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Branchennews

Nachfolgend haben wir die letzten Meldungen aus dem Pharma-Bereich für Sie zusammengefasst

Deutsche Bank: Zur Rose mit Umsatzverdopplung bis 2022

Datum: 28.06.2019

Der Schweizer Arzneimittelversender Zur Rose Group will seine dominierende Stellung in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Eine entscheidende Rolle sollen dabei die vor allem in Deutschland tätige Tochter DocMorris und die Einführung des E-Rezeptes spielen. Der Umsatz dürfte sich bis 2022 auf 2,5 Milliarden Franken mehr als verdoppeln, der Rx-Anteil sich deutlich erhöhen, rechnet die Deutsche Bank vor. Analysten des Kreditinstitutes sehen für Zur Rose und DocMorris auch Vorteile gegenüber dem Wettbewerber Shop Apotheke.
Mit Marktanteilen von mehr als 32 Prozent im deutschen wie auch im schweizerischen ArzneimittelVersandgeschäft spielt der Pharmahandelskonzern Zur Rose in diesem Segment bereits heute die dominierende Rolle. Doch dabei soll es nicht bleiben. Der Schweizer Konzern will in nächster Zukunft nochmal richtig Gas geben und seine Dominanz weiter ausbauen. Dabei dürfte das Unternehmen deutlich stärker wachsen als der Markt. Das erläuterte die Konzernleitung jetzt während einer Roadshow gegenüber Investoren in Paris. Dabei handelt es sich um übliche Gespräche, die börsennotierte Unternehmen in regelmäßigen Abständen führen, um die Investoren über den aktuellen Stand des Unternehmens und die weitere Entwicklung zu informieren. Ziel solcher Gesprä-
che ist es, das Vertrauen der Geldgeber zu wahren beziehungsweise neue Investoren zu gewinnen.
Auch die Deutsche Bank war bei der Pariser Roadshow dabei. Deren Analysten kommen nun zu dem Ergebnis, dass Zur Rose außergewöhnlich gut positioniert ist, um von dem strukturellen Wandel hin zum Online-Phar-mageschäft zu profitieren. Dabei seien die Potenziale dieses Segmentes bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. So würden bislang in Kontinentaleuropa nur 4 Prozent der OTC-Produkte online vertrieben, im Rx-Bereich seien es weniger als 2 Prozent. Die Analysten setzen diese Werte im Vergleich zum Geschäft mit Elektronikartikeln -dort würden bereits 25 Prozent online verkauft.
Zur Rose kommt laut Deutsche Bank in diesem Prozess seine starke Stellung bei den Kunden und die Größe des gesamten kontentaleuropäischen Arzneimittelmarktes zugute, der ein Volumen von etwa 165 Milliarden Euro hat. Für die Schweizer spreche auch, dass die Markteintrittshürden in im Onlinesegment hoch seien und die Gefahr von plötzlich aufkommenden Wettbewerbern damit vergleichsweise gering.
Deutlicher Anstieg bei Rx erwartet
Im deutschen Arzneimittelmarkt, den die Deutsche Bank mit einem Volumen von 45 Milliarden Franken (zirka 40,5 Milliarden Euro) beziffert, erwirtschaftet das Unternehmen über
die Tochter DocMorris 56 Prozent seines Konzernumsatzes von zuletzt 1,2 Milliarden Franken. Während sich dieser Markt heute in etwa gleichmäßig auf OTC und Rx-Produkte verteilt, dürften sich die Gewichte zum Ende des Geschäftsjahres 2020 durch die Einführung des E-Rezeptes zum Rx-Bereich hin verlagern, wo die Margen höher sind als bei OTC-Produkten. Außerdem sollten mit dem E-Rezept die Einkaufsmengen steigen.
Die deutschen Rx-Onlineverkäufe, auf die derzeit etwa 1,3 Prozent der Arzneimittel-Umsätze entfallen, dürften damit nach den Worten der Deutsche-Bank-Analysten auf mittlere Sicht auf etwa 5 Prozent und auf längere Sicht auf 9 Prozent steigen. Marktkenner definieren mittlere Sicht mit etwa ein bis zwei Jahren, die längere Sicht mit drei bis fünf Jahren. Im Klartext hieße dies, dass der Rx-Onlinehandel bereits 2022 bei etwa 9 Prozent liegen könnte und auch Zur Rose dann in dieser Größenordnung rangieren würde. Zum Vergleich:
In Ländern wie Schweden und der Schweiz, die bereits E-Rezepte eingeführt haben, werden mehr als 10 Prozent der Rx-Umsätze per Online-handel erzielt. Bei jährlich etwa 500 Millionen Verschreibungen in Deutschland könnten damit bis zu 50 Millionen Rx-Rezepte online abgewickelt werden, so die Deutsche-Bank-Analysten. PharmNef
Aktiengesellschaft

Hilft den Versendern das E-Rezept überhaupt?
Beim BVDVA-Kongress hatte ein Experte des Marktforschungsunternehmens IQVIA am gestrigen Donnerstag versucht, die Frage zu beantworten: Inwiefern begünstigt die Einführung des E-Rezeptes überhaupt den Versandhandel? Dabei kam IQVIA zu einer komplexen Antwort. Den insbesondere mit Blick auf Dänemark und die Niederlande, wo es das E-Rezept bereits gibt, zeige sich, dass der Rx-Versand nicht in die Höhe geschnellt ist. In anderen Ländern mit E-Rezept ist der Rx-Anteil der Versender allerdings gestiegen. Die Deutsche Bank ist aber davon überzeugt, dass Zur Rose durch das E-Rezept wachsen wird. „Wir glauben, dass die Hauptattraktivität von Zur Rose in der Fähigkeit besteht, die europäische Pharmalandschaft aufzubrechen, indem das Unternehmen das traditionelle stationäre Geschäft mit Rx- und OTC-Arzneimitteln auf eine E-Commerce-Plattform überträgt", so die Überzeugung der Deutsche-Bank-Analysten. Unterstützung komme dabei von der Politik - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sei ein starker Förderer digitaler Gesundheitstechnologien. Vor diesem Hintergrund prognostiziert das Geldhaus für Zur Rose bis 2022 ein jährliches Umsatzwachs-
tum, das mit gut 20 Prozent deutlich über dem Wachstum des gesamten Arzneimittelmarktes (stationärer und Online-Handel inklusive OTC und Rx) von 6 Prozent liegen dürfte. Damit würde das Unternehmen seine ohnehin starke Marktposition noch weiter ausbauen. In konkreten Zahlen bedeutet dies laut dem Kreditinstitut, dass das Unternehmen seinen Umsatz bis 2022 auf etwa 2,5 Milliarden Franken mehr als verdoppeln sollte. Zudem erwarten die Analysten ab 2019 ein stabiles positives Ergebnis. Diese Annahmen basierten auf einer konservativen Schätzung und sollten daher gut erreichbar sein. Bemerkenswert ist auch, dass die Analysten Zur Rose im Vergleich zum direkten Wettbewerber Shop Apotheke Europe bei mehreren Parametern klar vorne sehen: So hätten die Schweizer eine deutlich stärkere Position bei Logistik und Technologie. Zudem verfüge der Konzern über ein profitables heimisches Geschäft als Absicherung seiner Expansion in anderen Ländern.
DocMorris will führende Gesundheitsapp herausbringen
DocMorris-Chef Olaf Heinrich bricht die auf der Roadshow genannten Ziele auf konkrete Projekte herunter: „Wir wollen nicht mehr in erster Linie nur ein Produkt verkaufen, sondern den Kunden auf einer elektronischen Plattform ein One-Stop-Shopping-
Angebot mit Service bieten", sagte er kürzlich der Schweizer Zeitung Finanz und Wirtschaft (FuW). Dazu zähle er Telematik-Dienstleistungen wie Onlinedoktor, Selbstdiagnose und Medikationsmanagement. Zudem sei er zuversichtlich, Apotheken an die Plattform anschließen zu können. Zur Erinnerung: DocMorris hatte beim E-Rezept erst kürzlich eine Kooperation mit dem Spitzenverband der Fachärzte angekündigt.
Begleitend zur Einführung des E-Rezeptes will DocMorris möglichst bald eine Gesundheitsapp herausbringen. Heinrich übt sich dabei nicht in Bescheidenheit, sondern formuliert, dass es die führende App für das Gesundheitssystem werden soll, wie FuW weiter ausführt. Demnach werde es in einigen Jahren nur einen großen Marktplatz geben in Europa. Was Heinrich laut der Zeitung nicht sage, aber meine: Dieser eine Marktplatz soll von DocMorris sein.
Um das Wachstum auch logistisch bewältigen zu können, baut DocMor-ris derzeit seine Lagerkapazitäten am holländischen Unternehmenssitz bei Heerlen kräftig aus. Nach mehreren Übernahmen anderer Versandapotheken in den zurückliegenden beiden Jahren sollen ab 2021 sämtliche Logistikaktivitäten an diesem einen Standort gebündelt werden.
Die Kapazität soll dann von zehn- auf 30 Millionen Versandpakete pro Jahr steigen.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/28/deutsche-bank-zur-rose-mit-umsatzverdopplung-bis-2022


Bundestag entschärft Datenschutz-Regeln - auch für Apotheken

Datum: 28.06.2019

Vor ziemlich genau 13 Monaten wurden die Datenschutz-Regulierungen in Deutschland verschärft: Zum einen trat die in allen EU-Mitgliedstaa-ten geltende EU-Datenschutzgrund-verordnung (DSGVO) in Kraft, zum anderen das neu gefasste Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Eine der umstrittensten Regulierungen für die Apotheken war die Pflicht, dass Unternehmen ab zehn Mitarbeitern grundsätzlich einen Datenschutzbeauftragten brauchen. Diese Pflicht hat der Bundestag nun gelockert: Jetzt müssen nur noch Betriebe ab 20 Mitarbeitern einen Beauftragten bestellen.
Seit dem 25. Mai 2018 gelten die EU-Datenschutzgrundverordnung und das neue Bundesdatenschutzgesetz. Auch Apotheken müssen sich seitdem den neuen Anforderungen stellen. Eine Frage, die viele Apothekenleiter bis heute umtreibt: Brauche ich jetzt einen Datenschutzbeauftragten? Denn: § 38 BDSG-neu gibt vor, dass der Verantwortliche - im Fall einer Apotheke ist dies der Inhaber der Betriebserlaubnis - einen Datenschutzbeauftragten benennt, soweit er „in der Regel mindestens zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten" beschäftigt. Zu zählen sind alle Apotheken-Mitarbeiter, die auf die automatisierte Datenverarbeitung zugreifen, nicht aber zum Beispiel Reinigungspersonal. Entscheidend
sind dabei die Köpfe und nicht, ob die Personen teil- oder vollzeitbeschäftigt sind. Hat eine Apotheke mehrere Filialen, sind die Mitarbeiter aller Filialen mitzuzählen.
GroKo: Kleinbetriebe entlasten
Doch sehr plötzlich ist diese Regelung nun Vergangenheit: Denn der Bundestag hat am gestrigen Donnerstagabend ein Datenschutzgesetz beschlossen, das eine Aufweichung dieser Regel vorsieht. Künftig sollen nur noch Betriebe einen Datenschutzbeauftragten benötigen, wenn sie mindestens 20 Mitarbeiter haben.
Zur Begründung heißt es im „Zweiten Datenschutzanpassungs- und Umsetzungsgesetz", mit dem die Große Koalition die Datenschutzvorgaben weiter an das EU-Recht anpasst: „In § 38 Absatz 1 Satz 1 wird die maßgebliche Personenzahl, ab der ein betrieblicher Datenschutzbeauftragter zu benennen ist, von 10 auf 20 angehoben. Angestrebt wird damit vor allem eine Entlastung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie ehrenamtlich tätiger Vereine."
Medienberichten zufolge hat sich mit dieser Klausel die Union durchgesetzt. Die Anpassung dieser Vorgabe erfolgte sehr kurzfristig: Erst in der vergangenen Woche berichtete der Berliner „Tagesspiegel" von einem „Entschließungsantrag" von Union und SPD, in dem erstmals die 20-Mit-arbeiter-Grenze erwähnt wurde. Am vergangenen Dienstag beschloss der
Innenausschuss des Bundestages dann eine Beschlussempfehlung zum oben genannten Gesetz, in dem die Lockerung der Datenschutzbeauf-tragten-Vorgabe ebenfalls enthalten war. Gestern Abend folgte dann die Abstimmung im Bundestagsplenum. Das Gesetz ist allerdings zustimmungspflichtig, muss also auch vom Bundesrat noch beschlossen werden.
Bayern: Schon 2018 gegen zu harte Datenschutz-Vorgaben
Insbesondere die CSU hatte innerhalb der Großen Koalition Druck gemacht. Denn schon im August 2018 stellte die bayerische Partei klar, dass sie bei der Umsetzung einen eigenen, einen „bayerischen Weg" gehen wolle. Die bayerische Landesregierung beschloss damals ein Papier mit dem Namen „Der Bayerische Weg zu einer bürgernahen und mittelstandsfreundlichen Anwendung". Den Charakter eines Gesetzes oder einer Verordnung hat dieser „bayerische Weg" nicht - vielmehr klingt er wie eine Interpretation der auf Bundesebene beschlossenen neuen DatenschutzGrundsätze. In der Klarstellung macht die bayerische Landesregierung deutlich, dass sie auf eine „mittelstandsfreundliche Anwendung des Datenschutzrechtes" beharre. Die Anwendung müsse „sachgerecht" und „mit Augenmaß" erfolgen. PharmNef
Aktiengesellschaft

