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Branchennews

Nachfolgend haben wir die letzten Meldungen aus dem Pharma-Bereich für Sie zusammengefasst

Roche zieht an langjährigem Umsatz-Primus Pfizer vorbei

Datum: 15.06.2020

Roche zieht an langjährigem Umsatz-Primus Pfizer vorbei Wachablösung in der Pharmabranche: Laut einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY hat der Schweizer Pharmakonzern Roche Börsen-Chart zeigen den US-Riesen Pfizer Börsen-Chart zeigen vom Thron gestoßen. Im Ranking der 21 untersuchten Konzerne verdrängte Roche gemessen am Umsatz im Jahr 2019 die langjährige Nummer eins Pfizer von der Spitze. Die US-Amerikaner kamen auf den zweiten Platz, gefolgt von Johnson & Johnson auf Platz drei. Die deutschen Hersteller fanden sich wie in den Vorjahren auf hinteren Plätzen wieder: Bayer landeten an 15. Stelle und Boehringer Ingelheim auf Platz 17. Schlusslicht war erneut der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA Börsen-Chart zeigen. Unter die Lupe genommen hat EY aber auch die jüngsten Entwicklungen in der Pharmabranche nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Weltweit liefern sich Pharmaunternehmen einen Wettlauf auf der Suche nach einem Impfstoff oder einer wirksamen Therapie gegen die neuartige Lungenkrankheit Covid-19. Laut der EY-Untersuchung hat die Pharmabranche innerhalb kürzester Zeit bis Anfang Juni 161 ImpfstoffKandidaten sowie 242 therapeutische Test-Wirkstoffe hervorgebracht. Darüber hinaus wurden weltweit mehr als 700 Corona-Tests entwickelt oder bereits auf den Markt gebracht, wie EY mitteilte. Diese Zahlen änderten sich fast täglich. Nach Einschätzung der Studienautoren hat aber nur ein Bruchteil der Produktkandidaten tatsächlich eine Chance, auf den Markt zu kommen. Pandemie wirkt sich auf M&AAktivitäten in Pharmabranche aus 97 Prozent der derzeit erprobten Impfstoffe dürften nicht das Licht der Welt erblicken, sagte Biotech- und Transaktionsexperte Alexander Nuyken von EY. „Unter den Therapeutika bleiben am Ende drei bis vier Präparate übrig, die angewendet werden.“ Bei der Suche werde deshalb viel Geld vergeblich investiert, denn es gebe „keine Garantie für einen sicheren und wirksamen Impf- beziehungsweise Wirkstoff“. Dem Sieger in diesem Wettrennen winken nach Einschätzung vieler Branchenkenner indes Milliardengewinne. Dies sieht auch Biotech- und Transaktionsexperte Nuyken ähnlich: Für ein Unternehmen, das am Ende einen Impfstoff habe, würde dies zum „Gamechanger“, also zur bahnbrechenden Änderung der Spielregeln, betonte er. An den langfristigen Forschungsplänen der großen Konzerne abseits von Corona dürfte sich laut dem EY-Experten Siegfried Bialojan derweil nichts ändern, wenngleich derzeit die Themen Infektionen und Antibiotika-Resistenzen stärker in den Fokus rückten. Allerdings wirke sich die Pandemie bereits auf das Übernahme- und Fusionsgeschehen in der Branche aus, erklärte Nuyken weiter. Viele Deals würden ausgesetzt, denn im Moment herrsche auf Seiten von Käufern und Verkäufern zu viel Unsicherheit und dadurch auch Uneinigkeit über den Preis. „Die Konzerne warten derzeit eher ab, wie es nach der Sommerpause aussieht.“ Steigende Ausgaben für Impf- und Wirkstoffforschung Auch vor Corona hatte die Pharmabranche im Jahr 2019 laut EY die Forschungsanstrengungen intensiviert. Im Vergleich zu den ohnehin forschungsstarken Biotechunternehmen habe „Big Pharma“ unter hohem Innovationsdruck gestanden. Dabei habe der Entwicklungsschwerpunkt wie schon in der Vergangenheit auf den als besonders lukrativ geltenden Krebstherapien gelegen. So steigerten 16 der untersuchten 21 Konzerne ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In Summe stiegen die Ausgaben um 14,2 Prozent, nach einem Minus von 1,9 Prozent im Vorjahr. Warum viele Unternehmen in die Krebsforschung investieren, zeigt auch ein Blick auf die Geschäftsentwicklung 2019: Die größten Umsätze erzielte „Big Pharma“ in der Onkologie - das Wachstum lag bei einem Fünftel. Insgesamt wuchs der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr auch dank der Einführung neuer Wirkstoffe prozentual knapp zweistellig.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Manager Magazin
Web: https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/pharmabranche-roche-ueberholt-pfizer-bei-umsatz-corona-beschleunigt-forschung-a-1307724.html


Europa steigt ins Rennen um möglichen Impfstoff ein

Datum: 14.06.2020

Europa steigt ins Rennen um möglichen Impfstoff ein Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande wollen für die EU die Versorgung mit einem CoronaImpfstoff sichern. Die vier Länder schlossen mit dem Pharmakonzern AstraZeneca einen Vertrag, um für die EU-Staaten bis zu 400 Millionen Dosen eines in der Entwicklung befindlichen Impfstoffs zu bestellen. Das teilten das Unternehmen sowie die deutsche und die italienische Regierung am Samstag mit. Das Quartett steigt damit in das weltweite Rennen um Mittel gegen das Coronavirus ein, das nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bereits mit mehr als 426.000 Todesfällen weltweit in Verbindung gebracht wird. „Viele Länder der Welt haben sich schon Impfstoffe gesichert, Europa noch nicht“, unterstrich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die vier Staaten hätten sich deshalb zu einer Impfallianz zusammengeschlossen, erklärten das Bundesgesundheitsministerium und der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza. Sie seien mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die an aussichtsreichen Impfstoffen forschten, hieß es im Bundesgesundheitsministerium. Impfallianz mit mehreren ­ Unternehmen im Gespräch Damit Impfstoffe sehr zügig nach einer möglichen Zulassung in diesem oder im nächsten Jahr in großer Zahl verfügbar sind, müssten Produktionskapazitäten schon jetzt vertraglich gesichert werden. In nun geschlossenen Vertrag geht es um bis zu 400 Millionen Dosen des Impfstoffs, den AstraZeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt. Die ersten Dosen sollen bis Ende des Jahres erhältlich sein, kündigte Speranza auf Facebook an. „Das Abkommen stellt sicher, dass Hunderte Millionen von Europäern Zugang zu dem Impfstoff der Universität Oxford haben, wenn er zugelassen wird“, erklärte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot. Man werde rasch eine Produktion in Europa aufbauen. Bis zu 120 Corona-Impfstoffprojekte weltweit Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits ähnliche Abkommen mit Großbritannien, den USA und der internationalen Impfallianz Gavi geschlossen. Mit Indien gebe es einen Lizenzvertrag über die Produktion von einer Billion Impfdosen vor allem für Entwicklungs- und Schwellenländer. Derzeit könne man zwei Billionen Dosen produzieren. Pascal gab zudem bekannt, dass China, Brasilien, Japan und Russland ebenfalls Interesse an einer Vereinbarung zur Versorung mit einem möglichen Impfstoff bekundet hätten. Weltweit wird in mehreren Projekten fieberhaft an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus geforscht. Die Universität Oxford hatte im Mai mitgeteilt, dass sie in die zweite Phase der Erprobung mit rund 10.000 Probanden einsteige. AstraZeneca wies darauf hin, dass der Erfolg der Impfstoff-Entwicklung nicht gesichert sei. Weltweit gab es nach Angaben des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa) im Mai mehr als 120 Impfstoffprojekte, von kleinen Firmen wie Biontech aus Mainz oder Curevac in Tübingen bis zu Konzernen wie Sanofi und GlaxoSmithKline . Möglicherweise könnten viele Anbieter zugleich oder kurz aufeinander Impfstoffe auf den Markt bringen, sagte vfa-Präsident Han Steutel damals. Doch wann tatsächlich ein CoronaImpfstoff zugelassen wird, weiß derzeit niemand. Noch vor wenigen Jahren wurde für die Entwicklung solcher Vakzinen ein Zeitraum von 15 bis 20 Jahren veranschlagt. Neue Technologien können den Prozess zwar beschleunigen, doch nach wie vor muss - neben der Wirksamkeit - auch die Sicherheit eines Wirkstoffes in klinischen Studien bestätigt werden. Remdesivir gilt derzeit als größter Hoffnungsträger Als größter Hoffnungsträger unter den potenziellen Corona-Medikamenten gilt derzeit das Mittel Remdesivir des US-Unternehmens Gilead. Der Biotechnologiekonzern erhielt bereits in den USA die Zulassung für die Verwendung von Remdesivir in Notfällen. Für die EU hat Gilead dies beantragt. Um von einer erfolgreichen Entwicklung profitieren zu können, wird nun aber eine Reihe von Vorverträgen geschlossen. Die EU-Gesundheitsminister hätten am Freitag vereinbart, die Aktivitäten der Impfallianz mit denen der EU-Kommission zusammenzuführen, um die Schlagkraft weiter zu erhöhen, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Die EU-Kommission hatte ihrerseits angekündigt, sich intensiver um die Versorgung mit möglichen Impfstoffen zu kümmern, da man befürchtet, hinter den USA und China zurückzubleiben. Dabei waren ausdrücklich Forschungsarbeiten mit gentechnisch veränderten Organismen genannt worden, mit denen etwa AstraZeneca und Johnson & Johnson arbeiten. „Durch das zügige koordinierte Agieren einer Gruppe von Mitgliedsstaaten entsteht in dieser Krise Mehrwert für alle EU-Bürger. Wir wollen gemeinsam mit der EU-Kommission künftig noch schneller und verhandlungsstärker werden“, sagte Spahn. Deutschland unterstützt zudem die internationale Impfstoffallianz Gavi mit 525 Millionen Euro, die ihrerseits mehrere weltweite Forschungsprojekte zu Corona-Impfstoffen unterstützt und den Impfstoff dann weltweit zur Verfügung stellen möchte. Bei einer Geberkonferenz der EU waren dafür Anfang Mai 7,4 Milliarden Euro gesammelt worden.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Manager Magazin
Web: https://www.manager-magazin.de/politik/europa/astrazeneca-vertrag-ueber-400-millionen-dosen-mit-moeglichem-impfstoff-a-1307699.html


