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Branchennews

Nachfolgend haben wir die letzten Meldungen aus dem Pharma-Bereich für Sie zusammengefasst

Merck: Nuxoll rein, Grobecker raus

Datum: 09.03.2017

Berlin - Im OTC-Team von Merck gibt es mehrere Veränderungen: Deutschlandchef Dr. Ralph Grobecker hat den Konzern verlassen, für ihn übernimmt Jochen Schlind-wein. Neuer Vertriebsleiter für den deutschsprachigen Raum ist Werner Nuxoll. Das berichtet PHARMA ADHOC.
Grobecker leitete seit Mai 2012 das OTC-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Davor war der ehemalige Unternehmensberater (McKinsey) für die Finanzen zuständig. Sein Nachfolger kommt ebenfalls aus dem Bereich Controlling: Schlindwein hatte ebenfalls im Mai 2012 als Head of global Controlling Consumer Health in Darmstadt angefangen; er kam von Procter & Gamble (P&G). Seit August
2014 ist er als Verantwortlicher für Zentralamerika in Mexiko tätig. In seiner neuen Funktion wird er nicht nur das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) betreuen, sondern auch Osteuropa.
Nuxoll ist neuer Vertriebsleiter für die DACH-Region. Er kommt von Johnson & Johnson (J&J), wo er bis Mai 2016 Sales Director Pharmacy war. Bevor er 1994 zum US-Konzern gekommen war, hatte er für Jacobs Suchard und Mülhens (4711) gearbeitet. In Neuss war er fast 15 Jahr lang für den Mass Market zuständig, bevor 2009 das Apothekengeschäft übernahm.
Für den Vertrieb war zuletzt Roland Krock zuständig; der ehemalige Key-Account-Leiter hatte im April 2015 die Nachfolge von Vertriebsdirektor Stephan Börner angetreten, der Auf-
gaben auf Konzernebene übernahm. Marketingchefin bei Merck ist Christiane Boventer, die im September 2013 von Sanofi nach Darmstadt gekommen war.
Zu den bekannten OTC-Marken von Merck gehören Kytta, Femibion, Nasivin, Cebion, Multibionta, Bion3, Vigantoletten, Epamax und Kohle Compretten. Insgesamt gehören die Darmstädter mit einem Umsatz von rund 130 Millionen Euro auf Basis der Apothekenverkaufspreise zu den führenden OTC-Herstellern in Deutschland.
Weltweit erwirtschaftete Merck mit seinen Consumer-Produkten 2016 Erlöse von 860 Millionen Euro. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr -905 Millionen Euro - ist auf negative Währungseffekte zurückzuführen.


Rubrik: Hersteller
Quelle: apotheke adhoc
Web: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/merck-nuxoll-rein-grobecker-raus/


Merck will stark in die Krebs-Forschung investieren

Datum: 09.03.2017

Nach einem Rekordumsatz im vergangenen Jahr will Merck nun deutlich mehr Geld in die Erforschung neuer Krebs-Medikamente stecken. Der deutsche Pharmakonzern setzt dabei große Hoffnungen auf die Immuntherapie Avelumab.
FRANKFURT Nach einem Rekordergebnis im vergangenen Geschäftsjahr tritt Merck in diesem Jahr auf der Stelle. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern will mehr Geld für die Erforschung neuer Immuntherapien gegen Krebs ausgeben und nimmt dafür einen möglichen Ergebnisrückgang in Kauf. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) soll 2017 in etwa stabil im Vergleich zum Vorjahr bleiben, teilte Merck am Donnerstag mit. Dabei sei eine leicht positive oder auch negative prozentuale Schwankung um den Vorjahreswert möglich.
Das Unternehmen setzt große Hoffnungen auf die Krebsimmuntherapie Avelumab, für die sich Merck die erste Marktzulassung in diesem Jahr erhofft. Von dem Krebsmittel soll in Zukunft ein Großteil der neuen Pharmaumsätze kommen. Für dieses Jahr rechnet Merck insgesamt mit einem leichten bis moderaten organischen Umsatzwachstum.
Der kräftige Sprung beim Betriebsgewinn vor Abschreibungen und dem bereinigten Ergebnis ergibt sich allerdings ganz überwiegend aus der Integration des 13 Milliarden Euro
teuren Zukaufs Sigma-Aldrich. Ohne diesen Effekt hätte sich die operative Ertragskraft offenbar kaum verändert. Der Umsatz erhöhte sich um 17 Prozent auf 15 Milliarden Euro, der bereinigte Betriebsgewinn kletterte um knapp ein Viertel auf 4,5 Milliarden. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1,6 Milliarden, ein Plus von rund 46 Prozent binnen Jahresfrist. Mit dem Laborzulieferer Sigma-Aldrich hat Merck sein Life Science Geschäft nachhaltig gestärkt.
Der Nettogewinn profitierte zudem von Veräußerungsgewinnen in Höhe von rund 450 Millionen Euro. Der Löwenanteil entfiel auf den Verkauf von Rechten an dem Medikament Kuvan. Andererseits hatte Merck Sonderaufwand und Integrationskosten im Zusammenhang mit der Sigma-Akquisition zu verkraften, die sich auf rund 270 Millionen Euro addierten. Bereinigt um solche Faktoren errechnet sich laut Merck immerhin ein Anstieg des Gewinns je Aktie um rund ein Viertel. Die Aktionäre sollten eine 15 Cent höhere Dividende von 1,20 Euro je Aktie erhalten.
Avelumab ist aktuell der größte Hoffnungsträger der Südhessen. In diesem Jahr wird die Marktzulassung in den USA und in der EU zur Behandlung des metastasierten Merkelzellkarzinoms, eine seltene und bösartige Form des Hautkrebses, erwartet und darüber hinaus in den USA für Blasenkrebs.
Für Avelumab hat das Unternehmen
derzeit insgesamt neun Studien in der dritten und letzten Phase der klinischen Entwicklung am laufen, die allesamt sehr kostspielig sind.
Die Immuntherapie gilt als eines der vielversprechendsten Felder der Krebsmedizin. Die neuen immuntherapeutischen Arzneien zielen darauf ab, das körpereigene Abwehrsystem so zu aktivieren, dass es Krebszellen erkennen und zerstören kann.
Das Pharmageschäft des Darmstädter Konzerns (ohne Consumer Health) verbuchte 2016 alles in allem einen leichten Umsatzrückgang, bedingt vor allem durch weitere Umsatzeinbußen bei den beiden Top-Produkten Rebif (gegen Multiple Sklerose) und Erbitux (Krebs). Der Umsatz mit Fruchtbarkeitsmedikamenten dagegen legte kräftig zu. Im Vergleich zur gesamten Pharmabranche, die im Schnitt um knapp drei Prozent gewachsen sein dürfte, hat sich Merck damit leicht unterdurchschnittlich entwickelt. Allerdings wurden die Umsätze bei dem Konzern auch durch die Veräußerung von Kuvan sowie negative Währungseffekte gebremst. In den vergangenen 14 Jahren brachte Merck nur zwei neue Medikamente auf den Markt, sie setzen weniger als 100 Millionen Euro im Jahr um. 2017 soll die Trendwende bringen, ab dann will das Unternehmen nach früheren Angaben jedes Jahr ein neues Medikament oder eine neue Indikation zur Zulassung bringen.
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Rubrik: Hersteller
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/pharmakonzern-merck-will-stark-in-die-krebs-forschung-investieren/19489946.html


Sanofi baut hunderte Stellen in Frankfurt ab

Datum: 08.03.2017

Der französische Pharmakonzern Sanofi will am Standort Frankfurt bis zum Jahr 2019 insgesamt 480 Stellen abbauen. Darunter sind einer Unternehmenssprecherin zufolge 200 befristet Beschäftigte, deren Verträge auslaufen sollen.
Der französische Pharmakonzern Sanofi will am Standort Frankfurt bis zum Jahr 2019 insgesamt 480 Stellen abbauen. Darunter seien auch 200 befristet Beschäftigte, deren Verträge auslaufen sollen, sagte eine Unter-
nehmenssprecherin der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. Grund sei eine Neuausrichtung des Standorts im Industriepark im Frankfurter Stadtteil Höchst. Sanofi hat nach Angaben der Sprecherin weltweit über 110.000 Mitarbeiter, davon etwa 9000 in Deutschland und 7300 am Standort Frankfurt. Vom Stellenabbau in Frankfurt seien vor allem die Produktion und Fertigung mit ihren rund 5300 Beschäftigten betroffen, sagte die Sprecherin. Es gelte, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sicherzustellen. In der hochtechnolo-
gisierten Fertigung würden weniger Beschäftigte als früher benötigt. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hat für den heutigen Mittwoch zu einem Pressegespräch zum Thema Sanofi eingeladen.
Sanofi hatte zuletzt ein Tauschgeschäft mit Boehringer Ingelheim abgeschlossen. Dabei hatte Boehringer seinen Bereich mit verschreibungsfreien Mitteln an Sanofi abgegeben, im Gegenzug übernahmen die Deutschen das Geschäft der Franzosen mit Tiermedikamenten.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/08/sanofi-baut-hunderte-stellen-in-frankfurt-ab


Investoren tun sich für Stada-Offerte zusammen

Datum: 07.03.2017

Mehrere Finanzinvestoren verhandeln laut einem Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über ein gemeinsames Angebot für den Pharmakonzern Stada. Darunter ist der Private-Equity-Investor Advent - und der Staatsfonds GIC aus Singapur.
Der Finanzinvestor Advent verhandelt laut einem Pressebericht mit zwei Finanzgesellschaften über eine gemeinsame Stada-Offerte. Advent spreche zum einen mit der Beteiligungsgesellschaft Permira über ein gemeinsames Gebot für der Pharmafirma, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Dienstag) unter Berufung auf Finanzkreise. Dann würden beide Seiten ein jeweils gleich großes Paket an dem Arzneikonzern erwerben. Zum an-
deren wolle sich der Staatsfonds GIC aus Singapur als Co-Investor an Stada beteiligen.
Advent hatte im vergangenen Monat ein Angebot für Stada über 3,6 Milliarden Euro plus Übernahme von Schulden unterbreitet. Nun zeichnet sich ein Bieterbündnis zwischen Finanzinvestoren ab. Die Gespräche mit Permira seien sehr konkret, schreibt das Blatt. Beide würden dann als gleichberechtigte Partner agieren. Advent und Permira lehnten gegenüber der Zeitung eine Stellungnahme ab. Auch ein anderes Private-Equity-Haus als Partner Advents sei offenbar noch nicht ganz auszuschließen.
Stada selbst hatte zuletzt mit einer höheren Dividende im Bieter-Rennen aufgerüstet. Dadurch muss der
US-Finanzinvestor Advent mehr für eine mögliche Übernahme des nach eigenen Angaben größten unabhängigen Herstellers von Nachahmermedikamenten (Generika) in Deutschland zahlen. Advent hatte 58 Euro je Aktie plus die Ausschüttung für 2016 geboten, um das Unternehmen für rund 3,6 Milliarden Euro komplett zu übernehmen. Der Investor Cinven bot zuvor 56 Euro pro Aktie.
Der MDax-Konzern hatte die Frist zur Annahme der Offerte verstreichen lassen und lässt sich nun offenbar auf ein Bieterrennen ein, um einen noch höheren Preis zu erzielen. Neben Advent hatten zwei andere Beteiligungsgesellschaften Interesse an Stada bekundet, aber noch keine konkreten Offerten abgegeben.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/07/investoren-tun-sich-fuer-stada-offerte-zusammen


