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Branchennews

Nachfolgend haben wir die letzten Meldungen aus dem Pharma-Bereich für Sie zusammengefasst

Pflaster erspart Patienten Injektionen

Datum: 03.07.2017

Die schmerzlose Impfung mit einem Pflaster hat sich in einem ersten Test bei Menschen als sicher und immunogen gezeigt. Auch SelbstApplikation scheint problemlos möglich.
Von Wolfgang Geissel
ATLANTA. Mit einem Spezialpflaster können Menschen wirksam gegen Influenza geimpft werden. Das Pflaster ist mit 100 Mikronadeln mit einer Länge von 0,65 Millimetern bestückt und muss zwanzig Minuten auf das Handgelenk einwirken. Der Impfstoff gelangt dabei über die Nadeln durch das Stratum corneum in die Epidermis, berichten Forscher um Dr. Nadine G. Roupha-el von der Hope Clinic of the Emory Vaccine Center an der Emory University in Atlanta im US-Staat Georgia.
Die Nadeln lösen sich nach der Applikation auf, und das Pflaster kann dann mit normalem Müll entsorgt werden, so die Forscher. Weitere Vorteile: Die Impfpflaster lassen sich ein Jahr lang bei Temperaturen bis 40°C ohne Wirkungsverlust lagern, das heißt, eine Kühlkette ist nicht nötig. Zudem kön-
nen sich Menschen mit dem System problemlos selbst impfen.
In einer Phase-I-Studie mit 100 erwachsenen Probanden wurden Sicherheit, Akzeptanz und Immuno-genität des am Georgia Institute of Technology entwickelten Pflasters mit einem herkömmlichen Impfstoff verglichen (Lancet 2017; online 27. Juni). Die Probanden wurden in der von den US-National Institutes of Health (NIH) finanzierten Studie nach dem Zufallsprinzip je einer von vier Gruppen zugeordnet: Bei zwei Gruppen wurde das Impfpflaster von einer medizinischen Fachkraft aufgebracht, und zwar verbündet entweder mit einem trivalenten Grippe-Impfstoff oder mit Placebo. In einer dritten Gruppe applizierten die Probanden das Impfpflaster selbst nach einer Videofilm-Anleitung und in der vierten Gruppe wurde zur Kontrolle ein herkömmlicher inaktivierter trivalenter Impfstoff mit einer Spritze in den Oberarm injiziert.
Ergebnis: Die Studie war in erster Linie konzipiert, um die Sicherheit und Akzeptanz des Impfpflasters zu prüfen. Danach gab es in den sechs Monaten nach der Impfung keine schweren
Nebenwirkungen. Einige Probanden gaben jedoch vorübergehende Impfre-aktionen an: Nach den herkömmlichen Injektionen gab es Schmerzen und Druckempfindlichkeit am Oberarm, in der Pflastergruppe Hautrötung, Juckreiz und Druckempfindlichkeit an der Impfstelle. 70 Prozent der Probanden mit dem Pflaster gaben an, diese Art der Applikation zu bevorzugen.
Das Pflaster erwies sich zudem als immunogen: Nach der Impfung in der Grippesaison 2014/15 erkrankte keiner der Probanden an Influenza. Die Antikörper-Titer gegen die im Impfstoff enthaltenen Virusstämme (A/H1N1, A/ H3N2 und B) waren vier Wochen nach Impfung mit dem Pflaster ähnlich hoch wie mit der Injektion, und zwar auch nach Selbst-Applikation.
Das Fazit der Forscher: Weil Impfpflaster mit löslichen Mikronadeln die Applikation vereinfachen, ließen sich damit die Impfraten verbessern und Kosten senken. Da für die Pflaster eine Kühlkette nicht nötig ist, ließen sie sich ohne großen Aufwand lagern und auch per Post verschicken. Außerdem wäre eine bequeme Impfung zu Hause oder am Arbeitsplatz in Sicht.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/impfen/article/939169/grippeschutz-impfen-pflaster-statt-spritze.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170703-_-Impfen


Je mehr Antihypertensiva, desto geringer ist die Therapietreue

Datum: 30.06.2017

Je mehr Antihypertensiva Patienten verordnet bekommen, umso schlechter steht es um die Compliance. Was Ursache und was Wirkung ist, lässt eine aktuelle Untersuchung jedoch offen.
Von Thomas Müller
LEICESTER. Wenn Hypertoniker trotz Behandlung mit diversen Blutdrucksenkern einen zu hohen Blutdruck haben, besteht der Verdacht, dass sie ihre Tabletten nicht regelmäßig einnehmen. Dies ist offenbar bei gut einem Drittel der Patienten mit schlechter Blutdruckkontrolle der Fall, legt eine britisch-tschechische Studie nahe. Für die Untersuchung haben Ärzte um Dr. Pankaj Gupta von der Universität in Leicester in England Urinproben von 676 britischen Hypertonikern und Serumproben von 672 Bluthochdruckpatienten aus Tschechien auf Antihypertensiva und ihre Metaboliten getestet. Alle Patienten waren mit dem Verdacht auf mangelnde Adhärenz an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen worden.
Dort wurden die Proben per Flüssig-chromatografie und Massenspektrometrie auf gängige Blutdrucksenker untersucht (Hypertension 2017; 69: 1113). Die Patienten waren im Schnitt 55 Jahre alt und sollten im Mittel drei bis vier verschiedene Antihypertensiva nehmen. 49 Prozent der Briten und 59 Prozent der Tschechen waren Männer.
Frauen besonders oft nonadhärent
Ergebnis: Knapp 42 Prozent der Briten hatten mindestens ein Medikament ausgelassen, 27 Prozent verzichteten auf mehrere und 14,5 Prozent auf alle Antihypertensiva. Bei den Tschechen sah es mit der Adhärenz etwas besser aus, hier hatten 32 Prozent mindestens eines, 20 Prozent mehrere und 12 Prozent alle Blutdrucksenker abgesetzt.
In beiden Ländern standen Frauen der Medikation skeptischer gegenüber -eine Nonadhärenz trat um 65 Prozent (Großbritannien) und 55 Prozent (Tschechien) öfter auf als bei Männern. Auch jüngere Patienten waren weniger zuverlässig bei der Einnahme: Mit einem Altersanstieg um zehn Jahre ging in beiden Ländern die Nonadhärenz um 30 Prozent zurück. Schließlich ergab sich ein ähnlicher Zusammenhang mit der Zahl der ver-ordneten Antihypertensiva: In beiden Ländern stieg das Chancenverhältnis (Odds Ratio, OR) für eine Nonadhärenz mit jedem weiteren Antihypertensivum um rund 80 Prozent.
Absolut betrachtet nahmen in Großbritannien 80 Prozent der Patienten mit sechs oder mehr verordneten Antihypertensiva nicht alle Medikamente ein, in Tschechien waren es rund 70 Prozent.
Besonders häufig verschmähten die Patienten Diuretika - vor allem auf der britischen Insel. Solche Arzneien wurden 65 Prozent öfter ausgelas-
sen als ACE-Hemmer und Sartane, in Tschechien gab es für Diuretika hingegen keine signifikanten Unterschiede bei der Adhärenz.
Die Forscher um Gupta erstellten aus den Daten ein Vorhersagemodell, das es Ärzten unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Zahl und Art der Blutdrucksenker ermöglichen soll, das Risiko für eine Nonadhärenz auch ohne aufwändige biochemische Tests abzuschätzen. Diese wäre danach bei Frauen mittleren Alters (35-55 Jahre) und über sechs Blutdrucksenker besonders groß: 75 Prozent nehmen dann wohl nicht alle Antihypertensiva ein.
„Fixkombis nicht immer die Lösung“
Eine Option, die Adhärenz zu verbessern, wären nach Auffassung der Studienautoren Fixkombinationen von Blutdrucksenkern, sofern eine steigende Zahl von Medikamenten tatsächlich die Therapietreue schmälert.
In einem Editorial warnt Dr. David Hyman vom Baylor College of Medicine in Houston jedoch vor falschen Rückschlüssen. Eine reverse Kausalität sei ebenfalls plausibel: So bekommen nichtadhärente Patienten vermutlich deutlich mehr Antihypertensiva verordnet als adhärente, weil sie ja ihre Therapieziele nicht erreichen. Fixkombinationen könnten das Problem dann nicht lösen, sondern mitunter noch verschlimmern: Wird die Fixkombi weggelassen, fehlen gleich zwei Medikamente. Ärzte sollten besser schon vor dem sechsten Antihypertensivum daran denken, dass ihre Patienten nicht therapieresistent,
sondern vor allem nonadhärent sind. Auch häufig angewandte Test zum Nachweis der Nonadhärenz werden auf Dauer ins Leere laufen: Wissen die Patienten erst einmal, dass man ihnen mit Laboruntersuchungen auf die Schliche kommen kann, werden sie natürlich am Tag vor dem Test die Medikamente wie verordnet einnehmen, gibt Hyman zu bedenken.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/938934/bluthochdruck-je-antihypertensiva-desto-geringer-therapietreue.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170630-_-Bluthochdruck


Zu Rose eröffnet zweite Supermarkt-Apotheke

Datum: 22.06.2017

Die Versandapotheke Zur Rose eröffnet in der Schweiz eine weitere Filiale als „Untermieterin“ des Einzelhandels-Riesen Migros in Bern. Dort soll es die Arzneimittel genauso günstig geben wie im Versandhandel. Die Apotheker sind alarmiert.
Wie das Thuner Tagblatt berichtet, soll die Versandapotheke Zur Rose am 6. Juli an der Berner Marktgasse ihre Türen öffnen. Sie werde in der Migros-Filiale im Untergeschoss einquartiert. Nach einer früheren Ankündigung soll die Apotheke ein volles Sortiment an rezeptpflichtigen und frei verkäuflichen Medikamenten sowie weitere Apothekenartikel wie zum Beispiel Kosmetika anbieten. Dank modernster Technik mit vollautomatischer Einlagerung und Ausgabe der Produkte soll dies auch auf einer kleinen Fläche möglich sein.
Migros will im Gesundheitsgeschäft Fuß fassen
Die Migros hat im Zuge ihrer Gesundheits-Initiative bereits die Unternehmen Medbase und Sante-med übernommen, die die ambulante
Grundversorgung, Spezialarztmedizin und Therapieleistungen im Angebot haben. Der nächste Schritt ist nun der Einstieg ins Apothekengeschäft. Im August 2016 hatte die Versandapotheke Zur Rose in der „Welle 7“, einem „Center für Genuss, Business, Bildung und Einkauf“ der Genossenschaft Migros Aare im Bahnhof Bern PostParc, ihre schweizweit erste stationäre Apotheke eröffnet.
Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten
Das Shop-in-Shop-Konzept ist für den Einzelhandels-Riesen allerdings ein Novum. Herbert Bolliger, Präsident der Generaldirektion des Migros Genossenschafts-Bunds (MGB), ist überzeugt von der Kooperation zwischen den beiden Unternehmen. Er glaubt: „Die Migros und Zur Rose verbindet die Vision, sich für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung einzusetzen. Zudem haben beide Unternehmen das Ziel, das beste Preis-Leistungsverhält-nis anzubieten.“ Auch der CEO der Zur Rose-Gruppe, Walter Oberhänsli, freut sich über die Zusammenarbeit: „Mit der Migros haben wir eine glaubwür-
dige Partnerin für den Aufbau unseres stationären Geschäfts gefunden“.
Gleiche Konditionen wie in der Versandapotheke
Bei den Apothekern sorgt die neue Konkurrenz verständlicherweise für einen „schnelleren Puls“, schreibt die Schweizer Tageszeitung aus der Bundesstadt Bern „Der Bund“. Natürlich sollen noch weitere Shop-in-Shop-Apo-theken eröffnet werden, wenn der Test erfolgreich verläuft. Von Marktbeobachtern wird das Potenzial auf etwa 50 Geschäfte schweizweit geschätzt. Die Apotheker sind vor allem deswegen alarmiert, weil in den Abgabestellen für das gesamte Sortiment dieselben Konditionen gelten sollen wie in der Versandapotheke. Hier sind die Preise im Durchschnitt 12 Prozent günstiger als der marktübliche Preis in der Schweiz. „Der Bund“ rechnet dadurch mit einem weiteren Preisdruck in der Branche. „Eine Tiefpreispraxis in Apotheken darf nicht auf Kosten der Sicherheit der Patienten durchgezwängt werden“, warnt der Präsident von PharmaSuisse Fabian Vaucher in „Der Bund“.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/06/22/zur-rose-eroeffnet-zweite-apotheke-bei-migros