Wissenswertes zu Dexamethason

Datum: 17.06.2020

Wissenswertes zu Dexamethason Apotheker kennen Dexamethason natürlich seit Langem. In Anbetracht des Medienhypes um die positiven Studienergebnisse mit dem Glucocorticoid in einer Covid-19-Studie hier ein paar Fakten zu dem Wirkstoff. In einer Pressemeldung berichtet die Universität Oxford von einem Überlebensvorteil, wenn künstlich beatmete oder zumindest auf Sauerstoffzufuhr angewiesene Patienten mit schwerem Covid-19-Verlauf zusätzlich mit Dexamethason behandelt werden. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Fast alle großen Medien berichten darüber. Die WHO spricht schon von einem »lebensrettenden Durchbruch«. Die Zahlen sind in der Tat positiv. Aber vorerst ist es ratsam, den Ball etwas flacher zu halten, bis alle Daten ausgewertet sind. Dennoch werden mit ziemlicher Sicherheit auch in der Apotheke nun verstärkt Fragen zu Dexamethason auf­kommen. Was ist Dexamethason? Dexamethason ist ein künstliches Glucocorticoid, das seit den 1960erJahren weltweit zum Einsatz kommt. Es besitzt eine etwa 7,5-mal stärkere glucocorticoide Wirkung als Prednisolon und Prednison, im Vergleich zu Hydrocortison ist es 30-mal stärker wirksam, mineralcorticoide Wirkungen fehlen. Wie wirkt Dexamethason? Wie andere Glucocorticoide entfaltet Dexamethason seine biologische Wirkung durch Aktivierung der Transkription von corticoidsensitiven Genen. Die entzündungshemmenden, immunsuppressiven und antiproliferativen Effekte werden unter anderem durch verringerte Bildung, Freisetzung und Aktivität von Entzündungsmediatoren und durch Inhibierung der spezifischen Funktionen und der Migration von Entzündungszellen hervorgerufen. Zusätzlich wird die Wirkung sensibilisierter T-Lymphozyten und Makrophagen auf Targetzellen durch Corticosteroide möglicherweise verhindert. Die Wirksamkeit bei Covid-19 richtet sich gegen den gefährlichen ZytokinSturm, also die immunsuppressive Wirkung wird hier ausgenutzt. Gegen das Virus selbst wirkt Dexamethason nicht. Die Einnahme bei mildem Verlauf hat dementsprechend auch keinen Vorteil gebracht. Und – hoffentlich liest auch Donald Trump mit: Die Prophylaxe mit Dexamethason ist eher schädlich als nützlich. Zu bedenken ist, dass Dexamethason die Immunantwort gegen das Virus bremst und so dazu führen könnte, dass das Virus langsamer eliminiert wird. In einer S1-Empfehlung zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit Covid-19 wird momentan ausdrücklich von einer routinemäßigen Gabe von Steroiden abgeraten. Was sind die Einsatzgebiete von Dexamethason? Diese sind breit gefächert. Beispielsweise wird es systemisch beim schweren akuten Asthmaanfall eingesetzt, beim Hirnödem, beim anaphylaktischen Schock, als orale Anfangsbehandlung von schweren Hauterkrankungen und Autoimmunerkrankungen, bei aktiver rheumatoider Arthritis, in der Palliativtherapie maligner Tumoren sowie in der Prophylaxe und Therapie von postoperativem oder Zytostatika-induziertem Erbrechen. Als Dermatikum wird es auch lokal eingesetzt und in der Augenheilkunde bei verschiedenen entzündlichen Erkrankungen. Bei Covid-19 ist es bisher nicht zugelassen. Haben die Patienten in der Covid19-Studie eine besonders hohe Dosis des Glucocorticoids erhalten? Nein, in der Studie ist sogar von »low dose« die Rede. Die Patienten erhielten über zehn Tag 6 mg Wirkstoff pro Tag – entweder oral oder intravenös verabreicht. Das ist nicht extrem viel. Beispielsweise wird dazu geraten, bei akuten Hauterkrankungen – je nach Art und Ausmaß der Erkrankung – mit Tagesdosen von 8 bis 40 mg zu Beginn zu arbeiten. Für die Palliativtherapie maligner Tumoren sind es initial 8 bis 16 mg pro Tag. Bei länger dauernder Therapie sind 4 bis 12 mg pro Tag empfohlen. Was ist bei der systemischen Therapie mit Dexamethason zu beachten? Einiges. Bei einer Kurzzeittherapie, wie in der Covid-19-Studie, sollte zum Beispiel im Hinterkopf bleiben, dass der Insulinbedarf oder der Bedarf an anderen Antidiabetika bei Diabetikern erhöht sein kann. Eine Entgleisung des Blutzuckers ist bei schwerem Covid-19-Verlauf unbedingt zu vermeiden. Der Blutdruck kann steigen, vor allem bei Patienten mit Herzinsuffizienz ist dabei auf eine mögliche Bradykardie zu achten. Gibt es Wechselwirkungen? Ja. Auch hier ist einiges bekannt. Bei gleichzeitiger Gabe von Aluminiumoder Magnesiumhydroxid kann es zu einer Reduktion der Resorption von Glucocorticoiden mit verminderter Wirksamkeit kommen. CYP3A4Induktoren können die Wirksamkeit von Dexamethason vermindern. CYP3A4-Hemmer machen das Gegenteil. Estrogene können die Halbwertszeit der Glucocorticoiden verlängern und ihre Wirkung verstärken. In Betracht zu ziehen ist auch die Interaktion mit NSAR. Die Gefahr von Magen-Darm-Ulzerationen und -Blutungen wird ­ erhöht. Im Zusammenhang mit Covid-19 unter Umständen wichtig: Zusammen mit Chloroquin und Hydroxychloroquin besteht laut Fachinformation ein erhöhtes Risiko des Auftretens von Myopathien und Kardiomyopathien. Was ist mit dem »F«? Dexamethason ist 9-Fluor-16αmethylprednisolon. Viele Medien suchen zur Berichterstattung gerade in Datenbanken nach einem Dexamethason-Bild. So mancher Anbieter nimmt es hier nicht so genau und jubelt dem Laien ein nicht fluoriertes Derivat unter. Schauen Sie mal nach, ob Sie das »F« immer finden, denn als Apotheker kennt man Dexamethason schließlich aus dem Effeff.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/wissenswertes-zu-dexamethason-118333/


Romosozumab besser als Alendronsäure?

Datum: 16.06.2020

Romosozumab besser als Alendronsäure? Leicht hatte es der OsteoporoseAntikörper nicht – erst im dritten Anlauf schaffte es Romosozumab, den Humanarzneimittelausschuss der EMA zu überzeugen. Dafür erging es dem Sclerostin-Antikörper in Evenity beim IQWiG im Rahmen der Nutzenbewertung neuer Arzneimittel besser: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen attestiert Romosozumab im Vergleich zu Alendronsäure einen beträchtlichen Zusatznutzen. An der Wirksamkeit lag es nicht, denn von einer geringeren Frakturrate unter Evenity® war die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) überzeugt. Dass die Zulassungsempfehlung für Romosozumab zur Behandlung manifester Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit deutlich erhöhtem Frakturrisiko drei Anläufe beim CHMP brauchte, lag daran, dass der Humanarzneimittelausschuss die kardiovaskuläre Sicherheit des Sclerostin-Antikörpers bezweifelte. Man einigte sich darauf, dass eine Beschränkung der RomosozumabTherapie auf Frauen ohne Herzinfarkte und Schlaganfälle in der Anamnese das Risiko kardiovaskulärer Nebenwirkungen verringert und bei einer solchen Einschränkung die Vorteile von Evenity® die möglichen Risiken überwiegen. Diese Einschränkungen finden sich nun in den Kontraindikationen des Osteoporose-Antikörpers. Zwölf Monate Romosozumab gefolgt von Alendronsäure Die Wirksamkeit ist immer eine Sache. Die andere Frage dreht sich nach der Zulassung um die Erstattung seitens der Krankenkassen, wobei auch in diesem Punkt die Wirksamkeit im Vergleich zu einer zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht außen vor ist. Im Rahmen der Nutzenbewertung neuer Arzneimittel hat sich nun, im Auftrag des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss), das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Romosozumab angeschaut. Als Vergleichstherapien wurden Alendronsäure, Risedronsäure, Zoledronsäure, Denosumab oder Teriparatid definiert. Letztlich wurde zur Bewertung des Zusatznutzens von Romosozumab die Studie ARCH, eine randomisierte, doppelblinde, multizentrische Studie, herangezogen. ARCH vergleicht eine Behandlung mit Romosozumab gefolgt von Alendronsäure mit Alendronsäure allein. Die Studienpopulation umfasste postemenopausale Frauen, primäre Endpunkte waren das Auftreten neuer klinischer Frakturen und neuer vertebraler, also die Wirbelsäule betreffende, Frakturen. Weitere patientenrelevante Endpunkte waren die Gesamtmortalität sowie Morbidität und Nebenwirkungen. Beträchtlicher Zusatznutzen Für den Endpunkt „klinische vertebrale Frakturen“ zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen, und zwar zum Vorteil von Romosozumab gefolgt von Alendronsäure. Daraus ergibt sich für das IQWiG ein Hinweis auf einen Zusatznutzen von Romosozumab im Vergleich zu Alendronsäure allein. Auch für den Endpunkt „major nicht vertebrale Frakturen“ zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen wieder zum Vorteil von Romosozumab gefolgt von Alendronsäure. Auch daraus leitet das IQWiG einen Hinweis auf einen Zusatznutzen von Romosozumab im Vergleich zu Alendronsäure ab. Doch wie hoch ist der Zusatznutzen einer Romosozumab-Behandlung gefolgt von Alendronsäure? Romosozumab Romosozumab verfolgt einen völlig neuen Therapieansatz bei Osteoporose. Der Antikörper richtet sich gegen Sclerostin, ein Protein, das ausschließlich von Osteozyten gebildet und ein negativer Regulator der Knochenbildung ist: Es blockiert die knochenbildende (osteoanabole) Funktion der Osteoblasten. Bei Osteoporose überwiegt bekanntermaßen der Knochenabbau den Aufbau. Durch Blockade von Sclerostin mit Romosozumab soll der Knochenaufbau gefördert werden. Das IQWiG kommt zu dem Schluss: „Für postmenopausale Frauen mit manifester Osteoporose und deutlich erhöhtem Frakturrisiko findet das IQWiG einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Romosozumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Alendronsäure.“ Kein Zusatznutzen bei Sterblichkeit Keinen Zusatznutzen von Romosozumab verglichen mit Alendronsäure erkennt das IQWiG jedoch bei der Mortalität. Auch bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und bei den Nebenwirkungen lautet das Fazit: Kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Die Daten eigneten sich nicht, um die gesundheitsbezogene Lebensqualität abzubilden beziehungsweise bei den Nebenwirkungen (schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen [SUE], Abbruch wegen SUEs, Osteonekrose des Kiefers und Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts) zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Romosozumab und Alendronsäure. Die Jahrestherapiekosten beziffert das IQWiG mit etwa 10.800 Euro, für eine antiresorptive Behandlung mit Alendronsäure liegen die Kosten bei circa 200 Euro jährlich. Der Gemeinsame Bundesausschuss will Anfang September 2020 endgültig über die Nutzenbewertung entscheiden.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/06/16/romosozumab-besser-als-alendronsaeure


FDP drängt auf mehr Transparenz

Datum: 18.06.2020

FDP drängt auf mehr Transparenz Wie geht es weiter mit dem VorOrt-Apothekenstärkungsgesetz (VOASG)? Die Bundesregierung verweist auf konstruktive Gespräche mit der EU. Doch ob es inhaltlich wirklich Fortschritte gibt, ist mehr als ungewiss. Vor wenigen Tagen erst hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin Hoffnung bei den Apothekern geweckt. Die Gespräche mit der EU-Kommission zum VOASG ließen sich »gut und konstruktiv an«, hatte er bei einer Pressekonferenz erklärt. Ein Ende der Hängepartie rund um das Vorhaben schien damit zumindest wieder in greifbare Nähe gerückt. Zu den inhaltlichen Fortschritten allerdings schwieg sich der Gesundheitsminister aus. Seit rund einem Jahr liegt das Apothekenstärkungsgesetz nun auf Eis, nachdem die Bundesregierung die EU-Kommission um eine Einschätzung der Novelle gebeten hatte. Im Kern geht es in dem Gesetz um die finanzielle Förderung pharmazeutischer Dienstleistungen, aber auch um ein Rx-Boni-Verbot, das ausländische Versender ebenso wie deutsche Apotheken an die hiesigen Preisvorschriften binden soll. Damit berühren die Pläne auch europarechtliche Fragen. Auf eine Antwort aus Brüssel wartet man in Berlin bis heute. Auch wenn Spahn die Gespräche mit EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton lobt, mehren sich inzwischen die Zweifel daran, dass die Angelegenheit auch inhaltlich vorangekommen ist. Bei einer internen Sitzung im Gesundheitsausschuss des Bundestags am Mittwoch jedenfalls kam das Thema Teilnehmern zufolge nicht zur Sprache – und das, obwohl gesundheitspolitische EU-Themen ein Schwerpunkt des Treffens waren. »Auf Tauchstation« Andrew Ullmann, der für die FDP als Obmann im Gesundheitsausschuss sitzt, ist unzufrieden mit dem Vorgehen der Bundesregierung in Sachen VOASG. Er hatte beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vor Kurzem konkret nach dem Stand der Gesprächen mit der EU-Kommission gefragt. In ihrer Antwort bestätigt BMG-Staatssekretärin Sabine Weiss (CDU), dass Spahn und Breton am 11. Juni im Rahmen einer Videokonferenz miteinander gesprochen haben. Demnach war neben der bevorstehenden deutschen EURatspräsidentschaft auch das VOASG Thema der Gespräche. Auf konkrete Inhalte geht allerdings auch sie nicht näher ein. »Das Bundesministerium für Gesundheit befindet sich weiter in einem konstruktiven Austausch mit der Europäischen Kommission«, heißt es stattdessen lediglich. Diese Zurückhaltung stößt bei Ullmann auf deutliche Kritik. Die Bundesregierung gehe weiterhin »auf Tauchstation«, sagte er. Von den verschiedenen angekündigten Gesprächen zwischen Spahn und Breton scheine es nur eines wirklich gegeben zu haben. Und dort sei das Apothekenstärkungsgesetz nur am Rande behandelt worden. »Wann endlich mit einer Einschätzung der EUKommission zu rechnen ist, das lässt die Bundesregierung weiter offen.« Stattdessen arbeite sie erneut hinter verschlossenen Türen. Ullmann drängt auf mehr Transparenz. »Die Debatte zu diesem Gesetz sollte nicht in einem Hinterzimmer, sondern endlich im Parlament geführt werden«, forderte er. Dabei könne man öffentlich Experten zur juristischen Anfechtbarkeit eines Rx-BoniVerbots anhören.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/fdp-draengt-auf-mehr-transparenz-118360/