Roche plant neue Studien mit Alzheimer-Mittel

Datum: 06.03.2017

Das Biotechunternehmen Morphosys kann auf neue Zulassungsstudien für sein potenzielles Alzheimermittel Gantenerumab hoffen. Der Partner Roche plane ein neues Phase-3-Zulassungsstudienprogramm mit dem Mittel für Patienten mit bestimmten Alzheimererkrankungen, teilte Morphosys mit.
Noch 2017 soll das Studienprogramm zu Gantenerumab starten. Das meldet
das Biotechunternehmen Morphosys am heutigen Montag. Der Schweizer Konzern Roche plant, ein neues Phase-3-Zulassungsstudienprogramm mit Gantenerumab bei Patienten mit prodromaler bis milder Alzheimererkrankung zu starten. Gantenerumab ist ein gegen das Zielmolekül BetaAmyloid gerichteter monoklonaler Antikörper, der auf Basis der HuCAL-Antikörperbibliothek von MorphoSys entwickelt wurde.
Weitere Informationen einschließlich der Einzelheiten zu den Studien seien noch nicht verfügbar, hieß es bei Morphosys. 2014 war eine Phase-III-Studie zu diesem Wirkstoff bei AlzheimerKrankheit im Frühstadium (Prädemenz) abgebrochen worden - die Ergebnisse fielen enttäuschend aus. Die Morphosys-Aktie legte vorbörslich beim Broker Lang & Schwarz mehr als zweieinhalb Prozent zu.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/06/roche-plant-neue-studien-mir-alzheimer-mittel


SPD-Abgeordnete kämpfen vereint für den Versandhandel

Datum: 09.03.2017

Die Diskussion um das Rx-Versand-verbot fördert auch in der Politik immer bemerkenswertere Vorkommnisse zu Tage. Der linke und konservative Flügel der SPD-Bun-destagsfraktion haben am heutigen Donnerstag eine gemeinsame Pressemitteilung herausgegeben, in der sie sich vehement gegen den Verbot des Versandes von Rx-Arzneimitteln aussprechen. Der Versandhandel werde genauso benötigt wie die Apotheke vor Ort, meinen die Sozialdemokraten.
Die SPD-Bundestagsfraktion ist traditionell in drei politische Flügel aufgespalten. Eine dieser drei Strömungen ist die Parlamentarische Linke. Etwa 90 Bundestagsabgeordnete gehören diesem Zusammenschluss an, der für eine linke Programmatik bekannt ist. Unter den dazugehörigen Parlamentariern sind auch einige in der Gesundheitspolitik bekannte Namen: Karl Lauterbach (stellvertretender Fraktionsvorsitzender), Hilde Mattheis (gesundheitspolitische Sprecherin) oder Martina Stamm-Fibich (Arzneimittelexpertin der SPD-Fraktion).
Das konservative Spektrum der Sozialdemokraten im Bundestag vertritt der sogenannte Seeheimer Kreis. Diese Gruppe wird oft als „rechter Flügel“ der SPD-Fraktion bezeichnet: Unter anderem, weil der Seeheimer Kreis unter Bundeskanzler Gerhard Schrö-
der die Agenda 2010 und die damit verbundenen Einschnitte bei den Sozialleistungen unterstützte. Zum Seeheimer Kreis gehören Edgar Franke (Vorsitzender des Gesundheitsausschusses) und Außenminister Sigmar Gabriel. Zu guter Letzt gibt es in der SPD-Fraktion noch die sogenannten „Netzwerker“, die dem sogenannten „Netzwerk Berlin“ angehören. Dieser Zusammenschluss wurde von jüngeren SPD-Abgeordneten gegründet und liegt politisch zwischen dem linken und rechten Flügel der Fraktion. Die SPD-Apothekenexpertin Sabine Ditt-mar ist „Netzwerkerin“.
Aufgrund ihrer unterschiedlichen politischen Ausrichtungen ist es in der Vergangenheit selten bis nie vorgekommen, dass der Seeheimer Kreis und die Parlamentarische Linke in der Öffentlichkeit gemeinsame Interessen kommunizieren. Ganz im Gegenteil, bei wichtigen Themen, wie etwa der Diskussion um die Agenda 2010, widersprechen sich die Politiker aus beiden Lagern auch schon einmal öffentlich. Doch die Abneigung gegen das vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) geplante Rx-Versandverbot hat nun beide Gruppen in einer äußerst seltenen PR-Aktion zusammengebracht.
SPD: Gleiche Chancen für Versender und Apotheken
Am heutigen Donnerstag veröffentlichten der linke und rechte Flügel der
SPD-Bundestagsfraktion eine Mitteilung unter dem Namen „Kein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten - Versorgungssicherheit für Patienten braucht beides: lebensfähige Apotheken und Versandhandel“. Darin sprechen sich die SPD-Abgeordneten vehement gegen das geplante Verbot aus.
Wörtlich heißt es dort: „Wir lehnen ein Verbot des Versandhandels ab.
Ein Verbot ist keine Lösung für die Herausforderungen der Gesundheitsversorgung sowohl in Ballungsgebieten wie auf dem Land. Wir brauchen beides: Lebens- und leistungsfähige Apotheken ebenso wie einen Versandhandel für diejenigen Patienten, die einen langen oder zu beschwerlichen Weg bis zur nächsten Apotheke haben oder die auf Rezepturen durch Spezialversender angewiesen sind. Beides ist aus unserer Sicht miteinander in Einklang zu bringen.“
Beide Gruppen erinnern daran, dass die SPD gemeinsam mit den Stimmen der Grünen und der Union den Rx-Versandhandel erlaubt habe. „Dieser Schritt hat sich seither als sinnvoll und richtig herausgestellt. Menschen, die darauf angewiesen sind, nutzen den Versandhandel.“ Deswegen sind die Sozialdemokraten davon überzeugt: „Der Versandhandel darf keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber der stationären Apotheke haben.“ Daher strebe die Fraktion eine „Lösung im Sozialgesetzbuch“ an, die einen fairen Wettbewerb herstelle. Gemeint ist die Idee von Edgar Franke und Sabine Dittmar, nach der der Versand erhalten bleibt, Rx-Boni gleichzeitig bis zu einer Bagatellgrenze von einem Euro erlaubt werden.
SPD in Ländern ist pro Versandverbot
In so vereinter Manier präsentiert sich die SPD in Sachen Apothekenmarkt sonst aber eher selten. Karl Lauterbach weigert sich derzeit beispielsweise, den „Boni-Deckel“ seiner Fraktionskollegen öffentlich zu unterstützen. Und vor zwei Monaten überraschte Lauterbach mit einem Kompromissvorschlag an die Unionsfraktion, von dem viele SPD-Gesundheitspolitiker vorher nichts wussten. Hinzu kommt, dass auch die Sozialdemokraten in den
Bundesländern ganz anders über den Versandhandel denken. Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt sagte der Bundesratsinitiative aus Bayern, den Rx-Versand zu verbieten, beispielsweise ihre Unterstützung zu. Und auch in Nordrhein-Westfalen sieht die SPD-Fraktion im Landtag die Notwendigkeit, die Apotheker mit einem Verbot zu unterstützen.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/09/spd-abgeordnete-kaempfen-vereint-fuer-den-versandhandel


Bewegung im Versandhandels-Konflikt

Datum: 08.03.2017

Union und SPD scheinen sich im Konflikt um den ArzneimittelVersandhandel anzunähern. In einem Zeitungsbericht erklärte Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU), dass er zwar weiterhin das Rx-Versandverbot verfolge, aber unter Umständen auch den von der SPD vorgeschlagenen „Boni-Deckel“ akzeptieren würde. Welche Ziele SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach verfolgt, ist weiterhin völlig unklar.
Fast sechs Monate nach dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung könnte am morgigen Donnerstag vielleicht eine Entscheidung darüber fallen, welche Rolle der Arzneimittel-Versandhandel in Zukunft spielen soll. Die beiden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD, Georg Nüßlein (CSU) und Karl Lauterbach (SPD), laden die Vertreter der Apotheker und Versandapotheker ein, um über etwaige Kompromisse zu beraten. Bislang war keine Einigung in Aussicht: Die Unionspolitiker und die ABDA auf der einen Seite meinen, dass das Rx-Versandverbot die beste Lösung wäre. Die SPD und die Versandapotheker sind gegen ein Verbot und für einen regulierten Preiswettbewerb.
An diesen verhärteten Fronten tut sich aber nun etwas: In einem Bericht der Schwäbischen Zeitung zeigte sich der in der Unionsfraktion für das Thema
Gesundheit zuständige Georg Nüßlein erstmals gesprächsbereit, was die Vorschläge der SPD betrifft. Wörtlich wird er zitiert: „Man kann über einen Boni-Deckel reden, wir sind mit allem zufrieden, was mit der SPD zu machen ist und was den Standort-Apotheken hilft.“ Zur Erklärung: Die SPD-Politiker Sabine Dittmar und Edgar Franke hatten den Vorschlag eingebracht, Rx-Boni im Sozialrecht für alle Apotheker bis zu einer Bagatellgrenze von einem Euro zu erlauben, den Versandhandel zu erhalten und das Apothekenhonorar mittelfristig umzustellen.
Nüßlein stellte allerdings klar, dass die Union das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in einem Referentenentwurf vorgeschlagene Rx-Versandverbot nicht aufgeben werde. Allerdings könne die „Boni-Kappung ein Teil der Übergangslösung“ sein, heißt es in dem Zeitungsbericht.
Auch eine bessere Vergütung von Beratungsleistungen der Apotheker sei eine Möglichkeit einer Zwischenlösung, sagte Nüßlein. Schon am gestrigen Dienstag hatte Nüßlein gegenüber DAZ.online Zweifel darüber geäußert, dass das Verbot mit Blick auf das anstehende Notifizierungsverfahren zeitlich überhaupt noch umsetzbar sei.
Wird die ABDA nervös?
Auch die ABDA scheint in der Diskussion um das Versandverbot
zunehmend nervöser zu werden. Die Interessenvertretung der Apotheker veröffentlichte am heutigen Mittwoch eine Pressemitteilung, in der sie den Vorschlag der SPD-Politiker nochmals aufs Schärfste kritisierte. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt erinnerte außerdem erneut an den Zeitdruck in der Sache. Es werde Zeit, den Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums umzusetzen, weil keine tragfähigen Alternativen vorgelegt worden seien.
Welche Ziele SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach in der morgigen Unterredung verfolgen wird, bleibt weiterhin völlig offen. Am Rande einer Pressekonferenz der AOK Baden-Württemberg in Berlin wollte der SPD-Politiker auf die Frage, ob er den Vorschlag seiner Fraktionskollegen unterstütze, nicht antworten.
Lauterbach erklärte: „Es liegt ein Vorschlag aus meiner Fraktion vor, zu dem ich mich aber nicht äußern möchte, weil wir noch in den laufenden Verhandlungen stehen.“ Trotzdem empfinde er die Situation als „sehr übersichtlich“. Zu seinen eigenen Zielen sagte Lauterbach lediglich, dass er das Verbot weiterhin ablehne. Sein Kompromissvorschlag, das Rx-Versandverbot zu beschließen und gleichzeitig die Zuzahlungen für Chroniker zu streichen, habe die Union abgelehnt.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/08/es-kommt-bewegung-ins-rx-versandverbot


