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Branchennews

Nachfolgend haben wir die letzten Meldungen aus dem Pharma-Bereich für Sie zusammengefasst

Warum sich Google, Amazon und Co. für die Pharma-Branche interessieren

Datum: 27.10.2017

Technologieorientierte Konzerne wie Alphabet/Google, Amazon oder Samsung begnügen sich längst nicht mehr mit ihrem ursprünglichen Kerngeschäft. Zunehmend wagen sie sich auch in den Gesundheitsbereich vor, so in die Entwicklung von Arzneimitteln und Diagnostika. Das könnte eine große Herausforderung für etablierte Unternehmen aus diesen Segmenten werden.
Nicht nur die Automobilbranche macht derzeit einen grundlegenden Wandel durch. Auch in der Gesundheits- und Pharmaindustrie zeichnet sich eine Zeitenwende ab. Während die Entwicklung und Produktion von Arzneimitteln und Diagnostika bislang das Geschäft von etablierten und fokussierten Pharma-, -Biotech und Diagnostikunternehmen war, scheinen zunehmend auch große Technologiekonzerne wie Alphabet
- die Mutterholding von Google -, Samsung oder Amazon diesen Bereich für sich zu entdecken.
Die Entwicklung hat bereits derart an Fahrt aufgenommen, dass sich die britische Großbank HSBC in einer Studie mit dem Titel „Techs and Drugs“ eigens dem Thema widmet. Die Analysten kommen dabei zu dem Ergebnis, dass die Tech-Firmen den Einstieg in die für sie neuen Geschäftsbereiche wesentlich schneller umsetzen als es die dort bereits etablierten Pharma- und Medizintechnikunternehmen getan haben. Zudem gehen sie davon aus, dass die Infiltration der neuen Mitspieler in
die Gesundheitsindustrie weitergehen dürfte. Das wiederum könnte einen grundlegenden Paradigmenwechsel einleiten, die bisherigen Platzhirsche massiv unter Druck setzen sowie erheblichen Einfluss auf die Arzneimittelpreise haben.
Wachstumschampion Samsung
Wie, und vor allem wie schnell, der Einstieg in ein neues Geschäftsgebiet gehen kann, zeigt das Beispiel Samsung Biologics, eine Tochter des südkoreanischen Samsung-Konglome-rats. Das Unternehmen entwickelt sich nach Einschätzung der HSBC-Analysten in großen Schritten zu einem der weltweit größten Auftragsproduzenten für biopharmazeutische Arzneimittel. Samsung Biologics verfüge mittlerweile über bedeutende biopharmazeutische Fertigungsmöglichkeiten. So werde das Unternehmen Ende 2018 bei Brust-krebs-Biopharmazeutika die weltweit drittgrößten Produktionskapazitäten haben. Samsung Bioepis, ebenfalls ein Spross des Samsung-Konzerns und ein Joint-Venture mit dem US-Unternehmen Biogen, hat sich dagegen der Entwicklung von Biosimilars verschrieben. Nur fünf Jahre nach der Gründung verfügt Samsung Bioepis bereits über fünf zugelassene Arzneimittel dieser Klasse in Europa und in den USA. Damit hat die Firma nicht nur ein ungeheures Tempo vorgelegt, sondern sich mit Biosimilars zu Enbrel, Remicade, Humira, Hercept-in und Lantus auch an ausgesprochen erfolgreiche und umsatzstarke Arznei-
mittel herangewagt. Die addierten Jahreserlöse der Originalprodukte brachten es 2016 auf immerhin mehr als 47 Milliarden Dollar. Auch Alphabet hat den Bereich Gesundheit entdeckt. So verweisen die HSBC-Analysten darauf, dass Verily, ein erst Ende 2015 gegründetes Unternehmen aus der AlphabetFamilie, sowohl Arzneimittel- als auch Diagnostik- und Medizintechnik-Ent-wicklungsprogramme in verschiedenen therapeutischen Gebieten verfolgt. Calico, ebenfalls ein Alphabet-Gewächs, hat sich hingegen den altersbedingten Krankheiten verschrieben. Um in diesem Bereich neue Kandidaten und Projekte ausfindig zu machen, hat das Unternehmen niemand Geringeren als den früheren Genentech-Chef Art Levinson angeheuert.
Fujifilms Wandel
Auf dem HSBC-Radar erscheint auch die japanische Fujifilm. Das Unternehmen, einst bekannt für seine Kleinbildfilme, hat die ersten Schritte hin zur Fertigung biopharmazeutischer Wirkstoffe im Jahr 2011 mit der Akquisition von Diosynth sowie von Merck, Sharpe and Dohme Biologics, einem ehemaligen Ableger des US-Pharmari-esen Merck & Co. gemacht. Heute ist Fujifilm Diosynth Biotechnologies ein Auftragsproduzent von Zellkulturen. Darüber hinaus hat Fujifilm in schnellen Schritten weitere Unternehmen wie Kalon Biotherapeutics erworben und mehrere Kooperationen gestartet. So gibt es eine Partnerschaft mit Mitsubishi Tanabe, ein Biosimilar-Joint-Ven-ture mit Kyowa Hakko Kirin, welches wiederum zusammen mit AstraZeneca ein Biosimilar zu Roche's erfolgreichem Krebspräparat Avastin entwickelt.
Auch im Bereich Diagnostik mischen die Techkonzerne mittlerweile kräftig mit. GE Healthcare, eine Tochter des Technologiegiganten General Electric (GE), spielt global nicht nur eine starke Rolle bei bildgebenden diagnostischen Systemen, ist bei der Entwicklung und dem Bau komplexer biologischer Produktionsanlagen sehr aktiv und hat sich zu einem der anerkanntesten Hersteller von Einmal-Produktionsmitteln in der Biopharmaindustrie entwickelt. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen auch über erhebliche Life-Science-Aktivitäten - sie machten im vergangenen Jahre immerhin rund 23 Prozent des Umsatzes von GE Healthcare aus. Schließlich könnten nach Ansicht der HSBC-Analysten Tech-Konzerne in Zukunft auch bei den Online-Apotheken eine bedeutende Rolle spielen. Vor allem in den USA werden diese bislang üblicherweise von traditionellen Apothekenketten und in Zusammenarbeit mit sogenannten Pharmacy Benefit Managers (PBMs) geführt. Große Internetunternehmen hätten hier bislang noch nicht ihre Hände im Spiel. Das könnte sich ändern. So wird insbesondere Amazon immer wieder mit einem möglichen Einstieg in den Pharmahandel ins Gespräch gebracht.
Starke Quartalszahlen der Techfirmen
Dass die Unternehmen wissen, was sie tun und wie sie ein Geschäft anpacken müssen, zeigen die aktuellen Quartalszahlen der US-Techriesen. Die Geschäftsergebnisse von Alphabet, Amazon und Microsoft haben die Erwartungen von Marktteilnehmern deutlich übertroffen. „Wir hatten ein sagenhaftes Quartal“, verkündete beispielsweise Alphabet-Finanzchefin Ruth Porat. Verglichen mit dem Vorjahreswert legte der Umsatz um 24 Prozent auf 27,8 Milliarden Dollar zu, der Überschuss wuchs um rund ein Drittel auf
6,7 Milliarden Dollar. Amazon erhöhte den Umsatz im Quartal um 34 Prozent auf 43,7 Milliarden Dollar, Microsoft um zwölf Prozent auf 24,5 Milliarden Dollar.
Der Appetit der Techunternehmen an der Gesundheitsbranche dürfte nach Einschätzung der Analysten denn auch noch nicht gestillt sein. So würde es beispielsweise für GE Healthcare viel Sinn machen, die bisherigen Fähigkeiten beim Bau biopharmazeutischer Produktionsanlagen und bei sogenannten Downstream-Prozessen in der Biophar-mafertigung zu nutzen, um selber in die Auftragsproduktion biopharmazeutischer Wirkstoffe hinein zu gehen.
GE, Siemens und Philips, die bereits heute die drei größten Produzenten von Röntgen-, CT- und MRT-Scannern sind, könnten laut HSBC deutlich über dieses Geschäft hinaus gehen und selbst diagnostische Labore anbieten und betreiben. Wie schnell und erfolg-
reich so etwas geschehen kann, zeige anschaulich das Beispiel Samsung Biologics.
Während sich Samsung Bioepis und Samsung Biologics weiter stark in der Entwicklung von neuen biopharmazeutischen Arzneimitteln engagieren dürften, sehen die Analysten Alphabets Biotech- und Medtech-Aktivitäten zunehmend erfolgreich bei der Kommerzialisierung von Produkten aus diesem Bereich. Außerdem könnten Verily und Calico andere Life-Science-Unter-nehmen übernehmen und damit ihr eigenes Wachstum beschleunigen. Druck auf etablierte Pharmafirmen Zusammengenommen dürften die etablierten Unternehmen in diesen Segmenten damit künftig deutlichen Gegenwind durch die erstarkende Konkurrenz spüren. Konkret nennen die Analysten den Schweizer Roche-Kon-zern, der in seinen Diagnostikaktivitäten die neuen Wettbewerber wahrnehmen könnte. Sollten die Techkonzerne ihre Aktivitäten in der Herstellung biopharmazeutischer Arzneimittel intensivieren, könnten damit die Preise dieser Produkte unter Druck geraten. Unternehmen, die bislang in diesem Bereich unterwegs sind, dürften damit unter Druck geraten. Namentlich nennt HSBC hier Novo Nordisk, Sanofi und erneut Roche. Und sollten sich „Techi-es“, insbesondere Internetkonzerne entschließen, tatsächlich im großen Stil in den Pharmahandel einzusteigen, so könnte dies Druck auf die Verkaufspreise von Arzneimitteln ausüben.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/27/warum-sich-google-amazon-und-co-fuer-die-pharma-branche-interessieren