„Wir wollen mit Doc Morris an der Spitze stehen“

Datum: 22.06.2017

Der Chef der Schweizer Zur-Rose-Gruppe spricht über die Zukunft der Versandapotheken, wie er mit dem Börsengang seine Expansionspläne in Europa vorantreiben möchte und die Digitalisierung im Apothekenmarkt.
FRANKFURT Der geplante Börsengang hält den CEO der Schweizer Zur Rose Gruppe auf Trab. Für ein Interview mit dem Handelsblatt nimmt er sich aber Zeit.
Herr Oberhänsli, in Deutschland wird über ein Versandverbot verschreibungspflichtiger Medikamente diskutiert. Damit wird sich die nächste Bundesregierung beschäftigen. Wie stark würde Sie ein sogenanntes Rx-Versandverbot treffen?
Mehrere Bundesministerien sowie Parteien haben sich öffentlich geäußert und ein Rx-Verbot für europarechtsund verfassungswidrig erachtet. Dies spiegelt auch unsere Rechtsauffassung wider. Aber es geht ja nicht nur um uns. Ein Verbot würde die Lebensqualität von Millionen Menschen verschlechtern. Im Zeitalter der Digitalisierung im Gesundheitswesen würde auch ein völlig falsches Signal etwa zur Versorgung im ländlichen Raum gesendet. Deswegen sollten wir uns mehr um Lösungen statt um Verbote kümmern.
Immerhin macht Doc Morris rund 200 Millionen Euro Umsatz in Deutschland mit Rx-Produkten. Das ist ein Viertel
des Umsatzes von Zur Rose. Wie könnten Sie das kompensieren?
Es zeichnet einen guten Unternehmer aus, immer strategische Alternativen bereitzuhaben. Unser stark wachsendes OTC-Segment und neue Services entwickeln sich besser als der Markt. Aber wie bereits erwähnt, glauben wir nicht, dass ein verfassungsrechtlich bedenkliches Gesetz beschlossen würde.
Rezeptpflichtige Medikamente dürfen nur in einigen europäischen Ländern versandt werden. Wird das Wachstum von Zur Rose künftig vor allem von der Ausweitung des Geschäfts mit rezeptfreien Produkten getrieben?
Richtig, der Fokus liegt bei einer möglichen Expansion ins Ausland in einer ersten Phase auf rezeptfreien Medikamenten.
Auch in Deutschland wollen Sie weiter expandieren und haben schon eine Absichtserklärung zum Kauf einer deutschen OTC-Apotheke unterzeichnet. Wie ist der aktuelle Stand?
Über die Details haben wir Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt einer befriedigenden Due-Diligence-Prüfung und bestimmter weiterer Bedingungen.
Doc Morris ist bereits eine starke Marke in Deutschland. Was bringt Ihnen eine weitere?
Mit einer weiteren Marke im deutschen Markt könnten neue Kundengruppen erreicht werden.
Der Werbekonzern Ströer hat vergangenes Jahr die Versandapotheke Vitalsana übernommen. Damit haben Sie einen Konkurrenten, der sozusagen mit Bordmitteln sehr viel Werbepower entfalten kann. Wie stark ist diese Konkurrenz?
Mehr als 3. 000 Apotheken in Deutschland haben eine Versandhandelserlaubnis. Davon betreiben circa 150 einen relevanten Versandhandel mit Arzneimitteln. Dazu kommen dann noch die EU-ausländischen Versandapotheken. Doc Morris hat das Geschäftsmodell Versandapotheke im Markt etabliert und ist fester Bestandteil dieser Branche. Mit unserer hochmodernen Infrastruktur und fachlich kompetenten Mitarbeitern wollen wir auch weiterhin an der Spitze stehen. Dazu gehört aber auch stets den Wettbewerb ernst zu nehmen.
Und wie ernst nehmen Sie die Shop Apotheke Europe?
Das Geschäftsmodell von Shop Apotheke ist mit unserem nur im Bereich OTC-Versand von Doc Morris vergleichbar. Auch wenn die Shop Apotheke gemessen am Umsatz rund 2,5-mal kleiner als Doc Morris ist, nehmen wir sie als Konkurrentin sehr ernst. Wir differenzieren uns aber durch den Versand von Rx-Produkten von ihr.
Herr Oberhänsli, vielen Dank für das Gespräch.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/industrie/zur-rose-gruppe-chef-walter-oberhaensli-wir-wollen-mit-doc-morris-an-der-spitze-stehen/19970054.html?ticket=ST-485084-xNWUIyv2CVx4pP1 p5dE9-ap1


Angriff der virtuellen Apotheken

Datum: 22.06.2017

Mit einem Börsengang will sich der Mutterkonzern von Doc Morris, die Zur-Rose-Gruppe, das nötige Kapital für seine Expansionspläne besorgen. Der Markt für den Online-Medikamentenhandel hat enormes Wachstumspotenzial.
FrankfurtWalter Oberhänsli wählt seine Worte zwar mit Bedacht. Wenn der CEO der Zur-Rose-Gruppe von seinen Expansionsplänen im europäischen und insbesondere dem deutschen Apothekenmarkt spricht, klingt das nicht nach purer Angriffslust. An seiner Beharrlichkeit lässt Oberhänsli aber auch keinen Zweifel aufkommen: Zur Rose will die führende Position, die das Unternehmen in Deutschland mit seiner Marke Doc Morris inne hat, weiter ausbauen. Das stellte er im Interview mit dem Handelsblatt unmissverständlich klar.
Das nötige Kapital dazu will sich der 58-jährige Rechtsanwalt, der die Versandapotheke 1993 mit 21 Ärzten gründete, an der Börse besorgen. Wie das gehen kann, hat die Shop Apotheke Europe im Oktober an der Börse in Frankfurt vorgemacht. Netto 95 Millionen Euro konnte die Versandapotheke mit Sitz im niederländischen Venlo einsammeln. Zur Rose will sogar bis zu 230 Millionen Franken (212 Millionen Euro) erlösen.
Für den Apothekenmarkt in Deutschland und Europa werde der zweite Börsengang einer Versandapotheke Folgen haben, erwartet Tobias Brodtkorb, Managing Partner bei den Beratern von Sempora Consulting:
„Der Onlinehandel mit Medikamenten in Europa wird einen Schub bekommen.“ Denn mit dem Kapital, das Zur Rose und auch die Shop Apotheke in die Bearbeitung der Märkte, in Werbung und die Gewinnung neuer Kunden stecken können, werden beide Anbieter ihre Marktpositionen deutlich ausbauen. Das geht zulasten anderer Medikamentenversender, die nicht so kapitalkräftig sind, und stationärer Apotheken. „Aber da der Apothekenmarkt insgesamt wächst, heißt das nicht unbedingt, dass die anderen Anbieter vom Markt gedrängt werden“, erklärt Brodtkorb.
Wie dynamisch das Geschäft wachsen kann, zeigt Shop Apotheke Europe:
Das Unternehmen wuchs im ersten Quartal um 56 Prozent auf 63,8 Millionen Euro. Der operative Verlust (Ebitda) weitete sich dabei allerdings von 2,3 auf 3,6 Millionen Euro aus, unter anderem wegen gestiegener Kosten für TV-Werbung. Die Shop Apotheke hat den Fokus auf freiverkäufliche Arzneimittel, Kosmetik und Schönheitsprodukte gelegt. Verschreibungspflichtige Arzneimittel, im Fachjargon
Rx-Produkte genannt, machen zwei Prozent des Umsatzes.
Das ist bei Zur Rose anders. Denn die Tochter Doc Morris, die vor 17 Jahren aus dem niederländischen Heerlen gestartet ist, wurde mit verschreibungspflichtigen Medikamenten groß. Wegen des ausländischen Firmensitzes konnte Doc Morris Rabatte gewähren. Mit rund 300 Millionen Euro Umsatz steuert sie zum Geschäft von Zur Rose bei, rund 70 Prozent stammen von rezeptpflichtigen Medikamenten.
Der Markt wächst
Weil die Schweizer jetzt aber verstärkt das Geschäft mit rezeptfreien Produkten ausbauen wollen, haben sie ebenfalls kräftig in die Werbung für Doc Morris investiert. Auch deswegen fuhr Zur Rose im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von knapp 880 Millionen Schweizer Franken einen Verlust von 12,8 Millionen Franken ein. Aber Wachstum gehe derzeit vor Gewinn, sagt CEO Oberhänsli und verweist auf die guten Wachstumsraten von Doc Morris im ersten Quartal: plus 17 Prozent. Dabei legten freiverkäufliche Medikamente (OTC) um 45 Prozent zu und rezeptpflichtige um sechs Prozent. Der Markt für freiverkäufliche Medikamente und andere Apothekenprodukte wie Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel bietet auf jeden Fall noch viel Potenzial. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung Sempora summierte sich das Marktvolumen allein in den vier größten Märkten Deutschland, Frankreich, Italien und
Spanien auf knapp 22 Milliarden Euro. Von einem zweistelligen Onlineanteil wie in Deutschland (13,5 Prozent) sind die übrigen Märkte noch weit entfernt - in den meisten Ländern liegt die Quote unter zwei Prozent. Am 6. Juli werden die Aktien von Zur Rose voraussichtlich erstmals an der Börse in Zürich gehandelt. Bis dahin sollen insgesamt 1,9 Millionen neue Titel für 120 bis 140 Franken je Stück ausgege-
ben werden. Damit wird Zur Rose mit bis zu 870 Millionen Franken bewertet. Allerdings dürfte das dann auch erst einmal der letzte Börsengang eines Apothekenkonzerns in Europa sein, erwartet Sempora-Manager Brodtkorb: „Die nächstgrößeren Versandapotheken sind Anbieter aus Deutschland, aber das sind allesamt von Apothekern geführte Unternehmen und keine Kapitalgesellschaften.“


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/industrie/boersengang-von-docmorris-angriff-der-virtuellen-apotheken-/19966434.html?ticket=ST-484517-eTUDSyKe5R3chDaKwiMC-ap1