Was die Bestellung eines Datenschutzbeauftragten in Apotheken betrifft, hatte das Innenministerium gegenüber DAZ.online schon damals Interpretationsspielraum gesehen.
Ein Sprecher erklärte im August 2018 dazu: „Nicht nur die Personenan-
zahl (mindestens zehn Personen) ist wichtig. Hinzukommen muss, dass die Personen ständig, also mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit, nur mit der Datenverarbeitung befasst sind. (...) Zwar kommen die Mitarbeiter täglich mit den Daten der Kunden in Berührung, wenn sie Rezepte der Kunden entgegennehmen und diese
abrechnen. Die Verarbeitung dieser personenbezogenen Daten füllt aber nicht die Hälfte ihrer Arbeitszeit aus. Sie sind daher nicht ständig mit der Datenverarbeitung befasst, da sie den Großteil ihrer Zeit auf die Beratung von Kunden und den Verkauf apothekenüblicher Waren und Medikamente verwenden."


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/28/bundestag-entschaerft-datenschutz-regeln-auch-fuer-apotheken


Auf diese Arzneien sollten Ärzte bei Hitze achten

Datum: 26.06.2019

Auf bis zu 40 Grad soll das Thermometer diese Woche klettern. Ein Risiko für viele Patienten - vor allem unter bestimmten Medikamenten.
Christian Beneker und Denis Nößler
NEU-ISENBURG. Der Sommer ist in Deutschland angekommen. Für die kommenden Tage erwartetet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach Höchstwerte bis zu 40 Grad Celsius. Ein Risiko für Kleinkinder, Senioren, vor allem aber für Patienten mit einer chronischen Erkrankung. Besonders betroffen sind Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Adipositas, Niereninsuffizienz, Neurologischen Leiden, Demenz, Pneumologischen Erkrankungen und fieberhaften Erkrankungen.
Die Notaufnahmen in der Republik stellen sich schon auf mehr Patienten ein, die wegen Hitzefolgen behandelt werden müssen. „Besonders der Mangel an Flüssigkeit und die unmittelbare Hitzeeinwirkung sind gefährlich, vor allem ältere Menschen und Kinder reagieren empfindlicher", erklärt Dr. Ulrike Cretan, Chefärztin der Rettungsstelle und Intensivstation der Asklepios Harzkliniken in Goslar.
Hitzebedingte Mortalität
Dass die Hitze tatsächlich zu mehr Todesfällen führen kann, hatte jüngst erst das Robert Koch-Institut gezeigt. Im vergangenen Sommer, dem zweitheißesten seit Beginn der Wetter-
aufzeichnung, sind demnach allein in Berlin und Hessen über 1200 Menschen an den Folgen der Sommerhitze gestorben (Epi Bull 2019; 23:193). Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) empfiehlt Ärzten, auf typische unerwünschte Wirkungen zu achten, die bei verschiedenen Arzneimitteln unter Hitzeexposition auftreten können, etwa:
■ Erhöhte Körpertemperatur etwa bei Anticholinergika, Antidepressiva;
■ H emmung der zentralen Thermoregulation unter Neuroleptika, SSRI;
■ Verringertes Schwitzen bei Muska-rinrezeptor-Antagonist;
■ Sedierung durch dopaminerge und Parkinsonarzneien, die die Wahrnehmung der Hitzeerschöpfung senken;
■ Dehydratation und Elektrolytimba-lance durch eine Hyponatriämie, die Diuretika auslösen können;
■ Reduzierung der Herzleistung etwa durch Betablocker, die die Hitzeadaption beeinträchtigen können;
■ Erhöhte Toxizität durch eine Dehydratation, die die Wirkstoffkonzentration im Körper steigen lässt oder etwa bei transdermalen Systemen die Wirkstofffreisetzung verstärkt.
Das Landesgesundheitsamt in Niedersachsen (NLGA) weist Hausärzte auf Risiken durch weitere Arzneien hin. Dazu zählten nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Sulfonamide, Antiarrhythmika, Biguanide und Sulfonylharnstoffe, H1-Antihistaminika oder auch Pseudoephedrin.
Was wird Ärzten empfohlen?
Das NLGA empfiehlt Arztpraxen, eine Liste von Medikamenten zusammenzustellen, die den Patienten zuletzt verordnet wurden. Anschließend sollten diese Substanzen und die Hitzeexposition „in die Betrachtung des gesamten Risikoprofils eines Patienten einbezogen werden." Ergo: Nutzen einer Arznei und mögliche Schaden durch ein Abschätzen sollten mit den Hitzerisiken abgewogen wogen. Die Initiative KLUG empfiehlt Ärzten außerdem organisatorische Maßnahmen: In der Praxis sollten kühle Orte identifiziert und Erholungsräume eingerichtet werden.
Das Land Niedersachsen hat derweil mit dem Deutschen Wetterdienst vereinbart, dass sich die Pflegeeinrichtungen des Landes beim internetgestützten Hitzewarnsystem des DWD anmelden können. Dadurch sollen sie die Patienten besser auf die heißen Tage vorbereiten können. Trotz solcher Möglichkeiten kritisiert der KLUGVorsitzende Dr. Martin Herrmann: „In anderen europäischen Ländern ist die öffentliche Gesundheitsfürsorge viel weiter als bei uns." Während in Frankreich Gesundheitsministerin Dr. Agnès Buzyn kommunale Behörden, Ärzte und Krankenhäuser sowie Pflege- und Altenheime aufgerufen habe, sich auf diesen medizinischen Notfall vorzubereiten, würden die enormen Folgen des Klimawandels im deutschen Gesundheitssystem noch nicht realisiert, kritisiert KLUG.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/article/991166/unerwuenschte-wirkungen-diese-arzneien-sollten-aerzte-hitze-achten.html


ABDA: Apothekenzahl könnte auf 17.200 sinken

Datum: 24.06.2019

Ändert sich nichts an den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken, könnte die Apothekenzahl in den nächsten zehn Jahren auf etwa 17.200 sinken. Davon geht die ABDA nach einer „rein rechnerischen Fortschreibung“ aus. Der „Focus“ hatte zuvor über eine entsprechende Studie der ABDA zur Entwicklung der Apothekenzahl berichtet. Die ABDA selbst stellt aber klar: Diese Studie gibt es nicht.
Nach dem ersten Quartal dieses Jahres lag die Apothekenzahl bei 19.337. Die Zahl der Betriebsstätten ist in den vergangenen zehn Jahren demnach also um rund 2.200 zurückgegangen. Ende 2008 hatte es noch etwa 21.600 Apotheken in Deutschland gegeben. Unter der Überschrift „Weniger Apotheken" hat der „Focus" am vergangenen Wochenende nun darüber berichtet, dass die ABDA eine „Studie" vorgelegt habe, nach der sich die Apothekenzahl in den kommenden zehn Jahren um weitere 2.200 Betriebsstätten verringern könnte. Das würde den niedrigsten Stand seit 1979 bedeuten. Als Grund habe die ABDA „Nachwuchsprobleme und die Wettbewerbsnachteile gegenüber dem Versandhandel" genannt.
Aber was ist dran an diesen Zahlen? Gibt es eine solche ABDA-Studie? Und: Auf welchen ABDA-Berechnun-gen beruht diese Annahme? DAZ.
online hat bei ABDA-Sprecher Reiner Kern nachgefragt. Kern erklärte dazu: „Eine Studie der ABDA zur weiteren Entwicklung der Apothekenzahlen gibt es nicht. Diese Zahl, die die ABDA gegenüber dem Focus kommuniziert hat, beruht auf einer rein rechnerischen Fortschreibung der Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Würde der Rückgang der Betriebsstätten genau so weitergehen wie in der letzten Dekade, hätten wir in zehn Jahren 2.200 Betriebsstätten weniger. Tatsächlich ist die Entwicklung natürlich nicht genau vorhersehbar. Etwaige Entwicklungen, die sich beispielsweise durch das Apotheken-Stärkungsgesetz ergeben könnten und die Zahl der Apotheken beeinflussen könnten, sind hier beispielsweise nicht eingerechnet." Tatsächlich ist es so, dass die Apothekenzahl zuletzt sogar deutlich schneller gesunken ist, als in den Vorjahren. Im Jahr 2018 sank die Zahl der Betriebsstätten um 1,6 Prozent beziehungsweise 325 Betriebsstätten. Das markierte den bislang stärksten Rückgang innerhalb eines Kalenderjahrs. Die Apothekendichte in Deutschland ist damit von 24 auf 23 Apotheken pro 100.000 Einwohner zurückgegangen und liegt damit nun deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 31. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 gab es laut Angaben der ABDA in Spanien 47 Apotheken je 100.000 Einwohner.
Wie geht es den Apotheken wirtschaftlich?
Beim DAV-Wirtschaftsforum im Mai dieses Jahres machte die ABDA-Geschäftsführerin für Ökonomie, Claudia Korf, deutlich, dass sich diese Entwicklung sogar noch verschärfen könnte. „Wenn nichts passiert, geht es so weiter, aber beschleunigt", sagte Korf. Die Wirtschaftsexpertin erklärte, dass die Entwicklung im OTC-Markt ein grundlegendes Problem für die Apotheker darstelle - OTC gehe „zunehmend an den Apotheken vorbei", sagte sie. Deswegen sei es so wichtig, dass die Rx-Versorgung in der Apotheke gestärkt werde. Durchschnittlich würden 81 Prozent des Umsatzes einer Apotheke vom GKV-Markt abhängen (Gesamtumsatz: 50,76 Mrd. Euro).
Aber wie ist es um die wirtschaftliche Situation der Apotheken grundsätzlich bestellt? Rund 2,4 Millionen Euro setzten die Apotheken 2018 durchschnittlich um, erklärte Dr. Eckart Bauer, Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales, auf dem DAV-Wirtschaftsforum im Mai. Etwa 61 Prozent der Apotheken liegen unter dem Durchschnittswert. Auch wenn der Umsatz seit Jahren steigt: Auf das Betriebsergebnis der übrigen Apotheken hat die Verlagerung kaum Einfluss. PharmNef
Aktiengesellschaft