Zeulner (CSU): „Es gibt gute Gründe für das Rx-Versandverbot“

Datum: 17.06.2020

Zeulner (CSU): „Es gibt gute Gründe für das Rx-Versandverbot“ Die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner will weiterhin für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneien kämpfen – „bis zum Schluss“, wie sie im Gespräch mit DAZ.online bekräftigt. Sie ist überzeugt, dass sich zumindest innerhalb ihrer Bundestagsfraktion eine Mehrheit dafür finden ließe. Gegenüber DAZ.online plädiert sie dafür, die Diskussion erneut aufzurollen. DAZ.online: Frau Zeulner, gemeinsam mit Ihrem Fraktions- und Parteikollegen Wolfgang Stefinger haben Sie sich zuletzt nochmals öffentlich für die Umsetzung des Rx-Versandverbots ausgesprochen. In der Apothekenbranche war der Glaube an das Verbot zuletzt stark geschrumpft. Welches sind die Beweggründe Ihrer Initiative zu diesem Zeitpunkt? Zeulner: Es gibt viele gute Gründe für das Rx-Versandverbot. Für mich war es immer das Mittel der Wahl, um auf den Wettbewerbsnachteil für die Vor-Ort-Apotheken zu reagieren. Einer der wichtigsten Beweggründe für mich persönlich ist der Koalitionsvertrag, der vorsieht, dass wir uns für das Verbot einsetzen werden. Das dann auch zu tun und nochmal initiativ zu werden, ist für mich ein Zeichen von verlässlicher Politik. DAZ.online: Sie haben damals für die CSU an den Verhandlungstischen gesessen … Zeulner: Richtig. Ich war dabei und kann mich erinnern, wie wir Fachpolitiker der Union für das Verbot gekämpft haben. Ich bin vertragstreu und würde die Diskussion rund um das Rx-Versandverbot jetzt gerne erneuern und wieder anstoßen. DAZ.online: Warum fordern Sie das gerade jetzt? Liegt das auch am Einsatz der Apotheken in der Coronakrise? Zeulner: Wie gesagt, das Verbot war für mich schon vorher das Mittel der Wahl. Aber die Krise hat mir nochmals verdeutlicht, wie wichtig der Einsatz für eine Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung mit Apotheken vor Ort ist. Denn die Apotheken sind ein Grund dafür, dass wir aus der Krise bisher so glimpflich wieder herausgekommen sind. Gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten haben die Apotheker durchgehend dafür gesorgt, dass wir einen niedrigschwelligen Zugang zu jeder Tageszeit zu Heilberuflern hatten und haben. Außerdem stellten die Apotheker innerhalb kürzester Zeit große Mengen Desinfektionsmittel her, einmal mehr haben sie sich als absolut systemrelevant erwiesen. Es geht mir aber auch um weitere politische Forderungen in diesem Zusammenhang. Versandhandel hat nichts mit Digitalisierung zu tun DAZ.online: Was meinen Sie? Zeulner: Wir können aus meiner Sicht nicht einerseits fordern, dass die Medikamentenherstellung aus Gründen der Versorgungssicherheit wieder nach Deutschland und Europa zurückgeholt werden soll und andererseits einen größeren Teil der Versorgung durch Versandhändler ins Ausland verlagern. Wenn Sie sich das von der ABDA bei dem ehemaligen Verfassungsrichter Prof. Dr. Dr. Udo di Fabio in Auftrag gegebene Rechtsgutachten anschauen, dann werden Sie auch feststellen, dass es beim Rx-Versandverbot keineswegs um Protektionismus geht, sondern um das Interesse der Bundesrepublik, die eigene Arzneimittelversorgung zu sichern und sie kontrollieren zu können. Der Staat hat einen Versorgungsauftrag an die Apotheken weitergegeben. Es ist also in seinem Interesse und auch in seiner Verantwortung, dass die Arzneimittelversorgung zu jeder Zeit gewährleistet ist. Erster Ansprechpartner in der Arzneimittelversorgung müssen daher auch die Apotheken bleiben. DAZ.online: Das Thema „Kontrollieren“ ist ja ein bekanntes im Versandhandelskonflikt. Denn die deutschen Behörden haben keinerlei Kontrollmöglichkeiten in den großen Versandkonzernen hinter der Grenze. Wie bewerten Sie das? Zeulner: Selbst wenn in den Versandhäusern noch alles gut und richtig läuft, haben wir auch hierzulande keinen Einblick in die Versorgung – nämlich in dem Moment, wenn das Paket an den Paket-Zustelldienst übergeben wird. Das viel zitierte Beispiel mit dem Insulin im sommerlichen Garten ist ja gut bekannt. Arzneimittel können nicht wie DVDs oder Bücher ausgeliefert werden, sie sind ein besonders schützenswertes Gut. Die Auslieferung ist ja übrigens genauso gut über den Botendienst der Apotheken vor Ort möglich, hier haben wir ja vorgegeben, unter welchen Qualitätsanforderungen der Botendienst angeboten werden muss. DAZ.online: Viele Gegner des RxVersandverbots, darunter Ihr Fraktionskollege und Minister Jens Spahn, aber auch Ihre Parteikollegin Dorothee Bär, sagen ja, dass man das Verbot im Zeitalter der Digitalisierung nicht umsetzen könne, weil dies der digitalen Gesamtentwicklung widerspräche. Was entgegnen Sie diesem Argument? Zeulner: Ganz einfach: Der Rx-Versandhandel hat für mich überhaupt nichts mit Digitalisierung zu tun, das ist klassischer Versandhandel, wie er schon seit Jahrzehnten auch von anderen Versandhäusern in anderen Wirtschaftszweigen betrieben wird. DAZ.online: Sehr aufmerksam haben Sie ja sicher auch die Diskussionen innerhalb der Apothekerschaft verfolgt. Die ABDA erklärt, dass sie weiterhin „vorbehaltlos“ hinter dem Rx-BoniVerbot von Minister Spahn steht und dass das Rx-Versandverbot nur noch eine Alternative sei. Fühlen Sie sich also etwas alleingelassen von den Apothekern an dieser Stelle? Zeulner: Ich habe in meinen Gesprächen mit der ABDA und anderen Vertretern der Apothekerschaft auf Landesebene stets gehört, dass man weiterhin hinter dem Rx-Versandverbot steht. Auch für die ABDA ist das Rx-Versandverbot weiterhin das Mittel der Wahl. Aber natürlich ist es in der Politik so, dass man bei Meinungsunterschieden Kompromisse finden muss. Und aufgrund der Wichtigkeit des Themas lohnt es sich auch weiter dafür zu kämpfen. Ist das RxVV politisch machbar? DAZ.online: Es gibt ja weiterhin juristische Zweifel am Rx-Versandverbot, auf die auch Minister Spahn immer wieder verwiesen hat. Wie gehen Sie damit um? Zeulner: Ich bin mir sicher: Jede Lösung, die wir finden und vorschlagen, wird letztlich beklagt. Deswegen würde ich es versuchen und es auf ein weiteres Verfahren ankommen lassen. Es wird dann die entscheidende Aufgabe sein, den Gerichten genügend Argumente für eine Legitimität des Versandhandelsverbots vorzulegen. Entscheidend ist, dass deutlich wird, dass wir in Deutschland bei der Arzneimittelversorgung ein komplexes ineinandergreifendes nationales System haben, das den Gesundheitsschutz der Bevölkerung als obersten Schutzzweck hat. Hier ist es meiner Ansicht nach ein berechtigtes nationales Interesse, dass der Zugriff der EU in unser Gesundheitssystem eingeschränkt wird. DAZ.online: Es bleiben aber die Widerstände in der Koalition und selbst in Ihrer eigenen Fraktion. Herr Spahn hat mehrfach klargestellt, dass mit ihm das Verbot nicht machbar sei. Zeulner: Sowohl Gesundheitsminister Spahn und ich als auch die Unionsund die SPD-Fraktion haben eine feste, gemeinsame Grundlage: Es ist von allen anerkannt, dass die inhabergeführte Apotheke vor Ort ein wichtiger Bestandteil der flächendeckenden Versorgung ist und geschützt werden sollte. Die berufsethische Gemeinwohlverantwortung der Apotheker liegt unserem System zugrunde. Wir sind uns auch einig, dass wir die solidarischen Grundprinzipien unseres Gesundheitssystems erhalten wollen – das Gemeinwohl geht vor den Verdienstinteressen Einzelner, daher auch die Festpreisbindung. Wenn es um das Rx-Versandverbot geht, stelle ich fest, dass viele Fraktionskollegen diese Position weiterhin unterstützen. Und auch bei der SPD haben sich viele Landespolitiker bereits für das Verbot ausgesprochen. Dazu kommt, dass auch der Bundesrat im letzten Jahr mehrheitlich für ein Versandhandelsverbot gestimmt hat. DAZ.online: Was werden Sie jetzt ­weiter unternehmen? Zeulner: Wir werden das Thema koalitionsintern diskutieren. Aber ich bin mir sicher, dass es zumindest in meiner Fraktion eine Mehrheit für das Rx-Versandverbot gäbe. Ich möchte in die Debatte einbringen, dass es in dieser Diskussion eben nicht um eine Kleinigkeit geht, wir stehen an einem Scheideweg. Denn wenn wir jetzt unser solidarisches Gesundheitssystem mit Boni-Gewährung verwässern, wird das späteren Generationen auf die Füße fallen. Es lohnt sich für mich daher, bis zum Schluss für das RxVersandverbot zu kämpfen. DAZ.online: Frau Zeulner, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/06/17/zeulner-csu-es-gibt-gute-gruende-fuerdas-rx-versandverbot


Krankenhausapotheken sollen ihre Vorräte aufstocken

Datum: 15.06.2020

Krankenhausapotheken sollen ihre Vorräte aufstocken Nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollen Krankenhausapotheken und Krankenhaus-versorgende Apotheken spätestens bis 31. Oktober 2020 ihre Vorräte an wichtigen Medikamenten für die intensivmedizinische Versorgung von COVID-19-Patienten von einem Bedarf für zwei auf drei Wochen aufstocken. Ein entsprechender Verordnungsentwurf liegt DAZ.online vor. Die Coronavirus-Pandemie hält die Kliniken in Deutschland auf Trab. Zuletzt drohte das gängige Narkosemittel Propofol knapp zu werden, das unter anderem für die Versorgung von Beatmungspatienten wichtig ist. Nach Einschätzung vieler Experten könnte im Herbst eine zweite Welle anstehen. Dafür sollen sich die Krankenhausapotheken jetzt rüsten. In dem Referentenentwurf einer Verordnung zur Erhöhung der Bevorratung mit Arzneimitteln zur intensivmedizinischen Versorgung (IST-ABV), der DAZ.online vorliegt, ordnet Spahn an, dass Krankenhausapotheken und Krankenhaus-versorgende Apotheken bestimmte Arzneimittel ab 31. Oktober dieses Jahres in ausreichenden Mengen für drei statt wie bisher zwei Wochen vorrätig halten sollen. „Diese Verordnung dient der Sicherstellung der intensivmedizinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern während der vom Deutschen Bundestag am 28. März 2020 festgestellten epidemischen Lage von nationaler Tragweite“, heißt es in dem Entwurf. Die Ermächtigungsgrundlage findet sich in § 5 Abs. 2 Infektionsschutzgesetz. 14 Wirkstoffe betroffen Insgesamt listet das Bundesgesundheitsministerium neben Propofol 13 weitere Wirkstoffe, die davon betroffen sind. Darunter fallen die Schmerzmittel Morphinsulfat, Sufentanil und Novaminsulfon sowie die Antibiotika Piperacillin/Tazobactam und Meropenem. Auch Adreanlin, Noradrenalin sowie die Antikoagulanzien Argatroban und Heparine müssen demnach verstärkt an Lager genommen werden, zudem Amiodaron, Clonidin, Midazolam und das Sympatholytikum Esmolol. Es handelt sich jeweils um die intravenös zu verabreichenden Arzneiformen. Die Verordnung tritt am Tag nach ihrer Verkündung im Bundesanzeiger in Kraft. Ihre Geltungsdauer endet mit der Aufhebung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite, spätestens aber am 31. März 2021.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/06/15/krankenhausapotheken-sollen-ihre-vorraete-aufstocken


