanessa Frey, Jahrgang 1980 und Tochter von Firmengründer Beat Frey,
sitzt im Verwaltungsrat von Zur Rose. Akutell gibt es Beteiligungen unter anderem an Agrotropic, einem Importeur von Blumen aus Überseeländern. In China ist Corisol bei mehreren Firmen an Bord. Außerdem beteiligt sich die Holding an börsennotierten Unternehmen. Beispiele sind Schweiter Technologies und Inficon. In Vietnam ist Corisol etwa an Imexpharm und dem Agrarlieferanten Dabaco beteiligt. In Neuseeland gehören der Gruppe schließlich 18.000 Hektar Wald.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/grossaktionaer-vergessen-panne-bei-zur-rose-versandapotheken/


Takeda übernimmt Shire

Datum: 05.12.2018

Der japanische Pharmariese Takeda schluckt für 62 Milliarden US-Dollar das irische Pharmaunternehmen Shire. Am Mittwoch hat Shire den Deal bekannt gegeben, nachdem auch die Shire-Aktionäre der Fusion zugestimmt hatten. Takeda holt sich mit Shire nun auch Onkologika an Bord.
Bereits im März dieses Jahres hatte der japanische Pharmaunternehmer Takeda Interesse an Shire bekundet. Allerdings war man sich wohl über
den Angebotspreis nicht ganz einig. Am heutigen Mittwoch gibt Shire nun den Abschluss des Deals bekannt. Nachdem 88 Prozent der Takeda-Aktionäre und 99 Prozent der Shire-Aktionäre der Fusion zugestimmt haben, geht Shire für 62 Milliarden US-Dollar (in bar und in Aktien) an Takeda. Das Geschäft soll nun im Januar abgeschlossen sein.
Allerdings sprach sich innerhalb des Takeda-Konzerns nicht jeder für die Übernahme des irischen Pharmaunternehmens Shire aus,
so war die Gründerfamilie dagegen, ihrer Ansicht nach ist der Deal zu kostspielig.
Takeda will Krebssparte von Shire
Mit Shire holen sich die Japaner Krebsmedikamente, Arzneimittel für den Gastrointestinaltrakt und das Nervensystem an Bord. Takeda hat es vor allem auf Produkte abgesehen, die sich in der Spätphase wichtiger Tests befinden. Shire ist die bislang größte Auslandsakquisition durch ein japanisches Unternehmen.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftHersteller
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/05/takeda-uebernimmt-shire


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