So müssen rund 76 Prozent des Netto-Umsatzes für den Wareneinsatz aufgebracht werden. Während die sonstigen steuerlich abzugsfähigen Kosten seit Jahren abnehmen, stagnieren die Personalkosten seit mehr als 15 Jahren zwischen 10 und 11 Prozent des Umsatzes (2018: 10,7 Prozent). Gemessen am Rohgewinn betrug der Personalkostenanteil 2018
rund 45 Prozent. Das Betriebsergebnis lag 2017 bei durchschnittlich 143.885 Euro, das entspricht genau 6 Prozent des Netto-Umsatzes. Seit Jahren stellt dies einen Abwärtstrend dar.
BMWi: 7.600 Apotheken sind gefährdet
Die Apothekenzahl und die wirtschaftliche Situation der Betriebsstätten war auch im Honorargutachten
des Bundeswirtschaftsministeriums ein Thema. Die Agentur 2hM stellte fest, dass etwa 7.600 ApothekenUnternehmen (Einzelapotheken oder Filialverbünde) als gefährdet einzustufen seien. Denn sie würden keinen angemessenen Unternehmerlohn von 99.000 Euro jährlich erwirtschaften. Als gefährdet werteten die Gutachter Apotheken-Unternehmen mit Umsätzen bis 2 Millionen Euro.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/24/abda-apothekenzahl-koennte-auf-17-200-sinken


Hennig: Investition und Umbau für Securpharm

Datum: 28.06.2019

Berlin - Seit dem 9. Februar gilt in Europa die neue Fälschungsrichtlinie: Alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel, die seitdem produziert werden, durchlaufen eine Seriali-sierung. Die Umsetzung ist nicht nur für Apotheken mit Investitionen und Problemen verbunden, auch die Hersteller werden vor Herausforderungen gestellt. Die Brüder Kai und Holger Schleenhain, Inhaber von Hennig Arzneimittel, wurden bei der Umsetzung von Securpharm vor ungeahnte Hindernisse gestellt. Um sie zu überwinden, war eine Investition von rund 7,5 Millionen Euro notwendig.
„Es ist nur eine einzige Richtlinie, aber sie hat weitreichende Konsequenzen", erläutert Dr. Peter von Hagel, Technischer Direktor bei Hennig.
Die neue Serialisierungseinheit habe schlichtweg nicht in das bisherige Produktionsgebäude gepasst, die Fluchtwege wären blockiert gewesen. Daher musste umdisponiert und vor allem investiert werden: Das bisherige Distributionsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde geräumt, entkernt und neu aufgebaut. Anforderungen an Technik, Lüftung, Wasser und Brandschutzmaßnahmen mussten erfüllt und das neu gestaltete Gebäude qualifiziert werden. Die gesamten Verpackungslinien zogen vom Hauptgebäude in die umgebaute Halle und wurden mit neuer Serialisierungstechnik im Wert
von etwa einer Million Euro ausgestattet.
Der Aufbau der IT-Infrastruktur sei eine technische Herausforderung gewesen. Wenn mal etwas nicht richtig funktioniere, ziehe das „einen Rattenschwanz an Problemen und Kosten" mit sich, erklärt von Hagel. „Die IT macht mir mehr Angst als mechanische Probleme." Der gesamte Umzug hat etwa ein Jahr gedauert. Für die Umsetzung der Fälschungsrichtlinie investierte das Unternehmen etwa den dreifachen Jahresgewinn. „Das ist für einen Mittelständler schon sehr viel", gibt Schleenhain zu bedenken. Allerdings betont er auch: „Eine Innovation bekommt man nicht, ohne zu investieren."
Durch die neue Datenschutzrichtlinie seien aber nicht nur Investitionskosten entstanden. „Es entstehen auch Folgekosten", erklärt Schleenhain:
Die Seriennummern müssen gekauft werden, Updates und Wartungen werden ebenfalls regelmäßig durchgeführt. Das Risiko für Fälschungen stuft Schleenhain jedoch in Deutschland als gering ein. Es entstehe eher beim Bezug von Medikamenten von nicht verifizierten Quellen aus dem Ausland.
Hennig fertigt aber nicht nur eigene Arzneimittel an, auch für andere Firmen wird produziert und konfektioniert. „Wir haben für jeden deutschen Generikahersteller schon mal etwas hergestellt", erklärt Schleenhain. Mittlerweile mache die Produktion
für andere Firmen sogar den Großteil aus. Zusätzlich findet der Export in 26 Länder statt. Bei vielen Unternehmen finde die Konfektionierung in Osteuropa oder sogar Asien statt. „Wir wollen jedoch made in Germany haben."
Wäre nicht in die neue Konfektionierung investiert worden, hätten einige Generikahersteller womöglich die Lohnfertigung bei Hennig eingestellt. „Viele Kunden wollen alles aus erster Hand", erklärt Schleenhain: von der Produktion bis zur Verpackung. Dadurch entstehe eine enorme Erleichterung von Formalitäten. 330 Mitarbeiter sind derzeit im Unternehmen tätig, 90 davon im Außendienst für Apotheken und Ärzte. Seit dem Umbau produziert Hennig mit drei Maschinenstraßen: Fünf Tage die Woche wird rund um die Uhr im Zwei-und Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet, um die Maschinen voll auszulasten. Knapp 50 Prozent des Umsatzes macht Hennig mit Arlevert, dem Marktführer bei Schwindel. „Schwindel ist noch häufiger als Rückenschmerzen", erklärt Schleenhain.
Das Medikament hat in 34 Ländern die Zulassung, in Russland läuft ein weiterer Antrag mit Berlin Chemie als Partner. Um das Arzneimittel auch in den USA zu vermarkten, sucht Hennig derzeit noch einen passenden Partner für den Zulassungsantrag bei der FDA. PharmNef
Aktiengesellschaft

Wenn alles klappe, könne in drei bis fünf Jahren mit einer Zulassung in den USA gerechnet werden, sagt Schleenhain. Das Procedere koste rund 15 bis 20 Millionen Euro.
Neue Wirkstoffe könne ein mittelständisches Unternehmen zwar nicht entwickeln, jedoch arbeite Hennig ständig an Weiterentwicklungen. So laufen derzeit die Zulassungsstudien für Arlevert retard: Statt wie bisher dreimal müsse die neue Formulierung nur noch zweimal täglich eingenommen werden. Dies würde vor allem die Compliance bei multimorbiden Patienten erhöhen. Der enthalte-
ne Wirkstoff Cinnarizin sei jedoch kompliziert zu verarbeiten und stelle immer wieder vor galenische Herausforderungen. „Eine richtige Diva." Die Entwicklung sei ein schwerer und steiniger Weg, daher lasse man das Produkt durch Patent schützen.
Um ein breites Fundament zu schaffen, hat Hennig neben den krankenkassenabhängigen Produkten auch eine OTC-Linie aufgebaut, zu der Produkte wie Licener, Wortie, Foot-ner, Medcoat und die Trivital-Linie gehören. Schleenhain betont, dass Wert darauf gelegt werde, die Produkte ausschließlich in der Apotheke zu vertreiben. Um sich von anderen Herstellern abzuheben, schafft das
Unternehmen „Unique Selling Points". So war Licener das erste Produkt gegen Läuse mit nur zehn Minuten Einwirkzeit, bei Wortie ist die Technik des Metallstifts ein wesentlicher Unterschied zu anderen Vereisungsmethoden, die mit Schwämmchen arbeiten.
In den letzten zehn Jahren hat Hennig seinen Umsatz von 35 auf 50 Millionen Euro gesteigert. „In den nächsten zehn Jahren sollen es noch einmal 30 bis 50 Prozent werden", sagt Schleenhain. Wenn das USA-Geschäft hinzukomme, könne man sogar mit rund 200 Prozent Umsatzwachstum rechnen.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftHersteller
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/hennig-investition-und-umbau-fuer-securpharm-herausforderungen-der-faelschungsrichtlinie/


Elliott wird Bayer gehörig aufmischen

Datum: 27.06.2019

Der amerikanische Hedgefonds Elliott steigt bei Bayer ein - und vergrößert damit seine Macht. Droht nun die Zerschlagung der Leverkusener?
Deutschland hat seinen dritten großen Fall Elliott. Der amerikanische Hedgefonds mischt im Leitindex Dax nun auch Bayer auf, nach ThyssenKrupp und SAP. Elliott bestätigt zum einen endlich, was die Kapitalmarktspatzen von den Dächern Frankfurts und Londons pfiffen: Er hält nun einen Anteil an Bayer, und zwar um die 2 Prozent. Zum anderen macht der Fonds eine seiner berüchtigten Andeutungen zur Konglomeratsstruktur. Am Ende könnte die Forderung stehen, den Pharma- und Agrochemiekonzern aufzuspalten -auch wenn Bayer jetzt erst mal den Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat angehen soll.
Es ist erstaunlich, wie sehr aktivisti-sche Investoren und allen voran Elliott zuletzt immer noch unterschätzt wor-
den sind. Investmentbanker weisen seit Jahren auf ihren Vormarsch hin. Das mag zum Trommeln der Banker gehören, schließlich sichern die sich gerne Beratungsmandate zur Verteidigung der Unternehmen. Aber dass sie in der Sache recht haben, ist seit langem sichtbar. Deutsche Vorstände aber saßen lange auf dem hohen Ross. Elliott zum Beispiel hat zwar meist nur vergleichsweise kleine Anteilspakete. Aber der Investor spielt seine Macht nicht über die Höhe der Beteiligung aus - sondern über seine Fähigkeit, andere Investoren für sein Begehr zu gewinnen.
Elliott machte sich in Deutschland vor mehr als fünfzehn Jahren zunächst nur einer Fachwelt bekannt: Die Amerikaner begannen in laufende Übernahmen zu grätschen, kauften Anteilspakete der betroffenen Unternehmen, stellten sich quer und pressten Abfindungen heraus. Erstmals führten sie das 2003 im Fall Wella vor und machten das Vorgehen zum
Präzedenzfall. Schon damals wurde Elliott unterschätzt.
Erst in jüngster Zeit wendet der Hedgefonds hierzulande auch ein anderes Geschäftsmodell an, erprobt im Ausland. Er versucht Vorstände zu grundlegenden Konzernumbauten zu bewegen. Zunächst hinter den Kulissen, aber wenn das nicht fruchtet, wird er ungemütlich - so geschehen bei Thyssen-Krupp, wo Elliott maßgeblich zum Chaos seit dem vergangenen Jahr beitrug. Im Fall SAP schaffte er dagegen, den Vorstand ohne öffentlichen Druck zur Kooperation zu bewegen: Der Softwarekonzern legte auch so sein gewünschtes Renditeprogramm auf. Bayer bekommt nun von Elliott kurzfristig Lob für ein neues Konzept im Rechtsstreit um Glyphosat. Aber das große Thema steht im zweiten Schritt an: die Zukunft Bayers als Mischkonzern - und was der Vorstand dazu dann sagt.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftHersteller
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Web: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/bayer-wird-durch-us-hedgefonds-elliott-aufgemischt-werden-16257375.html