Wettbewerb soll Arzneimittelversorgung sichern

Datum: 08.03.2017

Im aktuellen Jahresgutachten fordert der Wirtschafts-Sachver-ständigenrat erneut die Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzes. Gegenüber DAZ.online präzisiert der Wirtschaftsweisen-Vorsitzende Christoph M. Schmidt nun die Forderungen - und verlangt einen „sanften Preiswettbewerb“. Nichts hält er vom Rx-Versandverbot.
Für den „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ ist das Fremd- und Mehrbesitzverbot schon lange ein Dorn im Auge. Aufgabe des Rates ist die Erstellung jährlicher Gutachten - sowie die Beratung der Bundesregierung in wirtschaftlichen Fragen. Im aktuellen Jahresgutachten 2016/2017, das die Wirtschaftsweisen unter dem Titel „Zeit für Reformen“ Ende vergangenen Jahres veröffentlichten, führten sie darüber hinaus auch das EuGH-Urteil zu Rx-Boni als Möglichkeit für mehr Wettbewerb im Apothekenmarkt an. Während ABDA-Präsident Friedemann Schmidt am heutigen Mittwoch durch eine von SPD-Politikern vorgeschlagene Freigabe von Rx-Boni in Höhe von einem Euro die Arzneimittelversorgung in Gefahr sieht, hilft nach Ansicht der Wirtschaftsweisen Wettbewerb beim Gesundheitsschutz. DAZ.online fragte beim Vorsitzenden Christoph M. Schmidt schriftlich nach, ob Apothekenketten und Rx-Boni aus seiner Sicht tatsächlich nicht mit Risiken verbunden sind - oder wo er die Grenzen des Wett-
bewerbs sieht. Schmidt ist Professor für Wirtschaftspolitik und Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum und gleichzeitig Präsident des RWI - Leib-niz-Institut für Wirtschaftsforschung.
DAZ.online: Sie fordern deutlich mehr Wettbewerb im Apothekenmarkt. Wo sehen Sie hierbei für den Staat wie auch für Patienten die größten Möglichkeiten und Chancen - sowie Grenzen und Risiken, Herr Schmidt?
Christoph M. Schmidt: Ich sehe hierin vor allem Chancen: Der zunehmende Wettbewerb im Apothekenmarkt ermöglicht sinkende Arzneimittelpreise und kommt damit den Verbrauchern zugute. Mehr Spielraum für Wettbewerb erhöht vor allem die Wahlfreiheit auf Seiten der Verbraucher. Durch den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln können zum Beispiel chronisch kranke und weniger mobile Menschen ihre Medikamente bequem online bestellen. Das Risiko, der steigende Kostendruck könnte Apotheker veranlassen, ihre Vorhalte-und Beratungsleistungen zu reduzieren, dürfte relativ gering sein.
DAZ.online: Die Aufhebung des Fremdbesitzverbots würde dazu führen, dass nicht nur Pharmazeuten, sondern auch Kapitalgesellschaften an der Arzneimittelversorgung in Deutschland teilnehmen - und die Aufhebung des Mehrbesitzverbots zu Apothekenketten. Gerät durch die Ökonomisierung nicht sowohl die Arzneimittelsicherheit als auch die
Versorgung in Gefahr, beispielsweise in ländlichen Gebieten?
Schmidt: Relevant ist, dass die Patienten gut mit Arzneimitteln versorgt werden. Wer diese Leistung erbringt, ob Apothekenketten oder kleine Betriebe, ist dabei unerheblich. Das Risiko, dass es zu einem Rückzug aus weniger profitablen Gebieten kommt, mag bestehen. Die Frage ist dann aber, wie man diesem Risiko entgegenwirkt: durch Fremd- und Mehrbesitzverbot oder durch andere regulierende Eingriffe, wie zum Beispiel die Finanzierung von Vorhalteleistungen in strukturschwachen Regionen oder eben durch den Ausbau des Versandhandels. Das Fremd- und Mehrbesitzverbot ist ja keineswegs ein Vehikel, um die Versorgung in ländlichen Gebieten aufrechtzuerhalten. Im Gegenteil, eine Apothekenkette oder der Versandhandel könnte die Versorgung in ländlichen Gebieten vielleicht sogar günstiger anbieten und sie damit eher aufrechterhalten als der Pharmazeut in Eigenregie. Zudem hängt die Existenz von Apotheken im ländlichen Raum stark an der Existenz von Arztpraxen vor Ort.
DAZ.online: Das Beispiel Schweden zeigt doch aber eindeutig, dass die Liberalisierung nicht die erhofften Preissprünge mit sich brachte. Hinzu kommt, dass es zwar mehr Apotheken in Schweden gibt, die Landversorgung hat sich aber keineswegs verbessert. Schmidt: Internationale Erfahrungen zur Aufhebung des Mehr- und Fremdbesitzverbotes weisen darauf hin, dass die Versorgungssicherheit dadurch nicht gefährdet wird. Im Gegenteil hat die Aufhebung des Mehr- und Fremdbesitzverbotes beispielsweise in Norwegen sogar zu einer erhöhten Versorgungsdichte, zu einer besseren Erreichbarkeit und zu Serviceverbesserungen geführt. Der Europäische Gerichtshof merkt außerdem an, dass eine Förderung des Wettbewerbs, wie mit der Aufhebung des Mehrbesitzverbotes erreicht, gerade positive Auswirkungen auf die Verteilung der Apotheken haben könnte: Durch den Wettbewerb werden Anreize zur Niederlassung in Gegenden gesetzt, in denen wegen der geringeren Anzahl an Apotheken höhere Preise verlangt werden können.
DAZ.online: Wie stehen Sie zu Rabatten für rezeptpflichtige Arzneimittel, wie sie der Europäische Gerichtshof für europäische Versandapotheken erlaubt hat? Sollten sie in Deutschland generell erlaubt werden?
Schmidt: Ja, Rabatte für rezeptpflichtige Arzneimittel sollten meiner Einschätzung nach auch in Deutschland erlaubt werden. Die Preise sollten aber nicht vollständig freigegeben werden, weder nach oben noch nach unten. Das wäre unter den momentan geltenden Regelungen nicht sinnvoll. Denn durch die Zuzahlungsregeln in Deutschland
sind die Verbraucher wenig preissensitiv. Zuzahlungen zu verschreibungspflichtigen Arzneimitteln belaufen sich auf zehn Prozent des Arzneimittelpreises, mindestens aber fünf und höchstens zehn Euro. Durch eine vollständige Preisfreigabe bei gleichzeitig fortbestehender Deckelung der Zuzahlung auf zehn Euro würden gegebenenfalls einige Apotheken deutlich höhere Preise nehmen, ohne dass die Verbraucher davon etwas merken. Das wäre volkswirtschaftlich nicht sinnvoll.
DAZ.online: Wie sollte denn Ihrer Einschätzung nach die teilweise Freigabe der Preise ausgestaltet sein?
Schmidt: Sinnvoll wäre ein sanfter Preiswettbewerb, wie ihn die Monopolkommission in ihren Gutachten der Jahre 2006 und 2010 vorgeschlagen hat. Nach diesem Modell würden die Krankenkassen den Apotheken nur noch den Großhandelseinkaufspreis erstatten. Das bisherige Packungshonorar und Zuzahlungen fielen weg. Die Apotheken würden selbst bestimmen, welche „Service-Pauschale“ sie vom Kunden verlangen. Die Service-Pauschale könnte zum Beispiel zwischen null und zehn Euro liegen und damit im Bereich der heutigen Zuzahlungen. Das ist nicht nur für die Krankenkassen gut, die weniger bezahlen müssen, sondern auch für die Apotheken: Wer gut berät, könnte eine höhere Pauschale nehmen. Schließlich profitieren die Patienten, die gegebenenfalls sparen könnten, je nachdem wie hoch die Pauschale ist.
DAZ.online: Steht nicht zu befürchten, dass Patienten zukünftig bei Notlagen -beispielsweise Lieferengpässen - stärker zur Kasse gebeten werden?
Schmidt: Wenn es ausreichend lokalen Wettbewerb gibt, sollte diese Gefahr gering sein. Diesem Problem wird zudem gerade durch die Möglichkeit des Versandhandels begegnet. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten dürften überdies die Krankenkassen einen nennenswerten Teil höherer Preise tragen.
DAZ.online: Wie stehen Sie zu den Plänen des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe, den Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel zu verbieten? Schmidt: Was soll dabei der Vorteil für Patienten sein? Manche Patienten bevorzugen die Bestellung über Versandhandel, manche suchen lieber den Weg in die Apotheke. Warum sollte man den unterschiedlichen Wünschen der Menschen nicht Rechnung tragen dürfen? Wichtig ist dabei nur, dass alle Anbieter die gleichen regulatorischen Voraussetzungen zu erfüllen haben. Zum Beispiel sollten herkömmliche Apotheken durch regulatorische Vorgaben nicht höhere Vorhaltekosten haben als Versandapotheken. Statt den Versandhandel deswegen zu verbieten, sollte man vielmehr bei Apotheken die vorhandene Regulierung hinterfragen und prüfen, ob alle Vorschriften noch zeitgemäß sind.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/08/wettbewerb-soll-arzneimittelversorgung-sichern