So viel verdienen Apotheker in Europa

Datum: 25.10.2017

Berlin - Das Wetter ist schlecht, der Chef nervt und die Kollegen sowieso. Viele Apotheker spielen mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen und woanders neu anzufangen. Aber wo, im sonnigen Spanien oder vielleicht doch lieber im Norden? Außer dem Wetter sollte man bei seinen Überlegungen - oder Tagträumereien - auch noch das Einkommen berücksichtigen. Denn dort gibt es in Europa große Unterschiede.
In Deutschland steigen Apotheker laut neuem Tarifvertrag mit 3362 Euro ins Berufsleben ein, ab dem 11. Jahr können sie dann 4077 Euro verdienen. PTA verdienen im ersten Jahr 2017 Euro pro Monat, die höchste Gehaltsstufe ist nach 15 Jahren erreicht. Dann gibt es 2613 Euro monatlich. Wegen des Personalmagels werden viele Apothekenmitarbeiter allerdings über Tarif bezahlt.
Statistiken, die die Apothekergehälter in Europa vergleichen, gibt es nicht. Schwierigkeiten bei der Erhebung sind zum einen der Mangel an Daten in einigen Ländern. Außerdem ist es schwer, die Gehälter zu vergleichen, da ein höheres Gehalt nicht unbedingt bedeutet, dass man sich mehr leisten kann. Wir haben die Gehälter in 15 europäischen Ländern recherchiert.
Um einschätzen zu können, wie viel das Gehalt im jeweiligen Land wert ist, haben wir das jeweilige Preisniveau herangezogen.
Über die deutschen Gehälter können die Kollegen in Dänemark wohl nur schmunzeln. Umgerechnet 6710 Euro monatlich nehmen Apotheker hier mit nach Hause. Das sind knapp 65 Prozent mehr als das höchste deutsche Tarifgehalt. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten bei unseren nördlichen Nachbarn auch 37 Prozent höher als bei uns, wie aus Berechnungen des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) für das Jahr 2015 hervorgeht. Wer sich also als Apotheker in Dänemark niederlassen würde, könnte sich von seinem Gehalt wesentlich mehr leisten als in Deutschland.
Auch die anderen nördlichen Länder zahlen nicht schlecht. In Norwegen erhalten Pharmazeuten mit Masterabschluss in Apotheken umgerechnet 5033 Euro, ihre Kollegen mit Bachelorabschluss 4412 Euro monatlich. Das Preisniveau ist hier in etwa mit dem in Dänemark vergleichbar.
In Schweden verdienen Apotheker umgerechnet zwischen 3211 und 4454 Euro im Monat. Im Jahr 2014 war das Leben hier etwa 28 Prozent teurer als in Deutschland, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervorgeht. Finnische Apotheker mit Masterabschluss nehmen pro Monat 4507 Euro mit nach Hause. Mit Bachelorabschluss verdient man durchschnittlich 4434 Euro. Die Lebenshaltungskosten waren hier vor drei Jahren 22 Prozent höher als in Deutschland.
In den deutschen Nachbarländern sind die Gehälter sehr unterschiedlich. In den Niederlanden verdienen die sogenannten „1. Apotheker“, die die Verantwortung für alles in der Apotheke tragen, bei ihrem Berufseinstieg 3553 Euro monatlich. Ab dem 10. Berufsjahr beträgt das Gehalt 5788 Euro pro Monat. Die „2. Apotheker“ verdienen je nach Berufserfahrung zwischen 2773 und 4517 Euro. Die Lebenshaltungskosten sind hier etwa 9 Prozent höher als in Deutschland.
In einer Studie der Beratungsfirma Ranstad wurden 27.000 französische Apotheker befragt, die aufgezeichneten Gehälter lagen zwischen 3154 und 3541 Euro monatlich. Die Lebenshaltungskosten sind 5 Prozent höher als in Deutschland, vergleichbar mit denen in Österreich. Die Kollegen in der Alpenrepublik verdienen im ersten Jahr 3906 Euro, im 10. Jahr 4422 Euro und ab dem 30. Berufsjahr sind 6027 Euro drin. Die Schweiz ist bekannt für ihre hohen Preise. Tatsächlich ist das Leben bei unseren südlichen Nachbarn 63 Prozent teurer als bei uns. Allerdings verdienen die Kollegen dort nicht unbedingt entsprechend mehr. Die Lohnunterschiede sind je nach Landesteil sehr unterschiedlich. So empfiehlt der Apothekerverband Freiburg ein Einstiegsgehalt von umgerechnet 5603 Euro, 37 Prozent mehr als das höchste deutsche Tarifgehalt. Sehr starke Unterschiede in der Bezahlung gibt es in Tschechien. In Brünn und Königgrätz sind die Löhne am niedrigsten, weil es hier pharmazeutische Fakultäten gibt. Außerdem macht es einen Unterschied, ob man in einer Kette oder einer privaten Apotheke arbeitet. In Süd-Mähren verdienen Apotheker umgerechnet zwischen 855 bis 1089 Euro, bei Apothekenketten sind 1166 Euro drin. Die Lebenshaltungskosten sind 36 Prozent niedriger als in Deutschland. Etwas mehr bekommen Apotheker in der Slowakei. 1100 bis 1400 Euro nimmt ein Apotheker mit nach Hause, ein Apotheker mit Attestation (veranwortlicher Apotheker) kann es auf 1500 bis 1900 Euro bringen.
In Italien erhalten Apotheker laut Tarifvertrag monatlich zwischen 1889 Euro als Einstiegsgehalt und 2019 Euro ab dem 12. Berufsjahr. Allerdings werden
14 Monatsgehälter plus eine „Abfertigung“ gezahlt, die einem weiteren Monatsgehalt entspricht. Insgesamt gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei den Löhnen. In Südtirol gibt es, bedingt durch die Pflicht zur Zweisprachigkeit, eine höhere Nachfrage nach Apothekern. Die Löhne sind hier entsprechend höher: 2750 bis 3000 Euro für Berufsanfänger und 3500 bis 4000 Euro für Apotheker mit über zwölf Dienstjahren. Im restlichen Italien gibt es eher einen Überschuss an Apothekern. Die Lebenshaltungskosten sind vergleichbar mit Deutschland.
In Großbritannien bekommen Apotheker, die für den nationalen Gesund-
heitsservice NHS arbeiten, umgerechnet 2463 bis 4499 Euro pro Monat. Die Kollegen in öffentlichen Apotheken erhalten durchschnittlich 3249 Euro im Monat. Das Leben auf der Insel kostet 31 Prozent mehr als in Deutschland. Leitende Apotheker verdienen in Irland zwischen 4920 und 5520 Euro pro Monat. Alle anderen Approbierten nehmen zwischen 4320 und 4880 Euro mit nach Hause. Die Lebenshaltungskosten sind hier 22 Prozent höher als in Deutschland. In Spanien verdienen Apotheker durchschnittlich 1798 Euro und damit 47 Prozent mehr als PTA mit 1219 Euro. In Deutschland liegt der Unterschied zwischen PTA-und Apothekergehältern bei Berufseinstieg bei 67 Prozent. Die Lebenshaltungskosten in Spanien sind etwa 10 Prozent niedriger als in Deutschland.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/so-viel-verdienen-apotheker-in-europa-gehaltsstatistik/


Diese Löhne zahlt die Pharmaindustrie

Datum: 24.10.2017

Berlin - Immer mehr Apotheker und PTA zieht es in die Industrie. Dort werden deutlich höhere Gehälter gezahlt. Eine Studie der Unternehmensberatung Newzella hat die Durchschnittswerte ermittelt.
Apothekern und PTA stehen in der Industrie viele Türen offen. Vor allem im medizinisch-wissenschaftlichen Bereich werden neben Ärzten auch Fachkräfte mit pharmazeutischem Hintergrund gesucht. Die meisten Angestellten haben hier eine Promotion. Das Durchschnittsgehalt liegt bei
101.000 Euro jährlich. Dabei verdienen die Wissenschaftler bei Originalherstellern mit 104.000 Euro besser als die Kollegen bei Generika- und OTC-Firmen, die 93.000 beziehungsweise
92.000 Euro mit nach Hause nehmen. Noch mehr erhält man im Bereich Marketing und Vertrieb. Mit Promotion liegt das Durchschnittsgehalt bei
122.000 Euro, mit Studienabschluss kommt man auf 119.000 Euro. Die Gehälter variieren von 77.000 Euro für Außendienstler über 157.000 Euro für Vertriebsleiter bis hin zu 247.000 Euro für Geschäftsführer. Die meisten An-
gestellten (87 Prozent) erhalten einen Teil ihres Verdienstes als variable Vergütung, die im Schnitt bei 20.000 Euro liegt. Laut der Studie fahren ganze 94 Prozent der Vertriebler einen Firmenwagen. Bei den Wissenschaftlern sind es nur 33 Prozent.
Frauen müssen sich in beiden Bereichen mit weniger Gehalt zufrieden geben als Männer. In Marketing und Vertrieb verdienen sie im Schnitt
19.000 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen, die Wissenschaftle-rinnen erhalten 13.000 Euro weniger. Bezieht man auch die anderen Arbeitsbereiche ein, ist der Unterschied mit
27.000 Euro Gehaltsunterschied noch dramatischer.
Dr. Newzella hat für die Vergütungsstudie mehr als 2000 Gehälter analysiert. Untersucht wurden 37 Positionen in den Bereichen Geschäftsführung, Business Unit Leitung, Vertrieb, Marketing, Medizinische Wissenschaften und Support. Mehr als 500 Pharmaunternehmen steuerten Daten bei. Die Angaben wurden teilweise in persönlichen Gesprächen verifiziert. Die Studie kann bei der Unternehmensberatung für 1390 Euro erworben werden.
Immer mehr Apotheker zieht es in die Industrie, aktuell sind 9 Prozent der knapp 63.000 berufstätigen Pharmazeuten bei entsprechenden Unternehmen beschäftigt. Rund 4300 Pharmazeuten arbeiten in Verwaltung und Wissenschaft, 2200 in Krankenhausapotheken. In der Offizin sind neben 16.000 Inhabern rund 34.000 Approbierte als Angestellte tätig.
Sie konnten sich zum Juni über eine Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent freuen. Approbierte mit elf oder mehr Jahren Berufserfahrung nehmen jetzt laut Tarifvertrag 49.000 Euro brutto mit nach Hause. Berufseinsteiger verdienen 40.000 Euro im Jahr. Der herrschende Personalmangel kommt den Approbierten zumindest in Sachen Verdienst zugute: Jeder Zweite kann laut einer Umfrage von APOSCOPE ein übertarifliches Gehalt aushandeln.
PTA verdienen laut Tarifvertrag zwischen 24.000 und 31.000 Euro jährlich, abhängig von ihrer Berufserfahrung. Auch hier wird knapp jeder Zweite über Tarif bezahlt. PKA nehmen zwischen 21.000 und 26.000 Euro mit nach Hause.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/diese-loehne-zahlt-die-pharmaindustrie-apotheke-einkommen-pta-arzneimittel-medikament/


Verheerendes Warentest-Ergebnis für Versandapotheken

Datum: 24.10.2017

Die Stiftung hat 15 deutsche und drei ausländische Versandapotheken getestet und kommt zu einem für die Versender verheerenden Ergebnis. Sieben der 18 getesteten Unternehmen erhalten die Bewertung „mangelhaft“, die beste vergebene Note ist ein „befriedigend“. Die Tester stören sich insbesondere an den schlechten bis gänzlich ausbleibenden fachlichen Beratungen der Versender.
In ihrer aktuellen Ausgabe hat die Stiftung Warentest 18 deutsche und ausländische Versandapotheken unter die Lupe genommen. Darunter sind die EU-Versender DocMorris, Europa Apotheek und Shop Apotheke sowie die deutschen Versender Versandapo. de, Deutsche Internet Apotheke, Med-pex, Sanicare, Aponeo, Medikamente per klick, Aporot, Juvalis, Apodis-counter, Apotal, Mycare, Eurapon, Berlinda Versandapotheke, Besamex swoei Delmed. Unter der Überschrift „Probleme im Päckchen“ präsentieren die Warentester ihre Ergebnisse, die für die Versender in der derzeitigen politischen Diskussion rund um die Zukunft des Versandhandels sicherlich keine Hilfe darstellen.
In ihrem Text weist die Stiftung zudem ausdrücklich darauf hin, dass mit Absicht keine Apotheken vor Ort getestet worden seien. Dies sei bereits 2014 in einem Doppeltest geschehen, wobei die Apotheken wie die Versender bes-
tenfalls ein „mittelprächtiges“ Bild abgegeben hätten. Außerdem habe man erst kürzlich in mehreren Apotheken getestet, inwiefern der Medikationsplan aktualisiert werden könne - und auch da hätten die Apotheken schlecht abgeschnitten.
Nun aber zum aktuellen Test der Versandapotheken: Die Warentester haben die „fachliche Qualität“ der Versender anhand von sieben Aufgaben getestet:
■ Die Wechselwirkung zwischen dem Nahrungsergänzungsmittel Magium K forte und Candesartan erkennen.
■ Die Wechselwirkung zwischen Ator-vastatin und Amiodaron auf zwei verschiedenen Rezepten erkennen.
■ Eine doppelte Verordnung zweier ähnlicher Medikamente erkennen: Diclofenac und Ibuprofen sowie Pantoprazol und Esomeprazol.
■ Allgemeine Beratung zum OTC-Prä-parat Diclofenac.
■ Beratung zu einem Ginkgo-Präparat bei vorliegender Wechselwirkung mit dem Blutverdünner Marcumar.
■ Allgemeine Beratung zu rezeptfreien „Augenvitaminen“ bei nachlassender Sehkraft.
■ Medikationsplan eines Patienten aktualisieren, dabei auf Wechselwirkungen achten.
Auf ihre Beratungsergebnisse können die Versender alles andere als stolz sein. „Halbwegs ordentlich“ habe der Fall geklappt, bei dem zwei verschiedene Rezepte mit Atorvastatin und
Amiodaron vorlagen. „Um Welten schlechter“ waren die Resultate beim Schmerzmittel-Test: Hier lagen zwei verschiedene Rezepte über zwei verschiedene Analgetika (Ibuprofen und Diclofenac) für einen Patienten gleichzeitig vor. Nur ein einziger Versender meldete sich per Telefon und wies auf die Wechselwirkung hin und riet dazu, nur eines der beiden Medikamente einzunehmen.
Beste Testnoten beim Service
Bei einem weiteren Test riefen die Warentester als Pseudo-Kunden bei den Versendern an und fragten, ob sie die Voltaren-Tabletten eines Freundes nehmen könnten - schließlich gebe es Schmerzen im Knie. Nur auf Nachfrage sollte der Tester von seiner angeblichen Herzerkrankung erzählen. Nur die Shop Apotheke und die Europa Apotheek wiesen darauf hin.
Insgesamt sind die Tester sehr unzufrieden mit der pharmazeutischen Beratung der Versender: „Ginkgo bei zunehmender Vergesslichkeit? Augenvitamine bei nachlassender Sehkraft? Warum nicht. So lässt sich manche Beratung zuspitzen“, heißt es in dem Magazin der Stiftung. Was den Medikationsplan betrifft, verlangte ein Tester, seine OTC-Bestellungen in seinen Plan aufzunehmen. Nur sechs der 18 Versender gingen überhaupt darauf ein. Mycare: Sehr guter Service, mangelhafte Beratung
Die besten Ergebnisse erzielten die Versandapotheken im Service-Bereich. Die Versandapotheke von BVDVA-Chef Christian Buse schnitt hier sogar „sehr gut“ ab, ebenso wie Medpex. Weil die fachliche Qualität 60 Prozent des Testergebnisses ausmachte und der Service nur 25 Prozent und Mycare in der fachlichen Beratung die Note „mangelhaft“ (4,9) bekam, liegt die Versandapotheke von Christian Buse aber auf den hinteren Rängen der Gesamtwertung.
Die Warentester beschwerten sich aber auch über die Versandmodalitäten. Fast jedes dritte Paket sei beim Nachbarn abgegeben worden, und nicht alle Unternehmen hätten auf die Pakete aufgedruckt, dass die Abgabe an Minderjährige ausbleiben solle. Die Stiftung Warentest stört sich auch an „verwirrend viel Werbung“ auf den Internetseiten der Versender. Und auch im Umgang mit den Nutzerdaten bleibe vieles im Unklaren. Die Verschlüsselung beim Einloggen und Registrieren klappte hingegen überall gut.
Was das Gesamt-Ranking betrifft, kann sich die Europa Apotheek noch
am meisten freuen. Sie schneidet mit einer Note von 2,7 am besten ab. Im Servicebereich erhielt die EAV eine gute Note, die fachliche Beratung wurde mit 2,7 von allen am besten getestet. DocMorris landete auf Platz 5 mit einer Gesamtnote von 3,2. Die Niederländer erhielten ein gutes Service-Ergebnis (2,2), schnitten aber im Beratungsbereich nur ausreichend (3,8) ab. Auf den hinteren Plätzen liegen Mycare, Eurapon, Berlinda, Besamex und Delmed. Alle fünf Versender erhielten für ihre fachliche Beratung Noten um die 5,0 herum, am schlechtesten schnitt Delmed mit einer 5,3 ab.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/24/verheerendes-warentest-ergebnis-fuer-versandapotheken/chapter:all


