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Branchennews

Nachfolgend haben wir die letzten Meldungen aus dem Pharma-Bereich für Sie zusammengefasst

Sanicare startet Ausbildungsoffensive

Datum: 04.08.2017

Berlin - Fachpersonal ist auch in Apotheken Mangelware. Sanicare geht das Thema selbst an: Zehn Nachwuchshoffnungen haben bei der niedersächsischen Versandapotheke ihre Ausbildung begonnen. Damit will das Unternehmen aus Bad Laer auch den eigenen Nachwuchssorgen begegnen.
„Wir setzen auf unsere Berufsstarter“, bekundet Sanicare-Inhaber Christoph Bertram. Denn angesichts des Fachkräftemangels auch beim eigenen Unternehmen sei die Ausbildung von hohem Wert. Dafür werde auch entsprechend Zeit investiert. „Wir können feststellen, dass die Auszubildenden eine positive und enge Bindung zu uns als Arbeitgeber aufbauen“, so der Unternehmenschef.
Das sei nicht nur für das Betriebsklima förderlich, sondern sorge auch „für eine geringere Personalfluktuation und motivierte Mitarbeiter, wenn die Auszubildenden bei entsprechender Qualifikation übernommen werden“, erklärt der Apotheker.
Das Team der Nachwuchstalente ist bunt gemischt: Aysun Ciftci will mal PKA werden. Aus Kürsad Akcay, Sina Laske, Jennifer Aktoryes und Maren Weiß wird dereinst eine Kauffrau oder ein Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Yusuf Ince zieht es dagegen als Fachkraft in die Lagerlogistik.
Marie Kersten absolviert die Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung und macht bei Sanicare ihr schulbegleiten-des Jahrespraktikum. Peggy Pölzing und Sara Kaufmann absolvieren ihr PTA-Praktikum in der Sonnen-Apothe-
ke in Versmold und der Sanicare Offizin Apotheke am Unternehmensstandort Bad Laer. Im aktuellen Ranking der Marketing-Agentur Dr. Kaske aus München belegt Sanicare Platz 7 unter den OTC-Versendern. Der ausgewiesene Marktanteil von 3,8 Prozent bezieht sich auf das reine Online-Geschäft, Katalogbestellungen oder ähnliches sind demnach ausgenommen.
Welchen Einfluss diese Einschränkung auf das Ergebnis hat, ist der Statistik nicht zu entnehmen. Für die Auswertung wurden unter anderem Zahlen der Marktforschungsunternehmen QuintilesIMS und GfK aufgearbeitet.
An der Spitze steht die Shop-Apotheke mit 14,1 Prozent des OTC-Umsatzes, gefolgt von DocMorris mit 11,3 Prozent und Medikamente-per-Klick mit 11 Prozent.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/versandapotheken-sanicare-startet-ausbildungsoffensive/