Bund puscht Curevac mit 300 Millionen Euro

Datum: 15.06.2020

Bund puscht Curevac mit 300 Millionen Euro Berlin - Im Rennen um einen CoronaImpfstoff bekommt der Tübinger Impfstoffentwickler Curevac weitere massive Unterstützung von der Bundesregierung. Wie das Bundeswirtschaftsministerium, Curevac und sein Hauptinvestor Dievini, der dem SAP-Gründer Dietmar Hopp gehört, erklärten, steigt der Bund für 300 Millionen Euro mit einer Beteiligung von rund 23 Prozent ein. Die Anteile hält die bundeseigene Förderbank KfW. Laut Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wird der Staat keinen Einfluss auf geschäftspolitische Entscheidungen nehmen. Altmaier sagte, die Beteiligung sei industriepolitisch von hoher Bedeutung. Wichtige Forschungsergebnisse und Technologien würden in Deutschland und Europa gebraucht. Hintergrund sei auch das Konjunktur- und Zukunftspaket der Bundesregierung in der Corona-Krise. Hopp erklärte, er freue sich, dass auch von staatlicher Seite die Bedeutung der Biotechnologie erkannt und diese Schlüsselindustrie über die frühe Forschung hinaus unterstützt werde. Durch die Beteilung des Bundes über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden die bisherigen Anteile der Eigentümer „verwässert“, das heißt deren Anteile verringern proportional. Die im Rahmen einer Kapitalerhöhung zu vereinnahmenden Finanzmittel sollen demnach für die weitere Entwicklung der proprietären Pipeline und mRNA-Plattformtechnologie und den Ausbau der Geschäftstätigkeit verwendet werden, wie es hieß. Curevac gehört neben Moderna und dem Mainzer Biontec zu den drei Forschungsfirmen, denen derzeit die besten Chancen für die schnelle Entwicklung eines einen Impfstoff zur Bekämpfung des SARS-CoV-2-Virus eingeräumt werden. Alle drei arbeiten mit der sogenannten MessengerRNA-Methode. Die Biotechfirma hatte Mitte Mai positive präklinische Ergebnisse zu ihrem Projekt veröffentlicht. Noch im Juni sollten erste klinische Studien mit gesunden Freiwilligen starten. Curevac war im März in die Schlagzeilen geraten, weil die US-Regierung angeblich Interesse an der Gesellschaft gehabt haben soll. US-Präsident Donald Trump sollte der Firma einem Medienbericht zufolge einen hohen Betrag angeboten haben, um sich deren Arbeit exklusiv zu sichern. Das hatten die Tübinger allerdings zurückgewiesen. Hopp erklärte dazu: „Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage.“ Die Bundesregierung hatte erst kürzlich die Außenwirtschaftsverordnung verschärft, um Unternehmen, die Arzneimittel und Impfstoffe „Made in Germany“ herstellen, besser vor Übernahmen ausländischer Investoren zu schützen. Damit kann die Regierung bei geplanten Übernahmen von Firmen im Gesundheitssektor früher und genauer hinschauen. Die vom Kabinett beschlossene Änderung der Außenwirtschaftsverordnung sieht eine Meldepflicht vor, wenn Unternehmen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union Anteile von mehr als 10 Prozent an deutschen Firmen erwerben wollen, die Impfstoffe, Arzneimittel oder persönliche CoronaSchutzausrüstung entwickeln oder herstellen. Dies gilt auch für Firmen, die Schutzausrüstung wie MundNase-Masken fertigen oder etwa Beatmungsgeräte.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/coronavirus/bund-puscht-curevac-mit-300-millionen-eurocorona-impfstoff/


BfArM: Engpässe bei Arzneimitteln, Entspannung bei Schutzausrüstung

Datum: 22.05.2020

BfArM: Engpässe bei Arzneimitteln, Entspannung bei Schutzausrüstung Am 13. Mai 2020 besprach sich der Jour fixe beim BfArM zu Liefer- und Versorgungsengpässen in der Coronakrise. Kurz gefasst: Die Versorgungslage in Krankenhäusern und Apotheken ist entspannter, dennoch persistieren Engpässe bei versorgungsrelevanten Arzneimitteln. Zudem könnte der Arzneimittelbedarf durch Wiederaufnahme des OPBetriebs zusätzlich steigen. Auch die Normalstationen will das BfArM nun stärker auf ihre Arzneimittelverbräuche hin überwachen, da die meisten COVID-19-Patienten dort versorgt würden. Die Coronakrise samt ihrer Kontaktbeschränkung trifft auch die Teilnehmer des Jour fixe beim BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zu Liefer- und Versorgungsengpässen. Aufgrund der angespannten Versorgungslage – mit Schutzkleidung, Desinfektionsmittel, zahlreichen Arzneimitteln – wurden die Jour-fixe-Intervalle bereits im März auf einen zweiwöchigen Abstand verkürzt, die Besprechungen finden seither telefonisch statt. Nun hat das BfArM das Kurzprotokoll der letzten Sitzung vom 13. Mai 2020 veröffentlicht. Außerdem wurde vereinbart, sich künftig nur noch alle vier Wochen zu besprechen. Keine Engpässe bei Schutzkleidung und Desinfektionsmittel mehr In manchen Bereichen beobachten die Jour-fixe-Teilnehmer Entspannung: „Die Engpässe bei Schutzkleidung und Desinfektionsmittel konnten behoben werden“, aktuell sei eine GMP-konforme Herstellung sichergestellt und Produktionsausfälle nicht zu erwarten. Auch die Versorgungslage mit Arzneimitteln in Apotheken und Kliniken zeigt sich nach Einschätzung des Jour fixe, „aufgrund der getroffenen Maßnahmen und der sinkenden Anzahl zu behandelnder Patienten in der Fläche generell leicht entspannt“. Die Verordnungszahlen von Hydroxychloroquin und Paracetamol zeigten derzeit ebenfalls keine Auffälligkeiten. Nachdem Ibuprofen, bislang wissenschaftlich unbelegt, in Verdacht geriet, COVID-19-Verläufe zu verkomplizieren und Hydroxychloroquin eine zeitlang als Hoffnungsträger bei Corona-bedingten Erkrankungen galt, war die Nachfrage nach Paracetamol und dem Malariamittel kurzzeitig enorm gestiegen. Dennoch gebe es auch weiterhin Lieferengpässe bei versorgungsrelevanten Arzneimitteln, die für die Behandlung von COVID-19-Patienten benötigt werden. Als Indikator hierfür werden die beim BfArM gemeldeten Lieferengpässen herangezogen. Weitere Lieferengpässe durch OP-Betrieb befürchtet Der überwiegende Teil an COVID19-Patienten kann in den Krankenhäusern auf Normalstationen behandelt werden. Daher prüft das BfArM, ob zusätzlich zum Monitoring des Arzneimittelbedarfs auf Intensivstationen (hier hatte das BfArM mit 2,5-mal mehr Arzneimitteln gerechnet) auch die Entwicklung auf Normalstationen beobachtet werden könnte. Wichtig ist nach Ansicht der Jour-fixe-Teilnehmer auch, dass in den Kliniken zunehmend der Operationsbetrieb wieder aufgenommen wird. „Damit wird der Arzneimittelverbrauch wieder zunehmen“, geben sie zu bedenken. Daher müssten auch weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden, um eine solide Arzneimittelversorgung sicherstellen zu können. Probleme bei der Arzneimittelproduktion macht nach wie vor Indien. Zwar würden sich Lieferengpässe in Deutschland aufgrund des dortigen Lockdowns bislang nicht niederschlagen, doch gingen vermehrt Anfragen beim BfArM dazu ein. Man müsse weiter kritisch bewerten und engmaschig beobachten. Hingegen habe sich die innereuropäische Transportsituation weitgehend normalisiert, der Großhandel könne kontinuierlich beliefert werden und dadurch auch die Apotheken. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) informiert zudem über die „europäischen Ansätze, die Wirkstoffund Arzneimittelproduktion wieder verstärkt in der EU zu etablieren“. BMG prüft weitere Eilverordnung Das BMG prüfe derzeit, ob und gegebenenfalls wie eine erweiterte Bevorratung in den Kliniken durch eine weitere Eilverordnung positiv beeinflusst werden könnte. Die geplante „Medizinischer Bedarf Versorgungssicherstellungs-Verordnung“ (MedBVSV) befinde sich in der fortgeschrittenen internen Abstimmung, ein Verkündungstermin könne nicht genannt werden. Ein BMG-Sprecher erklärte diese Woche auf Nachfrage von DAZ.online, dass sich die Verordnung im Notifizierungsverfahren mit der Europäischen Kommission befinde. Offenbar ist aber bald mit ihrer Veröffentlichung zu rechnen. Welche Wirkstoffe sind knapp? Elf Rückmeldungen erhielt das BfArM auch zu Anfragen bei den pharmazeutischen Unternehmen. Diese waren seit Beginn der Coronakrise angehalten, Arzneimittel, die aufgrund formaler Mängel vernichtet werden sollten, zunächst nicht zu vernichten, damit bei tatsächlichen Versorgungsengpässen notfalls auf die Präparate zurückgegriffen werden kann. Dem BfArM wurden 59 Arzneimittel (zehn verschiedene Wirkstoffe) gemeldet, von denen 17 einen Wirkstoff der ICU-Wirkstoffliste enthielten. In Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung wird entschieden, ob einzelne Arzneimittel für den Verkehr freigegeben werden. Bestehende und sich abzeichnende relevante Engpässe Im Fokus stehen weiterhin insbesondere Wirkstoffe, die in der intensivmedizinischen Versorgung benötigt werden. Eine eigens eingerichtete Taskforce hatte eine Liste mit etwa 20 Wirkstoffen dazu erstellt. Unter anderem fallen Propofol, Midazolam, Morphin, Meropenem, Norepinephrin und Atemkalk darunter. Einzelne Kliniken haben zur Überbrückung von Lieferengpässen, vorzugsweise für den eigenen Bedarf, die Eigenherstellung für Arzneimittel mit verschiedenen Wirkstoffen aufgenommen. Auch das UKE Hamburg will Arzneimittel für Coronapatienten selbst herstellen. Allerdings eignen sich nicht alle Wirkstoff in gleichem Maß für die Eigenherstellung in Krankenhäusern. Propofol ist beispielsweise aufgrund der Lipidfromulierung als Emulsion ein eher schwieriger Kandidat. Hingegen sind Clonidin, Midazolam, Fentanyl und Sufentanil geeigneter. Laut Jourfixe-Protokoll betonten alle Teilnehmer, dass die Eigenherstellung durch Klinken nur als ad hoc-Maßnahme zu verstehen ist und eine ordnungsgemäße Versorgung mit Fertigarzneimitteln der Regelfall sein muss. Entwarnung gibt es auch für Epirubicin und Doxorubicin in der Tumorversrogung. Durch GMP-Zertifizierung einer Herstellungsstätte in Deutschland werde sich nach aktuellem Stand die Versorgungssituation in der nächsten Zeit wieder deutlich


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/05/22/engpaesse-und-entspannung


Expopharm 2020 findet nicht statt

Datum: 22.05.2020

Expopharm 2020 findet nicht statt Nach intensiver Beratung mit der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, dem DAV – Deutscher Apothekerverband sowie mit vielen Aussteller- und Besuchergruppen hat sich die Avoxa Mediengruppe entschlossen, die Expopharm 2020 vom 7. bis 10. Oktober in München abzusagen. Die derzeitige Situation bietet leider weiterhin keine verlässliche Planungsgrundlage, um die Durchführung der Messe – mit verantwortbaren Risiken für alle Beteiligten – weiter zu verfolgen. »Um mögliche Aufwands- und Ausfallrisiken für alle Marktpartner zu minimieren und Planungssicherheit zu gewährleisten, war es uns wichtig, frühzeitig eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen«, so Metin Ergül, Geschäftsführer Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH. »Diese Entscheidung fällt uns besonders schwer, weil die diesjährige Expopharm – nach den bisherigen durch die Covid-19-Pandemie herbeigeführten Einschränkungen des persönlichen Austauschs – von allen Marktpartnern als ideale Dialogplattform und Leistungsschau bewertet wird, um die aktuellen Herausforderungen des Apothekenmarktes zu diskutieren, Lösungen zu präsentieren und gemeinsam zukunftsfähige Perspektiven zu entwickeln.« Maßgeblich für die Entscheidung der Avoxa sind jedoch Faktoren, die über die Frage der Durchführbarkeit der Veranstaltung aus heutiger Sicht weit hinausgehen. Sehr ernst nimmt man insbesondere die Bedenken der Standesvertreter, dass die Apotheker und ihre Mitarbeiter als systemrelevante Versorger mit wichtigen Aufgaben in der Pandemie durch die Teilnahme an einer Großveranstaltung einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt würden. Dies könnte möglicherweise die flächendeckende Versorgung gefährden. »Verantwortungsbewusstes Handeln ist für uns die Maxime bei dieser schwierigen Entscheidung. Aufgrund der pandemiebedingten Unsicherheiten, von denen wir auch in der verbleibenden Zeit bis zum geplanten Expopharm-Termin ausgehen müssen, wäre es deshalb nicht vertretbar, an der Durchführung einer Großveranstaltung mit mehr als 30.000 Teilnehmern festzuhalten«, erläutert Ergül. »Denn die Unsicherheit, ob die Messe durchgeführt werden kann, würde uns alle bis zum letzten Tag begleiten.« Auch die zwischen Avoxa und Messe München geführten Gespräche machten deutlich, dass eine hinreichende Sicherheit für die Durchführbarkeit der Veranstaltung unter verlässlich planbaren Rahmenbedingungen derzeit nicht gegeben ist. »Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit vielen engagierten Apothekern und Marktpartnern intensiv daran, alternative Möglichkeiten des Austauschs und Dialogs zu schaffen. Um diese zu ermöglichen, sind eine Reihe neuer digitaler Formate bereits für die nächsten Wochen geplant. Dazu werden sich Experten bereits Anfang Juni in einem Call for Ideas einbringen können«, so Madlen Bürge, Geschäftsbereichsleiterin Messen und Kongresse der Avoxa Mediengruppe. Die nächste Expopharm findet vom 22. bis 25. September 2021 in Düsseldorf statt. Eine Aussage zum Deutschen Apothekertag (DAT), der traditionell parallel zur Messe stattfindet, wird vonseiten der Avoxa nicht getroffen. Dem Vernehmen nach soll die ABDA in der kommenden Woche darüber entscheiden, ob der DAT stattfindet.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/expopharm-2020-findet-nicht-statt-117732/


Trendwende bei der Organspende?