Auch kleinste Kleinigkeiten für Apotheker nicht erlaubt

Datum: 24.10.2017

Socken als Rezept-Beigabe? Auch solche Kuriositäten verstoßen gegen die Arzneimittelpreisbindung.
MÜNSTER. Auch kleine Geschenke zur Rezept-Einlösung wie ein Paar Socken oder eine Rolle Geschenkpapier sind laut Oberverwaltungsgericht Münster ein für preisgebundene Arzneimittel unzulässiger „geldwerter Vorteil“.
Der Fall: Zwei Apothekerinnen aus dem Kreis Coesfeld wollten mit Gutscheinen Kundschaft in ihre Apotheken locken. „Bei Abgabe eines Rezepts“ sollten sie ein Paar „Kuschelsocken“ beziehungsweise eine Rolle Geschenkpapier erhalten. Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe sah darin einen Verstoß gegen die Preisbindung für verschreibungspflichtige Arznei-
mittel und untersagte die Gutscheine. Dagegen klagten die Apothekerinnen mit der Begründung, der Bundesgerichtshof habe bereits 2010 „geringwertige Geschenke“ mit einem Wert bis zu einem Euro erlaubt.
Allerdings hatten Gerichte in späteren Verfahren darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um die rein wettbewerbsrechtliche Sicht handelte. Berufsrechtlich seien bei preisgebundenen Arzneimitteln Nachlässe und Geschenke generell verboten. Und laut OVG Münster ist die Rx-Preisbindung arzneimittelrechtlich bindend.
Das Arzneimittelrecht kenne „keine Bagatellgrenze für zulässige Abweichungen“. Dass hier der Wert der Geschenke jeweils unter 50 Cent liege, spiele daher keine Rolle.
Dass die Preisbindung nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs nicht für Versandapotheken im EU-Ausland gilt, ändere daran nichts. Der dadurch entstandene Wettbewerbsvorteil für ausländische Versandapotheken habe sich „noch nicht gravierend zu Lasten inländischer Apotheken ausgewirkt“.
Es sei Sache des Gesetzgebers, ob, wann und wie er reagieren wolle,
„um die Inländerdiskriminierung zu beseitigen“. Jedenfalls seien die Apothekenkammern nicht gehalten, von Maßnahmen bei Verstößen gegen die Arzneimittelpreisbindung abzusehen. (mwo)
Oberverwaltungsgericht Münster Az.:
13 A 2979/15 und 13 A 3027/15


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/946087/rx-preisbindung-kleinste-kleinigkeiten-apotheker-nicht-erlaubt.html?wt_mc=nl.upd.AEZ_NL_NEWSLETTER.2017-10-24.Arzneimittelpolitik.x


Kassen und Verbraucherschützer fordern Pflicht zu digitaler Gesundheitsakte

Datum: 23.10.2017

Die Techniker Krankenkasse führt derzeit in einem Alleingang elektronische Patientenakten für ihre Versicherten ein, die AOK erprobt dies in Modellvorhaben. Gegenüber der „Welt“ fordern die Kassen nun, dass zukünftig alle Krankenkassen derartige Angebote aufnehmen müssen. Auch Verbraucherschützer bezeichnen die Akten gegenüber DAZ.online als „sehr sinnvoll“. Für Versicherte soll die Nutzung freiwillig bleiben.
Angesichts der derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen fordert der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, einen Fokus auf elektronische Angebote. „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen muss Teil der Koalitionsverhandlungen sein“, erklärte er gegenüber der „Welt“. Dabei nannte er insbesondere ein Thema, mit dem sich die TK sich schon seit letztem Jahr intensiv beschäftigt - der elektronischen Patientenakte. Im Februar hatte die Kasse bereits bekannt gegeben, dass sie IBM beauftragt hat, ein entsprechendes System zu entwickeln. Zukünftig soll jeder interessierte TK-Versicherte auf Kassenkosten das Angebot nutzen können, um auf Informationen zu seiner Gesundheit elektronisch zugreifen zu können - und um die Kommunikation mit Heilberuflern
zu erleichtern. Als erste „Grundausstattung“ plant die Kasse offenbar einen elektronischen Impfpass oder ein digitales Zahnbonusheft. Hinzu sollen aber auch Behandlungsdaten kommen
- oder Informationen zur Medikation, welche laut TK-Vorstellungen auch die Kassen und die Patienten bearbeiten können sollen. „Von uns kommen zum Beispiel die Übersichten über die ver-ordneten Arzneimittel, die vom Versicherten durch OTC-Präparate ergänzt werden können“, erläuterte Baas Ende letzten Jahres. „Mit dieser Aufstellung können dann Wechselwirkungen besser erkannt werden.“ Wie Apotheker eingebunden werden sollen, war zumindest noch vor einigen Monaten offen: Die Schnittstellen „werden eine Herausforderung sein“, erklärte ein TK-Sprecher im Februar.
Der AOK-Bundesverband hatte kürzlich zwei Modellprojekte für rund
120.000 Versicherte vorgestellt, bei denen auch AOK-Kunden ähnliche Angebote nutzen können, wie es bei der TK geplant ist. „Das AOK-Gesund-heitsnetzwerk besteht im Kern aus einer digitalen Akte“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundes-verbandes, Martin Litsch. „Diese solle die verschiedenen Leistungserbringer über die ambulanten und stationären Sektorengrenzen hinweg miteinander vernetzen.“
Thema soll in den Koalitionsvertrag
Die TK als Vorreiter in Sachen elektronischer Patientenakte fordert, dass die zukünftige Koalition ähnliche Schritte von den anderen Kassen verlangt.
„Wir wünschen uns, dass die nächste Bundesregierung jede Krankenkasse gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Kunden eine elektronische Gesundheitsakte anzubieten“, erklärte TK-Chef Baas gegenüber der „Welt“. Für die Versicherten solle die Nutzung der Akten jedoch freiwillig bleiben.
Ähnlich sieht es AOK-Chef Litsch. „Ich wünsche mir, dass schon im Laufe des kommenden Jahres gesetzlich klargestellt wird, dass Krankenkassen ihre Patienten, Ärzte, Krankenhäuser und andere Leistungserbringer umfassend vernetzen sollen“, sagte er gegenüber der Zeitung. Er fordert, dass über Gesetzesänderungen Rechtssicherheit geschaffen wird. „Für uns muss klar sein, dass wir in diesen Bereich investieren können und dafür auch Beitragsgelder unserer Versicherten nutzen können“, betonte Litsch. „Schließlich sind wir dazu verpflichtet, mit unseren Mitteln verantwortungsvoll umzugehen. Dieses Ziel muss schon in den Koalitionsvertrag. Verbraucherzentrale schließt sich Forderungen an
Susanne Mauersberg, Gesundheitspolitik-Expertin bei der Verbraucherzentrale Bundesverband, hält eine derartige Pflicht zur Einführung elektronischer Patientenakten für „sehr sinnvoll“, wie sie gegenüber DAZ.
online erklärt. Für die Kommunikation zwischen Heilberuflern und Patient -sowie auch zwischen Heilberuflern untereinander - sieht sie „dramatische“ Verbesserungen. Wichtig sei, dass die Beteiligten tatsächlich zusammenarbeiten, wie sie es angekündigt hätten. „Alle Akten müssen miteinander kompatibel sein“, betont Mauersberg. Ansonsten würden sich Patienten
zukünftig ihren Arzt oder Apotheker danach aussuchen, ob er die für ihre Akte nötige Software besitzt. Doch Mauersberg ist angesichts der aktuellen Initiativen optimistisch. „Das ist ein großer Aufbruch zu mehr Kooperation, die der Verbesserung der Patientenbehandlung dient“, erklärt sie.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/23/kassen-und-verbraucherschuetzer-fordern-pflicht-zu-digitaler-gesundheitsakte