Ab 2009: Personaluntergrenzen für Kliniken kommen

Datum: 08.03.2017

Ausreichend Pflegepersonal in Kliniken soll künftig eine gesetzliche Pflicht sein. Das haben Gesundheitsministerium, Koalitionsfraktionen und Bundesländer nun beschlossen.
BERLIN. Für besonders pflegeintensive Bereiche, Intensivstationen und den Nachtdienst in Kliniken sollen ab 2019 Personaluntergrenzen gelten. Darauf haben sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die Koalitionsfraktionen und die Bundesländer geeinigt.
Die Vereinbarung sieht vor, dass die Selbstverwaltung von Krankenhäusern und Krankenkassen gesetzlich verpflichtet wird, bis zum 30. Juni 2018 Personaluntergrenzen für die entsprechenden Bereichen zu schließen. Einigen sich die Selbstverwaltungspartner nicht, trifft das Bundesgesundheitsministerium bis zum 31. Dezember 2018 ersatzweise die Entscheidungen.
Bei der Ausarbeitung und Festlegung der Personaluntergrenzen soll der Sachverstand der Pflegeverbände, der Gewerkschaften, von Patientenverbänden sowie von medizinisch-wissenschaftlichen Fachverbänden eingebun-
den werden. Übergangsvorschriften sowie zwingend gebotene Ausnahmevorschriften können berücksichtigt werden, heißt es in dem entsprechenden Papier der Expertenkommission „Pflegepersonal im Krankenhaus“.
Sanktionen bei Nichteinhaltung
Die Krankenhäuser sollen ihre Personalausstattung durch einen Wirtschaftsprüfer bestätigen lassen. Werden Personaluntergrenzen nicht eingehalten, sollen die Häuser sanktioniert werden. Dazu können finanzielle Abschläge gehören. Erfahrungen in anderen Ländern mit Personalmindeststandards zeigten, dass festgelegte Kennzahlen zu einer Entlastung der Pflegekräfte führten. Deshalb soll die Wirkung der Personaluntergrenzen spätestens bis zum 31. Dezember 2022 wissenschaftlich evaluiert werden.
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bewertete die Einigung positiv. „Gemeinsam ist uns eine weitere wichtige Weichenstellung gelungen, um die Pflege am Krankenbett zu stärken“, so Gröhe. Jetzt müsse es darum gehen, dass die Regelungen
fristgerecht von den Krankenhäusern und den Krankenkassen mit Leben gefüllt würden.
Marburger Bund und Hartmannbund forderten, es nicht bei Untergrenzen für die Pflege zu belassen. Politik und Krankenhäuser dürften nicht weiter die Unterbesetzung im ärztlichen Dienst ignorieren, mahnte der Vorsitzende des Marburger Bundes Rudolf Henke. Er fordert in diesem Zusammenhang, die Zahl der Medizinstudienplätze zu erhöhen.
„Wichtige Weichenstellung“
Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, bezeichnete die Festlegung von Personaluntergrenzen als „wichtige Weichenstellung“. Sie könne allerdings nur wirklich greifen, wenn sie parallel auch für das ärztliche Personal gelte. Er verwies auf eine Umfrage seines Verbandes, die erhebliche Missstände bei den Arbeitsbedingungen von Ärzten gezeigt hatte.
Der Katholische Krankenhausverband gab zu bedenken, „dass der Beschluss vielerorts mit der realen Situation auf dem Arbeitsmarkt für Pflegepersonal kollidieren wird. (chb)


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/pflege/article/931174/ab-2019-personaluntergrenzen-kliniken-kommen.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170308-_-Pflege


„Bei der Pharmaindustrie knallen jetzt die Sektkorken“

Datum: 07.03.2017

Die Krankenkassen kritisieren den Koalitionskompromiss bei der Arzneimittelreform. Die Einigung gehe eindeutig zu Lasten der gesetzlich Versicherten, profitieren würden davon nur die Arzneimittelhersteller.
BERLIN Die Nachrichten-Agenturen sprachen am Montagabend von einem Durchbruch. Union und SPD hätten sich nun doch bei den offenen Streitfragen zum Arzneimittelstärkungsgesetz geeinigt. Inzwischen ist vor allem bei den Krankenkassen Ernüchterung eingekehrt. Zwar sei richtig, dass nun wichtige Streitpunkte beseitigt seien, sagte KKH-Chef Ingo Kailuweit. Doch leider gehe die Einigung einseitig zu Lasten der gesetzlich Versicherten, Profitieren von der Einigung würden nur die Arzneimittelhersteller „Bei der Pharma-Lobby dürften jetzt die ChampagnerKorken knallen“, sagte Kailuweit.
Was ist passiert? Gegenstand der monatelangen Meinungsverschiedenheiten sind die Preisverhandlungen zwischen Pharmaherstellern und dem Spitzenverband der Krankenkassen über die Preise neuer Medikamente. Hier gilt bisher die Regel, dass die Hersteller die Preise im ersten Jahr völlig frei festlegen dürfen. In diesem Jahr müssen die Hersteller Gutachten zum Nutzen ihrer heuen Präparate vorlegen. Auf deren Basis werden dann neue meist niedrigere Preise ausgehandelt. Dies hat dazu geführt, dass die Preise für neue Medikamente im ersten Jahr seit Start der Preisverhandlungen stark
gestiegen sind. Die Krankenkassen hatten daher gefordert, in Zukunft nach einem Jahr die ausgehandelten Preise rückwirkend in Kraft zu setzen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte diesen Vorschlag nur zum Teil aufgegriffen. Sein Gesetzentwurf für das Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz sah vor, dass der ausgehandelte Preis nur dann rückwirkend in Kraft gesetzt wird, wenn der Hersteller mit dem neuen Medikament im ersten Jahr einen Umsatz von über 250 Millionen Euro gemacht hat. Schon von dieser Regelung wären nur wenige Hersteller betroffen gewesen. Doch nun haben sich SPD und Union darauf verständigt, auf die Rückwirkung ganz zu verzichten.
Im Gegenzug wird ein anderer Wunsch der Arzneimittelhersteller nicht erfüllt. Sie hatten verlangt, dass die im ersten Jahr ausgehandelten niedrigeren Preise geheim bleiben. Dies sollte ihnen bessere Chancen geben, im Ausland bei den dortigen Preisverhandlungen mit Regierung oder Sozialversicherungen höhere Preise durchzusetzen.
In vielen Ländern sind die deutschen Arzneimittelpreise nämlich Referenzgrößen für solche Verhandlungen. Nun soll es dabei bleiben, dass diese Preise auch weiter veröffentlicht werden.
„Kostenanstieg im Gesundheitswesen“
Der Verzicht auf die Rückwirkung der ausgehandelten Preise bedeute, „dass Arzneimittelhersteller für ein neues Medikament im ersten Jahr weiterhin
astronomische Fantasiepreise von den Kassen verlangen können, unabhängig vom Nutzen ihres Produktes für die Patienten“, kommentiert Kailuweit diesen Kompromiss. Auch der Chef des Bundesverbands der Ortskrankenkassen Martin Litsch übte Kriitik. Für das Problem der Mondpreise gebe es nun weiter keine Lösung. „Die Umsatzschwelle hätte ein erster Schritt hin zu rückwirkenden Preisvereinbarungen sein können, auch wenn sie eher Placebo-Wirkungen entfaltet hätte. Was wir in der nächsten Legislaturperiode nun dringend benötigen, sind keine Platzhalter auf dem Papier, sondern echte Regulierungsmöglichkeiten für die Arzneimittelpreise im ersten Jahr nach Markteintritt“, sagte Litsch.
Das gleiche gilt für Ausschreibungen der Krankenkassen für die Zubereitung der Chemotherapie gegen Krebs bei dazu ermächtigten Apotheken. Diese Ausschreibungen werden nicht nur für die Zukunft verboten. Es werden auch bereits abgeschlossene Ausschreibungen, die bereits umgesetzt werden, im Nachhinein für ungültig erklärt. AOK-Chef Litsch kritisierte dieses Vorgehen als unverständlich. „Man erwartet von den Krankenkassen, dass sie Versorgung gestalten. Hier werden funktionierende wettbewerbliche Instrumente, die nachweislich zu einer besseren Versorgung führen, einzelnen Lobbyinteressen geopfert. Die Krankenkassen werden damit als verlässlicher Vertragspartner in Frage gestellt. Das ist ein sehr schwerer Einschnitt für die GKV.“


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/arzneimittelreform-bei-der-pharmaindustrie-knallen-jetzt-die-sektkorken/19485608.html