Datum: 22.05.2020

Trendwende bei der Organspende? Mit der Reform der Strukturen der Organspende vor einem Jahr hat Gesundheitsminister Jens Spahn die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken gestärkt. Aber führt das automatisch zu höheren Spenderzahlen? Bremen. Seit über einem Jahr gilt das „Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende“ – kurz GZSO. Auf die Spenderzahlen hat sich die Änderung des Transplantationsgesetzes vom 1. April 2019 allerdings in seinem Startjahr nicht positiv ausgewirkt. Das zeigen die Zahlen des Jahresberichts 2019 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). So sank 2019 die Zahl der postmortal gespendeten Organe im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent auf 2995 Organe und die Zahl der postmortalen Spender um 2,4 Prozent auf 932 Spenderinnen und Spender im Jahr 2019. Im ersten Quartal 2020 allerdings stiegen die beiden Werte. „Es zeigt sich bisher keine Steigerung der Spenderzahlen im Jahr 2019“, betont Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO. „Im Januar und Februar 2020 hatten wir aber 41 Spender mehr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019, das ist eine Steigerung von 29,3 Prozent.“ Im März 2020 sank die Zahl der Spender jedoch wieder – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 84 auf 79. Dabei haben die Transplantationsbeauftragten der 1238 Entnahmekrankenhäuser mit dem neuen Gesetz deutlich mehr Rechte erhalten – zum Beispiel eine bundesweit einheitliche und refinanzierte Freistellungsregelung von 0,1 Stellen je zehn Intensivbetten in den Entnahmekrankenhäusern, sowie ein Recht auf die Informationen zur Auswertung des Spenderpotenzials oder den Zugang zu den Intensivstationen. Außerdem müssen die Klinikleitungen die Verfahrensanweisungen umsetzen, die vom Transplantationsbeauftragten vorgegeben wurden. Umsetzung braucht Zeit DSO-Vorstand Rahmel wundern die Zahlen nicht. „Die Beauftragten müssen erst benannt, geschult und bezahlt werden. Die entsprechenden Prozesse brauchen Zeit“, erklärt er die Lage. Aber er erkennt auch Fortschritte: „Wir sehen, dass Transplantationsbeauftrage sich viel häufiger an uns wenden, um über potenzielle Spender zu sprechen als noch vor einem Jahr.“ Die Zahl der organspendebezogenen Kontakte mit den Krankenhäusern habe sich von 2018 auf 2019 um 7 Prozent auf 3023 erhöht (siehe nachfolgende Grafik). Allein von Januar bis Oktober lag sie schon bei 2522 (Vorjahreszeitraum 2341). „Unser Eindruck ist auch, dass in den Kliniken auch neue Verfahrensanweisungen entstanden sind, die die Transplantationsbeauftragten unterstützen“, so Rahmel. Auch Dr. Gero Frings, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Transplantationsbeauftragten in NRW e.V. (AG TXB NRW e.V.), sieht die Arbeit der Transplantationsbeauftragten auf einem guten Weg – aber mit Luft nach oben. Zwar hätten 17 Institutionen wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation, die Bundesärztekammer oder die Krankenversicherungsverbände im gemeinschaftlichen Initiativplan Organspende Vorschläge vorgelegt, etwa wie die Ausbildung der Transplantationsbeauftragten harmonisiert werden könne. Kleine Kliniken im Fokus Frings denkt aber an weitergehende Maßnahmen. „Die Fortbildung der Transplantationsbeauftragten sollte bundesweit vereinheitlicht werden, auch um für die Transplantationsbeauftragten eine höhere Durchlässigkeit der DSO-Regionen und Kammerbereiche zu erzielen.“ Darüber hinaus sollte es in jedem Kammerbereich eine Arbeitsgemeinschaft der Transplantationsbeauftragten geben und eine Art Bundesversammlung, schlägt er vor. „Dann hätten wir als Transplantationsbeauftragte eine Grundstruktur.“ Im Mittelpunkt der Bemühungen stünden die kleineren Entnahmekliniken. Frings rechnet hier mit ein bis zwei potenziellen Organspendern pro Klinik und Jahr. „Die Aufgabe der Transplantationsbeauftragten ist klar: Vor allem in den kleineren Krankenhäusern die potenziellen Spender erkennen. Bedenke man die große Menge der kleineren Entnahmekliniken, sei hier ein „gewaltiges Potenzial“ zu heben. „Und ich würde mir wünschen, dass es an den großen Häusern eine Selbstverständlichkeit wird, dass die Transplantationsbeauftragten auch zur Unterstützung der kleineren Häuser parat stehen“, sagt Frings. „Das betrifft auch die Hirntoddiagnostik. Da müssen wir die Strukturen verbessern.“ DTG-Chef eher skeptisch Professor Bernhard Banas, Vorsitzender der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG), sieht in den jüngsten Spender-Zahlen keinen Trend, sondern er hält sie für schwankungs-bedingt und damit auch nicht für besonders aussagekräftig, was die Arbeit der Transplantationsbeauftragten angeht. „Bei jährlich 950.000 Toten und damit 2500 am Tag zählt man in Deutschland durchschnittlich zwei bis drei Spender am Tag. Das ist schon lange so“, sagt Banas. „Ein relevanter Trend wäre es, wenn wir hier das Dreifache oder – wie in Spanien – das Fünffache erreichen würden.“ „Kultur pro Organspende“ wachse heran Ein tatsächlicher Trend hingegen seien die gestiegenen Zahlen der organspendebezogenen Kontakte der Kliniken mit der DSO, sagt Banas. Daran erkenne man, dass die „Kultur pro Organspende“ heranwachse, wie etwa in Spanien. „Dort hat sich die Gesellschaft vorgenommen, durch Transplantationen Leben zu retten, da ist die Frage nach der Transplantation am Lebensende etwas Selbstverständliches“, sagt Banas. „In Deutschland ist eine Transplantation immer noch das Zusammentreffen mehrerer besonders heroischer Einzelfall-Entscheidungen.“ Deshalb glaubt er, Transplantationsbeauftragte hin oder her: „In zehn Jahren werden wir immer noch da stehen, wo wir heute stehen.“


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/Politik/Trendwende-bei-der-Organspende-409661.html


GBA hält Fristen zu 99,7 Prozent ein

Datum: 20.05.2020

GBA hält Fristen zu 99,7 Prozent ein Berlin. Der Gemeinsame Bundesausschuss meldet Vollzug: 99,7 Prozent aller Beratungsverfahren konnten zwischen April 2019 und Ende März 2020 in der gesetzlich vorgeschriebenen Frist abgeschlossen werden, heißt es in einem Bericht, der der GBA jährlich dem Gesundheitsausschuss des Bundestags vorlegen muss. 918 Verfahren hat das Gremium demnach bearbeitet. In 571 Fällen wurden Beschlüsse gefasst, 347 Verfahren laufen noch. Insgesamt 17 Verfahren, 1,9 Prozent aller Beratungsanlässe, dauern mehr als drei Jahre an. Fristvorgaben wurden verschärft Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz hat der Gesetzgeber 2015 die Fristvorgaben für den GBA nachgeschärft. Zudem hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in einzelnen Verfahren, so etwa zur Liposuktion, Scharmützel mit dem GBA wegen vermeintlich zu langer Beratungsverfahren geliefert. GBA-Chef Professor Josef Hecken spart sich denn auch nicht die Spitze, es sei das „Alleinstellungsmerkmal“ der Selbstverwaltung, „evidenzbasiert und unabhängig von tagespolitischer Aktualität entscheiden zu können“. In 111 Fällen im Plan Von den 114 einmalig zu beratenden Verfahren, die mit einer Frist belegt sind, blieb der GBA in 111 Fällen im Plan, in drei Verfahren wurde die Zeitvorgabe gerissen. Alle diese Verfahren betreffen die Qualitätssicherung, unter anderem die politisch hoch umstrittenen planungsrelevanten Qualitätsindikatoren. Zwölf Fälle, bei denen der GBA im letzten Bericht die Frist überschritten hatte, konnten nun doch abgeschlossen werden, so zum Beispiel bei den DMP für Depressionen und Rückenschmerz oder bei der systemischen Therapie für Erwachsene. (fst)


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/Politik/GBA-haelt-Fristen-zu-997-Prozent-ein-409675.html


Stark in Forschung und Export – die Gesundheitsindustrie

Datum: 20.05.2020

Stark in Forschung und Export – die Gesundheitsindustrie Mit einer Bruttowertschöpfung von 81,2 Milliarden Euro liegt die Wirtschaftsleistung der 1,05 Millionen Beschäftigten in der industriellen Gesundheitswirtschaft pro Kopf um mehr als 50 Prozent über dem Durchschnitt der gesamten Gesundheitswirtschaft. Pharma und Medizintechnik leisten einen maßgeblichen Beitrag für Wohlfahrtsgewinne durch Exportüberschüsse. Die industrielle Gesundheitswirtschaft – die wichtigsten Branchen sind Arzneimittel, Medizintechnik und Biotechnologie – nimmt eine Sonderstellung innerhalb der Gesundheitswirtschaft ein: Sie ist in hohem Maße internationalisiert, außergewöhnlich exportstark, extrem arbeitsteilig im internationalen Maßstab und forschungsintensiv. In den vergangenen zehn Jahren hat sich dieser Teil der Gesundheitswirtschaft mit einem jährlichen Wachstum von 4,1 Prozent ähnlich wie die gesamte Branche entwickelt, wobei sich seit 2017 eine Stagnation der Bruttowertschöpfung abzeichnet. Ähnlich verläuft die Entwicklung der Beschäftigtenzahl: Zwischen 2010 und 2017 nahm die Zahl der Mitarbeiter um rund 200.000 auf 1,035 Millionen zu und stagniert seitdem. Überdurchschnittlich hat sich der Außenhandel entwickelt. So stieg der Exportwert zwischen 2010 und 2019 um 48,4 Milliarden Euro auf 118,9 Milliarden Euro; das ist eine jährliche Wachstumsrate von sechs Prozent. Allerdings ist erstmals seit langem ein Rückgang von 900 Millionen Euro im vergangenen Jahr zu beobachten. Fast in gleichem Ausmaß sind auch die Importwerte gestiegen: jährlich um 5,6 Prozent von 48,8 auf 79,9 Milliarden Euro zwischen 2010 und 2019. Exportwert höher als die ­Wertschöpfung Frappierend ist auf den ersten Blick, dass das Volumen des Außenhandels – dies gilt zumindest für den Exportwert – höher ist als die Bruttowertschöpfung der Branche. Wie kann es sein, dass scheinbar mehr Güter exportiert als produziert werden? Die Erklärung liegt in der internationalen Arbeitsteilung. Arzneimittel und ihre Vorstufen sind extrem hochwertige, aber zugleich auch gut transportable Güter; sie queren über viele Fertigungsstufen hinweg mehrmals die deutsche Außengrenze und werden dabei jedes Mal als Export und/oder Import registriert. 11 Mrd. Euro Wertschöpfung entstand im vergangenen Jahr allein in der medizinischen Biotech-Branche. Mit einem jährlichen Wachstum von 5,4 Prozent entwickelt sie sich besonders dynamisch. Inzwischen sind hier fast 76. 000 Menschen beschäftigt. Entscheidend kommt es dabei auf den Saldo zwischen Export und Import an, den Außenhandelsüberschuss: Der ist vor allem in der ersten Hälfte des Jahrzehnts stark gestiegen – von 21,7 in 2010 auf 36,8 Milliarden Euro in 2015 – und stagniert seit 2017 bei rund 39 Milliarden Euro. Biotech wächst überdurchschnittlich Eine überdurchschnittliche Entwicklung hat in den letzten zehn Jahren die gesundheitsbezogene Biotechnologie genommen: Sie verzeichnete durchschnittliche Wachstumsraten von 5,4 Prozent und erreichte 2019 eine Bruttowertschöpfung von elf Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten ist jährlich um 4,8 Prozent auf zuletzt 75.900 gestiegen. Das Niveau der Wertschöpfung je Mitarbeiter liegt mit 145.000 Euro näherungsweise auf dem der Beschäftigten in der Arzneimittelproduktion (164.000 Euro). Eine herausragende Rolle in der Gesundheitswirtschaft, insbesondere aber in der Medizin, spielen Forschung und Entwicklung. Die gesamte Bruttowertschöpfung der Forschung erreichte 2019 9,6 Milliarden Euro, das jährliche Wachstum liegt seit 2010 bei 5,4 Prozent in der industriellen Forschung und bei 4,0 Prozent in der nicht industriellen Forschung. Zwei Drittel der Forschungsleistungen entfallen inzwischen auf die Industrie, allein 44 Prozent auf die Forschung und Entwicklung von Humanarzneimitteln. Von den insgesamt 117.000 Wissenschaftlern sind 53 Prozent an Hochschulen und Einrichtungen des Gesundheitswesens beschäftigt, 29 Prozent in der pharmazeutischen Industrie.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Stark-in-Forschung-und-Export-die-Gesundheitsindustrie-409627.html