Bayer enttäuscht die Investoren

Datum: 26.10.2017

Bayer wird auch im dritten Quartal seine Schwächen nicht los. Der Gewinn mit rezeptfreien Arzneien sinkt deutlich, auch im Agrarsegment verdient der Konzern weniger. Trotzdem sieht sich das Unternehmen auf Kurs.
LEVERKUSEN Seite Anfang 2016 präsentiert sich die Bayer AG als so genannter Life-Science-Konzern: Der Fokus liegt auf den Geschäft mit rezeptpflichtigen und freiverkäuflichen Medikamenten und auf der Agrarchemie. Nun haben die Leverkusener auch ihre Bilanzierung auf das Zukunftsmodell umgestellt: Im Ergebnis des dritten Quartals 2017 ist erstmals die ausgegliederte Kunststofftochter Covestro nicht mehr enthalten.
Deren dicke Umsatz-und Gewinnzuwächse hätte Bayer allerdings weiterhin gut gebrauchen können: Im dritten Quartal stieg der Umsatz nur leicht auf acht Milliarden Euro. Bezieht man Wechselkurseffekte mit ein, sank der Erlös sogar um 2,8 Prozent. Die von Bayer bevorzugte Kennzahl des operativen Ergebnisses vor Sonderposten (Ebitda) legte um vier Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu.
Wegen Einmalkosten für die geplante Monsanto-Übernahme sowie Rückstellungen für Rechtsrisiken verbuchte der Konzern recht hohe Sondereffekte in Höhe von 249 Millionen Euro. Des-
wegen stagnierte der Betriebsgewinn (Ebit) bei knapp 1,4 Milliarden Euro.
An der Börse kamen die Ergebnisse nicht gut an: Die Bayer-Aktie verliert aktuell knapp 3,7 Prozent und lag zuletzt bei 110 Euro.
Bayer ist an Covestro mittlerweile nur noch mit 24,6 Prozent beteiligt und hat die ehemalige Kunststofftochter zum 30. September entkonsolidiert.
In der neuen Berichterstattung als Life-Science-Konzern werden die gegenwärtigen Schwächen von Bayer noch deutlicher: In zwei von drei Sparten läuft das Geschäft weiterhin nicht rund - nur das Pharmageschäft mit rezeptpflichtigen Mitteln zeigt sich weiter vergleichsweise robust.
Vor allem die Division Consumer Health, die freiverkäufliche Arzneien herstellt, belastet das Ergebnis anhaltend. Deren Betriebsgewinn vor Sonderposten sank um ganze 16,5 Prozent auf 274 Millionen Euro. Der Umsatz gab wechselkursbereinigt um
2,9 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro nach. Als Problemfälle erweisen sich weiterhin die vor drei Jahren von Merck & Co zugekauften Produkte wie das Allergiemittel Aleve und die Sonnenschutzcreme Coppertone. Letztere verbuchte einen Umsatzrückgang von 45 Prozent. Die alten Bayer-Mittel Aspirin und Bepanthen hingegen legten zu. Vorstandschef Werner Baumann betonte, dass der Rückgang bei Consu-
mer Health erwartungsgemäß sei. Er führt dies auf den anhaltend starken Wettbewerb in den USA zurück. Bayer musste im dritten Quartal Warenbestände abschreiben, zudem waren die Produktionsanlagen in dieser Division nur schwach ausgelastet.
Auch in der Division Crop Science sank der Gewinn. Das Ebitda von Sondereinflüssen lag 307 Millionen Euro und damit um 3,5 Prozent unter Vorjahr. Hier trafen Bayer die negativen Wechselkurseffekte infolge des starken Dollars sowie geringere Absatzpreise. Der Umsatz stieg um 2,7 Prozent auf zwei Milliarden Euro.
Crop Science soll im kommenden Jahr mit dem US-Saatgutkonzern Monsanto fusioniert werden, den Bayer für 66 Milliarden Dollar kaufen will. Die Amerikaner zeigen sich derzeit in einer stärkeren operativen Verfassung. Die Leverkusener mussten im Sommer einen Rückschlag im wichtigen Brasilien-Geschäft hinnehmen: Die Pflanzenschutzmittel verkauften sich wesentlich schlechter als erwartet, weswegen Bayer sein Gewinnziel für
2017 nach unten korrigierte. Der Verkauf rezeptpflichtiger Medikamenten läuft bei Bayer vergleichsweise robust. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen stieg in der Pharmasparte um fünf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, der Umsatz legte um
2,3 Prozent auf vier Milliarden Euro zu. Bayer profitierte hier vor allem von den bisherigen Verkaufsschlagern wie dem Blutverdünner Xarelto und dem Krebsmittel Xofigo. Allerdings hatten Analysten auch hier mehr erwartet.
Vor allem das Blutgerinnungsmittel Kogenate verlor deutlich an Geschäft, weil die Bestellungen von Vertriebspartnern zurückgingen.
Trotz der anhaltenden Probleme in zwei von drei Sparten sieht sich der Konzern auf Kurs: Baumann bestätigte am Donnerstag die Prognose fürs Gesamtjahr. Danach soll der Konzernumsatz zwischen 35 und 36 Milliarden Euro erreichen, der Betriebsgewinn vor Sonderposten soll leicht über dem Vorjahreswert liegen. Bei der geplanten Übernahme von
Monsanto sieht Bayer ebenfalls Fortschritte. Anfang kommenden Jahres soll die kartellrechtliche Freigabe vorliegen und der Kauf abgeschlossen sein. Der Bayer-Konzern geht bereits auf die Wettbewerbsbehörden zu: Er will den Großteil seines Saatgutgeschäfts sowie ein wichtiges Herbizid soll für 5,9 Milliarden Euro an BASF abgegeben. „Wir gehen damit aktiv auf mögliche Bedenken der Behörde ein“, sagte Baumann. Es sei aber kein Versuch, deren Entscheidungen vorwegzunehmen.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/quartalszahlen-bayer-enttaeuscht-die-investoren/20506384.html


TeeFee kommt in die „Höhle der Löwen“

Datum: 18.10.2017

Berlin - Erst vor wenigen Wochen haben die Macher von TeeFee begonnen, ihre Produkte für Kinder auch an Apotheken zu vertreiben. Jetzt könnte das Start-up aus Frankfurt durch die Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ zu Berühmtheit gelangen.
Hinter TeeFee steht die Frankfurter Firma La Marchante mit den Geschäftsführern Jill-Evelyn Erlach und Marco Rühl. Am 24. Oktober wird die Folge ausgestrahlt, in der die beiden Gründer ihre Geschäftsidee vorstellen. Die Produkte werden mit Stevia gesüßt und sollen Kinder durch die bunten Packungen mit einer Comic-Fee ansprechen. „Wir wollen eine gesündere Alternative für Kinder bieten, die bereits an süße Getränke gewöhnt sind“, sagt Olaf Hirsch, der die Produkte mit seiner Firma Cnif in die Apotheken bringen will. Wie die Idee beim Dreh bei den Investoren ankam, wird noch nicht verraten.
Auf eine erhöhte Nachfrage nach Ausstrahlung ist TeeFee vorbereitet. Allerdings wurde nicht extra Ware in
den Großhandel gegeben. Apotheken können bei Gehe und Pharma Lupus sechs Produkte aus dem Sortiment erwerben, von denen der Hersteller annimmt, dass sie gute Impulsartikel in Apotheken sind: trinkfertige Eistees und Teebeutel unter anderem in den Geschmacksrichtungen Popcorn und Cakepops.
„Bei einem Test in Münchener Apotheken haben sich die Eistees gut verkauft“, erklärt Hirsch. Die Produkte können auch beim Hersteller direkt geordert werden. Das Unternehmen wurde 2012 gegründet, 2014 kam TeeFee auf den Markt.
Bei „Die Höhle der Löwen“ traten in den letzten Wochen mehrmals Unternehmer auf, die ihre Produkte auch in Apotheken vertreiben. Die Nahrungsergänzungsmittel von Veluvia wurden nach der Ausstrahlung im Apothekengroßhandel gelistet. Bei der Verbraucherzentrale Hamburg kam das Produkt Veluvia Green hingegen nicht gut weg: „Die Versprechungen sind vage und wissenschaftlich nicht belegt.“ Parallel gab es eine Abmahnung für das Detox-Produkt.
Die Parodont-Creme von Dr. Ismail Özkanli soll sowohl bei Parodontose, als auch bei Herpes, Aphthen oder Druckstellen von Prothesen eingesetzt werden können. In Apotheken wurde sie seit 2014 rund 25.000-mal verkauft. Die Freude über den Erfolg in der Show währte allerdings nicht lange, denn nach der Ausstrahlung war keine Ware verfügbar. Eine Bevorratung hatte es nicht gegeben. Apotheker Christian Kraus ließ die Herstellerfirma DS Produkte auch noch abmahnen. Aus seiner Sicht dürfte das Produkt nicht im Mass-Market angeboten werden, da es sich um ein Präsentationsarzneimittel handele.
Der Fall könnte vor Gericht gehen, denn die Firma DS Produkte - hinter der „Löwe“ Ralf Dümmel als einer von drei Geschäftsführern steht - will die geforderte Unterlassungserklärung nicht abgeben. Die meisten Werbeaussagen seien gar nicht vom Hersteller getätigt worden, der Firma auch nicht zuzurechnen. Zudem sei das Präparat aufgrund der Bezeichnung und Verpackung klar als Kosmetikum zu erkennen.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/teefee-kommt-in-die-hoehle-der-loewen-nebensortiment/


Medikamenten-Reduktion bringt kaum Vorteile

Datum: 26.10.2017

Studie zu Patienten mit Polypharmazie: Medikamenten-Reduktion scheint nur wenige Effekte zu haben.
DÜSSELDORF. Das Absetzen einzelner Arzneimittel bei Patienten mit Polypharmazie hat offensichtlich keine durchschlagenden Effekte auf ihren Gesundheitszustand. „Die Reduktion der Medikation post hoc ist schwierig und wahrscheinlich mit geringeren Vorteilen für die Patienten verbunden, als man erwarten könnte“, sagte Professor Giuliano Piccoliori bei einer Veranstaltung auf dem 51. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in Düsseldorf.
Der Direktor der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin aus Bozen hat auf dem Kongress die zentralen Ergebnisse der kontrolliert rando-misierten Studie PRIMA vorgestellt (Polypharmakotherapie: Reduktion von unangemessenen Medikamenten und
unerwünschten Nebenwirkungen bei älteren Patienten nach Expertenevaluation).
In die Studie, die über drei Jahre gelaufen ist, waren 579 Patienten ab
75 Jahren einbezogen, die mehr als sieben Wirkstoffe in Dauertherapie einnahmen. Die Patienten kamen über ihre Hausärzte. 307 bildeten die Interventionsgruppe, 272 die Kontrollgruppe. Bei allen wurden die medikamentösen Dauertherapien von Pharmakologen nach der Beers-Liste und auf Interaktionen hin überprüft. Für die Interventionsgruppe haben ein Experte für evidenzbasierte Medizin, ein Internist und ein klinischer Pharmakologe dann Empfehlungen für die Hausärzte ausgearbeitet. Danach sollte bei 76,5 Prozent der Patienten mindestens ein Wirkstoff abgesetzt werden, 16 Prozent aller Arzneimittel sollten die Patienten nicht mehr einnehmen. „Tatsächlich wurde nur bei 36 Prozent der Patienten mit unan-
gemessener Medikation mindestens ein Wirkstoff abgesetzt“, berichtete Piccoliori. Die Studie zeigt also, dass es offenbar schwierig ist, Hausärzte und Patienten von der Notwendigkeit zu überzeugen, auf Medikamente zu verzichten.
Was die Forscher nach seinen Angaben vor allem überrascht hat: Sie konnten entgegen den ursprünglichen Erwartungen bei Parametern wie der Morbidität, der Hospitalisierung, der Zahl der Stürze oder Frakturen, aber auch der Lebensqualität keine signifikanten Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe feststellen. „Wir können nicht ausschließen, dass eine höhere Umsetzung der Experten-Empfehlungen zu besseren Outcomes geführt hätte“, sagte er.
Die PRIMA-Studie habe aber sehr wohl bestätigt, dass Polypharmazie bei älteren Patienten häufig vorkommt und ein großer Teil der Medikation unangemessen ist, betonte Piccoliori. (iss)


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/arzneimittelpolitik/article/946228/studie-medikamenten-reduktion-bringt-kaum-vorteile.html?wt_mc=nl.upd.AEZ_NL_NEWSLETTER.2017-10-26.Arzneimittelpolitik.x


Durchschnittlicher GKV-Zusatzbeitrag sinkt

Datum: 26.10.2017

Das Gesundheitsministerium senkt den durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Kassen um 0,1 Prozentpunkte. Zuvor gab es darüber Streit im Schätzerkreis.
BERLIN. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in der GKV sinkt für 2018 auf 1,0 Prozent. Das hat das Bundesministerium für Gesundheit heute im
Bundesanzeiger bekannt gegeben.
Die Festlegung für 2018 bedeutet eine Absenkung um 0,1 Prozentpunkte gegenüber 2017. Wie hoch der individuelle Zusatzbeitragssatz einer Krankenkasse für ihre Mitglieder ausfällt, legt dann die jeweilige Krankenkasse selbst fest.
Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz wurde nach Auswertung der
Prognosen des Schätzerkreises zur Einnahmen- und Ausgabenentwicklung errechnet. Für das Jahr 2018 geht der Schätzerkreis insgesamt von Einnahmen in Höhe von 222,24 Milliarden Euro aus. Er geht dagegen von Ausgaben der Krankenkassen von
236,15 Milliarden Euro aus. Die Finanzreserven der Krankenkassen fließen in diese Rechnung nicht ein. (eb)