Abbvie bietet G3 Milliarden Dollar für Botox-Hersteller Allergan

Datum: 25.06.2019

Die Pharmabranche steht vor einem neuen Mega-Deal: Der US-Biotech-konzern Abbvie will den Botox-Hersteller Allergan für rund 63 Milliarden Dollar schlucken. Durch den Zukauf entstünde ein neuer Branchenriese mit einem gemeinsamen Umsatz von rund 48 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Es wäre einer der bislang größten Übernahmen in der Pharmabranche aller Zeiten.
Nach Abschluss der Transaktion sollen die Anteilseigner von Abbvie etwa 83 Prozent und die Allergan-Aktionäre rund 17 Prozent an dem Unternehmen halten, wie beide Seiten am Dienstag mitteilten. Mit dem Deal würde Abbvie seine Abhängigkeit von dem Rheuma-Mittel Humira verringern. Das umsatzstärkste Medikament der Welt war über Jahre der
Wachstumstreiber für den Konzern, verlor im vergangenen Herbst aber seinen Patentschutz. Nun platziert Abbvie mit dem Milliardengebot eine neue Wette - diesmal auf Botox. Botox wird aus dem Nervengift Botulinumtoxin gewonnen: Zahlreiche Menschen lassen es sich in geringer Dosierung unter die Haut spritzen, um Falten zu glätten oder der Faltenbildung vorzubeugen.
In der Pharmaindustrie war es in den vergangenen Jahren zu mehreren milliardenschweren Übernahmen gekommen. Zuletzt hatte Anfang dieses Jahres Bristol-Myers Squibb die Übernahme von Celgene für 74 Milliarden Dollar angekündigt - dies wäre der größte je in der Branche getätigte Zukauf.
Allergan ist vor allem für seine Produkte im Bereich medizinische
Ästhetik bekannt und auf dem Gebiet Weltmarktführer. Der US-Pharmarie-se Pfizer Börsen-Chart zeigen hatte 2016 versucht, Allergan für 160 Milliarden Dollar zu übernehmen, war damit aber gescheitert. Seitdem hat sich der Börsenwert von Allergan nahezu halbiert und das Unternehmen war in das Visier aktivistischer Investoren geraten.
Im Rahmen der Transaktion mit Abbvie sollen die Allergan-Aktionäre je Anteilsschein 0,8660 AbbVie-Aktien und 120,30 Dollar in bar bekommen. Das entspreche gemessen am jüngsten AbbVie-Aktienkurs einem Preis von 188,24 Dollar je Anteilsschein. Am Montag waren Allergan mit 129,57 Dollar aus dem Handel gegangen.
Der Abschluss des Deals ist bis Anfang 2020 geplant.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftHersteller
Quelle: Manager Magazin
Web: https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/botox-hersteller-allergan-abbvie-bietet-63-milliarden-us-dollar-a-1274244.html


Proteine in den Abbau zwingen

Datum: 28.06.2019

Immense Forschungsgelder fließen derzeit in eine neue Wirkstoffklasse: Sogenannte PROTACs ermöglichen es erstmals, bislang therapeutisch nicht angreifbare Proteine - was auf etwa 80 Prozent der krankheitsauslösenden Proteine zutrifft - zu attackieren. Zwei erste Wirkstoffkandidaten befinden sich in Phase I der klinischen Prüfung.
Die neue PROTAC-Technologie (Proteolysis-Targeting Chimeras = auf die Proteolyse abzielende Moleküle) nutzt das natürliche Proteinabbausystem der Zelle, um selektiv einzelne Zielproteine durch Proteolyse abzubauen und in ihre Bausteine, die Aminosäuren, zu zerlegen. Das geschieht folgendermaßen: PROTAC-Moleküle sind bifunktional aufgebaut. Der eine Arm des Moleküls bindet an das Zielprotein, der andere an das Protein E3-Ubiquitin-Ligase. Dieses fungiert als Markierung für das Pro-teasom, dass das ubiquitin-markierte
Zielprotein in kleinere Peptide und Aminosäuren zerlegt. Durch den Abbau des Zielproteins wird das PROTAC-Molekül freigegeben und der Zyklus kann erneut beginnen. Theoretisch können PROTACs jedes beliebige Protein auf diese Art und Weise in den Abbau zwingen, auch die bisher »undruggable« 80 Prozent. Pionier auf dem Gebiet der PROTAC-Technologie ist das US-amerikanische biopharmazeutische Unternehmen Arvinas, das zwei Kandidaten am Start hat. ARV-110 ist ein bifunktio-nales Molekül, das bei Männern mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) zum Einsatz kommen soll, deren Krebs trotz zwei oder mehr vorherigen Therapien fortgeschritten ist. ARV-110 hat als Zielprotein den Androgen-Rezeptor. Das PROTAC wird derzeit in einer Phase-I-Studie an etwa 30 Männern mit mCRPC evaluiert. Erste Ergebnisse erwartet das Unternehmen im Jahr 2020. Die US-amerikanische Zulas-
sungsbehörde FDA hat ARV-110 eine Fast Track designation erteilt, was in der Regel eine beschleunigte Zulassung beinhaltet.
Ein zweites Protein der Firma richtet sich gegen Estrogen-Rezeptoren (ER): eine Phase-I-Studie mit ARV-471 an Frauen mit ER positivem/HER2 negativen metastasiertem Brustkrebs beginnt im dritten Quartal dieses Jahres.
Zwar gibt es für beide Krebserkrankungen bereits klassische Wirkstoffe. Diese kommen aber zum Beispiel bei mCRPC-Patienten mit sehr hohen Androgen-Rezeptor-Spiegeln oder mit Mutationen im Rezeptor schnell an ihre Grenzen. Ein weiterer Vorteil könnte die im Vergleich zu herkömmlichen Wirkstoffen deutlich längere Wirkdauer der PROTAC sein. Denkbar wäre zum Beispiel ein dadurch gestrecktes Einnahmeschema und in der Folge weniger Nebenwirkungen -so zumindest die Theorie.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftForschung und Entwicklung
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/proteine-in-den-abbau-zwingen/


Becker: Bundesrat soll auf Streichung der Importförderklausel beharren

Datum: 27.06.2019

Am Freitag muss der Bundesrat über das Schicksal des GSAV entscheiden. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrates hatte empfohlen, das Gesetz nicht ungehindert durchzuwinken. Stein des Anstoßes ist unter anderem die Importförderklausel. Auch DAV-Chef Fritz Becker, bekanntermaßen kein Fan dieser Klausel, hat sich nun zu Wort gemeldet. Er fordert den Bundesrat auf, der Empfehlung seines Gesundheitsausschusses zu folgen und auf der ersatzlosen Streichung zu beharren.
Am kommenden Freitag könnte der Bundesrat eine für die Arzneimittelpolitik wichtige Entscheidung treffen: Denn das bereits vom Bundestag beschlossene Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV), mit dem der Gesetzgeber in erster Linie auf die Arzneimittelskandale aus dem vergangenen Sommer reagieren will, könnte im Vermittlungsausschuss landen. Denn nach seinem Beschluss war es in den Gesundheitsausschuss des Bundesrates gekommen. Dieser sprach sich nach Anträgen aus Brandenburg und Thüringen mehrheitlich dafür aus, das Gesetz nicht ungehindert durchzuwinken. Ein Grund: die im GSAV gefundene Kompromiss-Regelung zur Importförderklausel. Die beiden ostdeutschen Bundesländer fordern die komplette Streichung der Im-
portförderung und nicht eine Neuregelung, wie es aktuell vorgesehen ist. Damit das gesamte GSAV aber blockiert wird, müsste das Plenum des Bundesrates der Empfehlung des Gesundheitsausschusses am kommenden Freitag aber folgen.
„... damit nicht sinnlos wichtige Arzneimittel quer durch Europa geschickt werden.“
Genau das würde sich auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) und sein Chef Fritz Becker wünschen. In einer am heutigen Donnerstag versandten Pressemitteilung heißt es: „Die Sicherheit von Arzneimitteln in deutschen Apotheken darf nicht länger durch eine bürokratisch aufwendige und wirtschaftlich unsinnige Importquote für rezeptpflichtige Medikamente auf Kassenrezept untergraben werden. Dann wird DAV-Chef Becker zitiert: „Wir fordern den Bundesrat für morgen auf, der Empfehlung seines Gesundheitsausschusses zu folgen und auf der ersatzlosen Streichung zu beharren. Dazu muss das Gesetz zur Sicherheit in der Arzneimittelversorgung in den Vermittlungsausschuss überwiesen werden", sagt Fritz Becker. „Die Importförderklausel muss vollständig gestrichen werden, damit nicht sinnlos wichtige Arzneimittel quer durch Europa geschickt werden. Im jeweiligen Herkunftsland werden womög-
lich die Medikamente knapp, während im Zielland die komplexen Vertriebsstrukturen kaum mehr nachvollziehbar sind. Importe bleiben - ganz ohne Not - ein Einfallstor für Arzneimittelfälschungen, das man ganz leicht schließen kann."
Den Risiken steht kein adäquater wirtschaftlicher Nutzen gegenüber
Weiter heißt es, der Bundesrat habe bereits in einer früheren Stellungnahme festgestellt, dass der Parallelhandel mit Arzneimitteln nach Beobachtungen der Strafverfolgungs- und Arzneimittelüberwachungsbehörden von einer zunehmenden Zahl von Arzneimittelfälschungsfällen betroffen sei. Den Ländern zufolge erschwere dieses Geschäftsmodell in Verdachtsfällen die Einschätzung der Gefahrenlage und behindere ein schnelles Eingreifen. Diesen Risiken stehe kein adäquater wirtschaftlicher Nutzen für die Finanzierbarkeit der Arzneimittelversorgung gegenüber. Das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut e.V. (DAPI) habe für das Jahr 2018 nur Einsparungen in Höhe von 124 Millionen Euro durch die Abgabe von preisgünstigen Importarzneimitteln errechnet. Durch Rabattverträge haben die Krankenkassen hingegen im gleichen Jahr jedoch 4,4 Milliarden Euro eingespart. PharmNef
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AOK BaWü: Unterstützung für die Initiative von Brandenburg und Thüringen
DAV-Chef Becker ist bekanntermaßen kein Freund der Importförderklausel. Er hat sich bereits mehrfach für deren Streichung ausgesprochen, zum Teil auch mit dem Chef der AOK
BaWü Christopher Hermann. Auch der hat noch einmal in einer aktuellen Mitteilung die volle Unterstützung der AOK Baden-Württemberg für die Initiative der Länder Brandenburg und Thüringen, die über die Bun-desrats-Plenarsitzung vom 28. Juni den Vermittlungsausschuss anrufen möchten, zugesagt. Ziel der Aktion sei es, das Gesetz für mehr Sicher-
heit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) nachzubessern. Wie die AOK und zahlreiche andere Experten des Gesundheitswesens sähen die Länder die derzeit von der Bundesregierung favorisierte Neuregelung der Importförderung von Arzneimitteln kritisch, so Hermann.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftGesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/27/becker-bundesrat-soll-auf-streichung-der-importfoerderklausel-beharren


Wer sind die vier Preisgünstigsten?