Bundesverfassungsgericht weist Eilanträge gegen Impfpflicht zurück

Datum: 19.05.2020

Bundesverfassungsgericht weist Eilanträge gegen Impfpflicht zurück Das Bundesverfassungsgericht hat die Eilanträge von zwei Familien gegen Regelungen des Masernschutzgesetzes zurückgewiesen. Die Eltern von jeweils einjährigen Kindern wollten erreichen, dass diese auch ohne den Nachweis einer Impfung betreut werden dürfen, bis über die ebenfalls eingereichten Verfassungsbeschwerden entschieden ist. Seit dem 1. März gilt: Eltern, deren Kinder in eine Kita, eine Tagespflege oder Schule aufgenommen werden sollen, müssen jetzt nachweisen, dass diese vollständig geimpft oder bereits immun sind. Eine Ausnahme gilt für Kinder, die wegen einer medizinischen Kontraindikation nicht geimpft werden können. Kinder ohne Masernimpfung können vom Besuch einer Kindertagesstätte beziehungsweise der Kindertagespflege ausgeschlossen werden. Ein Schulausschuss ist wegen der bestehenden Schulpflicht hingegen nicht möglich. Gegen Eltern, die ihre in Gemeinschaftseinrichtungen betreuten Kinder nicht impfen lassen, kann aber ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2.500 Euro verhängt werden. Unmittelbar nachdem diese Regelungen des Masernschutzgesetzes in Kraft getreten sind, hatten Ärzte und Eltern angekündigt, Verfassungsbeschwerde gegen die Regelungen zur Impfpflicht einzulegen. Zwei Elternpaare wollten überdies eine schnelle Entscheidung herbeiführen und legten Eilanträge ein, um ihren jeweils einjährigen Kindern eine Betreuung zu ermöglichen, bis über die eigentlichen Beschwerden entschieden ist. Ihre Kinder sind weder gegen Masern geimpft, noch sind sie immun, und es besteht auch keine medizinische Kontraindikation gegen eine Masernschutzimpfung. Doch diese Eilanträge wiesen die Richter der 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts am gestrigen Montag zurück. Grundsätzlich kann das höchste deutsche Gericht einen streitigen Zustand vorläufig durch eine einstweilige Anordnung regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Ist offen, wie eine Verfassungsbeschwerde ausgehen wird, mit der die Aussetzung des Vollzugs eines Gesetzes begehrt wird, muss eine Folgenabwägung nach besonders strengem Maßstab erfolgen: Ein Gesetz darf nur dann vorläufig am Inkrafttreten gehindert werden, wenn die Nachteile, die mit seinem Inkrafttreten nach späterer Feststellung seiner Verfassungswidrigkeit verbunden wären, deutlich schwerer wiegen als jene, die im Falle der vorläufigen Verhinderung eines sich später als verfassungsgemäß erweisenden Gesetzes einträten. Und diese Folgenabwägung fällt nach dem aktuellen Beschluss aus Karlsruhe zum Nachteil der Eltern aus. Ihr Interesse, ihre Kinder ohne Impfung in einer Gemeinschaftseinrichtung betreuen zu lassen, beziehungswiese der Kinder, selbst dort betreut zu werden, trete gegenüber dem Interesse an der Abwehr infektionsbedingter Risiken für Leib und Leben einer Vielzahl von Personen zurück. Wann über die anhängigen Verfassungsbeschwerden entschieden wird, ist noch unklar. Die beschwerdeführenden Eltern werden von der „Initiative freie Impfentscheidung“ und dem Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V.“ unterstützt. Aus ihrer Sicht wird ihnen jede Möglichkeit einer externen Betreuung ihrer Kinder genommen. Beschluss des Bundesverfassungs­ gerichts vom 11. Mai 2020, Az.: 1 BvR 469/20, 1 BvR 470/20


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/05/19/bundesverfassungsgericht-weist-eilantraege-gegen-impfpflicht-zurueck


Bayer-Chef rechnet schon bald mit ersten COVID-19-Arzneimitteln

Datum: 20.05.2020

Bayer-Chef rechnet schon bald mit ersten COVID-19-Arzneimitteln Bayer-Chef Werner Baumann rechnet schon bald mit ersten wirksamen Arzneimitteln gegen Corona-Erkrankungen. „Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Monaten einen Wirkstoff oder mehrere Wirkstoffkombinationen gibt, die den Krankheitsverlauf deutlich abmildern können“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bevor es einen zugelassenen Impfstoff gegen eine SARS-CoV-2-Infektion gibt, wird es voraussichtlich Arzneimittel geben, um COVID19-Patienten zu behandeln. Erst kürzlich hatte Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, erklärt, er rechne noch in diesem Jahr mit einer Arzneimittelzulassung. Nun zeigt sich auch Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender des Bayer-Konzerns, zuversichtlich, „dass es in den nächsten Monaten einen Wirkstoff oder mehrere Wirkstoffkombinationen gibt, die den Krankheitsverlauf deutlich abmildern können“. Denn dann lägen die die Ergebnisse mehrerer Studien vor, die derzeit laufen, sagte er in einem Interview mit der FAZ vom heutigen Mittwoch. Dabei gehe es um Wirkstoffe, die bereits gegen andere Erkrankungen eingesetzt werden. „Sobald klar ist, welche Wirkstoffe helfen können, wird die wichtige Frage lauten, wie wir die Nachfrage schnellstmöglich weltweit bedienen können. Darauf bereiten wir uns bereits vor“, so Baumann. Zudem müsse man die Krankheitsverläufe besser analysieren, um daraus die richtigen Behandlungsmuster ableiten zu können. „Es geht darum mit den richtigen Behandlungsprotokollen das Virus bestmöglich zu bekämpfen – und damit schwere Verläufe deutlich zu minimieren“. Unter den derzeit laufenden Studien mit bekannten Medikamenten unterschiedlicher Hersteller sind auch solche mit Bayer-Produkten, etwa das Malariamittel Resochin und Betaferon. Zudem werden auch verschiedene Kombinationen geprüft. Denn, so Baumann, es werde möglicherweise nicht „den einen Wirkstoff gegen COVID-19“ geben, sondern unterschiedliche Wirksamkeiten in unterschiedlichen Stadien der Krankheit, betonte der Bayer-Chef. „Manche Präparate helfen nicht mehr, wenn sie zu spät gegeben werden. Das bedeutet auch, dass wir Infizierte früh erkennen müssen, um möglichst gute Behandlungserfolge erzielen zu können.“ Was Resochin betrifft, so hat Bayer bereits Millionen Tabletten an die deutsche und amerikanische Regierung gespendet – und das ganz ohne Erwartung einer Gegenleistung, etwa einer Abnahmegarantie, wie Baumann versichert. „Wir sind ein Teil der Gesellschaft und wollen helfen. Alles, was wir an diesem Wirkstoff verfügbar haben und besorgen können, werden wir kostenlos an Regierungsorganisationen abgeben“. Sollte nachgewiesen werden, dass Resochin tatsächlich gegen SARS-CoV-2 wirksam ist, würde man gegebenenfalls auch Kapazitäten umwidmen, um genug produzieren zu können. An den Rohstoffen sollte es jedenfalls nicht mangeln: Die, so Baumann, habe man sich bereits im erheblichen Maße gesichert, „um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein“. Baumann warnt vor „Nationalisierung der Lieferketten“ Wie es für Bayers Gesundheitssparte selbst in der Krise weitergehen wird, ist für Baumann noch nicht abschätzbar. Es habe zwar positive Effekte gegeben, sagt er, etwa eine erhöhte Nachfrage nach Vitaminpräparaten. Aber es ist unklar, wie sich die globalen Lieferketten entwickeln werden. „Es war mitunter schwer, an Vorprodukte zu kommen, weil Regierungen zeitweise den Warenverkehr eingeschränkt hatten“. Auch wenn ein Großteil der Pharmaproduktion Bayers in Europa stattfinde, beziehe man doch viele Vorprodukte aus Asien. Und wie steht Baumann zu der in der Krise lauter gewordenen Forderung, die Arzneimittelproduktion wieder verstärkt nach Europa zu holen, um weniger abhängig den globalen, in der Regel nach Asien führenden Lieferketten zu sein? Hier will der Bayer-Chef Ursache und Wirkung unterschieden wissen: Es gehe nicht um die Lieferfähigkeit von Vorprodukten, sondern um den Umgang mit temporären Exportverboten. „Vor einer Nationalisierung der Lieferketten kann ich nur warnen“, sagt er. Das würde zu zwei Effekten führen: Die Kosten der Produktion würden signifikant steigen und damit auch die Kosten für die Verbraucher. Zudem müsste jedes Unternehmen Kapazitäten zusätzlich selbst aufbauen und ständig vorhalten. Baumann: „Wir dürfen den offenen und globalen Handel nicht grundsätzlich in Frage stellen. Das wäre meiner Meinung nach eine Katastrophe für die Weltwirtschaft.“


Rubrik: Hersteller
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/05/20/bayer-chef-rechnet-schon-bald-mit-ersten-covid-19-arzneimitteln