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/krankenkassen/article/946249/krankenkassen-durchschnittlicher-gkv-zusatzbeitrag-sinkt.html?wt_mc=nl.upd.AEZ_NL_NEWSLETTER.2017-10-27. Krankenkassen.x


Bundeskanzlerin Merkel ruft zum Impfen auf

Datum: 21.10.2017

Zum Schutz vor Infektionskrankheiten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Impfen aufgerufen.
Es gelte, Risiken von Erkrankungen zu vermeiden, sagte Merkel in ihrem am Samstag veröffentlichten VideoPodcast. Anlass für den Podcast ist der Welt-Polio-Tag am 28. Oktober. Früher hätten viele Menschen unter Kinderlähmung gelitten. Impfungen hätten sich als sehr wichtig herausgestellt. Seit langem habe es in Deutschland keinen neuen Fall gegeben, und sie hoffe, „dass das so bleibt“.
Polio bedroht vor allem Kleinkinder. Eine von 200 Infektionen führt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu dauerhaften Lähmungen. Lediglich in Afghanistan und in Pakistan sind laut der „Global Polio Eradication Initiative“ in diesem Jahr neue Polio-Fälle aufgetaucht. Impfstoffe würden ständig weiter entwickelt und seien für die allermeisten Menschen heute gut verträglich, so die Kanzlerin. „Wir wissen zum Beispiel bei Masern, dass wir zum Teil auch wieder steigende Fälle haben, und da kann das Impfen wirklich helfen.“ Der Forderung nach einer Impfpflicht schloss sich Merkel
nicht an. „Die Hürden für den Staat, so eine Verpflichtung auszusprechen, sind aus guten Gründen in Deutschland recht hoch.“ Im Wahlkampf hatten sich CDU und CSU für eine gesetzliche Pflicht zu Schutzimpfungen stark gemacht. Im Wahl-O-Mat hatte es eine entsprechende Frage gegeben, die von CDU/CSU positiv beantwortet wurde. Die CDU verwies auf Nachfrage auf eine frühere Forderung an die Bundesregierung, Pflichtimpfungen für 13 Krankheiten einzuführen - während sich Gesundheitspolitiker der Parteien zuletzt gegen die Einführung einer Impfpflicht ausgesprochen hatten.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/21/bundeskanzlerin-merkel-ruft-zum-impfen-auf


Kleine Apotheken müssen nicht wiedereinstellen

Datum: 20.10.2017

Einem Apotheken-Mitarbeiter, dem gekündigt wurde, kann nach einem Betriebsübergang grundsätzlich nur dann ein Anspruch auf Wiedereinstellung zustehen, wenn er zum Zeitpunkt der Kündigung gesetzlichen Kündigungsschutz genossen hat.
Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden.
Das Bundesarbeitsgericht hat sich mit dem Wiedereinstellungsanspruch eines Arbeitnehmers befasst, dem in einem Kleinbetrieb - nämlich einer Apotheke - gekündigt wurde. Der Kläger war als Vorexaminierter in der Apotheke angestellt, als ihm mit Schreiben vom 28. November 2013 das Arbeitsverhältnis zum 30. Juni 2014 gekündigt wurde - allen anderen Beschäftigten der Apotheke ging es ebenso. Der Kläger erhob keine Kündigungsschutzklage. Denn das Kündigungsschutzgesetz sieht keinen Kündigungsschutz für Arbeitnehmer in Kleinbetrieben mit weniger als zehn Arbeitnehmern vor.
Seine Chefin führte den Betrieb dann allerdings über den Kündigungszeitpunkt Ende Juni hinaus weiter - mit verringerter Beschäftigtenzahl. Und:
Sie verkaufte mit Vertrag von Mitte Juli die Apotheke zum 1. September 2014. In dem Kaufvertrag verpflichtete sich die Käuferin zur Übernahme und Weiterbeschäftigung von drei Arbeitnehmern.
Das veranlasste den Vorexaminierten dann doch zur Klage - und zwar sowohl gegen die frühere als auch gegen die neue Apothekenleiterin. Er wollte eine Wiedereinstellung erreichen. Das Arbeitsgericht hat die Klage schon in erster Instanz abgewiesen. In Berufung ging er gegen dieses Urteil nur im Hinblick auf die spätere Apothekenleiterin. Doch der Vorexaminierte scheiterte auch vor dem Landesarbeitsgericht mit seinem Begehren.
Nun hat auch das Bundesarbeitsgericht als letzte Instanz entschieden: Dem Vorexaminierten steht kein Anspruch auf Wiedereinstellung zu.
Das Bundesarbeitsgericht führt dazu
in einer Pressemitteilung aus, dass ein Wiedereinstellungsanspruch grundsätzlich nur Arbeitnehmern zustehen könne, die zum Zeitpunkt des Zugangs der Kündigung Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz genießen. Und das war hier nicht der Fall.
Ob sich in Kleinbetrieben im Einzelfall ausnahmsweise aus dem zivilrechtlichen Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) ein Wiedereinstellungsanspruch ergeben könne, habe vorliegend keiner Entscheidung bedurft. Einen solchen Anspruch hätte der Kläger erfolgreich nur gegenüber seiner ersten Chefin, die den Betrieb nach Ablauf der Kündigungsfrist des Klägers zunächst weitergeführt hatte, verfolgen können. Die gegen sie gerichtete Klage war aber rechtskräftig abgewiesen worden.
Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 19. Oktober 2017, Az.: 8 AZR 845/15


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/20/kleine-apotheken-muessen-nicht-wiedereinstellen


Blümel verlässt Gehe

Datum: 20.10.2017

Berlin - Gehe-Chef André Blümel hat den Stuttgarter Großhändler mit sofortiger Wirkung verlassen. Vorübergehend übernimmt Peter Schreiner den Vorsitz der Geschäftsführung.
Brian Tyler, Vorstandschef von McKesson Europe (ehemals Cele-sio) sagte: „Ich möchte André Blümel ausdrücklich danken für seine ausgezeichneten Leistungen in den mehr als drei Jahrzehnten, die er für unser Unternehmen tätig war. Er hat sich große Verdienste um die Weiterentwicklung der Gehe in einem sich
stetig wandelnden Markt erworben.“ Über die Gründe für die plötzliche Trennung ist nichts bekannt. Blümel studierte in Hamburg und erlangte seinen Abschluss als Diplom-Wirt-schaftsingenieur. Bei Gehe brachte er es vom Regionalleiter über den Geschäftsführer bis zum Verantwortlichen für Osteuropa. Als 2006 in der heißen Phase um den Kauf von DocMorris der heutige AllianceAufsichtsratschef Wolfgang Mähr zum Mutterkonzern Celesio wechselte, übernahm Blümel die Verantwortung für das Deutschlandgeschäft.
Schreiner wird ab sofort interimistisch den Vorsitz der Geschäftsführung übernehmen. Gleichzeitig wird Andreas Thiede für den Bereich Marketing und Vertrieb in die Geschäftsführung aufrücken. Brian Tyler: „Peter Schreiner genießt mein volles Vertrauen. Mit ihm, Daniela Bopp, Klaus Völker und Andreas Thiede haben wir ein erfahrenes und starkes Managementteam, das gemeinsam mit der gesamten Gehe-Mannschaft die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für das Unternehmen erfolgreich meistern wird.“


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://rn.apotheke-adhoc.de/nachnchten/detail/markt/bluemel-verlaesst-gehe-grosshandel/