EuGH stärkt Patienten-Position

Datum: 21.06.2017

In Sachen Produkthaftung können Impfstoff- und Arzneimittelhersteller im Ernstfall nicht auf wissenschaftliche Kausalitätsbelege pochen. Laut EuGH reichen ernsthafte Indizien aus, um die Beweislast zugunsten eines geschädigten Patienten umzukehren.
Von Martin Wortmann
LUXEMBURG. Die Produkthaftung für Arzneimittel ist nicht auf Fälle begrenzt, in denen es klare medizinische Belege für gesundheitliche Folgeschäden gibt. „Bei fehlendem wissenschaftlichen Konsens“ können auch „klare und übereinstimmende Indizien“ ausreichen, konkret etwa die Häufung von Schäden nach einer Impfung, urteilte am Mittwoch der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Das Urteil war EU-weit mit Spannung erwartet worden. Bezüglich der Impfstoffe ist es auf Deutschland allerdings nur auf Impfungen übertragbar, die nicht ausdrücklich von der STIKO empfohlen werden.
Hier hatte ein Patient in Frankreich geklagt. 1998 und 1999 hatte er insgesamt drei Impfungen gegen Hepatitis B bekommen. Kurz nach der letzten Impfung traten Beschwerden auf. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Multiple Sklerose handelt. Der Gesundheitszustand des Mannes verschlechterte sich rasch, er starb 2011. Familienangehörige führten das Verfahren gegen
den Hersteller fort. Sie behaupten, die MS sei durch den Impfstoff verursacht worden. Die französischen Gerichte wiesen die Klage jedoch zunächst ab. Für eine MS als Folgeschaden einer Hepatitis-Impfung gebe es keine wissenschaftlichen Nachweise.
Vor dem Kassationsgerichtshof in Paris machten die Angehörigen geltend, nach französischem Recht sei die Impfung als Ursache eines Schadens dann anzunehmen, wenn ein enger zeitlicher Zusammenhang besteht und es zudem keine familiäre Vorbelastung gibt. Der Kassationsgerichtshof legte den Streit dem EuGH vor. Der bestätigte nun, dass Produktfehler „bei fehlendem wissenschaftlichem Konsens durch ein Bündel ernsthafter, klarer und übereinstimmender Indizien bewiesen werden“ können. Die französische Beweisregel sei daher im Grundsatz zulässig.
Nach dem Luxemburger Urteil führen solche Indizien zu einer Umkehr der Beweislast: Sie reichen für den Geschädigten zunächst aus, für den Hersteller bleibt aber die Möglichkeit eigener Beweisführung, dass hier der Impfstoff eben nicht die Ursache der Folgeerkrankung gewesen sein kann. Zur Begründung seines Urteils verwies der EuGH auf das Ziel des EU-Produkthaftungsrechts „einer gerechten Verteilung der mit der modernen technischen Produktion verbundenen Risiken zwischen dem Geschädigten und dem Hersteller“.
In Deutschland zahlt ein Fonds
Würde bei Arzneimitteln nur ein „auf medizinischer Forschung beruhender sicherer Beweis“ zugelassen, würde „die Inanspruchnahme der Haftung des Herstellers übermäßig schwierig“. Der EuGH betonte allerdings, dass die vorgelegten Indizien „hinreichend ernsthaft, klar und übereinstimmend“ sein müssen, so dass „das Vorliegen eines Fehlers des Produkts unter Berücksichtigung auch der vom Hersteller zu seiner Verteidigung vorgebrachten Beweismittel und Argumente als die plausibelste Erklärung für den Eintritt des Schadens erscheint“. Im konkreten Fall habe es keine Vorbelastung in der Familie des Geschädigten gegeben und eine „bedeutende Anzahl“ vergleichbarer Erkrankungen nach der Impfung. Dies könne als In-dizien-Nachweis ausreichen. Abschließend müssen darüber nun wieder die französischen Gerichte entscheiden.
In Deutschland ist das Luxemburger Urteil überwiegend für Reiseimpfungen interessant, zudem ist es nach seiner Begründung auch auf andere Arzneimittel übertragbar. Impfschä-den nach einer von der STIKO empfohlenen Impfung werden dagegen aus einem Fonds entschädigt, in den auch Hersteller einzahlen. Laut Bundessozialgericht gilt für den Ursachenzusammenhang zwischen Impfung und Schaden auch hier der „Maßstab der Wahrscheinlichkeit“.
Europäischer Gerichtshof Az.: C-62/15


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/938387/impfschaden-eugh-staerkt-patienten-position. html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170622-_-Recht


Arzneimittelhersteller haben 562 Millionen Euro an Ärzte gezahlt

Datum: 21.06.2017

Regelmäßig veröffentlichen die Arzneimittelhersteller, die Namen der Ärzte, die im vergangenen Jahr Geld bekommen haben. Immer weniger sind bereit, Transparenz zu zeigen. Insgesamt wurden 562 Millionen Euro gezahlt.
Die 54 größten Pharmaunternehmen haben im Jahr 2016 insgesamt 562 Millionen Euro an Ärzte und medizinische Fachkreisangehörige in Deutschland bezahlt. Das teilte der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VfA), die Lobbyorganisation der Pharmaindustrie, heute in Berlin mit.
Das meiste Geld (356 Millionen Euro) floss dabei als Honorar für die Durchführung von klinischen Studien und Anwendungsbeobachtungen (AWBs). 105 Millionen Euro bekamen Ärzte als Vortragshonorar und für die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen. Mit weiteren 101 Millionen Euro sponserte die Industrie Veranstaltungen und Institutionen.
Eine Unterscheidung zwischen Zulassungsstudien und AWBs lehnt die Industrie ab, obwohl AWBs unter Wissenschaftlern einen schlechten Ruf haben, weil sie häufig dazu dienen, Ärzte mit finanziellen Anreizen dazu zu bringen, ihren Patienten ein ganz bestimmtes Präparat zu verordnen. Die Unternehmen wollen aber weder verraten, wie hoch der Anteil der AWBs unter den Studienhonoraren sind, noch welche Ärzte genau an AWBs teilnehmen.
Die Gesamtausgaben der Zahlungen an Ärzte und medizinische Fachkreisangehörige liegen insgesamt rund zwei Prozent unter den Werten des Jahres 2015. Damals hatte die Industrie noch 575 Millionen Euro an insgesamt 70.000 Ärzte in Deutschland gezahlt. Nach Angaben des VfA waren im vergangenen Jahr 31 Prozent der Ärzte bereit, dass die Zahlungen an sie mit der konkreten Summe und der Namensnennung des Arztes auf der Website des Pharmaunternehmens veröffentlicht werden darf. In diesem Jahr erteilten nur noch 25 Prozent ihr Einverständnis, die Daten zu veröffentlichen.
Dass die Zahl der Ärzte dieses Jahr deutlich niedriger sei als im letzten Jahr, liegt nach Ansicht der Hauptgeschäftsführerin des Pharmaverbands, Birgit Fischer, an den Medien. „Es ist schlecht, dass Ärzte, die den Weg der Transparenz gehen, an den Pranger gestellt werden. Im Vorjahr ist das zu unserem Bedauern geschehen“, sagte die VfA-Chefin, ohne die Vorwürfe zu konkretisieren. „Hier liegt ein Grund, dass die Zustimmungsquote der Ärztinnen und Ärzte zur namentlichen Veröffentlichung von rund einem Drittel im Vorjahr auf rund ein Viertel in diesem Jahr gesunken ist.“
Als im vergangenen Jahr 31 Prozent der Ärzte ihre Zustimmung erteilt hatten, erklärte Frau Fischer noch, dass die Zahl in den nächsten Jahren steigen werde. „Ich gehe davon aus,
dass in Zukunft mehr Ärzte der Transparenz zustimmen werden“, sagte Fischer im Juni 2016 und ergänzte: „Heute ist, glaube ich, ein Wert von einem Drittel ein ganz guter Beginn. Die Zustimmungsrate wird sich in Zukunft noch verändern.“
Holger Diener von der pharmaeigenen „Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie“ (FSA) erklärte heute nun, dass ein Rückgang der Transparenz „natürlich zu erwarten“ gewesen sei, dennoch liege die Zustimmungsrate „immer noch im erwartbaren Rahmen“.
In den USA sind die Auskünfte verpflichtend
In den USA hatte die Regierung unter Barack Obama im Jahr 2010 ein Gesetz beschlossen, dass die Veröffentlichung der Pharmazahlungen an Ärzte verpflichtend festschreibt. Seit
2013 müssen die Firmen diese Zahlungen veröffentlichen und Patienten können zum Beispiel nachschauen, wie viel Geld ihr Arzt im vergangenen Jahr von welchem Unternehmen bekommen hat.
In Europa versucht die Pharmaindustrie seit mehreren Jahren ein solches Gesetzt zu verhindern, indem sie auf eine freiwillige Transparenz pocht - was angesichts einer Zustimmungsquote von mittlerweile nur 25 Prozent aber immer fraglicher erscheint. Intern hört man aus der Branche immer wieder, dass man mit einem entsprechenden Gesetz wie in den USA auch in Deutschland gut leben könne. Weil damit klare und gleiche Bedingungen für alle gelten würden

Und nicht nur für jene Firmen, die sich im Pharmaverband VfA zusammen geschlossen haben.
Denn die kleinen und mittleren Unternehmen, die im Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) zusammen geschlossen sind, veröffentlichen bisher ebenso wenig ihre
Zahlungen an Ärzte wie die großen Generikafirmen oder auch die Homöopathie-Unternehmen.
Das Gesundheitsministerium unter Hermann Gröhe (CDU) zeigt bisher aber kein Interesse an einem Transparenzgesetz für Ärzte in Deutschland.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Wirtschaftswoche
Web: http://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/pharmaindustrie-arzneimittelhersteller-haben-562-millionen-euro-an-aerzte-gezahlt/19961122.html


E-Karte für Geflüchtete hat sich auch bei Ärzten bewährt

Datum: 21.06.2017

Ministerium und Kommunen ziehen ein positives Fazit nach der Einführung der Gesundheitskarte.
POTSDAM. Einfacher und weniger bürokratisch - nach den ersten Erfahrungen profitieren nicht nur die geflüchteten Menschen von der elektronischen Gesundheitskarte, sondern auch niedergelassene Ärzte.
Auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit Landesgesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke) wies der KV-Vorsitzende Peter Noack auf die Vorteile hin, die sich für die behandelnden Praxen mit der Gesundheitskarte ergeben.
Vor allem der Wegfall der einzelfallbezogenen Papierabrechnung mit dem Sozialamt sorge für Erleichterungen. Der bürokratische Aufwand für Ärzte und die Verwaltungen verringere sich. Von Entlastungen berichtete auch die Erste Beigeordnete des Landkreises Teltow-Fläming, Kirsten Gurske (Die Linke).
Den Patienten blieben oft lange Wege ins Sozialamt erspart, wo sie sich bis zur Einführung der Gesundheitskarte einen Behandlungsschein abholen mussten. Für Sozial- und Gesundheitsamt sei der Verwaltungsaufwand gesunken. Der Einsatz der Gesundheitskarte habe sich bewährt, sagte
Gesundheitsministerin Golze. In den betroffenen Regionen habe die „umständliche Zettelwirtschaft“ ein Ende. Sie zeigte sich optimistisch, dass weitere Landkreise „sich den überzeugenden Argumenten nicht mehr verschließen“ und die elektronische Gesundheitskarte ebenfalls einführen. Zum 1. Juli 2016 kamen in Brandenburg die Chipkarten erstmals um Einsatz. Sukzessive haben 13 Landkreise und kreisfreie Städte (von 18) in Brandenburg die Karte eingeführt. Der Start war in einigen Kommunen mit Skepsis betrachtet worden, weil sie fürchteten, auf Kosten sitzenzubleiben. (juk)


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/fluechtlinge/article/938293/brandenburg-e-karte-gefluechtete-aerzten-bewaehrt.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170621 -_-Fl%C3%BCchtlinge