Seehofer krank - Rx-Versandverbot vertagt

Datum: 06.03.2017

Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD wird am morgigen Dienstag nicht wie erwartet Zusammenkommen, um über den Arzneimittel-Versandhandel zu beraten.
Der Grund: CSU-Chef Horst Seehofer ist krank, und ohne die Parteispitzen kann das Treffen nicht stattfinden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe versichert indes: Noch vor der Sommerpause soll es ein Gesetz geben.
Eigentlich hätte in dieser Woche alles ganz schnell gehen können: Die Parteispitzen von CDU, CSU und SPD wollten das seit Monaten existierende Streitthema des Arzneimittel-Versandhandels in den Koalitionsausschuss einbringen, um zu entscheiden, welchen Kurs man nach dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung einschlagen will. Die Union hatte dafür gesorgt, dass das Thema auf eine Themenliste des politischen Spitzengremiums kommt, das wenige Male im Jahr zusammenkommt, um über die strittigen Punkte zu beraten. Doch das vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) verfolgte Rx-Versandverbot zögert sich anscheinend noch weiter hinaus: Denn das Spitzentreffen, an dem erstmals auch der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz teilnehmen sollte, kann nicht stattfinden. Ein Sprecher der CSU bestätigte gegenüber DAZ.online: „Herr Seehofer ist krank und kann daher nicht nach Berlin reisen. Der Versandhandel bleibt aber ein wichtiges Thema für uns.“ Es
werde versucht, sobald wie möglich einen Ersatztermin zu finden. Der SPD dürfte diese weitere Verzögerung in die Karten spielen. Denn die Bundestagsfraktion der Sozialdemokraten ist strikt gegen das Verbot des Versandes von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Die SPD-Gesundheitsexperten Sabine Dittmar und Edgar Franke setzen sich vielmehr dafür ein, dass der Rx-Versand erhalten bleibt, alle Apotheken Rx-Boni bis zu einer Bagatellgrenze von einem Euro gewähren können und das Apothekenhonorar umgestellt wird. Je länger sich der Plan des BMG nun verzögert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass das Rx-Versandverbot noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden kann. Denn das Gesetz müsste noch durch ein mehrmonatiges Abstimmungsverfahren auf EU-Ebene.
Gröhe verspricht baldige Lösung
Auch SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach erneuerte am vergangenen Wochenende seine Kritik an den Plänen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Im Wiesbadener Kurier erklärte der SPD-Politiker: Der Versandhandel habe insbesondere für Chroniker wichtige Vorteile, da manche Präparate von Apotheken nicht vorgehalten werden könnten. Zudem würden diese Patienten von erheblichen Preisvorteilen profitieren. Lauterbach weiter: „Um die flächendeckende Versorgung mit Apotheken nicht zu gefährden, sollten andere Dienstleistungen wie beispielsweise die Beratung
besser vergütet werden.“ Bisher sei gute Beratung für die Apotheker aber finanziell ein Minusgeschäft. Schon vor Monaten hatte Lauterbach allerdings versprochen, ein Konzept für eine alternative Apothekenvergütung vorzulegen. Doch bis auf den ausformulierten Gesetzesvorschlag von Dittmar und Franke kam aus der SPD-Bundestags-fraktion kein konkreter Beitrag.
Gröhe scheint diese Diskussion weiterhin kalt zu lassen. Vor etwa drei Wochen hatte er seinen Referentenentwurf zum Rx-Versandverbot nach massiver Kritik des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) erneut leicht umformuliert und in die offizielle Abstimmung mit den anderen Bundesministerien gegeben.
Zu erwarten ist, dass sich das von Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) geführte Haus im Rahmen dieser Ressortabstimmung wieder gegen das Versandverbot ausspricht. Gröhe hält aber an seinen Plänen fest und versprach in mehreren Zeitungsberichten: „Wir werden noch vor der Bundestagswahl ein Gesetz verabschieden.“ Somit rückt für die Apotheker wieder ein Treffen auf fachpolitischer Ebene in den Fokus, das am kommenden Donnerstag stattfinden soll. Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Georg Nüßlein (CSU) und Karl Lauterbach (SPD) treffen sich zum zweiten Mal mit Vertretern der ABDA, der deutschen und ausländischen Versandapotheken sowie mehreren Vertretern der Regierungskoalition und des BMG, um im Versandhandels-Konflikt einen Kompromiss herbeizuführen.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/06/seehofer-krank-rx-versandverbot-vertagt


Amazon sucht Prime-Apotheken

Datum: 03.03.2017

Berlin - Amazon als Apotheke: Das Szenario, vor dem sich viele Pharmazeuten fürchten, könnte demnächst Realität werden. Dem Vernehmen nach arbeitet der US-Konzern mit Hochdruck daran, einen Lieferdienst für Arzneimittel auf die Beine zu stellen. Dabei helfen sollen als Exklusivpartner ausgerechnet Apotheken vor Ort.
Nach Informationen aus der Branche spricht Amazon derzeit sowohl mit Versandapotheken als auch mit Apotheken vor Ort. Ziel ist offenbar, die Möglichkeiten einer exklusiven Partnerschaft auszuloten. Für den Bereich wurde ein zweiköpfiges Team auf die Beine gestellt, das parallel die Stimmung bei den Herstellern sondiert. Noch 2017 könnten Nägel mit Köpfen gemacht werden, mutmaßen Insider.
Im Kern soll es darum gehen, den Premiumdienst „Amazon Prime“ um die Kategorie Gesundheitsprodukte und Arzneimittel zu erweitern. In 20 ausgewählten Städten und Metropolre-gionen liefert der Konzern bereits heute rund eine Million Artikel noch am selben Tag an seine Kunden aus. Möglich machen dies die mittlerweile neun Niederlassungen in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld mit zwei Standorten, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Koblenz und Brieselang. Demnächst sollen Vertriebszentren in Winsen bei Hamburg, Frankenthal und Dortmund hinzukommen.
Voraussetzung für die Same-day-Lieferung sind ein Mindestbestellwert von 20 Euro und die Mitgliedschaft im Vorteilsprogramm „Prime“, die derzeit 69 Euro im Jahr kostet. Spediteure fahren am Vormittag bestellte Ware zwischen 18 und 21 Uhr aus. Bei „Prime Now“ können Kunden in Berlin und München sogar eine Auswahl von mehreren tausend Produkten via App innerhalb von einer oder zwei Stunden zustellen lassen.
Strategie des Konzerns soll es sein, in jeder Stadt der betroffenen Regionen eine Apotheke unter Vertrag zu nehmen. Diese soll die bestellte Ware dann zum Umschlagplatz liefern, wo sie von den von Amazon beauftragten Logistikern in Empfang genommen werden. In München soll bereits ein Vertrag unterzeichnet sein, in Berlin wird angeblich noch gesucht. Der Konzern wollte die Informationen weder bestätigen noch dementieren und auch zu seinen Plänen keine Stellungnahme abgeben: „Amazon hat dazu keine Ankündigung gemacht“, lautete die knapp Antwort eines Sprechers auf eine längere Liste mit Fragen zu Pilotprojekten, Regionen, Konditionen und Erwartungen. Kritiker haben Zweifel, dass das Konzept des Expressdienstes aufgeht. Aponeo habe in Berlin die Erfahrung gemacht, dass der Service von den Kunden gut angenommen werde, sagt ein Branchenkenner: 80 Prozent der Bestellungen in der Hauptstadt würden heute am selben Tag ausgeliefert.
Nur finanziell lohne sich der Aufwand nicht: Die Versandapotheke von Konstantin Primbas denke bereits über die Einführung einer Servicegebühr nach. Auch aus operativer Sicht seien die Pläne von Amazon eine Herausforderung: Der Konzern müsse sein Bestellwesen so programmieren, dass Aufträge automatisch an die Partnerapotheke weitergeleitet würden. Das sei nicht nur rechtlich, sondern auch technisch schwierig.
Die Apotheke wiederum müsste über eine professionelle Logistik verfügen, um die zu erwartenden Kundenströme bewältigen zu können. Selbst wenn die Aufträge - was ebenfalls rechtlich zweifelhaft sei - direkt von einem Großhändler vorkonfektioniert würden, müsse man mit einer Bearbeitungszeit von einer Dreiviertelstunde rechnen. Inklusive Abholung und Übergabe sei eine Lieferung unter drei Stunden nicht drin.
Fabian Kaske, Geschäftsführer der Pharma-Marketingagentur Dr. Kaske, geht davon aus, dass „Prime Now“ zunächst vor allem als Imagemaßnahme gedacht sei: Dass über das Konzept schnell große Umsätze gefahren werden, glaubt er nicht. Für den Konzern gehe es darum, als Plattform für Apothekenprodukte wahrgenommen zu werden. „Der Kunde, der bei Amazon kauft, ist ein Amazon-Kunde - egal, welcher Händler dahinter steht.“ Der US-Konzern sei soweit, „mit voller Wucht“ in den Versandhandel einzusteigen. „Amazon steht für exzellenten Kundenservice. Wenn die Verbraucher merken, dass sie dort auch Arzneimittel bekommen, können sich die Dinge schnell entwickeln.“
Seiner Ansicht nach würde der Kon-
zern wohl am liebsten nur noch mit Exklusivpartnern zusammenarbeiten. Dass Amazon mit DocMorris spreche, sei ein starker Hinweis, dass man am liebsten einen Verbündeten an seiner Seite hätte. „Da müssen sich Einige warm anziehen“, sagt Kaske mit Blick auf jene Versender, die heute einen größeren Teil ihres Geschäfts über die Plattform abwickeln.
Summiere man diese von Versandapotheken über Amazon generierten Umsätze, liege der Internetriese schon heute irgendwo zwischen Rang 5 und 10 - ohne in Werbung für dieses Sortiment zu investieren. „Investiert Amazon in diesen strategischen Bereich, ist Rang 3 locker drin.“


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/versandhandel-amazon-sucht-prime-apotheken/


Beiträge im Alter steigen oft weniger als befürchtet

Datum: 01.03.2017

Der neue map-Report „Ranking Private Krankenversicherung“ bewertet Finanzkraft, Service und Transparenz vieler Anbieter. Zum ersten Mal hat er auch die Beitragsstabilität für Rentner untersucht.
DÜSSELDORF Wenn Versicherungsmakler wissen wollen, welche Assekuranzen sie ihren Kunden guten Gewissens empfehlen können - zur Fortbildung sind sie rechtlich verpflichtet - , dann gehört der Blick in die jährlichen Ratings des map-Reports aus Ahrensburg zur Pflicht. Seit Jahren wühlen sich die Autoren des Reports durch die Kennzahlen wichtiger Unternehmensbereiche, um aus den freiwillig teilnehmenden Anbietern die aus seiner Sicht seriösesten zu ermitteln. Eine nützliche Sisyphusarbeit, denn rund 8,8 Millionen Krankenvollversicherte verlassen sich auf die Zahlungsfähigkeit ihrer PKV. Sie überweisen ihnen fast 37 Milliarden Euro Beitrag pro Jahr und vertrauen ihnen ihre Altersrückstellungen über rund 220 Milliarden Euro an. 18 von 41 privaten Krankenversicherungen, das entspricht 65 Prozent Marktanteil in Deutschland, lieferten Daten an den Report. Viele antworteten nicht.
Zu diesen Erkenntnissen kommt das 17. PKV-Rating:
Die Beiträge von Angestellten, Beamten und Senioren sind von 2016 auf 2017 um durchschnittlich 6,6 Prozent
gestiegen. Ein teures Jahr, denn längerfristig - im Schnitt der Jahre 2000 bis 2017 - mussten die Kunden 3,9 Prozent tiefer in die Tasche greifen. Eine leicht bessere Nachricht enthält die Untersuchung für Senioren: Einige Versicherer haben die Beiträge gesenkt. Deshalb verteuerten sich die Policen der Rentner durchschnittlich leicht weniger als die der angestellten Versicherten, nämlich um 2,3 Prozent. 2017 wird aber auch für sie finanziell kein gutes Jahr: im Schnitt 5,7 Prozent mehr Beitrag fordern die Assekuranzen dieses Mal.
Dem sanfteren Anstieg zu Grunde liegen aber keine milden Gaben der Versicherer, sondern großer politischer Druck über viele Jahre. Immer wieder hatten Rentner geklagt, dass die Beiträge im Alter trotz Altersrückstellungen bei den Versicherern dermaßen anstiegen, dass sie für viele kaum noch zu bezahlen waren. Zudem seien sie darüber bei Vertragsabschluss meist Jahrzehnte zuvor auch nicht aufgeklärt worden.
Doch inzwischen haben die Versicherer weitere Vorgaben, um Beitragsexplosionen zu verhindern. Der Durchschnittsrentner, für den die Verteuerung fiktiv errechnet wurde, ist im map-report heute 75 beziehungsweise 73 Jahre alt und seit dem Jahr 1982 privat krankenversichert.
Bei den Beamten stieg der Beitrag im langjährigen Schnitt um 2,9 Prozent pro Jahr.
Ausnahme: Stationäre Zusatzversicherungen
Mancher Kunde dürfte erstaunt sein:
Im Mittel der Jahre 2000 bis 2017 überwogen Beitragsreduzierungen, so die map-Experten, im Schnitt um 0,1 Prozent pro Jahr. Auch hier gilt: 2017 ist anders - da wurden die Beiträge um
1.4 Prozent erhöht. Die Bandbreite in diesem Jahr ist groß: Die LVM reduzierte um 5,6 Prozent, die Pax-Famili-enfürsorge erhöhte nach drei Jahren auf einen Schlag ihre Forderung um
13.4 Prozent.
Auffällig im Service-Test der 18 Versicherer ist aus Sicht des map-reports, dass bilanzstarke Anbieter auch dort besser abschneiden. Den besten Service attestiert der map-report der R+V Versicherung, der Debeka und der Alten Oldenburger. Am unteren Ende sehen die Experten unter den begutachteten Anbietern die Mecklenburgische und den Deutschen Ring. Gesamtsieger des Ratings, das die Bilanzstärke, Servicequalität und Vertragsgestaltung zusammenfasst, sind mit dem Rating “mmm“ die Provinzial, Debeka, Alte Oldenburger, Hallesche, Barmenia, HUK-Coburg, Deutscher Ring, SDK, Signal, Concordia und R+V. Die untersten Plätze in der Gesamtbewertung belegen die Bayerische Beamtenkranken, die Württembergische und die Axa.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/versicherung/private-krankenversicherung-beitraege-im-alter-steigen-oft-weniger-als-befuerchtet/19458088.html