Viel pharmazeutische Expertise in einem deregulierten Markt

Datum: 18.10.2017

Die niederländische Pharmazie genießt einen exzellenten Ruf. Zusammen mit Großbritannien ist das Land in Europa führend in Sachen Pharmaceutical Care. Ähnlichkeiten mit dem deutschen System sind die Maximalpreise oder das Gerangel mit den Kassen über Rabattverträge. Ein großer Unterschied zu Deutschland ist das deregulierte Apothekenwesen. Ohne Zugehörigkeit zu einer Kette, einem Franchise oder ohne einen „Versorgungs-Makler“ hat eine Offizinapotheke in unserem Nachbarland kaum eine Aussicht auf ein auskömmliches Geschäft.
Die niederländische Krankenversicherung
Das Gesundheitssystem der Niederlande gilt als eines der effizientesten und fortschrittlichsten der Welt. Im Euro Health Consumer Index war das Land 2016 unangefochten die Nummer eins und rangiert seit zehn Jahren unter den Top 3. Vor rund zehn Jahren wurde in den Niederlanden die strikte Trennung zwischen gesetzlicher (Ziekenfonds) und privater Krankenversicherung (Particulier) aufgehoben. Seitdem arbeiten die Versicherungsanbieter privatwirtschaftlich. Das heutige System basiert auf einer Basiskrankenversicherung, die für alle knapp 17 Millionen Einwohner verpflichtend ist, einer Pflichtversicherung für die Langzeitversorgung und privaten Zusatzversicherungen für bestimmte Leistungen, die meisten für die Zahnbehandlung.
Maximalpreise und Festbeträge
Der größte Teil der Arzneimittelversorgung in den Niederlanden fällt unter das Basispaket. Alle zugelassenen Arzneimittel sind prinzipiell erstattungsfähig. Zweimal pro Jahr legt das Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport die Maximalpreise fest. Hierbei werden Belgien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien als Referenzländer für den Durchschnitt herangezogen. Der Preis wird auf der Ebene der Herstellerabgabepreise gedeckelt. Für Arzneimittel mit ähnlichen Wirkungen gibt es ein Festbetragssystem und für kostenintensive eine gesonderte Liste sowie ein extra Budget. Die Großhandelsmargen sind nicht fixiert, sondern dem Markt überlassen. Für OTC-Arzneimittel ist die Preisbildung auf allen Ebenen der Distribution frei.
74 % Generikaanteil im Erstattungsmarkt
Generika spielen in der Versorgung eine große Rolle. Mit einem Anteil von fast drei Vierteln (2016) ist der Sektor mengenmäßig weitaus dominant, macht aber nur knapp 17 Prozent der Arzneimittel-Ausgaben im Erstattungssektor aus. Die INN-Verschreibung und Generika-Substitution sind erlaubt, aber keine gesetzliche Pflicht. Verordnet der Arzt explizit eine Markenarzneimittel, so muss dieses abgegeben werden, es sei denn, Arzt und der Patient stimmen der Generikasubstitution zu. Auch bei medizinischer Notwendigkeit, bei Problemen mit der Bioäquivalenz oder wenn
der Austausch mit einem Arzneimittelrisiko verbunden sein könnte, darf nicht substituiert werden.
Die Königliche Niederländische Apotheker-Vereinigung (KNMP) hat hierzu spezielle Leitlinien veröffentlicht. De facto liegt der Substitutionsgrad in den niederländischen Apotheken jedoch bei fast 100 Prozent. Bei der Abgabe müssen „Vorzugs-Policen“ beachtet werden. Dies liegt vor allem daran, dass die Krankenversicherungen für die Erstattung mit so genannten „VorzugsPolicen“ (preferentiebeleid) arbeiten. Hiernach werden im Rahmen des Basispakets des jeweiligen Versicherers nach Patentablauf eines Originalarzneimittels innerhalb einer bestimmten Arzneimittelgruppe vielfach nur eines oder mehrere ausgewählte Generika übernommen. Die anderen Präparate müssen die Patienten komplett selbst bezahlen. Die Versicherer wählen die „VorzugsArzneimittel“ auf Basis des Preises oder durch Ausschreibungen aus. Der harte Wettbewerb, der dadurch ausgelöst wurde, hat die Preisspirale für Arzneimittel seither immer mehr nach unten gedreht. In den letzten zehn Jahren sind die Preise für rezeptpflichtige Medikamente in den Niederlanden um rund 40 Prozent gefallen. Die Regelung erzeugt auch zusätzlichen Druck in den Apotheken, wenn eine Vorzugs-Medikament nicht lieferbar ist. Auch in unserm Nachbarland sind Lieferengpässe ein großes Thema. Wer darf welche Arzneimittel abgeben?
Rezeptpflichtige Arzneimittel dürfen in den Niederlanden fast ausschließlich nur in Apotheken abgegeben werden.
In ländlichen Räumen kann ein Arzt ein unter bestimmten Bedingungen ein Dispensierrecht bekommen. Seit April 2000 dürfen Krankenhäuser ambulante Apotheken betreiben. Dort können Patienten nach einer Facharztkonsultation oder der Entlassung aus dem Krankenhaus direkt ihren Arzneimittelbedarf decken. Nach einem zögerlichen Start des Modells hat heute fast jedes Krankenhaus eine ambulante Apotheke.
Neben apothekenpflichtigen OTC-Arz-neimitteln und Präparaten, die nur in Apotheken und Drugstores abgegeben werden dürfen, gibt es ein komplett freiverkäufliches Sortiment. Der Sektor hat im Nachbarland eine lange Tradition. Heute werden mehr als 80 Prozent der OTC-Arzneimittel in den rund 4000 Drugstores oder entsprechenden Abteilungen in 3000 Supermärkten verkauft. Auch der Internet-Handel, rezeptpflichtige Mittel eingeschlossen, ist erlaubt.
Lieferverträge mit den Kassen über „Versorgungs-Makler“
Im Jahr 2012 haben sich für die niederländischen Apotheker grundlegende Veränderungen ergeben. Zum einen
wurden die Erstattungspreise vollständig liberalisiert. Die Apotheken dürfen die Preise seitdem im Prinzip selbständig festlegen. Die ganz große Freiheit ist hiermit aber nicht verbunden, denn sie müssen hierbei das Arzneimittelpreisgesetz und die Erstattungsregeln beachten. Außerdem müssen sie mit den Kassen Arzneilieferverträge abschließen. Da eine einzelne unabhängige Apotheker wenig oder gar keinen Spielraum hat, separat mit einer Krankenversicherung zu verhandeln, sind aus dem Großhandel heraus oder mit dessen Unterstützung so genannte „Versorgungs-Makler“ (zorgmakelaar) oder andere Organisationsformen der Zusammenarbeit entstanden. Diese führen die vertraglichen Vereinbarungen mit den Versicherungsgesellschaften durch oder erleichtern den Prozess.
Vergütungen für ApothekenDienstleistungen
Auch die sonstigen Apothekenvergütungen wurden liberalisiert und von den Arzneimittelvergütungen abgekoppelt. Heute dürfen die Apotheken mit den Kassen ein Basis-Service-Honorar sowie ein weiteres für die Abgabe von Medikamenten pro Packung abrechnen. Außerdem gibt es Notdienstzuschläge. Zusätzlich hat die Gesundheitsbehörde (NZa) einen Katalog weiterer pharmazeutischer BetreuungsServices definiert, die ebenfalls vergütet werden können. Derzeit sind dies 13 verschiedene Dienstleistungen.
Dazu gehören auch MedikationsReviews sowie beispielsweise die Beratung der Patienten anläßlich einer Krankenhaus-Einweisung oder -Entlassung. Einzelheiten müssen mit den Kassen ausgehandelt werden. Heute mache in den Niederlanden mehr als die Hälfte der Apotheker mindestens 30 Medikations-Reviews pro Jahr. Für einen Review bekommen sie je nach Verhandlung mit den Kassen 75 bis 80 Euro.
Drastischer Rückgang der Apothekenvergütungen
Die Apothekenumsätze im Zusammenhang mit der Arzneimittelversorgung beliefen sich im Jahr 2016 auf 4.3 Milliarden Euro (+1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Diese geht aus den aktuellen Daten und Fakten 2017 der Stiftung für Pharmazeutische Statistik (SFK) hervor.
Die Vergütungen für die Arzneimittel zu Lasten der Krankenversicherungen lagen bei etwas mehr als 3 Milliarden Euro. Sie sind seit dem Jahr 2009 laut SFK um mehr als ein Fünftel gesunken. Zum Teil sind die Rückgänge darauf zurück zu führen, dass kostspielige Arzneimittelgruppen in das Krankenhaus-Budget verschoben wurden. Viele teure Arzneimittel fallen in den Niederlanden unter das Krankenhaus-Budget, auch wenn sie ambulant eingesetzt werden. Beispiele hierfür sind die TNF alpha-Inhibitoren. 70 Prozent sind Ketten- oder Kooperationsapotheken
Nach den neuesten Zahlen der SFK gibt es in den Niederlanden 1994 Apotheken (Zahlen für 2016). Es gibt keine Niederlassungsbeschränkungen. Seit 1987 ist der Apothekenmehrbesitz erlaubt. Seit 1999 ist auch der Fremdbesitz zulässig. Die hat sowohl Neugründungen als auch die Entwicklung der Ketten beflügelt. Heute befinden sich 604 Offizinapotheken in Kettenbesitz und 805 gehören einer Franchise an. 585 Abgabestellen sind zwar eigenständig, aber wegen des Anschlusses an einen „Versorgungs-Makler“ (siehe oben) sind de facto sind nur rund 10 Prozent der Apotheken wirklich unabhängig.
Brocacef musste 89 Apotheken abstoßen
Der Anteil der Ketten-und FranchiseApotheken in den Niederlanden ist im letzten Jahr gegenüber 2015 von 77 Prozent auf 71 Prozent gesunken. Dies liegt vor allem an der Übernahme der Mediq Apotheken Nederland BV durch die Großhandelsgruppe Brocacef. Brocacef, ein Joint-Venture von PHOENIX und Celesio, hatte im Sommer 2016 von der niederländischen Wettbewerbsbehörde ACM (Authority for Consumers & Markets) die Zustimmung zu der Fusion erhalten, musste aber
im Gegenzug 89 Apotheken veräußern, weil die Gruppe sonst nach dem Erwerb einen Marktanteil von über 50 Prozent gehabt hätte. Die Mediq-Apo-theken wurden in der Folge in BENU Apotheek umfirmiert, den Markennamen der Apothekenkette von Brocacef.
Benu auf Platz 1 der Apothekenverbünde
Trotzdem ist BENU seit dem Zusammenschluss mit nunmehr insgesamt 500 Apotheken, davon 323 eigene und 177 als Franchise, zahlenmäßig an die Spitze der Verbünde im niederländischen Apothekenmarkt vorgerückt. Im Jahr zuvor hatte die Franchise-Marke „Service-Apotheke“ (Service Apotheek) des Großhändlers Mosadex mit 427 Abgabestellen noch die Nase vorn. Sie muss sich nun mit Platz 2 begnügen. Alliance Healthcare verfügt über 205 Apotheken, darunter 60 eigene (BootsApotheken) und 145 Franchise-Apotheken unter der Flagge „Alphega“. Die Stiftung VNA ist (Mit-) Eigentümer von 132 Apotheken, Medsen von 46 und die Vereinigten Apotheken Limburg (VAL) von 36 Abgabestellen (siehe Data en feiten 2016).
Beratung ist Top-Thema
Niederländische Apotheken sind recht gut mit Personal bestückt. 2016 gab es rund 2850 aktive öffentliche Apotheker (1,5 pro Abgabestelle). Hinzu kommen etwa 15.700 Apothekerassistenten, die
im Schnitt rund 26 Stunden pro Woche arbeiten sowie rund 8200 sonstige Beschäftigte, auch diese im Mittel nur mit Halbtagsbeschäftigung.
Die niederländischen Apotheker genießen auf dem Gebiet Pharmaceutical Care einen guten Ruf. Die Kundenbindung ist hoch, unter anderen durch die angebotenen Dienstleistungen wie etwa die Medikations-Reviews. Aber auch die Unterstützung beim Diabetes, Asthma-, Bluthochdruck-oder Cholesterol-Management stehen hoch im Kurs. Mit der Anerkennung des Weiterbildungstitels als „Öffentlicher ApothekerSpezialist“, der in Deutschland dem „Fachapotheker Allgemeinpharmazie“ entsprechen dürfte, wurde im Januar
2016 ein großer Durchbruch erzielt.
Die Spezialisierung gab es zwar vorher schon, aber für die Anerkennung hat die KNMP das WeiterbildungsProgramm überarbeitet und ein Re-Registrierungsverfahren und PflichtFortbildungszyklen etabliert.
Vorreiter auch bei e-Health
Auch auf dem Gebiet e-Health sind die Niederländer vielen Ländern um einiges voraus. Patienten und Ärzte sind diesbezüglich sehr aufgeschlossen, und so schreitet die Integration und Akzeptanz digitaler Gesundheitslösungen zügig voran. Krankenhäuser und Hausärzte nutzen bereits überwiegend elektronische Dossiers. Mit dem Projekt MedMij sollen künftig auch die Patienten selbst Zugang zu ihren Daten bekommen. Das System wird derzeit in der Region Nijmegen getestet. Hier können die Patienten seit dem 1. April 2017 über eine persönliche Gesundheitsumgebung (MijnZorgnet) die wichtigsten
Informationen in ihrem Hausarztdossier einsehen und sich damit stärker an ärztlichen Entscheidungen über ihre Gesundheit und Behandlung beteiligen. Bis 2019 soll diese Möglichkeit für mindestens 80 Prozent der chronisch Kranken und mindestens 40 Prozent der übrigen Bürger realisiert werden. Bis 2019 soll jeder Patient über seinen Computer jederzeit einen medizinischen Dienstleister erreichen können.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/18/fokus-auf-kernkompetenzen-in-einem-deregulierten-markt/chapter:all