Datum: 18.06.2019

Berlin - Bei der Arzneimittelabgabe gilt es die Abgaberangfolge einzuhalten. Nummer 1 ist stets der Rabattpartner der Kasse. Liegt jedoch kein Rabattvertrag vor oder kann nicht entsprechend geliefert werden, ist bei einer Verordnung im generischen Markt eine Versorgung mit einem der vier preisgünstigsten Arzneimittel vorgesehen. Aber wer sind eigentlich die vier Günstigsten?
Anders als bislang müssen ab dem 1. Juli bei der Rezeptbelieferung nicht die drei, sondern die vier preisgünstigsten Arzneimittel berücksichtigt werden. Zuvor konnten abgegeben werden die „drei preisgünstigsten Arzneimittel und im Falle der Aut-idem-Ersetzung zusätzlich das namentlich verordnete Arzneimittel [...] oder ein importiertes Arzneimittel". Ab 1. Juli ist die Abgabe des namentlich verordneten Arzneimittels nur noch möglich, wenn es zu den vier günstigsten zählt oder bei einer Verordnung im generischen Markt ein Austausch durch den Arzt ausgeschlossen wurde.
Die vier preisgünstigsten Arzneimittel sind abzugeben, wenn kein Rabattvertrag vorliegt oder der
Rabattpartner nicht lieferbar ist. Das abgegebene Arzneimittel darf jedoch nicht teurer sein als das verordnete, denn dieses stellt die Preisobergrenze dar. Ist keines der Arzneimittel im zulässigen Auswahlbereich lieferbar und muss oberhalb der Preisgrenze versorgt werden, muss die Apotheke mit dem Arzt Rücksprache halten und darf mit dessen Zustimmung das nächste höherpreisige Arzneimittel nach dem namentlich verordneten liefern.
Die vier preisgünstigen Arzneimittel können in unterschiedliche Preisstufen eingeteilt werden; somit kann der Auswahlbereich unterschiedlich groß ausfallen. Unter den verschiedenen Preisstufen ist von der günstigsten auszugehen. Fallen in diese Stufe mehrere Arzneimittel, kann zwischen diesen frei gewählt werden. Schließt diese bereits vier Arzneimittel oder mehr ein, stehen auch nur diese Präparate zur Auswahl.
Der Auswahlbereich wird jedoch größer, wenn in der niedrigsten Preisstufe weniger als vier Präparate zur Verfügung stehen. Dann erweitern sich die Möglichkeiten um die Anzahl der Präparate der zweitniedrigsten Preisstufe. Sind in der niedrigsten
und zweitniedrigsten Stufe jedoch weniger als vier Präparate zu finden, erweitert sich der Auswahlbereich um die Produkte der drittniedrigsten Preisstufe. Dementsprechend größer wird der Auswahlbereich, wenn die drei niedrigsten Preisstufen nur mit je einem Arzneimittel besetzt sind, dann kann auf die nächsthöhere Preisstufe ausgeweitet werden. Gehören dieser dann beispielsweise fünf Präparate an, kann zwischen insgesamt acht Arzneimitteln gewählt werden. Apotheker dürfen also nicht frei aus den vier preisgünstigsten Preisstufen wählen. Die Auswahl hängt von der Anzahl der Arzneimittel ab, die in der jeweiligen Stufe gelistet sind.
Bei der Ermittlung des Preises sind die gesetzlichen Rabatte zu berücksichtigen.
Kann keines der vier preisgünstigsten Arzneimittel geliefert werden, kann die Apotheke unter Angabe der Sonder-PZN und Dokumentation der Defektbelege das nächstpreisgünstige verfügbare Arzneimittel abgeben. Dieses darf allerdings nicht den Preis des verordneten Arzneimittels überschreiten.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apo-tipp/teil-3-wer-sind-die-vier-preisguenstigsten-rahmenvertrag-die-wichtigsten-neuregelungen/


zustimmungsregelung-koennte-teuer.html

Datum: 17.06.2019

Neue Zustimmungsregelung könnte teuer werden
Wie soll die Organspende künftig geregelt werden? Darüber diskutiert der Bundestag in Kürze. Zwei Modelle konkurrieren - eines davon könnte viele Millionen Euro kosten, so DSGO-Chef Rahmel.
Von Denis Nößler
FRANKFURT/MAIN. „Es ist uns gelungen, Israel und Lettland zu überholen." Die Bemerkung von Dr. Axel Rahmel, dem medizinischen Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), ist weniger eine Erfolgsmeldung. Bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP) am Freitag in Frankfurt am Main diente sie dem DSO-Chef vielmehr als nüchterner Befund, dass Deutschland trotz eines leichten Plus' nach wie vor zu den Schlusslichtern bei der Organspende zählt. 955 Spender gab es hierzulande im vergangenen Jahr, 11,5 Spender pro eine Million Einwohner. Spitzenreiter wie Spanien kommen auf Raten um die 40.
Zwei konkurrierende Entwürfe
Die Abgeordneten im Bundestag wollen deswegen die geltenden Regeln zur Organspende ändern.
Zwei konkurrierende Entwürfe stehen für den 26. Juni in erster Lesung auf der Tagesordnung. Während unter anderen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Einführung einer Widerspruchsregelung favorisiert, will
eine Gruppe um die Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Linken-Vor-sitzende Katja Kipping die geltende Zustimmungsregelung beibehalten. Die Entscheidungen der Bürger sollen künftig jedoch in einem Register beim DIMDI, dem Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information, gespeichert werden. Hausärzte sollen ihre Patienten demnach alle zwei Jahre an die Entscheidung erinnern und sie „bei Bedarf" darüber beraten.
Erreichen Hausärzte überhaupt alle Bürger?
Für DSO-Chef Rahmel, der seine Organisation freilich als „Auftragnehmer" sieht, die sich „ans Gesetz zu halten" hat, ist jedoch fraglich, ob der Baerbock-Vorschlag zu mehr Spenden führen wird. Im Gegenteil könnte er sogar zu deutlichen Mehrkosten führen, die an andere Stelle sinnvoller eingesetzt werden können. Für die „ergebnisoffene (... ) regelmäßige zeitgebundene Beratung" alle zwei Jahre sollen Hausärzte zusätzlich vergütet werden - nach einem Beschluss des Bewertungsausschusses.
Als Analogie hilft ein Blick in den EBM: Dort ist das „problemorientierte Gespräch" in GOP 03230 für zehn Minuten mit rund zehn Euro bewertet. Würde die Spenderberatung ähnlich bewertet, kostete dies die GKV hypothetisch für alle Versicherten alle zwei Jahre gut 730 Millionen Euro.
Laut Rahmel währen zehn Euro zudem eher gering kalkuliert. Auch sei fraglich, ob Hausärzte überhaupt alle Bürger erreichen könnten: Käme es nur bei jedem Zehnten zu einer Beratung, hätte das „nullkommanull Effekt".
Schon heute ist die Mehrheit der Bundesbürger zwar für die Organspende, jedoch haben nur 39 Prozent ihre Entscheidung dokumentiert. Der Spendermangel liege „am Nichtentscheiden", beklagte bei der DGP-Ta-gung Sabine Weiss, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium.
„Erkennungs- und Meldedefizit“
Eine zweite Ursache für die geringen Spenderzahlen machen Beobachter in einem „Erkennungs- und Meldedefizit" der Entnahmekliniken aus, wie jüngst Forscher nachgewiesen haben (Dtsch Arztebl 2018; 115: 463). Laut Rahmel gibt es sogar universitäre Krankenhäuser, „bei denen man das Gefühl hat, die haben sich von der Organspende verabschiedet". Darauf hat der Bundestag mit dem im April in Kraft getretenen „Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende" (GZSO) reagiert. Entnahmekliniken müssen sich verpflichten, Transplantationsbeauftragte freizustellen. Bislang war dies freiwillig.

Auch Fortbildungen haben diese Ärzte oft aus eigener Tasche bezahlt. Die gesetzlichen Kassen stellen nun rund 24 Millionen Euro jährlich bereit. Laut Rahmel hat das GZSO „übertroffen, was wir uns gewünscht haben". Die zusätzlichen Millionen für die Beauftragten seien „gut angelegtes Geld".
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Aktiengesellschaft
Auch die geschätzten zusätzlichen Ausgaben, die die Initiative der Parlamentarier um Baerbock und Kipping bedeuten könnte, würden für den DSO-Chef „sinnvoller" eingesetzt werden können.
Etwa für eine noch bessere Finanzierung der „Rahmenbedingungen" nicht nur in den Kliniken. Denn: „Wenn wir die nicht haben, nützt auch eine Widerspruchsregelung nichts."


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/organspende/article/990572/organspende-neue-


Shop Apotheke baut Versandkapazitäten deutlich aus

Datum: 17.06.2019

Der Online-Versender Shop Apotheke Europe hat mit dem Bau einer neuen Unternehmenszentrale im niederländischen Sevenum begonnen. Herzstück soll ein Logistikzentrum mit einer deutlich erhöhten Kapazität werden.Mit dem E-Rezept, so die Hoffnung des Versenders, soll sich die Zahl der versendeten Pakete schnell vervierfachen.
Mit einem Spatenstich hat Shop Apotheke Europe in den vergangenen Tagen den Bau einer neuen Zentrale und eines Logistikzentrums nahe der deutschen Grenze und etwa zwölf Kilometer vom bisherigen Unternehmenssitz Venlo entfernt begonnen. Nach Angaben des Unternehmens soll die Betriebsfläche damit auf 40.000 Quadratmeter steigen, die Versandkapazitäten sollen in wenigen Jahren von derzeit 8,5 Millionen
auf 35 Millionen Pakete erhöht werden. Die Prognose für ein weiterhin rasantes Wachstum der Online-Apotheke stütze sich auch auf die erwartete Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland, so das Unternehmen. Derzeit verfügt Shop Apotheke über ein Sortiment von über 100.000 Produkten und zählt über 3,8 Millionen aktive Kunden. Vorstandschef Stefan Feltens bekräftigte anlässlich des Spatenstichs das Ziel, weiterhin deutlich schneller als die Wettbewerber wachsen zu wollen. Chief Operating Officer (COO) Theresa Holler stellte den Angaben zufolge eine größere Produktauswahl und schnellere Versorgung mit Medikamenten in Aussicht: „Die Bestell-und Lieferprozesse werden einfacher, das individuelle Beratungsangebot für Patienten steht weiterhin im Vordergrund."
Auch neue Mitarbeiter werden gesucht
Das Unternehmen beschäftigt 850 Mitarbeiter. Das Gros lebt nach Unternehmensangaben nahe der Landesgrenze auf deutscher Seite. Am Betriebsstandort Köln-Innenstadt würden 175 Beschäftigte arbeiten und von dort unter anderem E-Commer-ce-Aktivitäten des Unternehmens steuern.
Verbunden mit dem ortsnahen Umzug von Venlo in die neue Firmenzentrale in Sevenum, der im Herbst 2020 geplant ist und sich über mehrere Monate erstrecken soll, verstärkt Shop Apotheke Europe die Suche nach neuen Mitarbeitern. Aktuell würden vor allem Beschäftigte für die Bereiche Customer Service, Finance, Pharma, Logistik und IT gesucht.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/17/shop-apotheke-baut-versandkapazitaeten-deutlich-aus


Ehemaliger Ratiopharm-Chef führt Gematik

Datum: 17.06.2019

Berlin - Nach der Übernahme der Mehrheit bei der Gematik wechselt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt die Führung aus: Der ehemalige Ratiopharm-Chef Dr. Markus Leyck Dieken wird zum Chef Digital Officer für die Vernetzung des deutschen Gesundheitswesens ernannt. Das bestätigte das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Zum 1. Juli soll Leyck Dieken seinen Job antreten und neuen Schwung in die Gematik bringen.
Leyck Dieken ist von Hause aus Internist und Notfallmediziner und hat als Top-Manager langjährige Erfahrung mit der Umstrukturierung von Unternehmen. Er kenne die Strukturen des Gesundheitswesens und die Chancen der Digitalisierung für die Versorgung, heißt es aus dem BMG. Laut Ministerium hat es einen längeren Auswahlprozess gegeben. Spahn habe bewusst keinen Kandidat aus dem Umfeld der Gematik vorgeschlagen, weil sich so eher neue Ansätze in Unternehmens- und Führungskultur ergäben. Das BMG hat heute die Gesellschafter informiert. Die Personalie steht zur Entscheidung auf der Gesellschafterversammlung der Gematik am Freitag.
Seit 2015 leitet Rechtsanwalt Alexander Beyer die Gematik als Geschäftsführer. Zuvor verantwortete er dort zehn Jahre lang den Bereich Recht. Beyer gilt als eher zurückhaltender und vorsichtiger Jurist. Für Spahn ist die Gematik der zentrale Baustein für den raschen Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Bereits im nächsten Jahr sollen das eRezept und die elektronische Patientenakte (ePA) an den Start gehen.
Bislang galt die Gematik eher als träge Gesellschaft, die gemeinsam von der Bundesärztekammer (BÄK), der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), dem Deutschen Apothekerverband (DAV), der Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), dem GKV-Spitzenverband, der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) geführt wurde. Kürzlich übernahm das BMG per Gesetz die Mehrheit der Gematik-Anteile. Der GKV-Spitzenverband mit 24,5 Prozent der Anteile finanziert die Arbeit der Gematik zu 100 Prozent mit 40 Millionen Euro Jahresetat. Die Gematik beschäftigt 270 Mitarbeiter.
Nach fünf Jahren als Klinikarzt wechselte der heute 54-jährige Leyck Dieken 1998 in die Pharmaindustrie. 2017
gab Leyck Dieken die Verantwortung als Deutschlandchef von Teva ab und wechselte zum Mutterkonzern. Dort übernahm er die globale Leitung des Bereichs ZNS - die zukunftsträchtigste Sparte des strauchelnden globalen Marktführers.
Leyck Dieken war Ende 2012 zu Teva gekommen, der Mediziner kam von der Biotechfirma InterMune und hatte zuvor das Europageschäft von Novartis Vaccines sowie das Deutschlandgeschäft von Novo Nordisk geleitet. Zunächst betreute er in Berlin den Bereich der Originalprodukte, im August 2013 übernahm er in Ulm die Verantwortung für das komplette Geschäft in Deutschland und Österreich. Als stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Pro Generika machte sich Leyck Dieken in der gesundheitspolitischen Szene einen Namen.
Seit 2018 baute Leyck Dieken in Berlin das Deutschlandgeschäft des japanischen Herstellers Shionogi auf. Mit dem Thema Digitalisierung ist Leyck Dieken ebenfalls vertraut:
Als Ratiopharm-Chef leitete er das Zukunftsprogramm Teva 2021 für Digitale Patientenversorgung. Leyck Diekens Gehalt als Gematik-Chef wird auf rund 330.000 Euro geschätzt.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/ehemaliger-ratiopharm-chef-fuehrt-gematik-spahn-wechselt-fuehrung-aus/