EMA entscheidet Ende Mai über möglichen COVID-19-Wirkstoff Remdesivir

Datum: 19.05.2020

EMA entscheidet Ende Mai über möglichen COVID-19-Wirkstoff Remdesivir Die Datenlage zugunsten des Virenhemmers Remdesivir ist durchaus umstritten. Dennoch könnte das Mittel demnächst europaweit zugelassen werden. Brüssel. Guido Rasi wählte seine Worte sorgfältig. Denn der Direktor der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wusste natürlich, wie viel Hoffnung in der Coronavirus-Krise auf seiner Behörde und der PharmaIndustrie ruht. Also beließ er es am Montagnachmittag bei einer eher behutsamen Ankündigung vor dem Ausschuss für Umwelt und Gesundheit des Europäischen Parlamentes: „Es könnte sein, dass eine bedingte Marktzulassung für Remdesivir in den kommenden Tagen erteilt wird“, sagte er und fügte hinzu, vorläufige Studien hätten gezeigt, dass das ursprünglich gegen Ebola entwickele Medikament die Genesungsdauer von CoronaPatienten verkürzen kann. Das Problem: Etliche Studien lieferten tatsächlich solche Hinweise, statistisch belastbar und vor allem tragfähig sind die Erhebungen jedoch bisher nicht. Das gilt auch für jene internationale Studie mit mehr als 1000 Covid-19-Patienten, die der Immunologe Anthony Fauci, Chef des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten der USA (NIAID), oft zitiert. Mit Remdesivir waren die Patienten durchschnittlich nach elf Tagen genesen, ohne das Präparat nach 15 Tagen. „Positiver Eindruck“ Dennoch zeigte sich auch der Chef des Robert Koch-Institutes, Lothar Wieler, angetan: „Die Zahlen, die uns zur Verfügung stehen, machen einen positiven Eindruck“, sagt er Ende April. Aber auch er forderte mehr Daten. Der Chefarzt der Infektiologie der Münchner Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, nannte die ersten Erkenntnisse der Behandlung ermutigend. So habe das Medikament etwa bei jedem zweiten Patienten geholfen. „Es ist zwar kein Zaubermittel, kann den Krankheitsverlauf aber positiv beeinflussen“, so Wendtners Fazit. Als wichtigste Erkenntnis der Münchner Mediziner gilt: Remdesivir kann Leben retten. Ersten Studien zufolge lag die Sterblichkeit bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten, die mit Remdesivir behandelt worden waren, bei acht Prozent, in der Vergleichsgruppe ohne diese Therapie waren es zwölf Prozent. Der CDU-Europaabgeordnete und Mediziner Peter Liese zeigte sich ebenfalls optimistisch: „Die bisherigen Untersuchungen haben offensichtlich gezeigt, dass Remdesivir den Krankheitsverlauf abmildert, vielleicht sogar die Todesrate absenken kann und dass die Nebenwirkungen vertretbar sind.“ In Deutschland kann das Medikament bisher nur im Rahmen von Härtefallprogrammen eingesetzt werden. Am 11. Mai empfahl der Humanarzneimittelausschuss der EMA einen breiteren Einsatz. Weiter beobachten Trotzdem wird die EMA nun nur eine bedingte Zulassung empfehlen. Auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“ wollte die Behörde noch nicht sagen, welche Auflagen sie beispielsweise zu Patientengruppen, Alter oder Vorerkrankungen machen werde. Eine bedingte Marktzulassung bedeutet, dass die Experten ein Arzneimittel als wahrscheinlich wirksam und nebenwirkungsarm einstufen, diese Einschätzung muss aber im Rahmen der Behandlung laufend und endgültig verifiziert werden. Auch bei einer bedingten Zulassung übernehmen allerdings die Kassen in Deutschland sofort die Kosten. Somit bleibt nur noch eine wichtige Frage: Wird der US-Hersteller Gilead in der Lage sein, Europa zu versorgen? „Die Firma hat mir versichert, dass sie Remdesivir europäischen Patienten zur Verfügung stellt, wenn die bedingte Marktzulassung erfolgt ist“, bekräftigte Liese. Mit der endgültigen Empfehlung der EMA wird für den 28. oder 29. Mai gerechnet. Die eigentliche Zulassungsentscheidung ergeht danach von der EU-Kommission.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/EMA-entscheidet-Ende-Mai-ueber-moeglichen-COVID-19-WirkstoffRemdesivir-409611.html


ABDA fordert klare Vorgaben für EU-Versandapotheken

Datum: 20.05.2020

ABDA fordert klare Vorgaben für EU-Versandapotheken Im Zuge der Einführung des E-Rezepts werden Versandapotheken aus dem EU-Ausland verstärkt in den deutschen Apothekenmarkt drängen. Die ABDA fordert klare Rechtsvorschriften. Mit dem E-Rezept wird es auch für Versender aus dem EU-Ausland leichter, hierzulande den Markt mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu bedienen. Das PatientendatenSchutzgesetz (PDSG) sieht zwar ein Makelverbot vor und verbietet die Weitergabe der Verordnungsdaten an Drittanbieter. Der ABDA gehen die bisherigen Regelungen aber nicht weit genug. In ihrer Stellungnahme zum Regierungsentwurf des PDSG fordert sie daher unter anderem klare Vorgaben für ausländische Arzneimittelversender. Die Bundesvereinigung begrüßt zwar, dass das Makel- und Zuweisungsverbot auch für ausländische Apotheken gelten soll. Die ABDA sieht es aber als wichtig an, darüber hinaus grundsätzlich an zentraler Stelle zu regeln, »welche anderen Rechtsvorschriften beim Versandhandel mit Arzneimitteln für die ausländischen Anbieter gelten sollen.« Dazu schlägt sie eine Ergänzung des § 73 Absatz 1 Arzneimittelgesetz (AMG) vor, in dem die Einfuhr von Arzneimitteln aus dem Ausland geregelt ist. Vor allem sollen auch die ausländischen Versender aufsichtsrechtlich überwacht werden können. Der Gesetzgeber müsse klare Vorgaben schaffen, welche Rechtsvorschriften beim Versandhandel aus dem EU-Ausland beziehungsweise dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) für die betreffenden Anbieter gelten sollen, heißt es in dem Erläuterungstext der ABDA zur Gesetzesergänzung. Abgesehen von den bereits geplanten klaren Regelungen zum Abspracheverbot nach § 11 Absatz 1 Apothekengesetz (ApoG) bedürfe es darüber hinaus einer »klaren Regelung, welche Normen des deutschen Apotheken- und Arzneimittelrechts als unverzichtbar angesehen werden, wenn Versandhandel mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln aus dem EU-/EWR-Ausland betrieben wird. Eine derartige Regelung sollte in § 73 Absatz 1 AMG verankert werden. In diesem Zusammenhang halten wir es für erforderlich, dass auch Apotheken mit Sitz in einem EU-/EWR-Staat im Interesse des Verbraucherschutzes und der Arzneimittelsicherheit lückenlos und konsequent überwacht werden.« Abgesehen davon möchte die ABDA das Makelverbot noch weiter präzisieren. So fordert die Bundesvereinigung, das im PDSG bereits klar definierte Zuweisungs- und Makelverbot beim E-Rezept auch technisch entsprechend abzusichern. Zudem soll grundsätzlich bereits die Werbung für Vertriebsmodelle unterbunden werden, die gegen ein solches Verbot verstoßen. Bereits in der Vergangenheit habe es sich im Hinblick auf das Abspracheverbot als schwierig erwiesen, im Einzelfall Verstöße gerichtlich anzugreifen, so die ABDA. Die von den Zivilgerichten geforderten Nachweise konkreter Absprachen oder tatsächlicher Zuweisungen hätten von den klagenden Wettbewerbsschützern und den geschädigten Mitbewerbern häufig nicht beigebracht werden können.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/abda-fordert-klare-vorgaben-fuer-eu-versandapotheken-117724/


Grippeschutzimpfungen: Nordrhein geht voran

Datum: 19.05.2020

Grippeschutzimpfungen: Nordrhein geht voran Berlin - Mit dem Masernschutzgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erhielten die Apotheker die Möglichkeit, ihre Kompetenzen im Rahmen von Modellprojekten für Grippeschutzimpfungen zu erweitern. Inzwischen ist die Bestellfrist für den Grippeschutzimpfstoff für die kommende Saison 2020/21 abgelaufen. Abda-Präsident Friedmann Schmidt hat angekündigt, dass „bald erste Vereinbarungen geschlossen werden sollen“ – es gebe dafür „Sondierungen“. Eine Abfrage von APOTHEKE ADHOC bei den Landesapothekerverbänden (LAV) ergab ein ernüchterndes Bild: Modellprojekte von Apothekern gibt es nicht, in vielen Gegenden gab es noch nicht einmal Kontakte mit Krankenkassen. Nur in Nordrhein gibt es Hoffnung: Dort steht Verbandschef Thomas Preis kurz vor einem Abschluss. Die Pandemiesituation habe „erwartungsgemäß verzögernd gewirkt“, entschuldigt Schmidt die Zurückhaltung bei beim Thema Grippeschutzimpfungen durch Apotheker. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) antwortete bereits Anfang April ausweichend auf die Frage nach dem Fortschritt bei Modellprojekten: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Lösungen für akute Probleme in der aktuellen Corona-Situation für den DAV und die Landesverbände absoluten Vorrang haben. Nichtsdestotrotz gab es bereits erste Kontakte und Gespräche mit Primärkassen auf Landesebene und Ersatzkassen auf Bundesebene. Innerhalb des DAV herrscht Einigkeit darüber, Modellprojekte anhand klar definierter Qualitätskriterien zu initiieren und gewonnene Erfahrungen dabei auszutauschen. Basis und Inhalt von Vertragsverhandlungen mit Krankenkassen werden das Schulungscurriculum und die Leitlinie der Bundesapothekerkammer sein, die bereits veröffentlicht sind.“ Die Abfrage von APOTHEKE ADHOC ergab folgendes Bild: Der LAV Sachsen-Anhalt hat über Modellprojekte zur Grippeschutzimpfungen noch keine Gespräche mit Krankenkassen geführt. Das gilt auch für die Verbände in Rheinland-Pfalz, Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein. Der Bayerische Apothekerverband (BAV) begrüßt zwar die Möglichkeit von Modellprojekten zur Grippeimpfung in Apotheken. Weitergekommen ist man aber auch in München nicht: „Eine erste Kontaktaufnahme mit eventuellen Partnern zur Sondierung der grundsätzlichen Bereitschaft, Aktionen durchzuführen, hat stattgefunden, kann jedoch aktuell nicht fortgeführt werden. Hintergrund ist, dass die aktuelle Corona-Krise derzeit alle Ressourcen bindet“, teilte ein Sprecher mit. Im baden-württembergischen Heimatverband von DAV-Chef Fritz Becker sind immerhin Sondierungsgespräche geführt worden: „Konkrete Verhandlungen gibt es bislang nicht“, so ein Sprecher. In Westfalen-Lippe ist man schon ein Stück weiter: „Derzeit laufen Arbeiten an einem Vertragsentwurf, um damit in Gespräche mit Krankenkassen zu gehen. Erste Vorabgespräche haben stattgefunden.“ Der AVWL sei bereit, den Willen des Gesetzgebers umzusetzen und ein solches Modellprojekt zu starten, um so dazu beizutragen, über die von den Ärzten durchgeführten Schutzimpfungen hinaus die Impfquote zu erhöhen. Die Erfahrungen aus anderen Ländern wie der Schweiz hätten gezeigt, dass sich die Impfquote durch ein niedrigschwelliges Angebot in den Apotheken vor Ort deutlich erhöhen lasse, wobei die Impfungen in den Apotheken nicht die Impfungen durch die Ärzte ersetzten, sondern noch on top kämen: „Der AVWL bemüht sich um eine möglichst breite Beteiligung an dem Projekt.“ Auch in Niedersachsen laufen nach Auskunft des LAV Gespräche mit Krankenkassen. Dort hofft man, vor Jahresende zu einer Vereinbarung zu kommen. In Mecklenburg-Vorpommern steht man nach eigenen Angaben Grippeschutzimpfungen zwar „wohlwollend“ gegenüber. Geplant sei aber derzeit noch nichts. Und in Thüringen zieht man sich auf die Berufsordnung zurück: Diese verbiete Apothekern das Impfen, so Verbandschef Stefan Fink. Außerdem habe man das Thema Grippeschutzimpfungen „nicht dynamisch unterstützt“. Und die Apothekerkammer Brandenburg hatte sogar eine Resolution gegen Modellprojekte verabschiedet: „Impfen ist eine originär ärztliche Tätigkeit und stellt eine komplexe Aufgabe dar, die nicht im Rahmen einer einmaligen Schulung erlernt werden kann“, hieß es bereits letzten November in einer mit der Landesärztekammer wortgleichen Erklärung: „Im Sinne des Patientenschutzes müssen Impfungen daher da stattfinden, wo eine ärztliche Überwachung und notfalls auch Behandlung gewährleistet ist.“ Am weitesten ist man im Apothekerverband Nordrhein. Dort steht man kurz vor einem Abschluss mit der AOK Rheinland/Hamburg. Bereits im Herbst 2019 habe die Kasse ihr Interesse an einem Modellprojekt signalisiert, berichtet Preis: „Diesen Ball haben wir aufgegriffen und sofort tiefgehende Gespräche geführt. Wir wollen möglichst bald ein Modellprojekt starten. Ich hoffe, dass wir die Impfsaison 2020/21 noch schaffen.“ Für den Verbandschef hat das Grippeschutzimpfen in Apotheken große Bedeutung, „auch wegen der Aufgaben, die aus der Corona-Krise auf die Apotheken zukommen.“ Apotheken hätten sich gerade jetzt als wichtige Anlaufstelle empfohlen. Auch ein „ausreichendes“ Honorar soll es laut Preis für Grippeschutzimpfungen in Apotheken geben. Die Höhe will er noch nicht verraten. Bislang verzeichnen die Impfstoffhersteller eine spürbar größere Nachfrage nach Grippeimpfstoff – aber nur aus den Arztpraxen. Wegen der aktuellen Sorgen über die Auslastung von Intensivbetten in Krankenhäusern wegen der Corona-Krisen rechnen die Mediziner offenbar damit, dass die Impfbereitschaft im Herbst deutlich ansteigt. Im schlimmsten Fall könnten im Winter Corona- und Influenza-Patienten mit besonders schweren Verläufen um die Intensivbetten in den Kliniken konkurrieren – womit das Gesundheitssystem selbst bei einer halbwegs kontrollierten Corona-Ausbreitung schnell wieder an die Belastungsgrenze käme. Ein Zeichen hatte Spahn mit seinem zweiten Corona-Gesetzespaket gesetzt: Ärzte und Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sollen 30 Prozent mehr Grippeimpfstoff ordern können. Schon jetzt hat aber ein Hersteller erklärt, dass es für die Produktion zu spät sei und der Mehrbedarf nur aus anderen Ländern umgeleitet werden könne. Bereits für die letzte Grippesaison hatte das PEI mit 21 Millionen Impfdosen mehr Grippeimpfstoff freigegeben als im Jahr zuvor mit knapp 16 Millionen Impfdosen. Wie viele Impfungen durchgeführt wurden, ist noch nicht ausgezählt. In der aktuellen Grippesaison sind gut 100.000 Personen in Deutschland an Grippe erkrankt. 2,1 Millionen waren wegen Verdacht auf Influenza beim Arzt. Und über 160 Erkrankte sind in Deutschland verstorben. Weltweit gibt es 2019/20 nach Schätzungen 10 Millionen stationäre Grippefälle und 650.000 Tote. In der Grippesaison 2018/19 wurden rund 15 Millionen Grippeschutzimpfungen in Arztpraxen durchgeführt. Die Impfquote der über 60-jährigen Risikogruppe lag damit bei 35 Prozent. Um auf über 50 Prozent Impfquote zu gelangen, müssten mindestens 9 Millionen zusätzlich Impfungen durchgeführt werden – ein riesiges Potential für Apotheker. Denn auch wenn die Ärzte davon wenig halten, so zeigt sich doch, dass noch mehr Impfungen in den Praxen kaum zu bewältigen wären. Im Live-Talk mit Gabriele Regina Overwiening hatte Spahn sich die Bemerkung nicht verkneifen können, er sei gespannt, ob die Apotheker im Herbst mit den ersten Modellprojekten mithelfen könnten.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/grippeschutzimpfungen-nordrhein-geht-voran-modellprojekte/