Eurapon: DocMorris-Reserve

Datum: 18.10.2017

Berlin - Gier oder Gelegenheit, Notlösung oder Notwendigkeit? Die Übernahme von Eurapon durch DocMorris stellt Beobachter vor Rätsel. Warum kommt die niederländische Versandapotheke nach Deutschland, während der Rest der Branche über eine Abwanderung in umgekehrte Richtung nachdenkt? Und warum bindet sich der Mutterkonzern Zur Rose ein drittes Vertriebszentrum ans Bein? Erklärungsversuche.
Auf den ersten Blick macht der Deal für Branchenkenner keinen Sinn. Von einer „hemdsärmeligen Akquisitionspolitik“ ist die Rede. Nicht einen Cent hätte er in Eurapon investiert, sagt der Vertreter einer führenden Versandapotheke: Denn nur durch eine aggressive Preispolitik sei es dem Konkurrenten aus Bremen gelungen, den Umsatz von 23 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 52 Millionen Euro zu verdoppeln. „Das ist für mich kein Geschäftsmodell, das ein Millioneninvestment rechtfertigt.“ Doch bei Walter Oberhänsli, CEO von Zur Rose, kamen die Zahlen offenbar gut an. Er braucht eine Wachstumsstory, denn Shop-Apotheke droht DocMorris den Rang abzulaufen. Zwar freut sich Zur Rose in den ersten neun Monaten über einen Umsatzzuwachs von 16 Prozent im Deutschlandgeschäft; gleichzeitig explodierten aber die Marketingkosten um 50 Prozent. Echten Schub können auf absehbare Zeit nur Übernahmen bringen. Pünktlich zum Börsengang wurde daher der
Kauf eines deutschen OTC-Versenders angekündigt, der rund 10 Prozent mehr Umsatz in die Kasse spülen sollte. Im August sollen die Verträge dann unterzeichnet worden sein.
Das 0,8-Fache des Umsatzes soll Zur Rose für den Einstieg bei Eurapon gezahlt haben - das entspricht ungefähr dem Faktor, mit dem auch die schweizerische Gruppe beim Börsengang bewertet wurde. Der hohe Preis dürfte auch der Tatsache geschuldet sein, dass Inhaber Kubilay Talu eigentlich gar nicht verkaufen wollte. Nur ShopApotheke wurde beim Börsengang mit dem Doppelten des Umsatzes noch höher bewertet.
Vor allem aber fragen sich Beobachter, warum Oberhänsli nicht einfach den Kundenstamm, sondern auch die komplette Infrastruktur gekauft hat. Warum er sich ein drittes Logistikzentrum ans Bein bindet. Vielleicht war es aber auch gerade die erst 2014 bezogene Halle mit immerhin 4500 Quadratmetern, die Eurapon für Oberhänsli zum geeigneten Kandidaten machte. Zwar ist der ebenfalls 2014 eingeweihte Neubau von DocMorris in Heerlen mit rund 10.000 Quadratmetern Fläche auf bis zu 30.000 Pakete am Tag angelegt. Doch was, wenn DocMorris bereits am Anschlag ist? Einem Insider zufolge müssen in Heerlen nach wie vor viele Prozesse händisch erledigt werden. „DocMorris macht viele Dinge richtig, aber Automatisierung zählt nicht zu den Stärken. Die Skalierbar-keit stößt an Grenzen.“
So könnte es sich erklären, dass Eurapon gerade wegen der im Branchenvergleich modernen Technik für Oberhänsli besonders attraktiv war. Und dass der Firmenchef sich mit dem Umzug des Eurapon-Geschäfts Zeit lassen will: Vorerst sollen weiterhin in Bremen Päckchen gepackt werden, Talu soll Inhaber von Eurapon bleiben. DocMorris übernimmt zunächst lediglich den gleichnamigen Großhandel und damit „einen wesentlichen Teil der Logistik sowie die Medika-mentenbelieferung für das Eurapon-Versandgeschäft“. Vorbild dabei ist Zur Rose selbst: Am Standort in Halle/ Saale übernimmt eine Tochterfirma der schweizerischen Gruppe verschiedene Aufgaben für die gleichnamige Versandapotheke.
Das Fremdbesitzverbot sei nicht tangiert, sagt Oberhänsli zur geplanten Expansion in Deutschland. Jeder könne Lagerhallen kaufen, wo er wolle. Seiner Meinung nach ist es heute „Common sense“, dass Versandapotheken wichtige Teile ihres Geschäftsbetriebs auslagern. Dies sei gerichtlich überprüft und für rechtlich zulässig befunden. Tatsächlich hatte das Bundesverwaltungsgericht es 2011 abgelehnt, sich mit dem Modell von Zur Rose zu befassen. Seitdem hat es keine rechtlichen Vorstöße gegen eines der in der Branche mittlerweile weit verbreiteten Konstrukte mehr gegeben. Vorerst soll auch die Marke Eurapon erhalten bleiben. Man werde später entscheiden, ob es diesbezüglich Änderungen geben werde oder nicht. Ein Umzug in die Niederlande ist für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen - wenn keine Übergangslösung mehr benötigt wird. Damit werde ein Standort gewählt, der im europäischen Umfeld für eine international tätige Versandapotheke vorteilhaft sei, heißt es von Zur Rose.
Oberhänsli will auch weiter nach geeigneten Übernahmekandidaten Ausschau halten. Zwar könne man das operative Geschäft auch gewinnbringend führen; aber Ertrag spielt bei Zur Rose derzeit keine Rolle. Ausgaben für Übernahmen und Wachstum, die die Gruppe in die roten Zahlen bringen, sind eingepreist. Dass er allerdings noch einmal bereit ist, für schnelles Umsatzwachstum eine ganze Lagerhalle zu übernehmen, ist mehr als fraglich.
Dass der Konkurrent Shop-Apotheke jetzt wieder mit der Europa Apotheek zusammengeht, sieht Oberhänsli als Bestätigung seiner eigenen Strategie: „Wir haben immer gesagt, dass die Kombination aus rezeptpflichtigen und rezeptfreien Produkten den größten Sinn macht.“ Dass er nun einen noch stärkeren Wettbewerber hat, stört ihn nach eigenem Bekunden nicht. Denn sein Anspruch ist, den Apothekenmarkt auf den Kopf zu stellen.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/eurapon-docmorris-reserve-zur-rose-versandapotheke/


DocMorris steigt bei deutscher Versandapotheke ein

Datum: 17.10.2017

Der Schweizer Arzneimittel-Ver-sandhändler Zur Rose setzt seine angekündigte Übernahme einer deutschen Versandapotheke in die Tat um: Die Tochtergesellschaft DocMorris ist eine Kooperation mit der Bremer Versandapotheke Eurapon eingegangen. Aufgrund des Fremdbesitzverbotes ist der Deal nur über Umwege möglich.
Die Konzentration auf dem deutschen Versandhandelsmarkt für Arzneimittel geht einen Schritt weiter. Wie vor einigen Monaten angekündigt, schlägt der Schweizer Versandhändler Zur Rose mithilfe seiner Onlineapo-theke DocMorris erneut zu und steigt bei der deutschen Versandapotheke Eurapon ein. Weil in Deutschland das Fremdbesitzverbot gilt, ist keine direkte Übernahme des gesamten Unternehmens möglich. Doch Zur Rose und DocMorris gehen Umwege: Wie Zur Rose in einer Medienmitteilung näher erläuterte, ist DocMorris bereits jetzt eine Kooperation mit Kubilay Talu, dem Betreiber der Versandapotheke Eurapon, eingegangen. Bis zum Jahresende soll DocMorris den Teil von Eurapon übernehmen, der nicht direkt zur Apotheke gehört, nämlich die Eurapon Pharmahandel GmbH. Zur Rose zufolge ist dieser Unternehmensteil „ein wesentlicher Teil der Logistik sowie der Medika-
mentenbelieferung für das Eurapon-Versandgeschäft“.
Wie funktioniert der Deal trotz Fremdbesitzverbot?
Talu will schon jetzt mit DocMorris eng zusammenarbeiten. Eine Sprecherin von Zur Rose erklärte zu der Übernahme: „DocMorris hält sich an die im jeweiligen Land geltenden Vorgaben. Bei dieser Transaktion geht es um den Kauf eines pharmazeutischen Großhandels und gegebenenfalls später um die Aufnahme von Kunden auf deren ausdrücklichen Wunsch. Kubilay Talu wird zunächst seine Versandhandelskompetenz in die Kooperation mit DocMorris mit einbringen.“ Wie der Transfer der Kunden von Eurapon zu DocMorris genau funktionieren soll, erklärte die Sprecherin nicht. Allerdings teilte der Schweizer Konzern weiterhin mit, dass das Eurapon-Versandgeschäft langfristig in die Niederlande ziehen soll. Damit werde „ein Standort gewählt, der im europäischen Umfeld für eine international tätige Versandapotheke vorteilhaft“ ist.
Die Eurapon-Apotheke besteht aus mehreren Unternehmensteilen: Der Inhaber Kulibay Talu betreibt neben dem Logistikunternehmen Eurapon-Pharmahandel GmbH die Versandapotheke und zwei Offizin-Apotheken. Eigenen Angaben zufolge betreibt Eurapon auch ein Sterillabor, in dem
der Versender Zytostatika herstellt. Eurapon erzielte laut Zur Rose 2016 mit ihrem auf rezeptfreie Medikamente ausgerichteten Versandgeschäft einen Umsatz von 52 Millionen Euro und wuchs in den letzten drei Jahren „mit jährlich 30 Prozent deutlich über dem Marktdurchschnitt.“ DAZ.online hatte am 2. Oktober 2017 über die Akquisitionspläne von zur Rose berichtet und dabei Eurapon als einen der möglichen Kaufkandidaten genannt.
Durch diese Akquisition werde die Zur Rose-Gruppe „ihre europäische Marktführerschaft weiter ausbauen.“ Die Transaktion steht allerdings unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden. Über die finanziellen Aspekte wurde Stillschweigen vereinbart.
DocMorris im 3. Quartal: OTC plus
38,7 Prozent, Rx plus 14,5 Prozent
Gleichzeitig gab Zur Rose bekannt, dass die Unternehmensgruppe ihren Umsatz im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15,4 Prozent auf 245,9 Millionen Franken erhöht hat. Kumuliert auf die ersten neun Monate betrug der Umsatz 711,6 Millionen Franken, ein Plus von 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz im Segment Deutschland, bestehend aus dem Geschäft von DocMorris und der Zur Rose Pharma GmbH in Halle, erhöhte sich im dritten Quartal um 22,9 Prozent auf 122,4 Millionen Franken. In Euro betrug der Zuwachs 18,4 Prozent. Bezogen auf die ersten neun Monate lag das Plus in Deutschland bei 16,2 Prozent (348,8 Millionen Franken) beziehungsweise in Euro bei plus 16 Prozent (318,7 Millionen Euro).
DocMorris steigerte den Angaben zufolge das Wachstum im Bereich der rezeptfreien Arzneimittel (OTC)
im dritten Quartal in Euro um 38,7 Prozent auf 31,9 Millionen Euro sowie in den ersten neun Monaten um 41,4 Prozent auf 93,4 Millionen Euro. Im Bereich der rezeptpflichtigen Arzneimittel lag der Anstieg bei DocMorris im dritten Quartal bei plus 14,5 Prozent auf 60,3 Millionen Euro und in den ersten neun Monaten bei plus
9,6 Prozent auf 177,1 Millionen Euro.
Im ersten Halbjahr 2017 waren die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel aus dem EU-Versand um 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum angestiegen.
In der Schweiz hat Zur Rose den Umsatz des Ärztegeschäfts (B2B) im drit-
ten Quartal um 8,1 Prozent (9 Monate: plus 6,0 Prozent) gegenüber dem Vorjahr ebenfalls erhöht. Das Retailge-schäft ist den Unternehmensangaben zufolge mit einem Umsatzplus von 5,6 Prozent im dritten Quartal erstmals wieder gewachsen. Damit sei die Bereinigung margenschwacher Umsätze im Bereich Specialty Care abgeschlossen. Insgesamt nahm der Umsatz im Segment Schweiz im dritten Quartal um 7,5 Prozent auf 121,8 Millionen Franken zu, in den ersten neun Monaten betrug das Plus 3,8 Prozent auf
360,1 Millionen Franken.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/17/docmorris-mutter-steigt-bei-deutscher-versandapotheke-ein


Erstmals mehr als 40 Milliarden Euro für Arzneimittel

Datum: 16.10.2017

Berlin - Die Krankenkassen werden im kommenden Jahr voraussichtlich erstmals über 40 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgeben. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband verständigten sich jetzt darauf, dass die Ausgaben für Arzneimittel 2018 um
3,2 Prozent beziehungsweise 1,2 Milliarden Euro steigen dürfen. Die Verhandlungen über die Rahmenvorgaben Arzneimittel und Heilmittel für das nächste Jahr gingen damit wiederum vergleichsweise schnell zu Ende. In den Vorjahren wurde der Ausgabenrahmen meist erst etwas später festgelegt.
Verantwortlich für diese Steigerung sind laut gemeinsamer Mitteilung vor allem Ausgaben für neuartige Arzneimittel gegen Krebs. Anders als früher würden viele dieser Therapien nun nicht mehr stationär, sondern zunehmend im ambulanten Sektor angeboten. Auch die neue Leistungspflicht der GKV für Therapien mit Cannabis führten zu höheren Ausgaben.
In diesem Jahr legten Kassen und Ärzte den Ausgabenkorridor mit einem maximalen Zuwachs von 3,3 Prozent fest. Bislang blieben die Arzneimittelausgaben in diesem Rahmen. Im Zeitraum Januar bis August gaben
die Kassen 23,1 Milliarden Euro für Arzneimittel aus. Das ist ein Plus von
3,1 Prozent. 2014 waren die Ausgaben noch um 9,4 Prozent und 2015 um
3,9 Prozent gestiegen. Im Jahr 2016 betrugen die Arzneimittelausgaben
38,5 Milliarden Euro. Das war ein Plus von 3,1 Prozent.
Bei der vereinbarten Gesamtsumme handelt es sich aber nicht um eine abschließend definierte feste Größe. Der Grund: Weitere Anpassungsfaktoren wie Alter und Anzahl der Versicherten werden regional zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen verhandelt und können zu anderen Beträgen führen. „Das Ergebnis ist akzeptabel. Wir schaffen damit gemeinsam eine Grundlage dafür, dass Patienten mit medizinisch sinnvollen Innovationen versorgt werden können“, betonte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, JohannMagnus von Stackelberg, erklärte:
„Die zusammen vereinbarten Ziele für verordnungsstarke Anwendungsgebiete geben niedergelassenen Ärzten im Praxisalltag eine gute Orientierung.
So können sie beide vom Gesetzgeber geforderten Punkte erfüllen: Heil- und Arzneimittel nach medizinischen wie
auch wirtschaftlichen Kriterien verordnen.“ Bei den Heilmitteln rechnen die KBV und der GKV-Spitzenverband im kommenden Jahr mit einer Steigerung des Ausgabenvolumens in Höhe von
3,9 Prozent, was circa 230 Millionen Euro entspricht. Hierbei ist die zum 1. Januar 2018 vorgesehene Einführung der Ernährungstherapie als neues Heilmittel berücksichtigt. Zudem gehen die Vereinbarungspartner davon aus, dass die Modellvorhaben zur sogenannten Blankoverordnung zu Mehrausgaben führen werden.
Heilmittelerbringer sollen damit stärker in die Verantwortung genommen werden. So wird das Heilmittel weiter vom Arzt verordnet, der Heilmittelerbringer bestimmt aber die Auswahl, Dauer und Abfolge der Therapie. Nach Auswertung von Modellprojekten soll dann entschieden werden, ob die Blankoverordnung in die Regelversorgung übernommen wird. Aufgrund einer fehlenden gesetzlichen Regelung ist bislang unklar, ob und wie diese aus dem vertragsärztlichen Ausgabenvolumen herausgerechnet werden. Darüber hinaus werden wie bei Arzneimitteln auch insbesondere die Faktoren Zahl und Alter regional festgelegt. Allein bei den Heilmitteln wird außerdem die Preisentwicklung in den regionalen Verhandlungen bewertet.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/erstmals-mehr-als-40-milliarden-euro-fuer-arzneimittel-gkv-ausgaben/


Gesundheit!