Große Einkommensunterschiede bei Apotheken

Datum: 03.08.2017

Die Einkommen deutscher Apotheken liegen weit auseinander. Knapp der Hälfte der 20.000 Apotheker geht es sehr gut, zeigt eine Studie. Auf der anderen Seite sind fast zehn Prozent der Apotheken eigentlich schon nicht mehr rentabel.
BERLIN Der europäische Gerichtshof hat 2016 das gesetzliche Rabattverbot für im EU-Ausland ansässige Versandapotheken gekippt. Seitdem hat die Apothekerlobby nur noch ein Thema: Wie kriegen wir die Politik dazu, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten zu verbieten? Seither warnt sie, die flächendeckende Arzneimittelversorgung durch Vor-Ort-Apotheken sei ohne ein solches Verbot in Gefahr.
Stützen soll diese These nun auch ein Gutachten, das der Deutsche Apothekerverlag und die Apothekergenossenschaft Noweda in Auftrag gegeben haben. Es liegt dem Handelsblatt vor und zeigt vor allen Dingen eins: Die Einkommensunterschiede zwischen den Apothekern sind weitaus größer, als man angesichts der umfangreichen staatlichen Schutzvorschriften für den Handel mit rezeptpflichtigen Medikamenten erwarten sollte.
48 Prozent der 20.000 Präsenzapotheker geht es danach mit einem Betriebsergebnis vor Steuern von mehr als 149.000 Euro im Jahr sehr gut. Etwas über zwei Fünftel liegen mit
Betriebsergebnissen zwischen 83.000 und 149.000 im Mittelfeld. Fast zehn Prozent sind mit 66.000 Euro und weniger eigentlich schon nicht mehr rentabel. Denn laut Gutachten ist eine Apotheke nicht mehr wirtschaftlich zu führen und wird über kurz oder lang geschlossen, wenn der Unternehmergewinn vor Steuern 62.500 Euro unterschreitet. Die Apotheke sei dann bei Banken nicht mehr kreditwürdig, heißt es. Dabei machen die Apotheken 80 Prozent ihres Umsatzes mit rezeptpflichtigen Medikamenten, den Rest mit frei verkäuflichen Medikamenten und Ergänzungssortiment wie Kosmetika.
Betroffen von solch relativer Armut sind der Studie zufolge vor allem Solitär-Apotheken, die für die flächendeckende Versorgung relevant sind und für die es im Umkreis von fünf Kilometern keine Alternative gibt. 1.700 solcher Apotheken gebe es. Über 760 davon liegen auf oder unter der kritischen Gewinnschwelle. Daher fällt es den Studienautoren leicht zu zeigen, dass das beschworene Apothekensterben tatsächlich droht, mithin der Versandhandel verboten gehört, sollte die Gewährung nun erlaubter Rabatte zu mehr Umsatz beim Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten führen.
Doch aus Sicht der Opposition im Bundestag ist das ein Fehlschluss.
„Wir haben offensichtlich ein massives
Verteilungsproblem der Einkommen zwischen guten und schlechten Lagen sowie großen und kleinen Apotheken“, sagte die grüne Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche dem Handelsblatt. Das sei die Ursache dafür, dass Apotheken schließen, und nicht die Konkurrenz des Versandhandels. Entstanden sei dieses Verteilungsproblem ausgerechnet durch das heutige starre Preissystem, das von der Apothekenlobby mit Zähnen und Klauen verteidigt wird. Es bewirkt, dass jedes rezeptpflichtige Medikament überall in Deutschland gleich viel kostet und der Apotheker das Gleiche daran verdient. Dies führe dazu, dass Apotheken nur über den Verkauf möglichst vieler rezeptpflichtiger Medikamente reich werden könnten. Ob sie ihre Kunden gut beraten, sei zweitrangig. Die starren Preise würden mithin die kleinsten Apotheken „nur am Leben erhalten“. Die Großen drängen hingegen „in beachtliche Einkommenssphären“ vor. Reich würden so nicht nur die etwa 300 Apotheker, die besonders gut vergütete Zytostatika herstellen, oder die 150 Apotheken, die nebenher einen größeren Versandhandel betreiben. 7.569 von 20.023 Apotheken schlossen im vergangenen Jahr sogar mit
160.000 oder deutlich mehr ab. Millionäre würden leider nicht ausgewiesen. Schulz-Asche hält daher die Entscheidung der Bundesregierung, mit dem Arzneimittelstärkungsgesetz die Apothekenhonorare um 110 Millionen Euro jährlich zu erhöhen, „fast für eine Veruntreuung von Versichertengeldern“. Denn durch dieses Geld würden reiche Apotheker nur noch reicher. „Wenn es wahr sein sollte, dass die flächendeckende Versorgung mit Vor-Ort-Apotheken zusammenzubrechen droht, kann die Antwort deshalb nicht sein, den Versandhandel abzu-
schaffen.“ Nötig sei vielmehr, einen Sicherstellungszuschlag für kleine versorgungsrelevante Apotheken einzuführen. Zahlen sollten ihn die reichen Apotheker. „Die Zahlen zeigen, dass dafür genug Geld da ist.“
Ob die für die Apothekenpreisverordnung zuständige Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) so weit gehen würde, ist noch nicht klar. Doch auch ihr Ministerium hält die Fixpreise für reformbedürftig. Es hat daher eine Studie in Auftrag gegeben. Sie soll im Herbst kommen, womöglich noch vor der Bundestagswahl.
Das Projekt wird von einem Beirat begleitet, in dem Apotheken, Großhandel, Kassen und Gesundheitsminister vertreten sind. Erstmals soll dabei das Statistische Bundesamt harte Daten zur Ertragslage der Apotheken liefern. Dem Versandhandel wird es dabei nicht an den Kragen gehen. Denn in ihm sieht Zypries einen wichtigen Vertriebsweg für die Versorgung auf dem Land. Deshalb hat die Ministerin Anfang der Woche die holländische Versandapotheke Doc Morris besucht und nicht eine Apotheke im eigenen Wahlkreis.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/apothekensterben-befuerchtet-grosse-einkommensunterschiede-bei-apotheken/20137446.html?ticket=ST-574933-O9sLiYfjvIqBkcaf3cxM-ap1