DocMorris-Mutterkonzern kann noch 2017 an die Börse gehen

Datum: 20.06.2017

Der Weg ist frei: Auf einer außerordentlichen Generalversammlung haben die Anteilseigner des Schweizer Arzneimittelhändlers Zur Rose die Voraussetzungen für einen Börsengang geschaffen. Das Unternehmen will für weiteres Wachstum mindestens 200 Millionen Franken einsammeln.
Das Projekt Börsengang der Schweizer DocMorris-Mutter Zur Rose nimmt konkrete Formen an. Auf einer außerordentlichen Generalversammlung haben die Aktionäre des Pharmahänd-lers Zur Rose Group AG die Schaffung eines genehmigten Aktienkapitals im Nennwert von knapp 12,5 Millionen Franken und die für einen Börsengang notwendige Anpassung der Statuten beschlossen. Nach einer Mitteilung des Unternehmens sei vorgesehen, dass die Aktien von Zur Rose an der SIX Swiss Exchange gehandelt werden sollen. Zum genauen Zeitpunkt des geplanten IPO (Initial Public Offering = Börsengang) machte das Unternehmen keine Angaben. Nach einer früheren Mitteilung könnte dies aber noch im laufenden Jahr der Fall sein.
Bislang werden die Aktien der Zur Rose Group AG auf den Handelsplattformen OTC-X der Berner Kantonalbank, eKMU-X der Zürcher Kantonalbank sowie der Lienhardt & Partner Privatbank Zürich AG gehandelt.
Insgesamt will Zur Rose durch den Börsengang nach Angaben einer Sprecherin „mindestens 200 Millionen Franken“ an frischem Kapital einsammeln. Wie berichtet will das Unternehmen mit dem Geld seine Stellung im europäischen Arzneimittelversand weiter ausbauen, insbesondere in Deutschland. Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Rx-Boni vom Oktober 2016 will Zur Rose hierzulande mithilfe der Tochter DocMorris insbesondere das Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln erweitern.
Weitere Finanzierungsmöglichkeiten vom Tisch
In den vergangenen Wochen hatte das Unternehmen angekündigt, neben einem Börsengang auch andere Finanzierungsmöglichkeiten zu erwägen.
Die wären mit einem IPO wohl vom Tisch: „Sollte der Börsengang kommen, werden andere Finanzierungsmöglichkeiten nicht weiterverfolgt.
Der Verwaltungsrat muss den Börsengang jedoch zuerst beschließen“, sagte die Unternehmenssprecherin auf Anfrage von DAZ.online.
Darüber hinaus will das Unternehmen wie ebenfalls berichtet über Akquisitionen wachsen. Derzeit führt der Versandhändler nach eigenen Angaben in Deutschland Übernahmegespräche mit dem Eigentümer einer auf rezeptfreie
Medikamente fokussierten Versandapotheke. Der Zukauf würde nach Angaben von Zur Rose den Umsatz im Segment Deutschland um über zehn Prozent erhöhen.
Aber auch das Hauptziel der Schweizer, hier in Deutschland mehr Anteile am Rx-Markt zu erobern, kam zuletzt bereits in Fahrt. DocMorris erwirtschaftete im ersten Quartal 2017 ein Umsatzplus von rund 17 Prozent. Nach Recherchen von DAZ.online sollen dabei die Rx-Umsätze der Niederländer erstmals seit 2012 um mehr als 6 Prozent angestiegen sein, der OTC-Bereich sogar um 45 Prozent.
Der operative Sitz der Zur RoseGruppe befindet sich im schweizerischen Frauenfeld, von wo aus auch der Schweizer Markt bedient wird. In Deutschland und Österreich ist die Gruppe mit den Tochtergesellschaften DocMorris mit Sitz im niederländischen Heerlen sowie der Zur Rose Pharma GmbH in Halle an der Saale aktiv. Darüber hinaus hält Zur Rose eine Mehrheitsbeteiligung an BlueCare in Winterthur, einem Schweizer Gesundheitsanbieter. Mit insgesamt über 800 Beschäftigten erwirtschaftete die Zur Rose-Gruppe 2016 einen Umsatz von 880 Millionen Franken, erkaufte sich ihr Wachstum aber mit einem Verlust von 12,8 Millionen Franken.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/06/20/docmorris-mutterkonzern-kann-noch-2017-an-die-boerse-gehen


Das Kapital hinter den Versandapotheken

Datum: 20.06.2017

Berlin - Der Apotheker in seiner Apotheke, der Versandapotheker in seiner Versandapotheke? Nicht unbedingt. Weil sich das Geschäftsmodell skalieren lässt, haben sich Unternehmer, Glücksritter und Investoren bei den führenden Versendern in Stellung gebracht. Die führenden Versandapotheken sind - mehr oder weniger offensichtlich - eingebettet in ein Netzwerk an Kapitalgesellschaften.
Der Klassiker waren lange die Niederlande. Schon Ralf Däinhaus zog es bei der Gründung von DocMorris über die Grenze, weil er hier kein Apotheker sein musste, um Arzneimittel verkaufen zu können. Europa Apotheek und ShopApotheke folgten, genauso wie Schlecker mit Vitalsana. Über das Büro in der Konzernzentrale in Ehingen und das Callcenter in Kornwestheim musste der Bundesgerichtshof nach der Pleite der Drogeriekette nicht mehr entscheiden. Als weitere Spielart kam Tschechien dazu: Hier gründete ein Leipziger Marketingprofessor mit Unterstützung der Sparkasse den OTC-Discounter VfG, der heute zu Zur Rose gehört. Auch Volksversand - ein Ableger des Elektronikgroßhändlers Herlinghaus & Weil in Hagen - ist kurz hinter der Grenze bei Zittau in Liberec zu Hause. Nur auf die Idee, von Island oder Schweden aus zu versenden, ist noch niemand gekommen. Auch diese beiden Staaten stehen auf der Länderliste des Bundesgesund-
heitsministeriums (BMG), mit der die Belieferung von deutschen Kunden aus dem Ausland geregelt wird.
Einen geografischen Umweg braucht es aber eigentlich gar nicht: Gewinne lassen sich über den zwischengeschalteten Großhandel und über Dienstleistungsverträge abschöpfen. Eigentumsrechte sichern sich clevere Unternehmer über Marke und Domain. Die Apotheke hinter der Versandapotheke wird damit austauschbar.
Besamex
Eigentlich müsste Besamex mittlerweile Bedümex heißen. Denn Anfang 2015 hatte sich Jens-Wilhelm Salchow in den Ruhestand verabschiedet und seine Apotheke mitsamt dem Versandgeschäft an Dirk Düvel verkauft. Das Be im Namen steht für Berning und ist der interessante Teil der Geschichte. Hans-Jürgen Berning hatte ab Mitte der 1980er Jahre die Firma Intermed aufgebaut, einen Lieferanten für Klinik-, Praxis- und Sprechstundenbedarf. Später verkaufte er das Unternehmen gewinnbringend. Im Jahr 2000 gründete er in Winsen an der Luhe den Diabetes-Versand Medico-Lab. Mittlerweile wurde mit der Sparte Medico-Lab professional auch der B2B-Bereich wieder verstärkt ins Visier genommen.
Als 2004 der Versandhandel von Arzneimitteln zugelassen wurde, tat sich Berning mit Salchow zusammen, der 200 Meter entfernt von Medico-Lab die Löwen-Apotheke betrieb. Zunächst
ging der Webshop unter dem Namen Pharma-Versand-Apotheke an den Start, 2009 folgte die Umbenennung in Besamex (Berning-Salchow-Medika-menten-Express).
Das Lager der Versandapotheke mit einer Fläche von rund 2500 Quadratmetern befindet sich nicht in den Räumen der Apotheke, sondern auf dem Betriebsgelände von Medico-Lab. Dem Unternehmen gehören auch die Markenrechte und die Domain - für Besamex genauso wie für den Ableger Paul Pille.
Berning machte nie ein Geheimnis daraus, dass er der Kopf hinter Besamex ist. Im Impressum wird er sogar als Verantwortlicher nach Rundfunkstaatsvertrag (RVStV) genannt. Sein Sohn Torben ist Geschäftsführer der Schwesterfirma Medico Marketing, die seit Ende vergangenen Jahres unter den Namen Besamex Service firmiert. Er sagt, dass die Konstruktion rechtlich geprüft sei: „Alle großen Versender haben ein Interesse daran, etwas auf die Beine zu stellen, das länger hält.“
Zur Rose
Auch wenn sich das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) am Ende nicht dafür interessierte: Die Ohrfeige, die das Oberverwaltungsgericht SachsenAnhalt (OVG) der Versandapotheke Zur Rose im Herbst 2010 verpasste, war schallend. Nahezu sämtliche Tätigkeiten und Leistungen habe Apotheker Ulrich Nachtsheim aus der Hand gegeben, stellten die Richter fest und kassierten die vorübergehend Versanderlaubnis. Um nicht noch einmal in eine solche Situation zu geraten, überarbeitete die gleichnamige Kapitalgesellschaft später ihren Kooperationsvertrag. Seit
2012 hat Nachtsheim ein Vetorecht bei seinem „Komplettdienstleister“.
In Halle/Saale eröffnete eine Tochterfirma der Ärzte-AG - mit Unterstützung von Stadt und Land - im Jahr 2004 ein Logistikzentrum, das formal nur als Dienstleister für die gleichnamige Filialapotheke von Nachtsheim tätig ist. Die GmbH erbrachte laut Firmenunterlagen aus dem Jahr 2010 für die Apotheke eine ganze Reihe von Dienstleistungen: „Bereitstellung/Vorhaltung von Arzneimitteln, Leistungen im Rahmen der Verpackung und des Versands der Arzneimittel, Abrechnung der versandten Arzneimittel gegenüber Krankenkassen und Kunden sowie Betreiben eines Call-Centers“. Außerdem war die GmbH für Marke, Marketing und Vertrieb zuständig.
Das OVG kam zu dem Schluss, dass nicht davon auszugehen sei, dass Nachtsheim die Versandapotheke „in rechtlichen und wirtschaftlichen, nicht einmal in allen pharmazeutischen Fragen, selbstständig und eigenverantwortlich leitet”. Weil der Apotheker
das Konzept nicht ohne Zustimmung des Kooperationspartners weiterführen dürfe, sei die GmbH mehr als ein untergeordneter Dienstleister, so die Richter damals.
Auch die Tatsache, dass die vertraglich vereinbarte Vergütung von der Rezept- und Packungszahl abhänge, sahen die Richter als Indiz dafür, dass die Versandapotheke in Wahrheit von den Schweizern betrieben wird. 2,4 Millionen Euro zahlte Nachtsheim 2009 für die Kooperationsleistungen, das waren fast 10 Prozent des Umsatzes, plus 100.000 Euro für die Miete. Die Richter kassierten die Versanderlaubnis.
Das BVerwG interessierte sich aber für diese Fragen nicht - denn der Apotheker, der gegen die Konstruktion vorgegangen war, war aus Sicht der Richter ohne den konkreten Nachweis eigener Umsatzeinbußen schlichtweg nicht klagebefugt. Arzneimittel- und Apothekengesetz dienten nicht dem Schutz der individuellen Interessen von Wettbewerbern, bügelten die Richter in Leipzig den Fall ab.
EU-Berlinda-Versandapotheke
Seit Dr. Bettina Kira Habicht die Führung übernommen hat, geht es in Cottbus deutlich ruhiger zu. Zwar wird nach wie vor mit Tiefstpreisen geworben, aber nicht mehr mit Rabatten auf Rezept für Clubmitglieder. Die früheren Verantwortlichen hatten es wesentlich forscher angehen lassen.
Die früheren Verantwortlichen, das waren Apotheker Kurt Rieder, seine Filialleiterin Kerstin Thierfelder und ihr Spiritus Rector Dr. Karl-Heinz Blüher. Letzterer war 25 Jahre lang Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Apotheker (BVDA), als er um die Jahrtausendwende im Streit ging, nahm er nicht nur seinen Hut, sondern auch seine Kontakte mit. Einer von ihnen war Rieder, der Apotheker war in den 1990er Jahren aus dem Fränkischen nach Cottbus gekommen - und wollte anfangs partout nicht in den Versandhandel einsteigen.
Doch Blüher überzeugte ihn. Der ehemalige Verbandschef ahnte, dass der Versandhandel für die Politik ein Baustein war, um Großkonzernen langfristig den Markt zu servieren. Außerdem brachte er Erfahrungen mit, die er beim Aufbau eines Hilfsmittelversenders beim BVDA gesammelt hatte. Gemeinsam zogen die beiden das Modell der Clubmitgliedschaft auf: Blühers Verein Vivavita bot seinen Mitgliedern gratis den Erlass der Zuzahlung - bei einer unbegrenzten Anzahl von Rezepten. Dazu mussten die Kunden ihre Rezepte nur zur Partnerapotheke schicken. Bei der wiederum war Blüher - als Miteigentümer der Marke - mittelbar ebenfalls an Bord. Alle profitierten, bis ihnen das Modell gerichtlich untersagt wurde. Die EU-Versandapotheke wuchs trotzdem, bis auf 70 Millionen Euro Umsatz in der Spitze. Die zweite Besonderheit war, dass Rieder und Blüher ohne eigene Logistik auskamen: Die Päckchen wurden in der Phoenix-Niederlassung vorkonfektioniert; Mitarbeitern der Apotheke wurde zur Kontrolle der Zutritt gestattet. Rechtlich war das für alle Beteiligten ein Ritt auf der Rasierklinge, der bis zum Schluss gut ging. Angeblich soll die Behörde zuletzt sogar noch grünes Licht gegeben haben. Doch auch dieses Modell gibt es nicht mehr: Als Rieder krank wurde, übergab er die Apotheke an Habicht, die bis dahin im thüringischen Suhl selbstständig war. Obwohl sie Rieder und Blüher seit Jahren kannte, warf sie deren Konzept über Bord und eröffnete am Telering eine neue Zentrale. Seitdem liegen alle Beteiligten über Kreuz. Rieder kann es egal sein: Die Rechte an der EU-Versandapotheke gehören seiner Familie noch heute; Habicht muss für die Nutzung der Marke Pacht zahlen. Wen interessiert da, wer wann und wo die Päckchen packt.
Sanicare
Im März 2013 übernahm der saarländische Apotheker Dr. Volkmar Schein die niedersächsische Versandapotheke Sanicare. Ein Jahr später nahm er überraschend Christoph Bertram an Bord.
An der eigens gegründeten OHG hielt
Scheins Kollege die Hälfte der Anteile, im November 2015 wechselten weitere 45 Prozent den Besitzer, wiederum unentgeltlich. Noch vor Scheins Suizid im Juli 2016 schaltete sich seine Frau ein: Ohne ihre Zustimmung hätte ihr Mann nicht über das gemeinsame Vermögen verfügen dürfen; die unentgeltlichen Übertragungen der Anteile seien damit unwirksam, argumentiert Ingrid Schein. Seitdem wird erbittert gestritten. Bertram, die OHG sowie verschiedene Firmen aus dem Umfeld von Sanicare fordern Geld. Diese Unternehmen gehören direkt oder indirekt Detlef Dusel, der als kaufmännischer Leiter von Anfang an dabei war, und verfügen über Genussrechtskapital, das offenbar zur Finanzierung von Sanicare genutzt wurde. Dass Dusel mehr als nur ein Angestellter ist, zeigt sich daran, dass Markenrechte und Domain seit vergangenem Jahr nicht mehr der OHG gehören. Die Verfügungsgewalt über diese wesentlichen Vermögenswerte haben weitere Firmen des kaufmännischen Leiters.
Aponeo
Im Sommer 2015 verkündete der britische Investor Marcol den Einstieg bei der deutschen Versandapotheke Aponeo. Wie bitte? Das Ganze geht so: Apothekeninhaber Konstantin Primbas und Marcol gründeten die Firma Pharmahera, die - nach dem Vorbild von Apotheke Zur Rose und Zur Rose Pharma - als Dienstleister aktiv ist.
Die anonymisierten Aufträge werden weitergeleitet, von Pharmahera fertiggestellt und an Aponeo zurückgeschickt. Dort werden die Bestellungen verpackt und mit der Adresse des Empfängers versehen. Die Zusammenarbeit sei „juristisch einwandfrei“, so Primbas. Der Apotheker hatte sich zuvor lange um einen Kredit bemüht. Doch die Banken zahlten nicht. „Ich hätte es gerne alleine geschafft.“ Heute ist er mit der Partnerschaft rundum zufrieden: Marcol habe nicht nur das nötige Kapital mitgebracht, um mehr Artikel auf Lager zu nehmen, sondern auch qualifiziertes Personal. Er habe heute nicht nur einen CEO, sondern auch Stellen geschaffen, von denen er zuvor nicht einmal geträumt habe.
Medpex
„Angefangen hat alles im Hinterzimmer der Stifts-Apotheke in Ludwigshafen“, schreibt Medpex über sich. Mag sein. Seniorchef Franz Bichler hatte aber bereits bei der Gründung im Jahr professionelle Partner dabei: Seit dem Launch betreut die Firma Comventure die Versandapotheke in den Bereichen Software-Entwicklung und IT-Infra-struktur. Das Unternehmen wurde 2003 gegründet, hinter der Firma stehen Tobias Kindlieb, Frank Müller und Ulrich Spindler. Kindlieb ist Wirtschaftsinformatiker, Müller ist bei Medpex für den Bereich Marketing zuständig. Spindler leitet seit 2007 die gesamte Logistik der Versandapotheke. Fast 300 Mitarbeiter kümmern sich um die monatlich rund 250.000 Bestellungen, verwalten mehr als 100.000 Artikel auf über 4000 Quadratmetern Lagerfläche. Comventure ist unter derselben Adresse wie Medpex zu erreichen, offizieller Firmensitz ist aber in Forst an der Weinstraße, wo Spindlers Familie ein Weingut besitzt. 180 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen mittlerweile. Für einen Dienstleister auch hier ungewöhnlich: Die Website von Medpex gehört nicht der Versandapotheke, sondern Comventure. Auch die Rechte für Medpex, die Eigenmarke Harume und die Wohlfühlbox teilt sich Apothekerin Christiane Bülow-Bichler mit ihren drei Partnern.
Aktuell bereitet Comventure den Start in den Niederlanden vor. Zum Aufbau und zur Etablierung einer neuen Versandapotheke wird ein Chefapotheker gesucht. „Nachdem wir in Deutschland bereits über eine starke Marktposition verfügen, möchten wir im Zuge einer Internationalisierung künftig auch den rasant wachsenden europäischen Markt für Arzneimittelversand (vom Standort Niederlande aus) bedienen“, heißt es in der Stellenanzeige weiter.
Apo-Discounter
Mit Standorten in Kaufland-Märkten hatte Helmut Fritsch in den 1990er Jahren den Markt erobert. Sein Schwiegervater hatte einen direkten Draht in den Konzernvorstand - so erhielt die Familie den ersten Zugriff auf die attraktiven Flächen in den SB-Märkten, die sie mit mal mehr, mal weniger selbstständigen Apothekern besetzte. Fritsch selbst übernahm eine Apotheke im Kaufpark Eiche bei Berlin, seine Frau Kirsten die Apotheken im Paunsdorfcenter in Leipzig. Als der Versandhandel zugelassen wurde, kam Apo-Discounter dazu. Die Versandapotheke wuchs rasant, sodass wenige Jahre nach dem Start in Markkleeberg am anderen Ende von Leipzig ein riesiges Logistikzentrum eröffnet wurde. Das notwendige Kapital stellte Disko zur Verfügung. Die Leasingsparte von GE Capital war Finanzierungspartner der ersten Stunde.
Als Apo-Discounter 2010 zur offiziellen Lidl-Partnerapotheke wurde, nährte dies Gerüchte, dass die SchwarzGruppe auch bei der Versandapotheke an Bord sein könnte. Kurz darauf ging auch noch Dr. Fritz Oesterle zum Lebensmittelkonzern; der ehemalige Celesio-Chef hatte in den 1990er Jahren als Anwalt die Familie Fritsch in mehreren berufsrechtlichen Verfahren vertreten.
Doch eine Verbindung nach Neckarsulm konnte nie nachgewiesen werden. Stattdessen stieg 2014 Dr. Gerhard Köhler bei Apo-Discounter ein, ehemaliger Banker und Großaktionär beim Fotoanbieter Orwo. Fritsch hatte mehrere Firmen um die Versandapotheke herum gegründet, vom Großhandel über einen Marketingdienstleister bis hin zur Domainverwaltung. Die zentrale Holding sitzt in der Schweiz.
Gerüchten aus der Branche zufolge hatte der Medienkonzern Ströer zuletzt eine Übernahme von Apo-Discounter geprüft, nach dem Blick in die Bücher aber abgewunken. Stattdessen übernahm Fritschs Firma im Frühjahr Internetseite und Kundenstamm von Medipolis.
Apodiscounter ist außerdem unter Apotheke.de zu erreichen. Die Domain gehört dem Internetunternehmer Dr. Florian Korff, einem Mediziner aus Ottobrunn, der sich in den 1990er-Jahren zahlreiche prominente Internetadressen gesichert hatte. Einige Domains wie medizin.de betreibt Korff heute in Eigenregie, für andere wie foto.de oder immo.de hat er Kooperationsverträge mit großen Onlineshops abgeschlossen.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/versandapotheken-kapitalgesellschaft-gmbh/