Trommeln für die Vorsorge

Datum: 01.03.2017

Heute startet der Darmkrebsmonat März - mit dem Motto „Keine bösen Überraschungen“. Die Botschaft ist eindeutig: Rechtzeitige Vorsorge hilft! Auch in der Praxis hat das Auswirkungen.
LUDWIGSHAFEN. Das Jahr 2017 wird für die Darmkrebsvorsorge und Früherkennung in Deutschland von großer Bedeutung sein. Diese Auffassung hat der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Lebensblicke, Professor Jürgen F. Riemann, bei einer Veranstaltung zum Darmkrebsmonat März in Ludwigshafen vertreten.
Mit der nach langer und kontroverser Diskussion zum 1. April 2017 festgelegten Einführung des immunologischen Stuhltests in die Regelversorgung werde die Effektivität des niedrigschwelligen Vorsorgeangebots deutlich verbessert, sagte Riemann. Der Test und die Auswertung sollen durch Laborärzte erfolgen. Bisherige Anbieter wie Gynäkologen, Urologen
oder Hausärzte beraten, geben den Test aus und informieren den Patienten über das Ergebnis, erläuterte der frühere Direktor der Medizinischen Klinik C am Klinikum Ludwigshafen. Abzuwarten ist aus Sicht Riemanns allerdings, ob diese reine Laborleistung, die die bisherigen Anbieter der Darmkrebsprävention nur noch als Testverteiler und Ergebnismitteiler vorsieht, tatsächlich zu einer höheren Inanspruchnahme führen wird. Professor Heiner Krammer vom Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen (bng) kündigte an, dass Ärzte im bng in Zukunft verstärkt über familiäre Risiken aufklären wollen. Krammer erklärte: „Wer an Darmkrebs erkrankt ist, sollte wissen, dass seine direkten Verwandten - Eltern, Geschwister, Kinder - ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko für Darmkrebs haben.“
Der bng will damit auch auf die Tatsache reagieren, dass der gefährdete Personenkreis nur unzureichend über
das erhöhte Risiko informiert ist und damit die besondere Motivation zur rechtzeitigen Vorsorge fehlt. „Wir haben für diese Aufklärungsarbeit aufgrund des engen Arzt-Patienten-Verhältnisses in unseren Praxen ideale Voraussetzungen“, sagte Krammer.
Mit Blick auf aktuelle Studiendaten ist davon auszugehen, dass die unterschiedlichen molekularen Grundlagen des Darmkrebs zu einer Klassifizierung von verschiedenen Subtypen führen werden, erläuterte Professor Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik der Unimedizin Mannheim. „Die molekularen Grundlagen und die Subklassifizierung des Darmkrebs erklären die unterschiedlichen Krebs-Verlaufs-formen und damit sind auch Prognose und Verlauf der Erkrankungen sehr unterschiedlich“, sagte Ebert.
Diese Tatsache werde auch Einfluss auf die Früherkennung und die Vorbeugung von Darmkrebs haben und in Zukunft die Betreuung von Patienten erheblich beeinflussen. (fuh)


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/praevention/article/930576/darmkrebs-trommeln-vorsorge. html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170301 -_-Pr%C3%A4vention


Pessina spekuliert über Apothekenketten in Italien

Datum: 28.02.2017

In den kommenden Wochen diskutiert das italienische Parlament das „Konkurrenzgesetz“, mit dem das Fremdbesitzverbot im Apothekenmarkt aufgehoben werden soll. Walgreens Boots Alliance-Boss Stefano Pessina spekuliert bereits über Investitionen in seiner Heimat. So richtig glaubt der ApothekenWeltkonzern aber noch nicht an eine Liberalisierung.
Schon seit Monaten wird das Deregulierungs-Gesetz zwischen Senat und Parlament hin- und hergereicht. Der erste Entwurf sah eine komplette Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes vor. Überlegt wurde auch, den zahlreichen OTC-Shops im Land zu erlauben, bestimmte verschreibungspflichtige Präparate abzugeben. Nach mehreren Änderungsanträgen und unzähligen Ausschuss-Besprechungen liegt dem Parlament nun aber eine abgeschwächte Version des Gesetzes vor: Die Freigaben für OTC-Shops sind komplett gestrichen. Übrig geblieben ist eine partielle Marktöffnung für Apotheken-Unternehmen.
Und zwar sollen Unternehmen künftig Apotheken kaufen und eröffnen können, dürfen aber nicht mehr als 20 Prozent des Marktes in den einzelnen Regionen (Bundesländern) im Griff haben. Dass diese Deregulierung einen sofortigen Einfluss auf den Markt ha-
ben wird, wie etwa in Schweden oder zuletzt auch in Dänemark, ist aber umstritten. Schließlich soll die nach geografischen und demografischen Kriterien ausgerichtete Bedarfsplanung für Apotheken erhalten bleiben. Dementsprechend vorsichtig fällt auch die Reaktion von Stefano Pessina, Chef des weltweit tätigen Pharmahandelskonzerns Walgreens Boots Alliance, aus. Bei einer Veranstaltung der italienisch-amerikanischen Handelskammer soll Pessina gesagt haben: „Wir werden sehen. Wenn wir unser Apothekengeschäft vertikal integriert ausführen können und im Markt eine kritische Masse entsteht, wäre ein Einstieg in Italien denkbar.“
Pessina witzelt über italienische Politik
Zur Erklärung: Ein Pharmahandelskonzern ist dann „vertikal integriert“, wenn er mehrere Bereiche der Lieferkette unter einem Dach vereinen kann. In vielen Ländern betreibt Walgreens Boots Alliance bereits gleichzeitig eine Apothekenkette, einen Großhandel und ist in einigen Fällen sogar an der Herstellung der Arzneimittel beteiligt. In Italien besitzt Pessina eine Beteiligung am Großhändler Alphega, die Voraussetzung für eine vertikale Integration wäre also gegeben.
Wirklich ernst scheint Walgreens Boots Alliance die Liberalisierungsbemü-
hungen in Italien aber noch nicht zu nehmen. Mit Blick auf das derzeitige Gesetzgebungsverfahren sagte Pessi-na: „In Italien spricht man nur von Liberalisierung, woanders setzt man sie um. Ich höre schon seit Jahren immer wieder Gerüchte über eine Deregulierung. Aber während in Italien noch darüber gesprochen wird, haben wir in den USA 4500 Rite Aid-Apotheken gekauft - eine Transaktion, bei der wir noch auf das ,Okay' der Wettbewerbsbehörden warten - wir sind nach Mexiko gegangen und haben dort 1200 Apotheken gekauft und haben sogar über eine Minderheitsbeteiligung in 2000 russische Apotheken investiert.“ Ganz im Unrecht liegt Pessina mit diesen Äußerungen nicht. In den vergangenen zehn Jahren hat es in Italien mehrere Versuche von verschiedenen Regierungen gegeben, die Regulierungen im Apothekenmarkt teilweise komplett aufzuheben. Die Techno-kraten-Regierung des ehemaligen Ministerpräsidenten Mario Monti hatte beispielsweise versucht, eine gesamte Medikamentenliste („Fascia C“) aus der Apothekenpflicht zu entlassen. Auch über Apothekenketten war immer wieder diskutiert worden. Die meisten tiefgreifenden Deregulierungsversuche sind bislang aber immer wieder gescheitert.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/02/28/pessina-spekuliert-ueber-apothekenketten-in-italien