Bereitschaft zur Organspende ist weiter im Sinkflug

Datum: 01.08.2017

Aktuelle Daten zeigen: Die Zahl der Organspender geht ein weiteres Mal zurück. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation plädiert für Transparenz - und leistet mit neuen Detailberichten einen eigenen Beitrag.
Von Jana Kötter
FRANKFURT/MAIN. Der Negativtrend in der Bereitschaft zur Organspende bleibt ungestoppt: Im ersten Halbjahr
2017 spendeten 412 Menschen ihre Organe - neun weniger als im Vorjahreszeitraum und so wenige wie nie zuvor. Das geht aus den aktuellen Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) für das erste Halbjahr 2017 hervor. Im Vergleichszeitraum 2011 waren es noch 575 Spender.
Auch die Zahl der gespendeten Organe ging demnach weiter zurück. Sie fiel von 1397 im ersten Halbjahr 2016 auf jetzt 1331. Der seit Jahren anhaltende Negativtrend setzt sich damit weiter fort: 2015 waren es noch 1557 gespendete Organe. Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, bedauert, dass die aktuellen Zahlen keinen neuen Trend erkennen lassen. „Die Zahlen sind leider nach wie vor rückläufig“, sagte er am Montag auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“. „Diese Situation ist für die Patienten auf den Wartelisten und ihre Angehörigen nach wie vor sehr belastend.“
Werbekampagnen fruchten nicht
Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen, dass sich der Rückgang im direkten Vorjahresvergleich zwar verringert hat - von minus 43 Spendern von 2015 auf 2016 zu nun minus neun Spendern. Doch der Rückgang setzt sich stetig fort; Aufklärungs- und Werbekampagnen von Politik, Medizin und Krankenkassen scheinen noch keine Früchte zu tragen.
Dabei hatte sich DSO-Vorstand Axel Rahmel noch im November bei der DSO-Jahrestagung in Frankfurt optimistisch gezeigt (die „Ärzte Zeitung“ berichtete). „Insgesamt ist Deutschland bezüglich der Organspende und des Transplantationswesens auf einem guten Weg“, sagte er und verwies auf einen großen Strauß laufender und noch ausstehender Reformen.
Für den Rückgang der Organspendebereitschaft wird der Vertrauensverlust verantwortlich gemacht, der durch mehrere Skandale an Transplantationszentren entstanden ist und 2012 bekannt wurde. Doch auch Struktur- und Qualitätssicherungsdefizite im Transplantationsbereich werden sowohl von externen Experten als auch von der DSO selbst angeführt.
Eigener Bericht für jedes Organ
Im Bereich Transparenz setzen auch die Tätigkeitsberichte an, die die DSO am Montag veröffentlicht hat: Erstmals wurde für jedes Transplantationszent-
rum pro Organ ein separater Bericht erstellt, in ergänzenden Grafiken werden alle relevanten Daten im Verlauf der letzten acht Jahre präsentiert. Das sei als „Service für die Patienten“ zu verstehen, hieß es am Montag auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“. „Die Patienten können nun gezielt auf die Daten zugreifen, die für sie von Interesse sind.“ Diese neue Nutzerfreundlichkeit solle auch einen entscheidenden Beitrag zur Transparenz der Transplantationsmedizin leisten.
Der Tätigkeitsbericht zeigt, dass zum Jahresende 2016 insgesamt 17.053 Patienten auf der Warteliste standen, 6635 davon als nicht-transplantabel. Während es bei den rund 50 Transplantationszentren in Deutschland einen deutlichen Rückgang bei Leber-, Niere- und Pankreas-Transplantationen gab, konnte ein leichtes Plus bei Herz- und Lungentransplantationen verbucht werden: von 286 in 2015 auf 297 (Herz) und von 296 auf 328 (Lunge).
Die Eingriffe konzentrieren sich laut DSO-Berichten je nach Organ auf gewisse Zentren: So wurden in Bad Oyenhausen mehr als 80 der 297 Herztransplantationen durchgeführt, wie der Tätigkeitsbericht für das Organ zeigt. Insgesamt 22 Häuser haben transplantiert. Die Lungentransplantationen konzentrieren sich in Hannover: Jeder dritte Eingriff (135 Transplantationen) hat hier stattgefunden.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/organspende/article/940541/transplantationen-bereitschaft-organspende-sinkflug.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170801 -_-Organspende


AOK geht in die 19. Runde

Datum: 28.07 2017

STUTTGART/BERLIN. Die AOK-Gemeinschaft hat jetzt im Europäischen Amtsblatt die Ausschreibung der 19. Tranche der bundesweiten Rabattverträge für Generika veröffentlicht. Dabei ergeben sich laut Kasse speziell für die Behandlung von HIV sowie Hepatitis B und C neue Chancen.
Die Pharmaunternehmen könnten ihre Angebote bis zum 30. August abgeben. „AOK XIX“ umfasse 119 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen (122 Fachlose). 27 Fachlose würden an bis zu drei Vertragspartner vergeben.
Die neuen Verträge sollen von Anfang April 2018 bis Ende März 2020 laufen. Dr. Christopher Hermann, Chef der
AOK Baden-Württemberg und Verhandlungsführer, sieht weiter Potenzial für die erfolgreichen Arzneirabattverträge. (maw)


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/940440/arzneimittelrabattvertraege-aok-geht-19-runde.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170728-_-Krankenkassen