Strahl statt Stahl bei Prostatakrebs

Datum: 16.06.2017

Wie kann die moderne Strahlentherapie als Ersttherapie bei Prostatakrebs stärker in den Fokus von Patienten und Ärzten gerückt werden? Darüber haben Radiologen auf ihrer Jahrestagung diskutiert. Denn einiges spricht für die Bestrahlung.
BERLIN. In den frühen, nicht-metasta-sierten Erkrankungsstadien, in denen Prostatakrebs am häufigsten diagnostiziert wird, haben die Patienten heute die Wahl zwischen Operation, Strahlentherapie und dem „Zuwarten“ mit engmaschiger Beobachtung („active surveillance“). Alle drei Verfahren wurden bisher medizinisch als etwa gleichwertig eingestuft.
Etwa zwei Drittel der Männer mit auf die Prostat begrenzten Tumoren ohne Metastasen entscheiden sich dennoch für die Operation als „Firstline“-Thera-pie, schätzt Professor Daniel Zips vom Universitätsklinikum Tübingen. Nach seiner Erfahrung wählt nur etwa jeder Dritte die Strahlentherapie, sagte er zur „Ärzte Zeitung“ auf Anfrage.
Für Patienten könne diese Präferenz aber deutliche Nachteile haben. So ist die Strahlentherapie nach Studiendaten ebenso effektiv wie die Op, geht aber mit geringeren Raten von Inkontinenz und Impotenz einher, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in einer Mitteilung zu ihrer Jahrestagung in Berlin. Belege dafür gibt es aus der britischen
ProtecT-Studie (NEJM 2016; 375: 1415). Die 1643 Teilnehmer waren nach dem Zufallsprinzip entweder mit Op, Radiotherapie oder aktiver Überwachung behandelt worden.
Zehn Jahre nach der Intervention zeigte sich, dass die Patienten im Hinblick auf Erkrankungsprogression und Metastasierung von einer frühzeitigen Intervention (Op oder Strahlentherapie) profitierten. Zwischen den beiden Verfahren gab es hinsichtlich der Wirksamkeit keine signifikanten Unterschiede. Die Operation ging aber mit einer stärkeren Beeinträchtigung der Sexual- und der Harnwegsfunktion einher. Nach sechs Jahren waren 17 Prozent der operierten Patienten noch inkontinent (im Vergleich zu vier Prozent der bestrahlten Patienten) und bei 22 Prozent konnte sich keine Erektion einstellen (im Vergleich zu zwölf Prozent der bestrahlten Patienten). „Beides, Inkontinenz und Impotenz, sind Therapiefolgen, die die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen können und in einem deutlich geringeren Maße nach der Strahlentherapie auftreten. Dies muss im Zusammenhang mit den etwas häufiger nach Bestrahlung auftretenden Nebenwirkungen am Darm mit den Patienten diskutiert werden“, so Zips in der Mitteilung.
Professor Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der DEGRO, sieht daher Bedarf, stärker über die radioonkologi-
sche Behandlung zu informieren. „Die Strahlentherapie wird als Firstline-The-rapie bei Tumoren, die auf die Prostata begrenzt sind und keine Metastasen gebildet haben, unterschätzt. Die wenigsten Patienten wissen, dass sie ebenso effizient ist wie die Operation, aber mit weniger Folgekomplikationen einhergeht. Die DEGRO setzt sich dafür ein, „dass die Strahlentherapie nicht nur postoperativ als Rettungsanker nach Rückfall erwogen wird.“
Dass sich die Mehrzahl der Männer dann nach der Beratung durch den Urologen zu den verschiedenen Optionen immer noch für die Operation als „Firstline-Therapie entscheiden, liegt nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Radiologie (DEGRO) möglicherweise an einem“Bias“ im System. Denn der beratende Urologe könne nur eine der angebotenen Therapieformen selbst durchführen: die Operation, heißt es in einer Pressemitteilung der DEGRO.
Schuld sei allerdings nicht eine unausgewogene Aufklärung der Kollegen, sondern es sei vor allem psychologisch erklärbar: Der Patient fasse Vertrauen zu dem Arzt, den er ggf. seit Jahren kennt, der ihm die Diagnose vermittle und mit ihm die möglichen Therapiewege bespreche -und da liege es nahe, dass der Patient auch eher die Therapieform wähle, die dieser Arzt selbst durchführen könnte, so die DEGRO. (run/eis)