Gericht verbietet Freiumschläge von DocMorris

Datum: 27.02.2017

Berlin - Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) darf DocMorris Kunden mit Rx-Boni locken. Doch bis das E-Rezept eingeführt wird, müssen sich ausländische Versandapotheken die Papierrezepte mühsam schicken lassen. Um trotzdem an möglichst viele rosa Zettel zu kommen, werden munter Freiumschläge verteilt. Doch damit könnte in dieser Form bald Schluss sein -wenn eine Apothekerin vor Gericht weiterhin so erfolgreich ist.
Nach dem Urteil aus Luxemburg hat DocMorris nicht nur eine Werbekampagne im Fernsehen geschaltet, sondern auch immer wieder Flyer in den Markt gedrückt. Sogar im Mitgliedermagazin der DAK-Gesundheit gab es einen Beileger. Wo möglich, gibt es Briefumschläge mit dem DocMorris-Logo gleich dazu, adressiert an das Aachener Postfach der niederländischen Versandapotheke und natürlich portofrei.
Einer dieser Flyer mit Freiumschlag landete kurz vor Weihnachten auch im Briefkasten einer Apothekerin aus Baden-Württemberg. Sie mahnte DocMorris ab. Aus ihrer Sicht verstößt die Versandapotheke gegen die Apothekenbetriebsordnung (ApBe-trO). Nach dieser sei die Abfrage einer Telefonnummer beim Kunden eine zwingende Voraussetzung, um überhaupt Versandhandel betreiben
zu dürfen. Diese Vorschrift gelte auch für Versandapotheken. Da DocMorris seine Kunden nicht darauf hinweise, sei die Werbung unzulässig und wettbewerbswidrig.
Das Landgericht Stuttgart (LG) sah das ebenso und erließ Ende vergangener Woche eine einstweilige Verfügung gegen DocMorris. Der Versandapotheke wird damit verboten, mit dem monierten Flyer „für die Einsendung von Rezepten zu werben, ohne zugleich dem Verbraucher mitzuteilen, dass für die Einlösung der Verschreibung die Angabe einer Telefonnummer für telefonische Rückfragen erforderlich ist“. DocMorris kann gegen diese Entscheidung noch in Berufung gehen.
Aus Sicht der Richter verstößt DocMorris gegen die ApBetrO. Im entscheidenden § 17 heißt es wörtlich:
„Bei dem [...] Versand hat der Apothekenleiter sicherzustellen, dass die behandelte Person darauf hingewiesen wird, dass sie als Voraussetzung für die Arzneimittelbelieferung mit ihrer Bestellung eine Telefonnummer anzugeben hat, unter der sie durch pharmazeutisches Personal der Apotheke [...] auch mittels Einrichtungen der Telekommunikation ohne zusätzliche Gebühren beraten wird.“
DocMorris frage jedoch an keiner Stelle die Telefonnummer des Kunden ab, monierten die Richter. Die Versandapotheke könne sich auch nicht mit ihrer kostenlosen Hotline herausreden.
Denn damit könne zwar der Verbraucher die Apotheker erreichen, nicht aber umgekehrt. Aus Sicht der Zur Rose-Tochter reichen Hotline, E-Mail und Videochat als Angebot aus.
Die Versandapotheke hatte zur Verteidigung auch noch vorgetragen, man könne über den verordnenden Arzt den Patienten ausfindig machen. Doch die Richter ließen auch das nicht durchgehen und argumentieren lebensnah: „Ärzte sind häufig telefonisch nicht gut erreichbar bedingt durch telefonische Terminvergaben über die Praxistelefonnummer, eingeschränkte Anwesenheiten, Patientengespräche und -behandlungen, Urlaubsabwesenheiten und dergleichen mehr.“ Fraglich sei zudem, ob der Arzt ohne Weiteres die Nummer seines Patienten an die Apotheke weitergeben würde. Für den Versender sei die Hürde der Kontaktaufnahme jedenfalls deutlich größer.
Selbst wenn Apotheker Rückfragen zur Therapie meist mit dem Arzt zu klären hätten, ändere dies nichts an ihrer Beratungspflicht gegenüber dem Patienten, so das LG. Rückfragen beim Patienten seien vielleicht die Ausnahme
- es geht laut Urteil jedoch immerhin um den Umgang mit Arzneimitteln.
Der Gesetzgeber habe auch für diese seltenen Fälle eine Kontaktaufnahme seitens der Apotheke vorgesehen. Schließlich spielte DocMorris noch die EU-Karte. Die ApBetrO sei für Apotheken in den Niederlanden gar nicht anwendbar. Zudem würden ausländische Versender davon diskriminiert. Letzteres bügelten die Richter damit ab, dass deutsche Versandapotheken ebenfalls eine Telefonnummer erfragen müssten, von einer Ungleichbehandlung also keine Rede sein könne. Auch das von DocMorris ins Spiel gebrachte EuGH-Urteil zu Rx-Boni rettete die Versandapotheke nicht, Stichwort: Einschränkung der Warenverkehrsfreiheit. Die Richter am LG finden nicht nur die Vorschrift der ApBetrO gerechtfertigt, sie sei auch ein weniger starker Eingriff als die Preisbindung.
Es würden damit lediglich „Regelungen zur Durchführung des Handels“ gesetzt.
DocMorris sieht in den Vorgaben dagegen eine gezielte „Abschottung des deutschen Apothekenmarktes“. Denn Verbraucher würden nur sehr ungern persönliche Daten preisgeben, vor allem nicht ihre Telefonnummer. Die Versandapotheke spielte damit wohl auf ungefragte Werbeanrufe an. Schließlich wurde darum gestritten, ob der Verstoß gegen die ApBetrO überhaupt wettbewerbsrechtlich relevant ist. DocMorris wollte dies - wenn überhaupt - unterhalb der Bagatellschwelle sehen. Doch die Richter ließen auch in diesem Punkt nicht mit sich verhandeln: Die menschliche Gesundheit als Schutzgut könne gefährdet sein, wenn
eine erforderliche Beratung durch die Apotheke unterlassen werde. Die Anforderungen an die Relevanz seien in solchen Fällen grundsätzlich gering. Mit anderen Worten: Es gibt keine Ba-gatellverstöße, wenn es um das Leben geht.
Was die Apothekerin womöglich auch noch zu ihrer Klage bewog: In dem Flyer, den sie kurz vor Weihnachten erhielt, war die Aussage hervorgehoben, jeder bei DocMorris sei bereit, das entscheidende Bisschen mehr zu leisten. Besonders betont wurden in diesem Zusammenhang die Leistungen: pharmazeutische Beratung, Doppelverordnungskontrolle, 4-Augen-Prinzip und Wechselwirkungsprüfung.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/apothekenbetriebsordnung-gericht-verbietet-freiumschlaege-von-docmorris/


„Es ist schwer, den Rx-Markt aufzubrechen“

Datum: 27.02.2017

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe würde mit dem Rx-Versandverbot die Lebensqualität von Millionen Menschen verschlechtern, behauptet DocMorris-Chef Olaf Heinrich im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“. Aktionen der ABDA sieht er als PR für seine Versandapotheke - die „doch niemanden platt“ mache.
Grenzüberschreitender ArzneimittelVersand, Fremdbesitzverbot und Rx-Boni: Die niederländische Versandapotheke DocMorris stand schon oft im Konflikt mit Interessen deutscher Vor-Ort-Apotheken sowie der ABDA. Dabei hätten „die Apotheker“ mit ihren „unablässigen Aktionen“ den niederländischen Versender in die Medien gebracht und bekannt gemacht, erklärt DocMorris-Vorstandschef Olaf Heinrich nun in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“. „Ihr Widerstand ist immer auch kostenlose PR für uns“, sagt er - während es auf der anderen Seite „nicht immer leicht“ sei, „der Pionier in einer Branche zu sein“. Die aktuelle Unterschriftenaktion er ABDA bezeichnet Heinrich als legitim, spricht aber gleichzeitig von „bewusst falschen Informationen und Verleumdungen“, ohne dies näher zu begründen. Schon 2002 habe eine Unterschriftenaktion den Zusammenbruch der Arzneimittelversorgung durch den Versandhandel beschworen, erklärt
Heinrich. Dabei betrage der Rx-Anteil nun gerade einmal rund ein Prozent
- im OTC-Sektor mache der Versand rund 15 Prozent aus.
„Bei rezeptpflichtigen Medikamenten gibt es dagegen sehr tradierte Beziehungen zwischen Patienten, Arzt und Apothekern“, sagt der DocMorris-Chef. „Hier ist es schwer, den Markt aufzubrechen.“
Gröhe würde Lebensqualität verschlechtern
Bei dem niederländischen Versender sieht es nach eigenen Angaben allerdings deutlich anders aus, als bei der durchschnittlichen deutschen Versandapotheke: Im Interview mit DAZ.online sprach Strategievorstand Max Müller von rund drei Viertel des Umsatzes, der über Rx-Arzneimittel generiert werde. Heinrich macht es nun konkreter: Circa 200 von 331 Millionen Euro Umsatz seien 2016 auf rezeptpflichtige Medikamente entfallen, sagt er im Interview. Das wären rund 60 Prozent. Die offiziellen Zahlen, die die DocMorris-Mutter Zur Rose veröffenticht, sagten bislang nichts zu den Anteilen - sie können daher nicht überprüft werden.
Doch beim vom Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplanten Rx-Versandverbot ginge es „nicht nur ums uns“, sagt der DocMorris-Chef
- er hebt auf mögliche Nachteile für Patienten ab. „Der Gesundheitsmi-
nister würde die Lebensqualität von Millionen Menschen verschlechtern, für die der Weg zur nächsten Apotheke sehr weit oder zu beschwerlich ist“, sagt er gegenüber der „Frankfurter Rundschau“.
„Staatlich verfügter Entzug der Geschäftsgrundlage“
Gleichzeitig würde der Versandapotheke „über Nacht zwei Drittel unseres Geschäftes wegbrechen“, betont Heinrich. „Das wäre ein staatlich verfügter Entzug der Geschäftsgrundlage von einem Tag auf den anderen“, erklärt er. „Schon allein daran können Sie ersehen, dass ein Verbot weder nach deutschem noch nach europäischem Recht rechtens sein kann.“ In anderen EU-Mitgliedsstaaten ohne Rx-Versand sei dieser nie erlaubt worden - daher trägt seiner Ansicht nach ein Vergleich mit diesen nicht. DocMorris werde sich „mit allen rechtlichen Mitteln“ gegen das Rx-Versandverbot wehren und vor die zuständigen Gerichte ziehen, erklärt Heinrich.
Auch ist der Markt in Deutschland nach Ansicht des DocMorris-Chefs deutlich regulierter, betont er - mit Verweis auf das Fremdbesitzverbot. „Uns bleibt daher nur der Versandhandel, um in Deutschland tätig sein zu können“, betont Heinrich. DocMorris macht „doch niemanden platt“
Dass Vor-Ort-Apotheken angesichts des wirtschaftlichen Drucks von Rx-Boni schließen müssten, wie es auch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml kürzlich wieder betont hat, bezeichnet er als „Unsinn“. Die Apotheker würden selbst zugeben, dass andere Gründe dafür verantwortlich seien. „Wenn der Arzt im Dorf
aufgibt, fehlen die Rezepte“, erklärt Heinrich. Fehlende Nachfolger oder zu wenige Investitionen in die Ausbildung junger Leute seien weitere. DocMorris mache „doch niemanden platt“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Den Apothekern geht es darum, ihren Markt mit aller Macht zu verteidigen und abzuschotten.“
Auf die Frage, ob es nicht problematisch ist, dass nur EU-Versandapothe-ken Rx-Boni anbieten dürfen, kommt von Heinrich „kein Widerspruch“. Es
brauche ein neues Preissystem, sagt er. „Es hat sich doch gezeigt, dass die bestehende Preisbindung nicht geholfen hat, die Versorgung in der Fläche dauerhaft zu sichern“, erklärt der Doc-Morris-Chef. Die Apothekenzahl sinke seit langem, obwohl die ApothekerHonorare stiegen. „Die ABDA wird der Politik aber auch keine Garantie geben können, dass sich die Lage durch ein Verbot des Versandhandels ändert.“