Von Gehe zu DocMorris

Datum: 26.07.2017

Berlin - Mehrere hundert Millionen Euro haben Shop-Apotheke und der DocMorris-Mutterkonzern Zur Rose an der Börse eingesammelt.
Das Geld investieren die niederländischen Versender nicht nur in TV-Werbung und Preissenkungen, sondern auch in Personal. In Heerlen hat jetzt ein ehemaliger Gehe-Mana-ger angeheuert.
Philipp Storb, bis Ende vergangenen Jahres Regionalleiter Nord bei Gehe, ist seit Anfang Juli als Vice President bei DocMorris für den kompletten Einkauf zuständig. Damit ist er für den Kontakt zur Pharmaindustrie und zum Großhandel verantwortlich: Die Hälfte bestellt DocMorris direkt bei den Herstellern, den Rest - direkt oder über die Tochterfirma Centropharm mit Sitz in Aachen - bei Groß- und Zwischenhändlern. 50 Prozent des Einkaufs entfallen auf die Top-5-Lieferanten.
Vor allem akuten Bedarf kauft DocMorris über den Großhandel ein. In Heerlen werden rund 15.000 unterschiedliche Produkte vorrätig gehalten, mit denen rund 70 Prozent der Bestellungen beliefert werden können. Der Rest wird auf Anfrage zeitnah beschafft und ausgeliefert. Der Lagerumschlag ist gewaltig: Zwischen 18.500 und knapp 90.000 Packungen verlassen täglich das Logistikzentrum, in Spitzenzeiten werden bis zu
25.000 Pakete mit 120.000 Packungen
verschickt. Die Logistik übernehmen DHL, Hermes und Trans-o-flex.
Storb ist Wirtschaftsingenieur und war Ende 2009 von der Unternehmensberatung Kienbaum als Assistent von Geschäftsführer André Blümel nach Stuttgart gekommen. Im Herbst 2012 übernahm er die Leitung Key Account. Außerdem war er im Bereich National Gruppen und Versandhandel tätig. Seit Februar 2015 war er außerdem für den Bereich External Affairs zuständig, saß etwa im Brasilien-Board beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Im Frühjahr 2016 wurde ihm die Verantwortung für den Vertrieb in Hamburg, Delmenhorst, Porta Westfalica und Schwerin übertragen.
Storb wird zunächst gemeinsam mit Jörg Wienpahl arbeiten, der sich 2018 nach mehr als 15 Jahren bei DocMorris in den Ruhestand verabschieden wird. „Wir freuen uns sehr, dass Philipp Storb die nächsten Entwicklungsstufen unseres Unternehmens mitgestalten wird“, sagt DocMorris-CEO Olaf Heinrich. „Gleichzeitig bedanken wir uns schon jetzt für die über 15 Jahre Auf- und Ausbauarbeit, die Jörg Wienpahl in allen Entwicklungs- und Wachstumsphasen des Unternehmens erfolgreich begleitet hat.“
Ebenfalls Anfang Juli hatte es bei der Shop-Apotheke einen Neuzugang gegeben: Als Chief Brand Officer ist Dirk Brüse in Venlo für das komplette Markengeschäft zuständig. In seinen
Bereich fallen Category & Content Management sowie die Internationalisierung des Geschäfts. Brüse war seit 2013 als Digital Director und seit 2015 als Chief Digital Director bei L'Oréal Deutschland in der Sparte Cosmétique Active für die digitale Transformation der Marken Vichy und La Roche-Posay verantwortlich.
Zur Rose und Shop-Apotheke hatten zuletzt erfolgreiche Börsengänge hingelegt. Beiden Versandapotheken gemeinsam ist, dass sie zum Zalando der Apothekenbranche werden wollen. Die Argumente sind dieselben: Der fragmentierte europäische Apothekenmarkt sei reif für die digitale Disruption. Zugleich räumen sowohl ShopApotheke als auch Zur Rose ein, als Versandapotheken von den Marktzugangsbeschränkungen zu profitieren und belastbare Wettbewerbsvorteile vorweisen zu können: Anders als unabhängige Apotheken habe man Expansionsmöglichkeiten und Zugang zum Kapitalmarkt. Anders als andere deutsche und niederländische Versandapotheken habe man eine Marke. Anders als Pharmahändler habe man keine Interessenkonflikte. Und anders als Internetriesen wie Amazon sei man eine Apotheke und habe entsprechende Erfahrungen, hieß es zuletzt von Zur Rose. Dem DocMorris-Mutterkonzern sind durch die Ausgabe von 1,4 Millionen neuen Aktien knapp 200 Millionen Franken zugeflossen. 