experimentelle-tgf-beta-hemmer.html

Datum: 21.06.2019

MSD erwirbt experimentelle TGF-beta-Hemmer
KENILWORTH. Der US-Pharmakon-zern Merck & Co. (in Europa: MSD) übernimmt für bis zu 773 Millionen Dollar sämtliche Anteile der privaten, in Lexington (Massachusetts) ansässigen Tilos Therapeutics.
Das unter anderem mit Geldern des Boehringer Ingelheim Venture Fund gegründete Unternehmen entwickelt nach dem Prinzip der TGF(„transforming growth factor")-beta-Blockade Wirkstoffkandidaten gegen Krebs, Fibrosen und Autoimmunerkrankungen.
Merck leiste zunächst eine Vorabzahlung, heißt es. Der endgültige Kaufpreis bemesse sich an weiteren F&E-Fortschritten. Die Übernahme durch Merck sei „eine eindrucksvolle Bestätigung unseres Therapieansatzes", kommentierte Tilos-CEO Barbara Fox. (cw)


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftHersteller
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/unternehmen/article/990753/pharma-msd-erwirbt-


chance-medizin-neu-denken.html

Datum: 20.06.2019

Eine Chance, Medizin neu zu denken
Rasante Fortschritte in der Medizin führen dazu, die Dinge neu zu bewerten. Chancen ergeben sich auch für das frühzeitige Detektieren von Erkrankungen. „Hier stehen wir vor einem echten Paradigmenwechsel“, sagt Andreas Gerber, neuer Deutschlandchef von Janssen, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.
Von Wolfgang van den Bergh
Ärzte Zeitung: Wir erleben derzeit einen großen Wandel in der Medizin. Was sind die drei größten Herausforderungen, vor denen wir stehen? Andreas Gerber: Ich sehe primär große Chancen in der Medizin. Nehmen Sie die Entwicklungen in der Onkologie, etwa in der Immunonkologie, der Zell- und Gentherapie - das sind entscheidende Felder, in denen sich heute schon sehr viel tut und in den nächsten fünf bis acht Jahren noch mehr bewegen wird.
Hinzu kommen die vielen Möglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung, in der Präzisionsmedizin und bei Disease Interception ergeben. Das bedeutet auch, dass Patienten künftig viel stärker in die Entscheidungsprozesse über die geeignete Therapie eingebunden werden wollen.
In welchen der von Ihnen angesprochenen Bereiche ist Janssen besonders gut aufgestellt?
Gerber: Ich sehe uns in all diesen Bereichen gut aufgestellt. Wir sind ja heute schon mit hoch innovativen Therapien gut im Markt vertreten. Im Bereich der Digitalisierung werden wir schon bald den Nutzen unter anderem in der Forschung und Entwicklung sehen. Dabei geht es um Kosten, es geht um Geschwindigkeit, und es geht auch um die Auswahl der richtigen Patientengruppen.
In der Diagnostik und bei der Therapieentscheidung wird die Arzt-Patienten-Beziehung eine große Rolle spielen. Hier geht es uns darum, wie wir den Arzt und den Patienten bestmöglich datenbasiert unterstützen können.
Lassen Sie uns über die Präzisionsmedizin reden. Welche Bedeutung hat sie für Ihr Unternehmen?
Gerber: Die Präzisionsmedizin ist wichtig und wird ein noch wichtigeres Standbein sein. Beispiel Blasenkarzinom: Hier haben wir im April von der US-amerikanischen FDA die beschleunigte Zulassung von Erda-fitinib bekommen. Es geht um eine zielgerichtete Therapie für Patienten mit einem rezidivierenden Blasenkarzinom, die eine spezielle genetische Mutation aufweisen.
Unter Hinzuziehung eines Companion Diagnostic Tools können wir herausfinden, welche Patienten auf diese Therapie am besten ansprechen. Wir
hoffen, dass wir auch bald in Europa die Zulassung dafür erhalten.
Sie sprechen ein Thema an, das aktuell viel diskutiert wird - der immer kleineren Subgruppen, auf die Therapien zugeschnitten sind. Wenn uns die großen Kohorten fehlen, auf welche Daten greifen wir dann zurück? Gerber: Wir sehen die Problematik natürlich auch. Einerseits haben wir die Chance, Ärzten und ihren Patienten diese neuen Therapien möglichst schnell anzubieten, gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass wir nach wie vor die klassische Evidenz brauchen.
Was wir benötigen, sind neue Ansätze, um den neuen Anforderungen, sprich kleineren Populationen gerecht zu werden. Wir werden in Zukunft auch sehr intensiv mit Phase-II-Daten arbeiten und zugleich anwendungsbegleitende Studien auflegen. Es gibt auf Ihre Frage nicht wirklich nur eine Antwort. Am Ende benötigen wir sichere und wirksame Medizin, die möglichst schnell zum Patienten kommt.
Was halten Sie von Registerdaten als zusätzliche Evidenzquelle?
Gerber: Die werden ja heute schon eingesetzt und sind daher nicht wirklich neu, aber ja: Darüber muss auf jeden Fall weiter diskutiert werden.

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Welche Rolle könnten in diesem Kontext Big Data, die Künstliche Intelligenz und die Bildung von Algorithmen spielen?
Gerber: Eine wichtige. Aber zunächst muss man sich mit der Frage beschäftigen, welche Daten gibt es, und wie können diese intelligent zusammengeführt werden. Es gibt heute schon Konsortien im Bereich der Immunologie und der Onkologie, die im Besitz guter Datenquellen sind. Unter Einhaltung aller datenschutzrechtlichen Regelungen sollten diese Daten denen, die sie benötigen, auch zugänglich gemacht werden. Damit eröffnen wir neue Möglichkeiten, um herauszufinden, welche Patienten auf welche Therapien ansprechen.
Inwiefern wirken sich diese Prozesse auf ihre aktuelle Forschungs-Pipeline aus? Können Sie uns konkrete Beispiele nennen?
Gerber: Unsere Pipeline ist in all unseren Therapiegebieten gut gefüllt. Wir haben auf der einen Seite wichtige Zulassungserweiterungen unserer im Markt befindlichen Produkte und neue Wirkmechanismen in der Pipeline, die das Potenzial haben, die Behandlung der entsprechenden Krankheiten zu transformieren.
Ich denke dabei zum Beispiel an die Weiterentwicklung von Kombinationstherapien bestehender Medikamente
wie Daratumumab und neue Ansätze wie Erdafitinib und CAR-T. Darüber hinaus haben wir in den Indikationen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Psoriasis-Arthritis und Depression vielversprechende Produkte in der fortgeschrittenen Pipeline.
Das ist der Alltag. Die Zukunft hat bereits begonnen. Wir wissen heute schon, ob wir eine genetische Disposition für eine bestimmte Erkrankung haben oder nicht. Ihr Unternehmen hat die Diskussion um Disease Interception maßgeblich angestoßen - immerhin schon vor einem Jahr. Wo stehen Sie heute?
Gerber: Gestatten Sie einen kurzen Blick auf diesen Alltag. Unser System ist heute so ausgelegt, dass wir uns dann um die Patienten kümmern, wenn ihre Erkrankung bereits mehr oder weniger fortgeschritten ist. Denken Sie an neurodegenerative Erkrankungen, an Alzheimer, Krebs oder auch Diabetes. Es wäre extrem sinnvoll, wenn wir bei diesen Erkrankungen viel früher intervenierten.
Das bedeutet in der Phase zwischen dem Detektieren der Erkrankung anhand verlässlicher Biomarker und dem Auftreten erster klinischer Symptome. Das würde einiges verändern und wirft eine Menge Fragen auf -nicht nur medizinische.
In den vergangenen zwölf Monaten haben wir genau diesen Diskurs weiter vorangetrieben, nicht zuletzt vor
drei Wochen in einer Open House-Veranstaltung hier in Neuss, wo aus den verschiedenen Teilen der Gesellschaft Fragen zum Thema Disease Interception formuliert und besprochen worden sind. Wir sind heute schlauer, kennen aber längst noch nicht alle Antworten.
. . .etwa wann der Zeitpunkt gekommen ist, eine Krankheit zu behandeln, die beim Menschen noch nicht ausgebrochen ist?
Gerber: Ja, das ist sicherlich eine von vielen wichtigen Fragen. Diese sind ethischer, systemischer und individueller Natur. Denn es spielt auch der Wille der Patientin und des Patienten eine große Rolle.
Sie meinen, es ist nicht zwangsläufig so, dass sich alle Patienten mit einem gewissen Risiko so früh wie möglich behandeln lassen wollen?
Gerber: Wir haben in unseren Gesprächen sehr interessante Erkenntnisse gesammelt. Unter anderem, dass immer dann, wenn es eine therapeutische Option gibt, Patienten eher zu einer frühen Intervention bereit sind. Interessant ist andererseits auch, dass, wenn nur bedingt eine Behandlungsoption etwa mit schwacher Evidenz verfügbar ist, das Interesse beim Patienten nur gering ist, sich über sein Risiko informieren zu lassen.