Datum: 18.10.2017

Der schwächelnde Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser fokussiert sich mit einer Aufspaltung stärker aufs Gesundheitsgeschäft. Zudem steht der nächste Milliardenzukauf an - denn der Markt ist lukrativ, aber hart umkämpft.
DÜSSELDORF/HAMBURG Es wird ein bescheidenes Geschäftsjahr werden, das will Rakesh Kapoor gar nicht schönreden. Zum zweiten Mal in diesem Jahr musste der CEO von Reckitt Benckiser am Mittwoch die Umsatzprognose für den britischen Konsumgüterhersteller mit Marken wie Sagro-tan, Durex-Kondomen, Clearasil und Calgon senken. Im besten Fall werde
2017 nur der Umsatz des Vorjahres erreicht, als Reckitt auf umgerechnet
11,5 Milliarden Euro kam.
Der Reckitt-Chef führt die Schwäche vor allem auf die Folgen der Cyberattacke zurück, die den Konzern im Sommer mit voller Wucht traf. „Das fundamentale Wachstum unserer Marken ist stark“, sagte er in einer Telefonkonferenz. Doch die Neuigkeit, die er dort verkündete, zeugt von tiefer sitzenden Problemen: Reckitt folgt dem derzeit bei Unternehmen angesagten Trend und spaltet sich auf. Das Geschäft mit Gesundheitsprodukten wird von den Hygiene- und Haushaltsartikeln getrennt - es entstehen zwei unabhängig operierende Einheiten. Kapoor unterstrich, dass Reckitt an
beiden Geschäften festhalten will.
Sie sollen durch die Eigenständigkeit mehr Freiheit und eine bessere Wachstumsgrundlage bekommen. Doch es deutet einiges darauf hin, dass das Gesundheitsgeschäft künftig in den Vordergrund rückt. Der Reckitt-Chef wird den eigenständigen Gesundheitskonzern selbst führen, er hat das Geschäft zuvor schon zum neuen Wachstumskern erklärt. Und er könnte bald schon nach der nächsten Großübernahme greifen: nach der Sparte rezeptfreie Medikamente vom Pharmakonzern Pfizer.
Reckitt Benckiser ist 1999 aus der Fusion zweier großer europäischer Anbieter von Haushalts- und Reinigungsprodukten entstanden. Dahinter stand als Großaktionär die deutsche Unternehmerfamilie Reimann. Sie hat ihren Anteil zwar in den vergangenen Jahren nach und nach abgebaut, besitzt aber noch immer acht Prozent an dem britischen Unternehmen.
Schon damals verfügte Reckitt über eine kleine Sparte mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten. Das Geschäft wurde seither mit mehreren großen Zukäufen ausgebaut: 2006 übernahm Reckitt für umgerechnet 2,6 Milliarden Euro die Arzneisparte der britischen Drogeriekette Boots mit Marken wie dem Schmerzsaft Nurofen und dem Gesichtsreiniger Clearasil. Wenig später kam der US-Hustensaftproduzent
Adams hinzu. 2012 schnappten sich die Briten den amerikanischen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln Schiff, an dem damals auch Bayer interessiert war.
Der größte Wurf kam aber in diesem Jahr: Rund 17 Milliarden Dollar zahlte Reckitt für Mead Johnson, einen führenden Produzenten von Babynahrung in den USA. Damit stieg die Gesundheitssparte bei den Briten zum umsatzstärksten Bereich auf. Sie kam 2016 inklusive Mead auf einen Proforma-Umsatz von umgerechnet 7,7 Milliarden Euro, währen das Hygiene- und Haushaltsgeschäft 6,9 Milliarden Euro erreichte. Vorstandschef Kapoor will weiter zukaufen. Am Mittwoch verkündete er Interesse an der Übernahme der Sparte rezeptfreie Medikamente von Pfizer. Der amerikanische Pharmakonzern hatte vergangene Woche dieses Geschäft ins Schaufenster gestellt - er will sich auf Entwicklung und Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente konzentrieren. Zum Portfolio von Pfizers freiverkäuflichen Mitteln gehören die Schmerztablette Spalt, das Wärmepflaster Thermacare und Nahrungsergänzungsmittel der Marke Centrum. Die Sparte kam 2016 auf einen Umsatz von umgerechnet 3,2 Milliarden Euro. Die Branche konsolidiert sich
Die Analysten des US-Brokers Bernstein halten die Übernahme der Pfizer-Sparte für eine einmalige Gelegenheit, die Reckitt Benckiser nicht verpassen sollte. Allerdings würde so ein Deal für die Briten nicht einfach zu stemmen sein. Experten gehen davon aus, dass Pfizer für das Geschäft in einer Auktion einen Kaufpreis von 13 bis 17 Milliarden Dollar erzielen könnte.
An der Börse wird daher darauf spekuliert, dass sich Reckitt für eine solchen Schritt vom angestammten Konsumgütergeschäft trennen würde. CEO Kapoor wollte sich dazu am Mittwoch nicht äußern. Die BernsteinAnalysten halten die Finanzierung der Übernahme auf diese Art für gut möglich. Allerding sei fraglich, ob das Management für einen solchen neuen Megadeal viele Investoren auf seine Seite bringen könnte. Es habe durch die jüngste Wachstumsschwäche an Vertrauen eingebüßt.
Klar ist, dass Reckitt auf Dauer nicht mit voller Kraft in beiden Geschäften fahren kann, deswegen kommt nun zunächst die Aufspaltung. Alle Konsumgütermarken von Reckitt sind im Massenmarkt angesiedelt, der zuletzt durch harte Preiskämpfe gekennzeichnet war. Immerhin: Der Konzern hat es geschafft, seine Marken jeweils im oberen Segment anzusiedeln. Allerdings sind hohe Investitionen ins Marketing sind nötig, um die Position gegen größere Spieler wie Procter & Gamble und Unilever sowie gegen Konkurrenten wie Henkel und die Eigenmarken des Handels zu halten.
Im Gesundheitsgeschäft wiederum ist eindeutig Größe angesagt. Die Branche für rezeptfreie Medikamente konsolidiert sich seit einigen Jahren stark: Die Pharmakonzerne Sanofi und Glaxo Smithkline haben sich deutlich verstärkt, Bayer hat für elf Milliarden Euro die Sparte des US-Pharmakon-zerns Merck & Co übernommen. Sie suchen Größenvorteile in Form von mehr Schlagkraft im internationalen
Marketing und Vertrieb. Kleinere Anbieter wie Boehringer haben sich aus dem Geschäft verabschiedet, aktuell prüft die deutsche Merck KGaA die Trennung von freiverkäuflichen Medikamenten.
Das zuletzt schwache Wachstum von Reckitt liegt auch an den Folgen der Cyber-Attacke, die den Konzern im Juni einige Tage lahmlegte. In der Folge standen Produkte nicht rechtzeitig im Laden. Zudem musste der Reckitt geplante Werbeaktionen absagen, weil nicht genügend Produkte verfügbar waren. In den USA fehlte das Erkältungsmittel Mucinex in vielen Drogerien. Weltweit wurden zudem Scholl-Fußpflegeprodukte knapp.
Insgesamt schätzen die Reckitt-Bencki-ser-Manager, dass die Cyber-Attacke allein im dritten Quartal zwei Prozent Umsatz gekostet hat. Von der CyberAttacke waren im Sommer mehrere internationale Konzerne betroffen.
Sie begann offenbar in der Ukraine. Unklar ist noch immer, wer hinter den Angriffen stand.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/reckitt-benckiser-auf-neuem-kurs-gesundheit/20472244.html


Boehringer legt 2016 auch in Deutschland wieder zu

Datum: 16.10.2017

INGELHEIM. Nachdem 2015 für Boehringer Ingelheim die Zeichen im Heimatmarkt noch auf Stagnation standen, konnte das Familienunternehmen 2016 wieder Zuwachs verbuchen: Der Umsatz mit Dritten erreichte 956 Millionen Euro (+6,0 Prozent).
Wie Landesleiter Stefan Rinn zu Wochenbeginn bei einem Pressegespräch in Ingelheim erklärte, wird
aller Voraussicht nach auch 2017 ein erfreuliches Jahr. Das gelte sowohl für den Gesamtkonzern als auch für die Geschäfte im Inland. Deutschland sei für Boehringer nach wie vor ein wichtiger Standort, versicherte Rinn. Das verdeutlichten nicht zuletzt die gleichbleibend hohen Investitionen in die hiesigen Betriebe, die sich zwischen 2003 und 2016 auf jährlich rund 250 Millionen Euro beliefen. (cw)


Rubrik: Hersteller
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/unternehmen/article/945511/pharma-boehringer-legt-2016-deutschland.html?wt_mc=nl.upd.AEZ_NL_NEWSLETTER.2017-10-17.Gesundheitswirtschaft.x


Zukauf und neue Krebsmittel kurbeln das Geschäft an

Datum: 17.10.2017

Die Übernahme von Actelion wirkt sich bereits im ersten Quartal nach Abschluss der Transaktion positiv auf die Zahlen von Johnson & Johnson aus. Der Pharmakonzern überrascht die Analysten. An der Börse kommt das gut an.
NEW YORK Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J) profitiert bereits von der Großübernahme des Schweizer Biotechnologieunternehmens Actelion. Im ersten Quartal nach Abschluss der Transaktion übertraf J&J die Erwartungen und
schraubte seine Ziele fürs Gesamtjahr nach oben. Dazu trugen auch die neuen Blutkrebsmittel Darzalex und Imbruvica bei, die auf hohe Nachfrage stießen. An der Wall Street erhielt das US-Unternehmen am Dienstag Beifall, seine Aktie stieg um 1,6 Prozent.
Im abgelaufenen Vierteljahr sank der Nettogewinn zwar um zwölf Prozent auf 4,27 Milliarden Dollar. Er fiel aber ebenso höher aus als von Analysten vorausgesagt wie der Konzernumsatz, der um gut zehn Prozent auf 19,65 Milliarden Dollar stieg. Noch stärker legten die Pharmaerlöse zu mit einem
Plus von mehr als 15 Prozent. Zum Konsumgütergeschäft gehören Marken wie Penaten-Babypflege, o.b.-Tampons und Listerine-Mundwasser. Fürs Gesamtjahr stellt das Management nun Gesamterlöse von 76,1 bis 76,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Auch die Gewinnprognose wurde angehoben.
J&J hatte den Actelion-Kauf im Juni abgeschlossen. Mit einem Volumen von 30 Milliarden Dollar war es die größte Übernahme in der europäischen Pharmabranche seit 13 Jahren. Sie bringt J&J lukrative Mittel gegen seltene Krankheiten.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/johnson-und-johnson-zukauf-und-neue-krebsmittel-kurbeln-das-geschaeft-an/20467448.html


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