72 Prozent der Anteile befinden sich in Streubesitz, Großaktionäre sind die Unternehmerfamilie Frey mit 14,5 Prozent und das saudische Königshaus mit 5,8 Prozent. Das Management hält 7,2 Prozent. Insgesamt wird die Gruppe mit rund 900 Millionen Franken bewertet, das entspricht ungefähr dem Umsatz im vergangenen Jahr (880 Millionen Franken) und dem 400-Fachen des operativen Ergebnisses (EBITDA). Legt man den Ertrag von 2015 zugrunde, kommt man auf Multiple von knapp 60.
Zum Vergleich: Der Konkurrent ShopApotheke erlöste durch den Börsengang im vergangenen Herbst rund 95 Millionen Euro netto, dafür verwässerten sich die Anteile der Altgesellschafter auf 60 Prozent. Der Ausgabepreis lag zwar am unteren Ende des Korridors von 28 bis 35 Euro. Der aus der Europa Apotheek abgespaltene OTC-Versender wurde aber trotzdem mit etwas mehr als 250 Millionen Euro und damit mit dem Doppelten des Umsat-
zes aus dem Vorjahr (126 Millionen Euro) bewertet. Auf EBIDTA-Ebene ließ sich wegen des Minus von 6,7 Millionen Euro kein Multiple berechnen. Shop-Apotheke konnte zwar weder schwarze Zahlen noch ein irgendwie diversifiziertes Geschäftsmodell vorweisen - Zur Rose ist mit zwei Versandapotheken und einem Praxisgroßhandel am Start, Shop-Apotheke zu 85 Prozent in Deutschland und zu 95 Prozent im OTC-Versand aktiv. Dafür hatte man in Venlo aber die bessere Wachstumsstory: Zur Rose legte im vergangenen Jahr um 6 Prozent zu, selbst wenn man nur den Versandhandel betrachtet, ist das Plus nur einstellig. Nicht umsonst versprach CEO Walter Oberhänsli noch schnell die Übernahme einer kleineren deutschen Versandapotheke mit rund 40 Millionen Euro Umsatz.
Shop-Apotheke dagegen ein hohes Wachstum vorweisen sowie eine erste zarte Präsenz in Ländern wie Österreich, Belgien und Frankreich. Um die versprochene Internationalisierung zu unterstreichen, wurde kurz vor Börsengang noch der Zukauf der belgischen Versandapotheke Farmaline verkündet.
Im ersten Halbjahr legten die Erlöse um 53 Prozent auf 126 Millionen Euro zu. In Deutschland erhöhte sich der Umsatz nach vorläufigen Zahlen um 31 Prozent auf rund 92 Millionen Euro. Damit wuchs die börsennotierten Versandapotheke aus Venlo nach eigenen Angaben doppelt so schnell wie der deutsche OTC-Versandhandelsmarkt. Das Ergebnis vor Steuern lag bei minus
7,1 Millionen Euro nach minus 4,9 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2016. Laut Fabian Kaske, Geschäftsführer der Pharma-Marketingagentur Dr. Kaske, sorgt das rasante Wachstum von DocMorris und Shop-Apotheke für Beunruhigung in der Industrie: „Die niederländischen Versandapotheken wachsen derzeit brutal, hier könnten wir ganz schnell oligopolistische Strukturen sehen, vielleicht schon übernächstes Jahr“, so Kaske. Das Plus habe nicht nur mit den TV-Kampagnen zu tun, sondern vor allem mit der „super aggressiven Preispolitik“ der beiden Versender. „Wir sehen durch die Bank teils drastische Preissenkungen. Hier wird massiv an der Preisschraube gedreht.“