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Also ein Recht auf Nichtwissen? Gerber: Völlig richtig. Das muss man respektieren, genauso, wie klar sein muss, dass solche Interception-Lösungen dann auch allen in Frage kommenden Patienten zur Verfügung stehen.
Hierzu bedarf es eines gesellschaftlichen Diskurses mit den wichtigen Stakeholdern.
Gerber: Den haben wir mit Vertretern von Zulassungsbehörden, von Krankenkassen, aus der Wissenschaft und der Medizinethik bereits initiiert. Ebenso saßen Patientenvertreter mit am Tisch. Man muss jetzt damit beginnen, weil auch Patienten aufgeklärter sind, als das früher der Fall war. Wir stehen hier wirklich vor einem Paradigmenwechsel zum Nutzen des Patienten und mit Herausforderungen für das System.
Sie sind seit wenigen Monaten neuer Geschäftsführer von Janssen Deutschland. Sie haben international sehr viel Erfahrung gesammelt. Wie ist Ihre persönliche Prognose: Wie weit sind wir mit der Präzisionsmedizin und Disease Interception in zwei Jahren?
Gerber: Zunächst bin ich sehr froh, dass wir in Deutschland die Möglichkeit haben, über derartige neue Therapieansätze zu diskutieren. Ich sehe auch gute Chancen, dass diese Ansätze realisiert werden können. Und auf dem Weg dorthin nutzen wir die Chancen, die wir aus der Digitalisierung etwa für eine personalisierte Medizin bis hin zu Disease Interception haben. Ich sehe das als sinnvollen Dreiklang und bin überzeugt davon, dass wir das in den nächsten Jahren ganz konkret erleben werden.
Janssen-Cilag GmbH
■ Branche: Forschendes Pharmaunternehmen. Als Pharmasparte des Gesundheitskonzerns Johnson
& Johnson entwickelt das Unternehmen im Schulterschluss mit Partnern innovative Medikamente und ganzheitliche therapiebegleitende Behandlungskonzepte. Schwerpunkte der Arbeit sind die Onkologie, Immunologie, Psychiatrie, Infektiologie und pulmonale Hypertonie (Actelion).
■ Internationaler Umsatz 2018: 36,2 Mrd. € weltweit im Pharmabereich von Johnson & Johnson.
■ Investitionen F&E 2018: 9,6 Milliarden Euro weltweit.
■ Mitarbeiter: weltweit 40.000, davon 1000 in Deutschland.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftHersteller
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/arzneimittelpolitik/article/990683/interview-janssen-chef-


baut-allianz-google.html

Datum: 18.06.2019

Sanofi baut Allianz mit Google aus
PARIS. Sanofi hat eine Zusammenarbeit mit den Betreibern der Internet-suchmaschine Google zu Big Data und Künstlicher Intelligenz gestartet.
Die Kooperation solle vor allem die Produktentwicklung Sanofis voranbringen, heißt es. Von Googles Fähigkeiten zur Datenauswertung erhoffe man sich nicht nur ein besseres Verständnis von Patienten und Krank-
heiten, sondern auch mehr operative Effizienz.
Zudem sei geplant, Algorithmen zur optimierten Marketing- und Vertriebssteuerung einzusetzen. Sanofi arbeitet mit der Google-Gruppe bereits seit 2016 zusammen, als beide Firmen das Joint Venture Onduo gründeten. Das Unternehmen entwickelt Produkte zum digitalen Diabtes-managment. (cw)


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftHersteller
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/unternehmen/article/99 0674/kuenstliche-intelligenz-sanofi-


Stress stört die Knochenheilung

Datum: 17.06.2019

Chronischer psychosozialer Stress behindert die Heilung von Frakturen, wie Forscher herausgefunden haben. In ihrer Studie konnten sie auch einen potenziellen Therapieansatz ausfindig machen.
ULM. Wenn Knochen brechen, dauert es ja schon im Normalfall Wochen, bis diese wieder verheilt sind. Ein Forscherteam der Universität Ulm hat nun gemeinsam mit Fachkollegen aus Kalifornien herausgefunden, dass chronischer psychosozialer Stress die Knochenheilung massiv behindert (PNAS 2019; online 4. April).
In der Studie konnten sie zudem zeigen, dass sich diese stressbedingten Knochenheilungsstörungen mit Hilfe des Betablockers Propranolol beheben lassen, wie die Universität Ulm mitteilt. Dieser blockiere die Kommunikation von Stresshormonen des sympathischen Nervensystems mit Immunzellen und verhindere damit eine stressvermittelte Überreaktion des Immunsystems.
Menschen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sind deutlich häufiger von chronisch-entzündlichen Erkrankungen betroffen und haben zudem ein viel höheres Frakturrisiko, heißt es in der Mitteilung der Universität. „Wir haben uns deshalb gefragt, ob sich ein solches Stresssyndrom auch negativ auf die Frakturheilung auswirkt", wird Professor Stefan Reber von der Ulmer Uni-
versitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie zitiert. In ihrer Studie haben die Wissenschaftler nun einen zentralen molekularen Mechanismus aufgedeckt, der die Wirkung von chronischem Stress auf das Immunsystem und die Regeneration von Knochengewebe vermittelt. Über die Blockade dieses Signalwegs ließ sich die Frakturheilungsstörung schließlich sogar medikamentös aufheben.
Störung immunologischer Prozesse
„Bricht sich jemand das Bein, treten kurz danach an der Bruchstelle lokale Immunreaktionen auf. Der Körper sondiert sozusagen die Lage und beseitigt schadhaftes Gewebe. Mit der Zeit überwachsen Knochenzellen den bruchbedingten Spalt und der Bruch heilt ab", erinnert Professor Anita Ignatius, eine der Autoren.
Bei langanhaltendem Stress kommt es jedoch zu Störungen dieser akuten immunologischen Prozesse und zu einem Überschießen der Entzündungsreaktion. So entwickeln sich einerseits im Knochenmark vermehrt Immunzellen wie Neutrophile Granulozyten, die an der Bruchstelle in die dort entstandenen Hämatome einwandern. Andererseits ist die Umwandlung von Knorpel zu Knochen und damit die Knochenneubildung gestört, wie sich in der Ulmer Studie zeigte. Die Biegesteifigkeit der Knochen nimmt messbar ab, und das neu gebildete
Knochengewebe an der Bruchstelle wird nicht mehr so hart.
Mausmodell für PTBS
Ein weiterer Befund der Untersuchung: Die überschießende Immunreaktion und die Störung der Geweberegeneration wird über einen molekularen Signalweg vermittelt, an dem ß-Adrenozeptoren beteiligt sind, heißt es weiter in der Mitteilung. Es besteht also eine Verbindung zum sympathischen Nervensystem.
„Dieser Adrenalin-vermittelte Signalweg konnte durch die Gabe von Propranolol unterbrochen werden. Damit normalisierten sich nicht nur die Immunreaktionen, sondern auch die Knochenheilung verlief wieder ungestört", fasst Autorin Dr. Melanie Haffner-Luntzer das Ergebnis der Studie zusammen.
Zum Einsatz kam in diesem Projekt ein Mausmodell für chronischen psychosozialen Stress. Hierfür wurden männliche Mäuse 19 Tage lang gemeinsam in einem Käfig gehalten. Die von Unterordnung und Dominanzverhalten geprägten sozialen Interaktionen bedeuten für die Männchen ein hohes Maß an Stress. Dieses sogenannte „chronic subordinate colony housing" (CSC) Modell gilt auch als präklinisch validiertes Mausmodell für PTBS.

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„Die grundlegenden Erkenntnisse aus dieser neuen Studie bringen nicht nur Licht in das komplexe Wechselspiel zwischen Nervensystem, Immunsystem und Geweberegenation. Sie
werden sicherlich auch dabei helfen, Knochenbrüchen bei Menschen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen wirkungsvoller zu behandeln", sind sich die Forscher einig. Dies können schwerverletzte Verkehrsunfallopfer sein oder Soldaten aus Kriegseinsätzen. (eb)


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftForschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/article/984641/ immunsystem-stress-stoert-knochenheilung.html


Spahn fordert von Krankenkassen Entlastung der Beitragszahler

Datum: 21.06.2019

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat von den Krankenkassen Entlastungen für die Beitragszahler gefordert. Die Kassen verfügten über ausreichend Rücklagen, sagte Spahn laut einer Mitteilung des BMG vom gestrigen Donnerstag. Einige hätten ihre Zusatzbeiträge am Jahresanfang „endlich gesenkt“. „Jetzt sollten die anderen Kassen ihre Spielräume auch konsequent nutzen: Entweder für bessere Leistungen oder für finanzielle Entlastungen ihrer Versicherten.“
Hintergrund sind aktuelle Zahlen zur Finanzsituation der Krankenkassen, die das Bundesgesundheitsministerium (BMG) am gestrigen Donnerstag veröffentlicht hat. Demnach ist deren Finanzpolster im ersten Quartal 2019 stabil bei rund 21 Milliarden Euro geblieben, obwohl die Ausgaben zuletzt leicht über den Einnahmen lagen. Das entspreche mehr als einer Monatsausgabe und damit mehr als dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve, heißt es aus dem Ministerium.
Der BMG-Mitteilung zufolge standen im ersten Quartal Einnahmen in Höhe von rund 62,3 Milliarden Euro Ausgaben von rund 62,4 Milliarden Euro gegenüber. Damit sind die Gesamteinnahmen der Kassen um 3,7 Prozent gestiegen. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von rund 0,6 Prozent einen Zuwachs von 4,5 Prozent. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag bei 1,01 Prozent und damit um 0,07 Prozentpunkte unterhalb des Vorjahresquartals.
Die Arzneimittelausgaben stiegen in den ersten drei Monaten des Jahres laut BMG um 4 Prozent. Hierbei spielen weiterhin die Entwicklungen im Bereich innovativer Arzneimittel eine zentrale Rolle. Für große Entlastungen bei den Kassen sorgen weiterhin die Rabattverträge: Die Einsparungen durch Rabattvereinbarungen zwischen Kassen und Herstellern haben sich laut Ministerium um 7,5 Prozent vergrößert. Im Jahr 2018 hatten sich diese vertraglichen Rabatte laut BMG-Statistik auf 4,4 Milliarden Euro summiert.
Spahn: Die Kassen verfügen über ausreichend Rücklagen
Trotz der guten Lage hatten die Kassen allerdings zuletzt vor deutlichen Ausgabenrisiken gewarnt. Die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, sagte, sie erwarte für 2020 zwar „keine dramatische Entwicklung". Aber eine genaue Ausgabenprognose sei wegen vieler neuer Gesetze und Gesetzespläne mit Mehrkosten für die Kassen momentan nicht möglich. Statt gebotener Zurückhaltung gebe es eine große Kreativität, was zusätzliche Ausgaben angehe. Hintergrund sind Pläne unter anderem zur Digitalisierung des Gesundheitswesens oder zu neuen Ausbildungen für Psychotherapeuten und Hebammen. Spahn sagte dazu wörtlich: „Die Zahlen zeigen:
Trotz des leichten Defizits verfügen die Krankenkassen immer noch über ausreichend Rücklagen. Einige - aber bei weitem noch nicht alle - Kassen haben ihre Zusatzbeiträge am Jahresanfang endlich gesenkt. Jetzt sollten die anderen Kassen ihre Spielräume auch konsequent nutzen: Entweder für bessere Leistungen oder für finanzielle Entlastungen ihrer Versicherten."


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftGesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/21/spahn-fordert-von-krankenkassen-entlastung-der-beitragszahler


Zoely zentral zugelassen - ist ein Import nach § 73 Abs. 3 überhaupt erlaubt?