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/02/27/es-ist-schwer-den-rx-markt-aufzubrechen


Sanofi Pasteur lizenziert MedImmune-Antikörper zur Kinderimpfung

Datum: 03.03.2017

Sanofi Pasteur kooperiert mit Me-dImmune, um einen monoklonalen Antikörper gegen ein Lungenentzündungsvirus zu vermarkten.
Die AstraZeneca-Tochter MedImmune entwickelt derzeit einen Wirkstoff mit der Kennung MEDI8897 in Phase II, der aufgrund einer langen Halbwertszeit für die Impfung in einer Erkältungssaison geeignet sein könnte. Der Antikörper neutralisiert das sogenannte Respiratory Syncytial Virus (RSV), das häufig für Erkrankungen der unteren Atemwege bei Kindern und Neugeborenen verantwortlich ist.
Sanofi Pasteur, die Impfstoffsparte des französischen Pharmakonzerns Sanofi, investiert 120 Millionen Euro Vorabzahlung und potenziell 495 Millionen Euro Meilensteinzahlungen in die gemeinsame Kommerzialisierung des Antikörpers. Geplant ist, die Kosten und Gewinne in je gleichen Hälften untereinander aufzuteilen. Der Biophar-ma-Spezialist MedImmune übernimmt demnach alle Entwicklungsaktivitäten bis zur ersten Zulassung, AstraZeneca die Produktion und Sanofi-Pasteur die Vermarktung.
David Loew, Executive Vice President von Sanofi und Leiter von Sanofi Pas-
teur: „RSV gilt als die wichtigste noch fehlende Indikation im Impfplan von Neugeborenen. Für Sanofi Pasteur als global führendem Anbieter im Segment Kinderimpfstoffe ist dieser Deal mit MedImmune absolut sinnig.“
Sanofi Pasteur operiert seit Anfang 2017 wieder selbständig, nachdem das vorherige Impfstoff-Joint Venture mit MSD Sharp & Dohme endete. Beide Impfstoff-Hersteller hatten angekündigt, ihr Geschäft unabhängig voneinander ausbauen zu wollen. So will MSD Sharp & Dohme 60 Millionen Euro in den Produktionsstandort Burgwedel / Hannover investieren.


Rubrik: Hersteller
Quelle: healthcaremarketing
Web: http://www.healthcaremarketing.eu/unternehmen/detail.php?rubric=Unternehmen&nr=47455


Stada-Betriebsrat lehnt Übernahmeangebote ab

Datum: 28.02.2017

Der Betriebsrat von Stada hat sich gegen eine mögliche Übernahme des Pharmakonzerns durch Finanzinvestoren ausgesprochen.
Die Interessen der Belegschaft in Deutschland ließen sich am besten vertreten, „wenn Stada als eigenständiges Unternehmen erhalten bleibt“, erklärte die Mitarbeitervertretung am Dienstag. Dem möglichen Verkauf an einen Investor stehe man kritisch gegenüber und mache sich Sorgen um die Arbeitsplätze in Deutschland.
Für Stada hatte in der vergangenen Woche der US-Finanzinvestor Advent ein rund 3,6 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot abgegeben. Zudem sind die britische Beteiligungsgesellschaft Cinven und ein dritter Finanzinvestor, bei dem es sich um Bain Capital handeln soll, interessiert an einem Kauf. Am Wochenende hatte Stada einen offenen Bieterprozess mit allen Interessenten eröffnet und sie eingeladen, Einblick in die Bücher zu nehmen. Eine Frist zur Annahme des Advent-Angebots am Montag ließ der
MDax-Konzern verstreichen. Er will einen höheren Verkaufspreis erreichen. Advent will sich nun auf ein Bieterrennen einlassen. „An einer feindlichen Übernahme ist Advent nicht interessiert“, sagte eine Sprecherin.
Am Wochenende hatte bereits die Gewerkschaft IG BCE Sorgen um die rund 1.300 Jobs von Stada in Deutschland geäußert. Advent hatte zuvor betont, den Pharmakonzern nicht aufspalten, sondern in ihn investieren zu wollen.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Business Insider
Web: http://www.businessinsider.de/stada-betriebsrat-lehnt-uebernahmeangebote-ab-2017-2


Union will Rx-Versandverbot zur Chefsache machen

Datum: 03.03.2017

Es wird immer wahrscheinlicher, dass der Konflikt um das Rx-Versandverbot in der kommenden Woche zur politischen Chefsache wird. Dem Vernehmen nach haben CDU und CSU das Thema auf eine vorläufige Themenliste für den Koalitionsausschuss am Dienstag gesetzt. Auch SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach geht davon aus, dass auf Fachebene keine Lösung mehr gefunden wird.
Seit Monaten streiten sich Union und SPD inzwischen darum, wie man mit dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung umgehen soll. Das von Hermann Gröhe (CDU) geleitete Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat einen Referentenentwurf zu einem Gesetz vorgelegt, das das strikte Verbot des Rx-Versand-handels vorsieht. Die SPD-Bundestags-fraktion hingegen will den Rx-Versand erhalten. Die Gesundheitsexperten Sabine Dittmar und Edgar Franke verfolgen das Ziel, Rx-Boni für alle Apotheken bis zu einer Bagatellgrenze von einem Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren zuzulassen und in dieser Zeit längerfristige Umstellungen am Apothekenhonorar zu prüfen.
Weil auch nach mehreren Gesprächen mit allen Marktbeteiligten immer noch keine Lösung in Aussicht ist, könnte sich in der kommenden Woche der Koalitionsausschuss mit dem Thema befassen. In dem Gremium kommen
die Parteispitzen, einige Minister sowie Ländervertreter der drei Regierungsparteien zusammen, um über die strittigsten Fragen zu entscheiden. Aus Koalitionskreisen erfuhr DAZ. online, dass die Union den Arzneimittel-Versandhandel auf eine vorläufige Tagesordnung gesetzt hat.
Die Union hat ein Interesse daran, dass es schnellstmöglich zu einer Lösung kommt. Denn selbst wenn es hierzulande einen Konsens zum Versandverbot gäbe, folgt ein längeres Abstimmungsverfahren auf EU-Ebene (Notifizierungsverfahren), das bis zu sechs Monate andauern kann. In den kommenden Tagen müssen CDU, CSU und SPD die endgültige Tagesordnung für den Koalitionsausschuss noch untereinander und anschließend mit dem Kanzleramt abstimmen. Dabei ist es durchaus auch möglich, dass der Rx-Versand auch wieder von der Liste gestrichen wird. Denn schon jetzt sollen um die 20 Themen angemeldet worden sein. In der Regel schaffen es die Parteispitzen bei ihrem Treffen aber nicht, so viele Streitpunkte zu klären.
Lauterbach: Versandhandel ist wertvoll
Obwohl der Faktor „Zeit“ beim Versandverbot derzeit für die SPD spielt, haben die Sozialdemokraten offenbar auch ein Interesse daran, dass der Konflikt von Kanzlerin Angela Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und
SPD-Chef Sigmar Gabriel gelöst wird. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach am Donnerstagabend, dass sowohl das Versandverbot als auch das ArzneimittelversorgungsStärkungsgesetz (AMVSG) in dem Gremium aufgerufen würden. „Es gibt keine Lösung zum jetzigen Zeitpunkt“, wird Lauterbach zitiert. Der in der SPD-Fraktion für das Thema Gesundheit zuständige Lauterbach erneuerte seine Kritik an den Plänen von Gesundheitsminister Gröhe (CDU). Die Bürger seien auf die Medikamente angewiesen „und der Versandhandel schließe wertvolle Lücken“, wird Lauterbach von Reuters zitiert.
Gegen die Vorlage des ApothekenThemas bei dem Spitzentreffen im Kanzleramt am kommenden Dienstag spricht allerdings, dass nur zwei Tage später ein wichtiges Treffen auf Fachebene dazu stattfindet. Lauterbach und Unions-Fraktionsvize Georg Nüß-lein haben zum zweiten Mal die ABDA, die inländischen und ausländischen Versandapotheker sowie mehrere Gesundheitspolitiker von Union und SPD zum Fachgespräch eingeladen. Aus der SPD-Fraktion war zuletzt zu hören, dass man dieses Gespräch noch abwarten und sehen wolle, ob ein Kompromiss erreicht werden könne, bevor man die Chefetage einschaltet. SPD will auch Arzneimittel-Gesetz klären lassen
Nach Lauterbachs Aussagen gegenüber Reuters scheint nun aber auch festzustehen, dass das AMVSG oder zumindest einige Bestandteile des Gesetzes vom Koalitionsausschuss beraten werden. Mit der Arzneimittelreform will der Gesetzgeber unter anderem den Apothekern in den Bereichen BtM-Abgabe und Rezepturhonorare mehr Geld zukommen lassen.
Streitpunkte gibt es aber noch in den Fragen der sogenannten Umsatzschwelle, der Preisvertraulichkeit und dem Arzneimittel-Informationssystem für Arztpraxen.
Am kommenden Montag treffen sich nochmals die Berichterstatter für das Thema Arzneimittel, Michael Hennrich (CDU) und Martina Stamm-Fibich (SPD), um einen letzten Lösungsversuch in diesen strittigen Fragen zu unternehmen. Gibt es keinen Kompromiss, dürfte auch das AMVSG im Koalitionsausschuss landen. Gegenüber Reuters
erklärte Lauterbach nochmals, welcher Punkt ihm am AMVSG besonders am Herzen liegt: „Geheimpreise passen nicht in die Zeit, in der wir leben. Wir brauchen mehr Transparenz und nicht weniger.“ Zur Erklärung: Die Bundesregierung hatte mit den Pharmaunternehmen im Pharmadialog vereinbart, dass die Preise neuer Medikamente künftig nur noch Fachkreisen kommuniziert werden sollen. Dagegen wehrt sich nun die SPD-Fraktion.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/03/union-will-rx-versandverbot-zur-chefsache-machen


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