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/von-gehe-zu-docmorris-grosshandel-celesio-versandapotheke/?L=&cHash=f6e8fbbb5c4041 b65e0e0817463874d7


Die Deflation der Pharmawelt

Datum: 20.07.2017

Wer nach Argumenten sucht, um der Pharmabranche Gier und Preistreiberei zu unterstellen, muss nur in die Listen der Neuentwicklungen schauen. Doch von einer generellen Kostenexplosion kann keine Rede sein. Ein Kommentar.
Umgerechnet etwa 50.000 Euro beträgt der Listenpreis, den der amerikanische Pharmakonzern Johnson & Johnson für eine Jahrestherapie mit seinem neuen, kürzlich zugelassenen Schuppenflechtemittel Tremfya verlangt. Beim Krebsmedikament Imfinzi von Astra-Zeneca summiert sich die Rechnung auf etwa 150.000 Euro.
Die innovative Zelltherapie, die der Schweizer Pharmariese Novartis gegen bestimmte Leukämien entwickelte, könnte nach Analystenschätzung sogar mehr als eine halbe Million Euro kosten.
Das sind nur drei Beispiele aus den letzten Wochen. Wer nach Argumenten sucht, um der Pharmabranche Gier und Preistreiberei zu unterstellen, muss nur die Listen der Neuentwicklungen durchforsten. Etwa jede zweite Innovation kommt inzwischen zu Preisen im höheren fünfstelligen Bereich auf den Markt, etliche Produkte liegen noch darüber. Der Preistrend bei neuen Produkten aus der Forschung zeigt weiter nach oben. Die Klagelieder über steigende Kosten für neue Therapien, etwa in der Krebsbehandlung, werden kaum verstummen.
Aber wer aus solchen Beispielen und der gängigen Kritik an den Phar-mapreisen auf Zustand und Performance der Pharmabranche insgesamt schließt, begibt sich leicht auf einem Irrweg. Denn die Realität sieht anders aus: Von einer generellen Kostenexplosion kann keine Rede sein und dementsprechend auch nicht von einem exorbitanten Wachstum der Pharmabranche.
Bescheidene Bilanzen
Die Bilanzen und Quartalszahlen aus der Branche vermitteln vielmehr ein weitaus bescheideneres Bild: Alles in allem tut sich die Arzneimittelindustrie auf globaler Ebene eher schwer, mit der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung Schritt zu halten. In den zurückliegenden zehn Jahren sind ihre weltweiten Umsätze nach Daten der Analysefirma Evaluate Pharma um rund 28 Prozent gewachsen und damit langsamer als das Weltsozialprodukt. Die Hoffnung, dass der neue Schwung in der Produktentwicklung das Wachstum signifikant beschleunigt, hat sich bisher kaum erfüllt. Im vergangenen Jahr legten die führenden 30 Firmen der Branche gerade mal um etwa drei Prozent zu, wenn man Akquisitionseffekte ausklammert. Und 2017 scheint sich die Dynamik eher noch abzuschwächen. Vier der zehn größten Pharmariesen starteten mit Umsatzeinbußen ins neue Jahr. Und der Trend scheint sich kaum zu verbessern,
wie jetzt die ersten Halbjahreszahlen von Pharmariesen wie Novartis oder Johnson & Johnson belegen, deren Pharmaumsätze mehr oder weniger stagnieren.
Woher kommt die Diskrepanz zwischen Spitzenpreisen auf der einen und schwachen Wachstumsraten auf der anderen Seite? Der entscheidende Faktor ist schlicht die Marktstruktur: Die superteuren Neuentwicklungen repräsentieren letztlich nur einen kleinen Teil des Pharmamarktes mit seinen Tausenden von Einzelprodukten. Viele andere Bereiche stehen unter Preisdruck. De facto bewegt sich die Branche mit einem Großteil ihres Sortiments in einem deflatorischen Umfeld. Die Preisschere geht immer weiter auseinander.
Aktuell ist das vor allem auf dem US-Markt für patentfreie Arzneien, sogenannte Generika, zu beobachten. Der ohnehin übliche Preisverfall in diesem Segment des Markts hat sich offenbar drastisch verstärkt, was Generikafirmen wie Teva, Mylan oder der Novartis-Tochter Sandoz jetzt massive Einbußen auf dem US-Markt beschert. US-Versicherer und staatliche Kostenträger drücken höhere Rabatte durch und versuchen, den Wettbewerb zu forcieren, nachdem einige Hersteller zuvor mit drastischen Preiserhöhungen bei einzelnen Nischenprodukten für Unmut sorgten. Von Krise kann keine Rede sein
Auch patentgeschützte Wirkstoffe, darunter Medikamente gegen Diabetes, Asthma oder Hepatitis, waren zuvor bereits von dieser offensiveren Politik der Versicherer betroffen. Der US-Biotech-Konzern Gilead etwa, der vor drei Jahren die Kostenträger mit sehr hohen Preisen für seine neuen, hochwirksamen Hepatitismedikamente aufschreckte, steuert im laufenden
Jahr auf zweistellige Umsatzeinbußen zu. In Deutschland sorgen die Rabattverträge der Krankenkassen bereits seit 2011 dafür, dass die Umsätze der Generikafirmen schrumpfen und sich die Durchschnittstherapiekosten bei patentfreien Arzneien fast halbierten. Das alles stürzt die Pharmabranche gewiss nicht in eine ernsthafte Krise. Mit Umsatzrenditen von gut 20 Prozent nach Steuern befindet sie sich finanziell nach wie vor in exzellenter Verfassung. Aber die Entwicklung
bestätigt letztlich, dass die Bäume ungeachtet mancher Euphorie in der Forschung nicht in den Himmel wachsen. Sowohl in Europa als auch in den USA verfügen die Gesundheitssysteme über genügend Hebel, um die Umsätze spürbar zu bremsen. Fest steht:
Um zu den zweistelligen Wachstumsraten der 90er-Jahre zurückzukehren, braucht die Branche noch deutlich größere Erfolge in der Produktentwicklung.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/my/meinung/kommentare/kommentar-zur-arzneimittelpreisen-die-deflation-der-pharmawelt/20077042.html