Maskenpflicht: Wenn der Kunde rebelliert

Datum: 01.05.2020

Maskenpflicht: Wenn der Kunde rebelliert Berlin - Bund und Länder wollen nach diesem Wochenende über weitere mögliche Lockerungen der Beschränkungen infolge der CoronaInfektion entscheiden. Das Apothekenpersonal sieht dies jedoch kritisch. Mehr als drei Viertel der Apotheker und PTA (78 Prozent) befürchten durch weitere Lockerungen einen Anstieg der Infektionskurve, wie eine aktuelle aposcope-Umfrage zeigt. Dabei sind viele Apotheken wirtschaftlich selbst auf die Rückkehr der Kundenströme angewiesen. Die Maskenpflicht bringt derweil neues Konfliktpotenzial in die Offizin. Seit Beginn vergangener Woche sind erste Lockerungen der Corona-Regelungen in Kraft, die nach wochenlanger Schließung vor allem im Einzelhandel für Aufatmen gesorgt haben. Sowohl die Bundesregierung als auch Virologen haben jedoch eindringlich davor gewarnt, dass durch diesen ersten Schritt zurück in die Normalität die Zahl der CoronaErkrankungen wieder steigen könnte. Diese Sorge teilen knapp drei Viertel der Umfrageteilnehmer. Sollte es demnächst noch weitere Lockerungen geben, ist die Besorgnis beim Apothekenpersonal sogar noch etwas größer (78 Prozent). Um die Übertragung des Virus einzudämmen, haben inzwischen alle Bundesländer eine Maskenpflicht eingeführt, die sowohl im öffentlichen Nahverkehr als auch beim Einkaufen gilt – das betrifft auch Apotheken. Kunden müssen beim Betreten der Apotheke eine Maske tragen, bei Nichteinhaltung droht je nach Bundesland ein Bußgeld. Fehlt eine Mund-Nasen-Bedeckung bei Kunden, verweigern ihnen derzeit 44 Prozent des Apothekenpersonals den Zutritt. 14 Prozent der Teilnehmer verkaufen den Kunden vor dem Betreten der Offizin eine entsprechende Maske und 8 Prozent bedienen Kunden ohne Maske komplett über die Notdienstklappe. Ein Drittel der Apotheker und PTA (33 Prozent) berichtet außerdem von unangenehmen Situationen in der Offizin wegen Kunden ohne Maske. Um sich selbst und die Kunden zu schützen, geben zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) an, dass in ihrer Apotheke auch alle Mitarbeiter eine Schutzmaske tragen. Das ist allerdings in der Regel nicht verpflichtend. Bereits vor der bundesweiten Maskenpflicht war die Nachfrage nach Schutzmasken und Mund-NasenBedeckungen hoch. Diese hält auch weiterhin an. Laut einem Viertel der Befragten (28 Prozent) kommen etwa 25 bis 50 Prozent der Kunden nur in die Offizin, um eine Maske zu kaufen. Bereits in der vergangenen Woche gab die deutliche Mehrheit der Befragten (83 Prozent) an, in der Offizin wieder einen Vorrat an Masken zum Verkauf zu haben. 70 Prozent der Apotheken haben derzeit sogar die lange Zeit ausverkauften Filtrierenden Atemmasken (FFP2 und FFP3) vorrätig. OP-Masken sind sogar in 82 Prozent der Apotheken vorhanden. Dagegen ist der Vorrat an Alltagsoder Community-Masken in Apotheken eher gering (48 Prozent). Sowohl Filtrierende Masken als auch OP-Masken bezieht das Apothekenpersonal dabei vor allem über Händler oder Zwischenhändler (38 Prozent und 44 Prozent). Aber auch der Großhandel sowie der direkte Bezug vom Hersteller spielen bei rund jedem Vierten (OP-Masken) beziehungsweise jedem fünften Befragten (FFP2 und FFP3) eine Rolle. Nach einem Kundenansturm in den ersten Wochen der Corona-Pandemie sind die Kundenzahlen in vielen Apotheken zuletzt eingebrochen, sodass vielerorts Überstunden abgebaut oder sogar Kurzarbeit angemeldet werden musste. Somit wuchs auch die Sorge um das wirtschaftliche Überleben der Offizin und den eigenen Arbeitsplatz. Dennoch beurteilen zwei Drittel (67 Prozent) des Apothekenpersonals die derzeitige Geschäftslage ihrer Apotheke als sehr gut bis eher gut. Bei einem Vergleich der aktuellen Kundenzahlen mit dem Vorjahr zeigt sich ein gemischtes Bild. Von den 100 befragten Inhabern und Filialleitern berichten 47 Prozent im April 2020 von weniger Kunden als im Vorjahresmonat, während ebenso viele unveränderte oder sogar gestiegene Kundenzahlen verzeichnen. Derzeit wird über eine höhere Kassenpauschale für Pflegehilfsmittel diskutiert, die Pflegende benötigen, um betroffene Angehörige zu Hause zu pflegen. Dazu gehören Produkte wie Betteinlagen, Einmalhandschuhe, sowie Desinfektionsmittel und Schutzmasken, die aktuell zum Teil verstärkt nachgefragt werden. Während die Versorgung mit entsprechenden Produkten bis auf Einmalhandschuhe in den Apotheken überwiegend gesichert ist, ist mit Ausnahme von Betteinlagen bei allen Pflegehilfsmitteln ein Anstieg des Einkaufspreises festzustellen. Besonders betroffen sind davon Schutzmasken, für die laut mehr als drei Viertel der befragten Inhaber (77 Prozent) ein Aufschlag von 100 Prozent oder mehr fällig wird. 30 Prozent der Inhaber berichten, dass der Einkaufspreis von Desinfektionsmitteln seit Beginn der Corona-Epidemie um bis zu 50 Prozent gestiegen ist, laut 40 Prozent sogar um 100 Prozent oder mehr. aposcope befragt seit dem 25. Februar 2020 jede Woche verifizierte Apotheker und PTA online zum Thema Coronavirus. An der aktuellen Umfrage zur „Zahl der Woche“ nahmen am 29. und 30. April 2020 insgesamt 301 Apotheker und PTA teil. Die Umfrage ist repräsentativ für die deutsche


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/coronavirus/maskenpflicht-wenn-der-kunde-rebelliert-apotheken-sehen-lockerungen-kritisch/


DocMorris: Neue Chefapothekerin, neue PR-Chefs

Datum: 30.04.2020

DocMorris: Neue Chefapothekerin, neue PR-Chefs Der EU-Versender besetzt zum morgigen 1. Mai zwei wichtige Positionen neu. Neue Chefapothekerin ist Sonja Thüllen, nachdem Prof. Dr. Christian Franken das Unternehmen verlassen hatte. Ebenfalls nicht mehr bei DocMorris ist Max Müller, der zu Bayer gewechselt ist. Seine Bereiche werden künftig von Torben Bonnke und Benedict Pöttering übernommen. Sowohl Thüllen als auch Bonnke und Pöttering sind schon seit Jahren bei DocMorris. Im Januar dieses Jahres hatte der Versandkonzern aus den Niederlanden mitgeteilt, dass mit Müller und Franken zwei der wichtigsten Manager DocMorris verlassen. Müller habe den Konzern „auf eigenen Wunsch und im besten Einvernehmen zum 30. April 2020“ verlassen, „um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen“, hieß es damals in einer Pressemitteilung. Max Müller ist ab dem morgigen Freitag in der Unternehmenskommunikation des Pharmakonzerns Bayer tätig. Am heutigen Donnerstag teilte DocMorris mit, dass nun beide Stellen neu besetzt worden seien. Die Position des verantwortlichen Apothekers der Versandapotheke übernehme Sonja Thüllen. Die PR-Bereiche würden an Torben Bonnke und Benedict Pöttering übertragen. Dabei verantwortet Torben Bonnke als Director Communication & PR die gesamte externe Kommunikation für das Segment Deutschland der Zur-Rose-Gruppe vom Standort Berlin aus. Den Bereich Public Affairs übernimmt in der Bundeshauptstadt zukünftig Benedict Pöttering, als Director Public Affairs. Konzernangaben zufolge ist Sonja Thüllen seit 2006 als Apothekerin bei DocMorris angestellt. Sie war in den vergangenen drei Jahren Stellvertreterin von Franken. Die Pharmazeutin verfüge über „tiefgreifende Erfahrungen und detaillierte Einblicke in alle relevanten Prozesse des Unternehmens“, heißt es in der Mitteilung. Und weiter: „Neben der Gewährleistung von Qualität und Sicherheit der Apothekenprozesse bei DocMorris wird ihr Fokus besonders auf der Weiterentwicklung von pharmazeutischen Geschäftsmodellen und Projekten liegen.“ Zum beruflichen Hintergrund und Werdegang von Sonja Thüllen teilte der Konzern nichts mit. Kommunikationsbereiche werden neu strukturiert Die bislang von Max Müller geführten Bereiche werden neu strukturiert. Müller war bei DocMorris Chief Strategy Officer (CSO) und für die Kommunikation, Strategie und die Kontakte in der Politik (Regulatory Affairs) verantwortlich. Bonnke und Pöttering steigen mit Müllers Weggang nun ins Führungsteam des Segments Deutschland der Zur Rose-Gruppe auf und teilen sich Müllers Aufgaben. Bonnke werde als Director Communication & PR die externe Kommunikation für das gesamte Unternehmensportfolio im deutschen Markt bearbeiten. Torben Bonnke ist seit 2013 bei DocMorris. Als Director Communication, PR & New Markets hatte er bisher die strategische Verantwortung für die Kommunikation der Apotheke DocMorris inne. Pöttering ist seit 2013 bei DocMorris. Er verantwortete bislang als Head of Public Affairs EU die politische Kommunikation in Brüssel. Benedict Pöttering übernimmt nun als Director Public Affairs die Gesamtverantwortung für den Bereich Public Affairs Deutschland und EU des Segments Deutschland der Zur Rose-Gruppe. Die beiden Führungskräfte berichten direkt an DocMorris-CEO Olaf Heinrich. Weitere Umstellungen im Vorstand Neben den beiden Abgängen hatte es im Januar noch weitere Veränderungen im DocMorris-Vorstand gegeben. Die Medpex-Gründer Frank Müller, Tobias Kindlieb sowie Ulrich Spindler haben seit Jahresbeginn führende Positionen im ManagementTeam übernommen. Zur Erinnerung: DocMorris hatte den Versender Medpex zuvor übernommen. Frank Müller ist jetzt Marketingchef im Deutschland-Geschäft der Zur Rose Gruppe, neuer Technik-Chef ist Tobias Kindlieb und Spindler ist neuer „Chief Integration Offficer“. Das restliche Management-Team von DocMorris bleibt unverändert: CEO bleibt Olaf Heinrich, der auch Deutschlandchef im Zur Rose-Vorstand ist. Finanzchef bleibt Michael Veigel, Bernd Gschaider wurde erst kürzlich als neuer Logistikchef von Amazon geholt.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/04/30/docmorris-neue-chefapothekerin-neue-pr-chefs


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