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/prostatakrebs/article/938013/weniger-impotenz-strahl-statt-stahl-prostatakrebs.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170619-_-Prostata-Karzinom


Stada-Übernahme droht zu platzen

Datum: 21.06.2017

Bad Vilbel - Einen Tag vor Ablauf der entscheidenden Frist droht die Übernahme des Arzneimittelherstellers Stada am Votum der Aktionäre zu scheitern. Bisher haben weniger als die Hälfte der Anteilseigner (41,37 Prozent) die Kaufofferte der Finanzinvestoren Bain und Cinven angenommen, wie die Investoren mitteilten.
Sie wollen den im MDax notierten Generikahersteller für 5,3 Milliarden Euro übernehmen - haben aber die Bedingung gestellt, dass bis Donnerstag um Mitternacht mindestens 67,5 Prozent der Aktionäre zustimmen. „Das Ding wird unglaublich eng“, hieß es aus mit der Transaktion beschäftigten Bankenkreisen. „Was in den nächsten Stunden passiert, lässt sich kaum voraussagen.“ Die Übernahme des Herstellers läuft schon länger schleppend. Jüngst mussten Bain und Cinven die Annahmequote von 75 auf 67,5 Prozent sen-
ken und die Frist verlängern, weil nicht genug Stada-Aktionäre ihre Papiere angedient hatten.
Sollten die Investoren die neue Hürde nicht überwinden, können sie aus rechtlichen Gründen erst 2018 ein weiteres Angebot vorlegen. In Finanzkreisen gilt das aber als wenig wahrscheinlich. Werde die Quote nicht erreicht, scheitere das Angebot, betonten Bain und Cinven.
Auch an der Börse zeigte sich Skepsis. Stada-Aktien notierten am Mittwochnachmittag bei 63,70 Euro und damit mit einem Abschlag zur Offerte von Bain und Cinven, die 66 Euro je Anteil bieten. In der vergangenen Woche war zudem bekannt geworden, dass der Stada-Großaktionär AOC seine Anteile vorzeitig verkauft hatte.
Zwar ist es bei Übernahmen üblich, dass Großanleger die Frist ausreizen. Doch an Stada halten auch Privatanleger laut Firmenangaben mit 27 Prozent einen relativ hohen Anteil. Unter
ihnen sollen viele traditionsbewusste Ärzte und Apotheker sein. Von den Privatanlegern hätten bisher nur etwas mehr als die Hälfte Aktien angedient, hieß es in Bankkreisen. Mit weiteren Zuläufen sei kaum zu rechnen.
Eine zusätzliche Hürde sind Indexfonds, die 12 Prozent der Anteile besitzen und die Entwicklung des MDax abbilden. Sie sind aus rechtlichen Gründen gebunden, bestimmte Annahmequoten abzuwarten. Die Finanzinvestoren rechneten nicht mehr damit, die Papiere noch angedient zu bekommen, verlautete es in den Kreisen. Als Problem gilt auch, dass Hedgefonds in der Hoffnung auf ein höheres Angebot zu hohen Kursen eingestiegen seien und nun zögerten. Sollte der Deal platzen, befürchten Analysten einen Kursrutsch der Aktie. Stada-Papiere hatten zuletzt stark zugelegt, weil Anleger auf einen Erfolg der lukrativen Übernahme gesetzt hatten.


Rubrik: Hersteller
Quelle: apotheke adhoc
Web: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/generikahersteller-stada-uebernahme-droht-zu-platzen/


Blutdrucksenkung: Je tiefer, desto besser?

Datum: 20.06.2017

Eine neue Metaanalyse lässt vermuten, dass sich bei Hypertonikern das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und die Gesamtmortalität am stärksten senken lässt, wenn ein Therapiezielwert von systolisch zwischen 120 und 124 mmHg angestrebt wird.
Von Peter Leiner
NEW ORLEANS. Aus mehreren Studien geht hervor, dass bei Erwachsenen mit Hypertonie durch eine Blutdrucksenkung das Risiko für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen und vorzeitigen Tod gesenkt wird. Weil der optimale Zielwert noch nicht ermittelt worden ist, haben sich US-Gesund-heitsforscher und Epidemiologen der verfügbaren Daten noch einmal angenommen und sie mithilfe einer Netzwerk-Metaanalyse durchforstet. Diese Statistikmethode ermöglicht es, die Ergebnisse aus direkten Vergleichen zwischen zwei Behandlungen und solche aus Vergleichen zwischen anderen Behandlungen effizient zusammenzuführen.
Die Wissenschaftler um Dr. Joshua D. Bundy von der Tulane University School of Public Health in New Orleans verwendeten die Daten von insgesamt 42 Studien mit mehr als 144.000 Teilnehmern (JAMA Cardiol 2017; online 31. Mai 2017). Für ihre Analyse fokussierten sie auf zehn verschiedene
Zielwertgruppen für den systolischen Blutdruck - von < 120 bis 160 mmHg und darüber, jeweils in 5-mmHg-Schritten. Schließlich verglichen sie die mmHg-Reduktionen mit dem jeweiligen Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung, einen Schlaganfall und eine KHK sowie mit dem Risiko, infolge einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben, und mit dem Gesamtmortalitätsrisiko.
Lineare Beziehung
Im Zentrum ihres Netzwerks positionierten die Wissenschaftler die Kategorie mit dem Zielwert 130-134 mmHg: Denn in den meisten, nämlich 21 Studien, wurden diese Zielwerte mit sieben der anderen zehn Zielwerte für den systolischen Blutdruck verglichen. In 31 Studien ging es um das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, in je 27 Studien für Schlaganfall beziehungsweise KHK, in 41 Studien um das Gesamtmortalitätsrisiko und in 33 Studien um die Sterberate im Zusammenhang mit einer kardiovaskulären Erkrankung. Der erzielte systolische Blutdruck lag zwischen 114 und 171 mmHg.
Die Studien dauerten von einem halben Jahr bis über acht Jahre. Das Follow-up lag durchschnittlich bei 3,7 Jahren. Die Wissenschaftler stellten allgemein eine lineare Beziehung zwischen dem durchschnittlich erreichten Blutdruckwert und dem Risiko für die
gewählten Studienparameter fest. Eine bisher diskutierte J-förmige Kurve als Beschreibung des Zusammenhangs zwischen erreichtem systolischem Blutdruck und dem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen sowie dem Gesamtmortalitätsrisiko konnten Bundy und seine Kollegen nicht erkennen. Aus der Auswertung der Studien geht hervor, dass Patienten dann das geringste Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung und das geringste Risiko zu sterben hatten, wenn durch die antihypertensive Therapie ein systolischer Blutdruckwert zwischen 120 und 124 mmHg angestrebt wurde. Das geringste Risiko für Schlaganfall habe sogar bei einem Zielwert unter 120 mmHg gelegen, so die Wissenschaftler. Allerdings seien die Daten dazu nicht aussagekräftig genug. Das relative Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung war unter den intensivsten antihypertensiven Therapie um 29 Prozent geringer (Hazard Ratio, HR: 0,71; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,60 und 0,83), wenn mit einem Zielwert zwischen 130 und 134 mmHg, beziehungsweise um 64 Prozent geringer (HR 0,36 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,26 und 0,51), wenn mit einem Zielwert von 160 mmHg und darüber verglichen wurde. Der Nutzen einer solchen Behandlung spiegelte sich auch beim Parameter Gesamtmortalität wider. Bei einem Vergleichszielwert von 130-134 mmHg lag die Sterbewahrscheinlichkeit um 27 Prozent (HR: 0,73; 95%-Konfidenzinter-vall zwischen 0,58 und 0,93), bei einem Vergleichswert von 160 mmHg und darüber sogar um 53 Prozent niedriger (HR: 0,47; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,32 und 0,67). Nach Angaben der Wissenschaftler bestätigen die
Ergebnisse der Netzwerk-Metaanalyse diejenigen der SPRINT-Studie (Systolic Blood Pressure Intervention Trial), die im Herbst 2015 wegen der Überlegenheit der aggressiveren Blutdrucksenkung vorzeitig beendet worden war.
Zielwert unter 130 mmHg?
Werde der systolische Blutdruck bei einem Zielwert zwischen 120 und 124 mmHg um 10 mmHg gesenkt, gehe das mit einer Reduktion des Risikos für eine kardiovaskuläre Erkrankung um 29 Prozent einher, bei einer Reduk-
tion um mindestens 40 mmHg sogar mit einer Reduktion um 64 Prozent.
In einem Kommentar zur Metaanalyse halten Kardiologen von der Universität in Chicago das Motto „je niedriger, desto besser“ im Zusammenhang mit der Blutdrucksenkung bei Hypertonikern für sinnvoll. Vorzuziehen sei ein Zielwert unter systolisch 130 mmHg. Einschränkend weisen schließlich Bundy und seine Kollegen darauf hin, dass in der Metaanalyse keine Subgruppenanalyse im Zusammenhang mit dem Alter vorgenommen wurde.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/938231/neue-metaanalyse-blutdrucksenkung-je-tiefer-desto-besser.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170620-_-Bluthochdruck