Mangelware Impfstoff

Datum: 19.07.2017

Nur wenige große Pharmakonzerne beherrschen den Markt für Impfstoffe. Trotz modernster Verfahren kommt es seit Jahren immer wieder zu Lieferengpässen. Aktuell betroffen ist der Impfstoff gegen Kinderlähmung.
ESSEN Bedauerndes Schulterzucken bei einer Essener Ärztin für Reisemedizin: „Für Sie haben wir keinen Impfstoff mehr“. Die 58-jährige Patientin wird ohne Auffrischung ihres Impfschutzes gegen Polio (Kinderlähmung) die lange geplante Fernreise antreten müssen. Auch ein anschließender Besuch beim Hausarzt verlief ergebnislos. „Engpässe bei der Versorgung mit einzelnen Impfstoffen gibt es immer wieder“, berichtet Isabelle Bekeredjian-Ding, zuständige Abteilungsleiterin beim Paul-Ehrlich-Institut aus dem hessischen Langen. Das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel führt im Auftrag des Bundesgesundheitsministerium seit Oktober 2015 Buch über derartige Lieferengpässe.
Seit etwa Mitte Juni gibt es einen Engpass bei Polio-Impfstoffen, bestätigt die Expertin. Hintergrund sei ein massiver Anstieg der weltweiten Nachfrage und eine Umstellung der Produktion. Bei Versorgungsproblemen sollen zuerst Kinder und Jugendliche geimpft werden, heißt es in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), die auf den Seiten der Lieferengpassliste verlinkt sind . Erwachsene
mit einer vorhandenen Grundimmunisierung müssten zunächst verzichten. Betroffen von Lieferengpässen seien in der Vergangenheit aber auch andere Impfstoffe gewesen, etwa gegen und Keuchhusten (Pertussis). Das Fehlen von bestimmten Reiseimpfungen etwa gegen Typhus oder Gelbfieber könne im schlimmsten Fall zum Einreiseverbot führen.
Nach Recherchen des Fachmagazins „Ärzte Zeitung“ beherrschen nur wenige Pharmakonzerne, darunter das britische Unternehmen GlaxoSmithkline (GSK), rund 95 Prozent des Impfstoff-Weltmarktes. „Dass in naher Zukunft weitere große Pharmaherstel-ler hinzukommen, ist nicht zu erwarten“, stellt die Zeitung fest. Auch habe sich noch kein Hersteller von Generika (Nachahmerpräparaten) an die Produktion herangewagt.
Weltweit sei der Bedarf an Impfstoffen „massiv angestiegen“, berichtet Beke-redjian-Ding. In Deutschland komme es immer wieder zu Engpässen, die wenige Wochen oder auch einige Monate anhielten. Ein Lieferengpass beim Hersteller bedeute dabei nicht automatisch, dass der Impfstoff bei Großhändlern, Apotheken oder Arztpraxen nicht mehr vorhanden sei.
Für die Lieferengpässe werden vielfältige Gründe aufgeführt. „In der Pharmabranche gibt es attraktivere Produkte, die weniger aufwendig in der Herstellung, Qualitätskontrolle und Logistik sind“, stellte etwa das „Deutschen Ärzteblatt“ in diesem
Frühjahr fest. Die Gewinnmargen seien bei Impfstoffen zudem niedriger, weil sie nur ein- bis viermal im Leben und nicht mehrmals täglich verabreicht würden.
Die Pharmaindustrie hält jedoch dagegen: Allein drei neue Impfstoffwerke seien in Deutschland in Burgwedel bei Hannover, Marburg und Singen derzeit im Ausbau, berichtet der Geschäftsführer Forschung des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller, Siegfried Throm. „Wir sehen doch, dass Impfstoffhersteller groß investieren„, meint er. Die Herstellung sei jedoch eine „extrem komplexe Angelegenheit“. Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit hätten absolute Priorität.
Weltweit seien die Impfstoffkapazitäten jedoch beschränkt, so dass der Ausbau nicht Schritt halten könne.
Von einem Ausbruch in der Ukraine im Jahr 2015 abgesehen, habe es in Europa seit 2002 keine Polio Fälle mehr gegeben. In Deutschland habe es die letzten Fälle 1992 gegeben. „Wenn die Ausrottung erfolgreich ist, braucht man einige Jahre danach keinen PolioImpfstoff mehr“, sagt Throm.
Für die Hersteller weist der britische Pharmakonzern GSK darauf hin, dass in nur wenigen Fällen eine Impfung unmittelbar erforderlich sei. Auffrischungsimpfungen gegen Kinderlähmung seien tatsächlich nur bei Reisen in betroffene Länder wie Nigeria, Afghanistan oder Pakistan medizinisch wirklich notwendig.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/technik/medizin/engpaesse-bei-der-versorgung-mangelware-impfstoff/20078496.html