Datum: 14.06.2019

Zoely ist nicht lieferbar. Die Engpässe treffen jedoch nicht alle europäischen Länder. Und Apotheken können die Antibabypille importieren. Sicher? Denn Zoely wurde EU-weit zentral zugelassen, § 73 Absatz 3 AMG regelt jedoch nur den Einzelimport in Deutschland nicht zugelassener Fertigarzneimittel. Dieses Dilemma hat auch die Länderaufsicht erreicht, doch dort ist man sich uneinig. Eine heikle Sache - findet auch der Verband der Einzelimporteure internationaler Arzneimittel. DAZ.on-line hat mit der Vorsitzenden Sabine Fuchsberger-Paukert gesprochen.
Sie sagt: „Deutsche Kleinstaaterei blockiert eine sichere Arzneimittelversorgung“.
Das Problem: Die Verhütungspille Zoely® ist nicht lieferbar, generische Alternativen mit der exakt gleichen Zusammensetzung bietet der Arzneimittelmarkt nicht. Rettung - für Anwenderinnen und Apotheken -scheint durch die Möglichkeit eines Importes greifbar. Allerdings agieren Apotheken hier derzeit in einem rechtsunsicheren Raum. Warum? Die Krux steckt im Detail und in § 73 Absatz 3 des Arzneimittelgesetzes.
§ 73 Absatz 3 AMG regelt, dass Apotheken auf einzelne Bestellungen Fertigarzneimittel, die in Deutschland nicht zugelassen sind, importieren dürfen. Exakt heißt es dort: „...Fertigarzneimittel, die zur Anwendung bei Menschen bestimmt sind und nicht
zum Verkehr im Geltungsbereich dieses Gesetzes zugelassen, registriert oder von der Zulassung oder Registrierung freigestellt sind, (dürfen) in den Geltungsbereich dieses Gesetzes verbracht werden, wenn
1. sie von Apotheken auf vorliegende Bestellung einzelner Personen in geringer Menge bestellt und von diesen Apotheken im Rahmen der bestehenden Apothekenbetriebserlaubnis abgegeben werden,
2. sie in dem Staat rechtmäßig in Verkehr gebracht werden dürfen, aus dem sie in den Geltungsbereich dieses Gesetzes verbracht werden, und
3. für sie hinsichtlich des Wirkstoffs identische und hinsichtlich der Wirk-stärke vergleichbare Arzneimittel für das betreffende Anwendungsgebiet im Geltungsbereich des Gesetzes nicht zur Verfügung stehen."
§ 73 Abs. 3 AMG stammt aus Zeiten ohne zentrale Zulassung
Was ist aber nun mit Arzneimitteln, die durch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA zentral zugelassen sind - so wie Zoely®? Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte definiert: „Zentrale Zulassungsverfahren sind europäische Verfahren, die es dem Antragsteller ermöglichen, mit einem einzigen Antrag die Zulassung für ein Arzneimittel in allen Mitgliedsstaaten des europäischen Wirtschaftsraums (EU-Mitglieder, Island und Norwegen) zu erhalten." Diese von der „Europäischen Union
(...) erteilte Genehmigung für das Inverkehrbringen (...) steht einer nach § 25 erteilten Zulassung gleich", erklärt das Arzneimittelgesetz in § 37. Das bedeutet: Wegen der zentralen Zulassung sind auch „ausländische" Zoely®-Präparate in Deutschland automatisch mitzugelassen - was § 73 Abs. 3 AMG aushebelt. Dieser bezieht sich nämlich nur auf nicht in Deutschland zugelassene Arzneimittel. Ist dann alles ganz einfach? Wenn das Arzneimittel doch zugelassen ist, stehen ja erst recht keine Hürden einer Verbringung nach Deutschland entgegen. Weit gefehlt. Denn: Wie sieht es mit der deutschen Kennzeichnung aus?
Das Dilemma mit der deutschen Packungsbeilage
Das Arzneimittelgesetz enthält zahlreiche und detaillierte Vorgben. So erklärt der Gesetzgeber in § 10 AMG die Kennzeichnung von Arzneimitteln, und dass Fertigarzneimittel, die weder der klinischen Prüfung dienen noch von der Zulassungspflicht freigestellt sind „im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur in den Verkehr gebracht werden (dürfen), wenn auf den Behältnissen und, soweit verwendet, auf den äußeren Umhüllungen in gut lesbarer Schrift, allgemeinverständlich in deutscher Sprache und auf dauerhafte Weise" bestimmte Angaben gemacht sind. Gleiches gilt für die Packungsbeilage nach § 11 AMG. PharmNef
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Ein Dilemma: Zentral zugelassen und somit eigentlich kein Import nach § 73 Abs. 3 AMG, aber einfach so verbringen darf man Zoely auch nicht, da die deutsche Kennzeichnung und Packungsbeilage fehlt. Dieses gesetzliche Vakuum existiert nicht erst seit Zoely®, sondern seit einer EU-Verordnung vom 31. März 2004, die es ermöglicht hat, Arzneimittel für alle Länder der EU zentral zuzulassen. Ist dies denn seither niemandem aufgefallen? Scheinbar schon. Doch man ist sich uneins.
„Deutsche Kleinstaaterei blockiert sichere Arzneimittelversorgung“
Sabine Fuchsberger-Paukert, Vorsitzende des Verbands der Einzelimporteure internationaler Arzneimittel e.V. (VEIA), erklärt gegenüber DAZ.online: Der Bezug zentral zugelassener Arzneimittel, die in Deutschland nicht lieferbar sind, wird von den Länderbehörden unterschiedlich interpretiert: Ob man also die Verhütungspille Zoely® über einen Einzelimport beziehen kann, hängt davon ab, ob man in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen oder Mecklenburg-Vorpommern wohnt", so Fuchsberger-Paukert. Weil sich die Länderaufsicht nicht auf eine einheitliche Rechtsauffassung verständigen könne, bestehe die Gefahr, dass Anwenderinnen die Präparate auf dem Graumarkt oder illegal
beschafften, so die Sorge der VEIA-Vorsitzenden.Sie findet: „Die deutsche Kleinstaaterei blockiert eine sichere Arzneimittelversorgung".
Einzelimport: „Der sicherste Weg, Versorgungslücken zu schließen“
Nun ist es nicht so, dass der VEIA bislang untätig diesem Treiben zugeschaut hätte. Im Gegenteil: Der Verband bemüht sich seit geraumer Zeit um Rechtssicherheit beim Import zentral zugelassener Arzneimittel. Auch ein Rechtsgutachten habe der VEIA auf eigene Kosten bereits erstellt und den Behörden zukommen lassen. Nach Ansicht des VEIA wäre „der bewährte Weg des Einzelimportes die Lösung der Stunde", so Sabine Fuchs-berger-Paukert. Es gehe schließlich um geringe Mengen, eine medizinische Notwendigkeit, also ein Problem, für das mit dem Einzelimport nach § 73 Abs. 3 AMG in Deutschland ein bewährter, schneller und sicherer Weg zur Verfügung steht, erklärt die VEIA-Vorsitzende gegenüber DAZ.online.
BMG will keine Klärung der Einzelimportfrage
Allerdings ist der Verband mit seinem Bemühen bislang auf politischen und behördlichen Granit gestoßen: „Seit fast einem Jahr versuchen wir mit dem Bundesministerium für Gesundheit und den Länderbehörden zu klären, dass der § 73 Abs. 3 AMG der sicherste Weg wäre, die Versorgungs-
lücke zu schließen". Doch die Länder könnten sich noch immer nicht auf eine einheitliche Rechtsauffassung verständigen, „das Bundesministerium will in dieser Frage keine Klarstellung", ist Fuchsberger-Paukert überzeugt. Auch ein Appell an die zuständigen Bundestagsabgeordneten, im Rahmen der Verhandlungen des Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) eine gesetzliche Klarstellung zu erreichen, wurde von diesen nicht aufgegriffen.
Nicht nur Zoely betroffen
Die Importlücke trifft nicht nur Zoely®. Keine Zoely® ist zwar ärgerlich für die Anwenderinnen, doch fraglos ist ein orales Kontrazeptivum kein lebensnotwendiges Präparat. In manchen Fällen fehlen Arzneimittel nicht nur temporär wie bei Zoely® durch aktuelle Verpackungsschwierigkeiten, die laut Hersteller MSD Sharp & Dohme der Umsetzung der Fälschungsschutzrichtlinie mitgeschuldet sind. Sondern manchmal entscheiden Hersteller auch auf Basis der G-BA-Nutzenbe-wertung, ein Präparat vorläufig oder endgültig nicht auf den deutschen Markt zu bringen. Unter Umständen drohen Versorgungslücken, gerade bei schweren Erkrankungen wie Krebs und dem infolge der Behandlung oftmals geschwächten Immunsystem kann die Therapie nicht einfach umgestellt werden, ohne dass negative Auswirkungen zu befürchten wären,


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/13/zoely-zentral-zugelassen-ist-ein-import-nach-73-abs-3-ueberhaupt-moeglich


Securpharm-Datenbank nicht erreichbar - und nun?

Datum: 13.06.2019

Die ABDA hat ihre Mitgliedsorganisationen über eine Störung im Securpharm-System informiert.
Die Herstellerdatenbank soll nicht erreichbar sein. Die Securpharm-Sta-tus-Webseite vermeldet hingegen, dass alle Server laufen. Und auch erste befragte Apotheken wollen allenfalls eine Verzögerung bemerkt haben. Doch was ist zu tun, wenn die Verifizierung über die Datenbank wirklich nicht möglich ist?
Die Apothekerkammern haben am heutigen Donnerstagnachmittag die Apotheken informiert, dass es eine Störung im Securpham-Datenbank-system gibt. Offensichtlich haben dies nicht alle Apotheken bemerkt. So war aus einer Berliner Apotheke zu hören, es habe zwar Verzögerungen gegeben, die etwas Geduld erforderten - doch am Ende habe die Verifizierung geklappt. Andere wollen gar nichts bemerkt haben - zumal man es offensichtlich noch gewohnt ist, dass nicht alles ganz glatt läuft.
Dennoch: Im Schreiben der ABDA heißt es: „Diese Störung ist nach ersten Erkenntnissen voraussichtlich auf ein Problem in der Erreichbarkeit der Herstellerdatenbank zurückzuführen. Eine Verifikation und das Ausbuchen von Medikamenten ist derzeit nicht bzw. nur eingeschränkt möglich". Teilweise sei aber eine Überprüfung von Arzneimitteln über die secur-
Pharm-GUI je nach Verfügbarkeit der Herstellerdatenbank möglich.
Mag der Server nun laufen oder nicht
- was zu tun ist, wenn sich das individuelle Erkennungsmerkmal technisch gar nicht überprüfen lässt, sollte ohnehin jede Apotheke wissen: Dann muss besagtes Erkennungsmerkmal nämlich notiert und nachträglich ausgebucht werden. Die Packung kann in der Zwischenzeit abgegeben werden. Die ABDA verweist ergänzend auf ihr FAQ-Papier zu Securpharm hin. Dort findet sich unter 3.19 folgende Frage und Antwort:
Darf eine Apotheke ein Arzneimittel ohne vorherige Verifizierung abgeben, falls z.B. das Internet oder der Strom ausfällt?
Bei vorübergehenden technischen Störungen zum Zeitpunkt der Abgabe ist es erlaubt, Arzneimittel abzugeben und die Verifizierung und Ausbuchung nachträglich durchzuführen, sobald die Störungen behoben sind. Dafür muss die Seriennummer und der Produktcode bei der Abgabe notiert (oder der DataMatrixCode abfotografiert) und die Packung nachträglich manuell ausgebucht werden. Für den Fall eines alleinigen Ausfalls des Internets kann Ihr Apothekensoftwarehaus auch eine Komfortfunktion vorsehen, bei der
der gescannte Produktcode im System gespeichert und nach Wiederherstellung einer Internetverbindung
automatisch nachträglich ausgebucht wird. Den Betriebsstatus der secur-Pharm-Teilsysteme können Sie unter www.securpharm-status.de nachvollziehen.
Wer den Status unter dem genannten Link prüft, sieht dort derzeit allerdings, dass sowohl die Herstellerdatenbank als auch der Apothekenserver und der Authentifizierungsserver erreichbar sind.
Die Delegierte Verordnung bestimmt darüber hinaus in ihrem Artikel 29: Pflichten, wenn die Überprüfung der Echtheit und die Deaktivierung des individuellen Erkennungsmerkmals nicht möglich sind Unbeschadet des Artikels 25 Absatz 1 gilt: Wenn zur Abgabe von Arzneimitteln an die Öffentlichkeit ermächtigte oder befugte Personen aufgrund technischer Probleme nicht in der Lage sind, zum Zeitpunkt der Abgabe eines Arzneimittels, das mit einem individuellen Erkennungsmerkmal versehen ist, an die Öffentlichkeit die Echtheit des individuellen Erkennungsmerkmals zu überprüfen und dieses zu deaktivieren, notieren sie das individuelle Erkennungsmerkmal und nehmen die Überprüfung der Echtheit und die Deaktivierung des individuellen Erkennungsmerkmals vor, sobald die technischen Probleme behoben sind.


Rubrik: PharmNefAktiengesellschaftAllgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/13/was-tun-wenn-die-datenbank-nicht-erreichbar-ist


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