SPD will Mehrwertsteuer für Arzneimittel nicht absenken

Datum: 19.06.2017

Die SPD lehnt es weiterhin ab, konkrete Aussagen zum Apotheken- und Arzneimittelmarkt in ihr Wahlprogramm aufzunehmen. Inzwischen liegen fast 1000 Seiten Änderungsanträge zum Leitantrag des Programmes vor. Apotheken-und Arzneimittelthemen sind dort rar gesät. Eine Absenkung der Umsatzsteuer auf Medikamente lehnt die SPD schlicht ab. Und auch ein „Nein“ zum Rx-Versandverbot wollen die Sozialdemokraten überraschenderweise nicht dabei haben.
Am vergangenen Wochenende haben die Grünen auf der Bundesdelegiertenkonferenz ihr Wahlprogramm für die Bundestagswahl beschlossen. Zuvor waren schon die Linken, die FDP und die AfD mit ihren Plänen und Vorhaben dran. Von den Parteien, die laut aktuellem Stand der Meinungsumfragen eine Chance haben, in den nächsten Bundestag einzuziehen, müssen jetzt nur noch die SPD und die beiden Unionsparteien ihre Wahlprogramme vorlegen.
Bei den Sozialdemokraten soll das am kommenden Wochenende so weit sein. Am 25. Juni steht ein außerordentlicher Parteitag in Dortmund an, auf dem das Programm diskutiert und anschließend verabschiedet werden soll. Vor einigen Wochen hatte der Parteivorstand einen Leitantrag vorgelegt, in dem aus gesundheitspolitischer Sicht wenig Überraschendes enthalten ist: Die SPD fordert die Einführung einer Bürgerversicherung und die Ver-
einheitlichung der ärztlichen Gebührenordnungen. Außerdem müsse es mehr Pflegepersonal in Kliniken und Altersheimen geben. Recht vage ist auch die Forderung nach einer „integrierten Bedarfsplanung der gesamten medizinischen Versorgung“.
Auch aus apotheken- und arzneimittelpolitischer Sicht hat der Leitantrag nicht viel zu bieten. Arzneimittelpreise sollten künftig „ethisch vertretbar“ sein, heißt es dort, ohne zu sagen, mit welchen Sparinstrumenten die Preise angefasst werden sollen. Die Apotheker kamen erst in einer zweiten Version des Leitantrages in die Vorab-Version des Wahlprogrammes. Über den Parteivorstand rutschte die ebenfalls sehr vage Formulierung „Die Kompetenz der Apothekerinnen und Apotheker muss in die Versorgungsstrukturen effizient mit eingebunden werden“ in den Leitantrag.
Kein Versandverbot, keine Umsatzsteuer
Und dabei wird es voraussichtlich auch bleiben. In den vergangenen Wochen hatten die SPD-Mitglieder die Möglichkeit, ihre Änderungswünsche an die Parteizentrale zu übermitteln. Fast 1000 Seiten haben sie so zusammengetragen. Die Antragskommission der SPD hat alle Ideen überprüft und darüber befunden, was in den Leitantrag aufgenommen und somit am kommenden Wochenende zur Abstimmung gestellt wird, und welche Anträge schlichtweg nicht beachtet werden sollen.
Eine solche Ablehnung erfuhr ein Antrag, der für den Arzneimittelmarkt durchaus hätte relevant sein können. Der Ortsverband Görlitz (Sachsen) reichte mit Blick auf die ambulante Versorgung den folgenden Vorschlag ein: „Erforderliche Schritte (...) sind die Befreiung von Medikamenten von der Umsatzsteuer sowie die Begrenzung von Haftpflichtversicherungsbeiträgen für Gesundheitsberufe.“ Die SPD-Antragskommission wollte sich dem Antrag nicht annehmen, und entschied: „Ablehnung.“ Verwundern dürfte auch die Reaktion der Antragskommission auf einen Vorschlag des Ortsvereins Gera-Ost. Die SPD'ler aus Thüringen wollten den folgenden Satz einfügen: „Wir werden eine stärkere staatliche Regulierung, Kontrolle und Deckelung der Arzneimittelpreise durchsetzen. Ebenso sind wir gegen ein angestrebtes Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.“ Die Antragskommission verweist darauf, dass die Wünsche der Thüringer Genossen bereits in der aktuellen Version des Leitantrages vorhanden seien.
Richtig ist, dass dort die Kontrolle der Arzneimittelpreise eingefordert wird. Vom „Nein“ gegen das vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) angestrebte Versandverbot war im Leitantrag nie die Rede. Mit Blick auf den übereifrigen und vehementen Widerstand der SPD gegen das Verbot überrascht es, dass die Sozialdemokraten eine Aufnahme dieser Passage ins Wahlprogramm verneinen.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/06/19/spd-will-mehrwertsteuer-fuer-arzneimittel-nicht-absenken


Kassen erzielen 600 Millionen Euro Überschuss

Datum: 08.06.2017

Mit einem satten Plus haben die gesetzlichen Krankenkassen das erste Jahresquartal abgeschlossen. BERLIN.Das AOK-System hat im ersten Quartal dieses Jahr einen Überschuss von 361 Millionen Euro eingefahren. Das sind rund 70 Millionen Euro mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die GKV insgesamt schließt das erste Quartal mit einem Plus von rund 600 Millionen Euro ab. Damit verbuchen die Ortskrankenkassen deutlich mehr als die Hälfte des gesamten Überschusses aller 113 Kassen. Versi- chert sind im AOK-System indes nur rund ein Drittel aller GKV-Versicherten. Martin Litsch, Chef des AOK-Bundes-verbands, sieht „gute Verträge und eine effiziente Versorgungssteuerung“ als Gründe für das gute Abschneiden der AOK-Familie. So seien die Leistungsausgaben im ersten Quartal um nur 0,5 Prozent gestiegen. Das liege „voraussichtlich weit unter dem Branchenschnitt“, hieß es. Ganz anders verlief die Entwicklung bei den Ersatzkassen. Dort stand am Ende des Quartals ein Überschuss von nur noch 155 Millionen Euro in den Büchern - im Vorjahreszeitraum waren es noch 206 Millionen Euro gewesen. Der Anstieg der Leistungsausgaben rangiert bei den Ersatzkassen in einer ganz anderen Liga als im AOK-System, nämlich bei 4,3 Prozent je Versichertem. Hingegen nahmen die Einnahmen je Versichertem im gleichen Zeitraum nur um 3,9 Prozent zu. In diesen Zahlen ist der Bundeszuschuss, der dieses Jahr um 500 Millionen Euro über dem Niveau des Vorjahres liegt, bereits eingepreist. (fst)


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/krankenkassen/article/937438/gkv-kassen-erzielen-600-millionen-


Zur Rose will OTC-Versender kaufen

Datum: 08.06.2017

Berlin - Zur Rose will an die Börse
- mindestens 200 Millionen Schweizer Franken sollen noch in diesem Jahr in die Kasse gespült werden. Gute Nachrichten sind hilfreich, um Investoren zu gewinnen. In der Ankündigung des Börsengangs wird daher das Wachstum im Rx-Geschäft in Deutschland gefeiert - und der Zukauf einer kleineren Versandapotheke angekündigt.
Im ersten Quartal legte der Umsatz von DocMorris um 17 Prozent zu, inklusive der Versandapotheke Zur Rose in Halle wuchs das Segment Deutschland um 15 Prozent. Dies unterstreiche das große Potenzial der Zur Rose-Gruppe, schreibt das Management. Auch in den Monaten April und Mai sei ein vergleichbar hohes Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielt worden, wobei sich insbesondere der Umsatz im Bereich der rezeptpflichtigen Medikamente weiter erhöht habe.
Der Rx-Versandhandel sei für Doc-Morris ein „attraktives Kerngeschäft, in dem potenziell zweistellige Wachstumsraten erzielt werden können“, heißt es von Zur Rose. „Mit mehr als 20 Millionen chronisch Erkrankten bietet der deutsche Markt dafür substanzielle Expansionsmöglichkeiten.“ Vor diesem Hintergrund werde die im Herbst 2016 lancierte, breit angelegte TV-gestützte Medienkampagne in Deutschland fortgesetzt, um die
Neukundengewinnung weiter voranzutreiben.
Die Zahl neu gewonnener Kunden für rezeptpflichtige Arzneimittel hat sich im ersten Quartal laut Zur Rose im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verfünffacht. „Die Kampagne führt dabei auch zu einem erheblichen Konversionseffekt bei DocMorris-Kunden von rezeptfreien Arzneimitteln beziehungsweise Produkten.“ Das EuGH-Urteil zur Rx-Boni begünstige diese Entwicklungen zusätzlich.
In Frauenfeld geht man davon aus, dass in den kommenden Jahren im deutschen Apothekenmarkt eine „Phase der Strukturbereinigung, unter anderem mit einer Konsolidierung im Bereich des Versandhandels von Arzneimitteln“ stattfinden wird. „Die Gruppe will eine aktive Rolle in dieser Marktkonsolidierung einnehmen.“
Aus diesem Grund habe man bereits mit dem Eigentümer einer auf rezeptfreie Medikamente fokussierten deutschen Versandapotheke eine Absichtserklärung im Hinblick auf die Übernahme seines Geschäftsbetriebs unterzeichnet, schreibt das Management. Der Vertrag soll noch im dritten Quartal unterzeichnet werden, sofern die Buchprüfung keine Überraschungen ergibt und bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Mit wem Zur Rose verhandelt, wurde nicht verraten. Kommt der Deal zustande, würde der Umsatz des Segments Deutschland um mehr als
10 Prozent erhöht, heißt es. Damit kommt ein Versender mit einem Umsatz von 30 bis 40 Millionen Euro in Frage - Volksversand und Apodiscoun-ter fallen in diese Kategorie.
„Mit ihrem skalierbaren Geschäftsmodell verfügt die Zur Rose-Gruppe als führende Versandapotheke Europas über zahlreiche Wachstumsmöglichkeiten“, schreibt das Management. Beide Marken wiesen in ihren jeweiligen Märkten den höchsten Bekanntheitsgrad auf. Diese hervorragende Ausgangsposition wolle man nutzen, um mittels verstärkter Marketingaktivitäten die langfristig ausgerichtete und bereits etablierte Wachstumsstrategie fortzusetzen.
Zur Rose profitiert dabei nach Ansicht des Managements von „unumkehrbaren, langfristigen Markttrends“: Gemeint sind die älter werdende Gesellschaft, der steigende Kostendruck sowie der in Gesundheitsthemen zunehmend informierte und sensibilisierte Verbraucher. Hinzu die Digitalisierung, bei der der Gesundheitssektor signifikant hinter anderen Konsumgüterindustrien zurückgeblieben sei. „Diese Trends unterstützen ein weiterhin hohes strukturelles und kontinuierliches Wachstumspotenzial in den nächsten Jahren für die Zur Rose-Gruppe und ihr innovatives Geschäftsmodell.“ Schließlich biete die fortschreitende Liberalisierung in anderen europäischen Märkten für Zur Rose Chancen, das Geschäft auf weitere Märkte auszudehnen. In den meisten europäischen Ländern sei der Versand von rezeptfreien Arzneimitteln uneingeschränkt möglich. „Das Logistiksystem der Gruppe verfügt bereits heute über eine hohe Skalierbarkeit, womit weiteres Wachstum bedient werden kann.“ Noch in diesem Jahr sollen daher über einen Börsengang mit Kapitalerhöhung mindestens 200 Millionen Franken gewonnen werden. „Mit diesen Mitteln will die Zur Rose-Gruppe die sich im Markt bietenden Wachstumschancen in verstärktem Maß wahrnehmen, um ihre starke Stellung im europäischen Arzneimittelversand weiter auszubauen.“
So soll das Geld vor allem für den Ausbau der Marktführerschaft in Deutschland, die internationale Expansion in bestehende und neue Märkte, vorrangig durch Akquisitio-
nen, Digitalisierungsinitiativen sowie die Refinanzierung der im Dezember
2017 fällig werdenden Unternehmensanleihe im Umfang von 50 Millionen Franken genutzt werden.
Zugleich sollen weitere Aktien im Wert von 30 Millionen Euro platziert werden. Das Management will rund 3 Prozent abgeben, unter anderem um Steuerverbindlichkeiten zu begleichen. Die übrigen 5 Prozent, dies sich im Besitz des Managements befinden, sind für ein Jahr gesperrt, das knapp 21-prozentige Paket der Unternehmerfamilie Frey für sechs Monate. Weiterer Großaktionär ist mit 6 Prozent die saudi-arabische Investorengruppe Al Faisaliah. 64 Prozent der Anteile befinden sich im Besitz von Kleinanlegern, darunter 2000 Ärzte, sowie institutionellen Investoren.
Am 19. Juni müssen die Aktionäre bei einer außerordentlichen Generalversammlung in Zürich über die geplanten Kapitalmaßnahmen abstimmen. Dabei sollen auch die Statuten von Zur Rose geändert werden. Bislang durfte kein Aktionär mehr als 3 Prozent
der Stimmrechte auf sich vereinen. Aktuell werden die Aktien der Zur Rose-Gruppe nur außerbörslich auf den Plattformen der Berner Kantonalbank, der Zürcher Kantonalbank und der Lienhardt & Partner Privatbank gehandelt.
Der Aktienpreis von Zur Rose hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als vervierfacht. Hatten die saudischen Investoren den bestehenden Aktionären noch 76 Franken geboten, liegt der Wert mittlerweile bei fast 115 Franken. Das EuGH-Urteil hatte der Aktie einen Höhenflug beschert.
Auch bei der Shop-Apotheke ist der Knoten geplatzt, wie das Fachblatt „Der Aktionär“ kürzlich titelte: Wurden im Herbst die Aktien noch für 28 Euro ausgegeben, war der Kurs um den Jahreswechsel auf 24 Euro abgesackt. Im April startete die Aktie durch und liegt aktuell bei 44 Euro. Wie jetzt bei Zur Rose geplant hatte das Management knapp 50 Prozent der Anteile an die Börse gebracht. Insgesamt wurden nach Abzug der Kosten 95 Millionen Euro in die Kasse gespült.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/versandapotheken-docmorris-zur-rose-medikament-boersengang/


Homöopathie wächst mit der Selbstmedikation

Datum: 07.06.2017

FRANKFURT/MAIN. Der Apothekenumsatz mit Homöopathika hat 2016 um 4,5 Prozent auf knapp 722 Millionen Euro (zu offiziellen Verkaufspreisen) zugelegt. Abzüglich Preisnachlässen, die im OTC-Geschäft erlaubt sind, belief sich der Umsatz auf 626 Millionen Euro. Treibende Kraft der Marktentwicklung waren Verbraucherentscheidungen zur Selbstmedikation. Dagegen ging die Absatzmenge aufgrund ärztlicher Rezeptierung (privat und GKV) zurück, wie das Beratungsunternehmen QuintilesIMS auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“ berichtet. 2016 waren Demnach 84 Prozent (608 Millionen Euro) der Homöopathika-verkäufe öffentlicher und Versandapotheken durch Selbstmedikation veranlasst (+5,4 Prozent). Nach Menge entfielen 86 Prozent (47 Millionen) der abgegebenen Packungen auf Kun- denentscheidungen (+1,1 Prozent). Die zu Lasten privater Kostenträger rezeptierte Abgabe verringerte sich um -3,9 Prozent auf 6,7 Millionen Packungen, zu Lasten der GKV um -5,7 Prozent auf 1,5 Millionen. Die Auswertung basiert auf GKV-Da-ten sowie einer Stichprobe mit rund 4000 Apotheken und einem Versand-handelspanel.(cw)


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/937317/apothekenmarkt-homoeopathie-waechst-


Noweda beliefert easy-Apotheken

Datum: 06.06.2017

Dass die Apotheker-Genossenschaft Noweda eine easy-Apotheke beliefert, wäre noch vor kurzer Zeit unvorstellbar gewesen. Die Noweda findet auch heute noch, dass das easy-Apotheken-Konzept nicht in den Apothekenmarkt passt. Trotzdem hat der Großhändler nun seine Geschäftspolitik geändert und damit begonnen, an einzelne Apotheken der Kooperation auszuliefern. Das liegt auch daran, dass Noweda kürzlich den Mitbewerber Ebert&Jacobi übernommen hat.
Die Apothekergenossenschaft Noweda ist eine Verfechterin des deutschen Apothekensystems. Dass die Noweda sich keine Veränderungen im Markt wünscht, wurde insbesondere in den vergangenen Monaten nach dem Eu-GH-Urteil klar: Vehement forderte der Großhändler das Rx-Versandverbot ein und unterstützte gemeinsam mit dem Deutschen Apotheker Verlag ein wettbewerbsökonomisches Gutachten, demzufolge die Rx-Preisbindung für den Erhalt der flächendeckenden Versorgung unabdingbar ist. Auch beim DocMorris-Automaten in Hüffenhardt zeigte die Noweda zuletzt klare Kante und unterstützt derzeit Apotheker bei Klagen gegen den Automaten.
Ähnlich schwierig war bislang das Verhältnis zwischen der Noweda und der Apothekenkooperation easy-Apotheke. Schon mehrfach war es zu
Konflikten zwischen dem Großhändler und einzelnen Apothekeninhabern gekommen, weil die Noweda sich weigerte, easy-Apotheken zu beliefern. Diese Geschäftspolitik scheint die Noweda nun aber aufzugeben. Nach Informationen von DAZ.online beliefert die Noweda schon seit einigen Tagen eine easy-Apotheke im nordrhein-westfälischen Eschweiler.
Auf Nachfrage von DAZ.online erklärte eine Pressesprecherin der ApothekerGenossenschaft zunächst, dass der Noweda das easy-Konzept eigentlich immer noch nicht so ganz passt. „Als apothekereigenes, genossenschaftlich organisiertes Unternehmen steht Noweda ohne Wenn und Aber für die inhabergeführte Apotheke. Das Konzept der easy-Apotheken ist für das Institut der inhabergeführten Apotheke nicht förderlich, weil die easy-Apotheken durch ihre gleichförmige Aufmachung den Charakter einer Apothekenkette unter einheitlicher Leitung vermitteln und zudem die Grenze zu Drogeriemärkten verwischt wird.“
Die Komplettblockade der easy-Ko-operation hat das Unternehmen nun aber aufgegeben - offenbar, weil man die dazugehörigen Apotheker nicht bevormunden wolle. Die NowedaSprecherin sagte: „Das kompromisslose Eintreten für die inhabergeführte Apotheke und das damit verbundene Bild der selbstständigen Apothekerin und des selbstständigen Apothekers
bedeutet aber auch, dass Noweda ihre Mitglieder bei der Führung ihrer Apotheken nicht bevormundet oder ihnen vorschreibt, wie Mitglieder ihre Apotheke zu führen haben. Dies gilt selbstverständlich auch für die Entscheidung langjähriger Mitglieder, ihre Apotheke oder eine ihrer Apotheken als easy-Apotheke oder in anderen Konzepten zu führen.“
easy: Noweda kommt nicht an uns vorbei
Im Unternehmen habe man sich daher dazu entschieden, dass man ab sofort jede Belieferung einer easy-Apotheke einer „Einzelfallentscheidung“ unterziehe. Eine „pauschale Belieferung“ werde es auch in Zukunft nicht geben. Auf Nachfrage bestätigte die Sprecherin, dass die Genossenschaft bereits zwei easy-Apotheken beliefert. Vielleicht hat aber auch die Übernahme des Großhändlers Ebert&Jacobi für einen Wechsel in der Unternehmenspolitik gesorgt. Denn die Noweda bestätigte auch, dass sie im Zuge der Übernahme derzeit schon an elf weitere easy-Apotheken ausliefert. Die Sprecherin fügte hinzu, dass die Idee, die Belieferung im Einzelfall zu prüfen, aus dem Mitgliederkreis stamme. Ganz im Gegenteil zum Großhändler ist man bei der Apothekenkooperation äußerst erfreut darüber, dass einige der rund 120 Mitglieder nun auch Ware von der Noweda beziehen können. Gegenüber DAZ.online sagte Lars Horstmann, Vorstandsvorsitzender der easy-Kooperation: „Wir freuen uns außerordentlich darüber, dass die Noweda als einer der stärksten
pharmazeutischen Großhändler in Deutschland von nun an die easyApo-theken beliefert.“
Horstmann weiter: „Jede zweite Apo-theken-Neugründung in Deutschland ist eine easyApotheke, und wir haben mit den über 120 easyApotheken ein Wachstum von mehr als 19 Prozent auf bestehender Fläche. An einer so umsatzstarken Marke kommt auch die Noweda nicht mehr vorbei. Das ist für alle eine Win-Win-Situation.“


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/06/06/noweda-beliefert-easy-apotheken


Finanzinvestoren senken Hürde für Stada-Kauf

Datum: 08.06.2017

Die Finanzinvestoren Bain und Cin-ven versuchen, mit einem doppelten Kniff die geplante Übernahme von Stada Börsen-Chart zeigen zu retten. Sie räumen den Aktionären des hessischen Arzneimittelherstellers mehr Zeit für die Annahme ihrer Milliarden-Offerte ein und geben sich zugleich mit einer niedrigeren Zustimmung zufrieden, wie die beiden Beteiligungsgesellschaften am Mittwochabend mitteilten.
So müssen sich die Stada-Aktionäre nun bis zum 22. Juni entscheiden und nicht mehr bis zu diesem Donnerstag, wie zunächst vorgesehen. Zudem fordern Bain und Cinven nicht mehr die Zustimmung von 75 Prozent der Anteilseigner, sondern geben sich mit 67,5 Prozent zufrieden, wie aus den veränderten Angebotsunterlagen hervorgeht. „Bain und Cinven sind zuversichtlich, dass dieser Schritt die Transaktionssicherheit für ihr attraktives Angebot erhöht“, hieß es. An der Börse kam die Nachricht gut an, Stada-Aktien stiegen im späten Handel um gut zwei Prozent auf 65 Euro. Zudem
gibt es für Aktionäre eine zweite Frist. Sofern am 22. Juni um Mitternacht die neue Quote erreicht sei, hätten Aktionäre noch Zeit bis zum 11. Juli, um Bain und Cinven ihre Anteile anzudienen. Somit könnte die Zustimmung nachträglich noch steigen. Anteilseigner, die das Übernahmeangebot bereits angenommen haben, bräuchten nichts Weiteres zu tun.
5-Milliarden-Euro-Offerte ist kein Selbstläufer - Privatanleger zögern
Zugleich wiesen Bain und Cinven darauf hin, dass es rechtlich unmöglich sei, die Annahmeschwelle erneut zu senken. Würde die Marke von 67,50 Prozent bis zum 22. Juni verfehlt, scheitere die Offerte.
Probleme, die Stada-Aktionäre von dem5,3 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot zu überzeugen, hatten sich schon abgezeichnet. Am Mittag - einen Tag vor dem Ende der ursprünglichen Annahmefrist - hatten erst 21,5 Prozent der Anteilseigner der Offerte von Bain und Cinven zugestimmt. Als große Hürde gilt der hohe Anteil von Privatanlegern, die
29 Prozent der Stada-Aktien besitzen, darunter viele traditionsbewusste Ärzte und Apotheker. Zudem halten Indexfonds 14 Prozent der Anteile und dürfen diese wegen der Zugehörigkeit des Konzerns zum MDax Börsen-Chart zeigen aus technischen Gründen nicht andienen. Vorstand und Aufsichtsrat von Stada empfahlen den Aktionären erneut, das Übernahmeangebot anzunehmen. Es sei im besten Sinne des Unternehmens und spiegle den finanziellen Wert wider, erklärten sie. Bain und Cinven wollen bei dem Hersteller von Nachahmer-Medikamenten und rezeptfreien Markenprodukten wie Grippostad die internationale Expansion vorantreiben und den Konzern ausbauen. Um den letzten unabhängigen Produzenten von Nachahmer-Medikamenten in Deutschland mit mehr als 10.800 Mitarbeiternhatte es zuvor ein zähes Ringen gegeben, in dem sich Bain und Cinven gegen andere Beteiligungsfirmen durchgesetzt hatten. Finanzinvestoren kaufen Firmen, um deren Profite zu steigern und sie nach einigen Jahren mit Gewinn weiter zu verkaufen.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Manager Magazin
Web: http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/stada-finanzinvestoren-bain-und-cinven-verlaengern-annahmefrist-a-1151160.html


Grünenthal akquiriert Zolmitriptan

Datum: 08.06.2017

AACHEN. Der Schmerzmittelspezialist Grünenthal hat von AstraZeneca die Rechte an dem Migränemedikament Zomig® (Zolmitriptan) übernommen. Der Deal gilt für sämtliche Märkte weltweit mit Ausnahme Japans. Grünenthal kostet der Zukauf zunächst 200 Millionen Dollar. Weitere 102 Millionen Dollar können bei Erreichen bestimmter Umsatz-Meilensteine fällig werden. „Migräne war eine der sehr wenigen großen Schmerzindikationen, für die wir bisher noch keine Lösungen anbieten konnten“, begründet CEO Gabriel Baertschi die Akquisition. Mark Mallon, Leiter Portfolio-Management bei AstraZeneca, kommentiert, Grünenthal sei „gut aufgestellt, um das wirtschaftliche Potenzial des Medikaments auszuweiten“. (cw)


Rubrik: Hersteller
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/unternehmen/article/937383/migraene-gruenenthal-akquiriert-


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