Pillen-Kopierer in der Krise

Datum: 19.07.2017

Der Preisdruck in den USA und eine neue Gruppe von Konkurrenten setzen das Geschäft mit patentfreien Arzneien unter Druck. Damit wachsen auch die Herausforderungen für die potenziellen Käufer von Stada.
FRANKFURT Deutschlands viertgrößter Pharmahersteller Stada ist heiß begehrt bei Finanzinvestoren. Bain und Cinven haben vor wenigen Tagen ihre
4,1 Milliarden Euro schwere Offerte für das Unternehmen erneuert. Und manche Hedgefonds spekulieren offenbar weiter darauf, dass für den Bad Vilbeler Hersteller von patentfreien Nachahmer-Medikamenten (Generika) sogar noch höhere Bewertungen drin sein könnten.
Die Realität in der Generikabranche insgesamt vermittelt jedoch ganz andere Signale: Das operative Geschäft entwickelt sich in diesem Teilsektor der Pharmaindustrie alles andere als überragend, die Bewertungen sinken. Die Mehrzahl der Akteure steht unter Druck, im Geschäft wie auch an der Börse.
Zwar kommt der Gegenwind dabei in erster Linie aus den USA, wo Stada gar nicht aktiv ist. Aber auch in wichtigen europäischen Märkten wie Deutschland, Großbritannien oder den Niederlanden kämpft die Branche mit heftigem Preisdruck und wachsenden Rabatten. „Das System ist bereits auf Kante genäht, und der Druck steigt weiter“, beschreibt Bork Bretthauer,
der Geschäftsführer des Branchenverbands Pro Generika die Situation auf dem deutschen Markt. „Es gibt in Deutschland nur ein Paradigma: das des niedrigsten Preises.“ Die durchschnittlichen Therapiekosten bei den patentfreien Arzneien liegen nach Angaben von Pro Generika inzwischen bei nur noch sechs Cent pro Tagesdosis, gegenüber elf Cent im Jahr 2011. Wie mühsam das Geschäft für die Medikamentennachahmer auch auf globaler Ebene geworden ist, zeigt ein näherer Blick auf die jüngsten Quartalsdaten aus der Branche: Klammert man die Akquisitionseffekte aus, dürften die Umsätze der führenden Anbieter derzeit insgesamt um zwei bis vier Prozent schrumpfen, bedingt vor allem durch deutliche Einbußen auf dem US-Markt, denen nur leichte Zuwächse in Europa gegenüberstehen. Der US-Konzern Mylan zum Beispiel, der sich in den vergangenen Jahren unter anderem durch den Kauf der schwedischen Meda verstärkte, weist für das erste Quartal zwar 24 Prozent Umsatzplus aus, dies aber nur dank des Akquisitionseffekts. Klammert man den aus, wären die Erlöse des US-Konzerns um etwa vier Prozent geschrumpft.
Ähnlich ist die Situation beim Branchenführer Teva, der seinen Generikaumsatz im ersten Quartal zwar auf dem Papier um ein Viertel auf gut drei Milliarden Dollar steigerte. Doch davon dürften mehr als eine Milliarde
Dollar aus der erstmals einbezogenen Generikasparte von Actavis stammen, die der israelische Konzern 2016 für fast 40 Milliarden Dollar übernommen hat. Auf vergleichbarer Basis dürfte Teva zweistellige Einbußen verbucht haben. Bereits zu Jahresbeginn musste der israelische Konzern seine Prognosen nach unten revidieren, ebenso wie inzwischen auch die britische Hikma, die im vergangenen Jahr das US-Gene-rikageschäft von Boehringer erworben hatte.
In den vergangenen Monaten hat sich der Negativtrend offenbar noch verschärft. So meldete der Schweizer Konzern Novartis, der gestern als erster Branchenvertreter Zahlen für das zweite Quartal vorlegte, für seine Generikatochter Sandoz einen Umsatzrückgang von fünf Prozent in den Monaten April bis Juni, gegenüber minus ein Prozent im ersten Quartal.
Das etwa 80 Milliarden Dollar große Geschäft mit patentfreien Arzneien ist traditionell durch rückläufige Preise gekennzeichnet. Wachstum und gute Margen erzielen die Generikafirmen vor allem mit neuen Produkten, die sie nach den Patentabläufen im ersten Jahr noch mit vergleichsweise hohen Preisen vermarkten können, sowie mit einigen Nischen-Medikamenten, die nur von wenigen Herstellern angeboten werden. Schon seit Jahren setzen die führenden Akteure daher auf Größenvorteile durch Übernahmen und Fusionen. Schon im vergangenen Jahrzehnt wurden in diesem Zuge die führenden deutschen Hersteller Hexal und Ratiopharm von den Branchenführern Novartis und Teva geschluckt.
Der traditionell rückläufige Preistrend indessen hat sich ungeachtet der Konsolidierung vor allem auf dem US-Markt in den vergangenen Monaten noch massiv verschärft. So schrumpften nach Daten von Novartis die Generikapreise in den USA allein im ersten Quartal um durchschnittlich etwa 15 Prozent. Ursache ist vor allem eine aggressivere Politik der US-Versicherer. Sie setzen verstärkt Rabatte durch, nachdem zuvor einige Hersteller mit drastischen Preissteigerungen bei Nischenprodukten einen Sturm der Entrüstung in der Politik ausgelöst hatten. Zum anderen hat die US-Zulassungsbehörde FDA die Genehmigung neuer Generika beschleunigt, um den Konkurrenzdruck zu erhöhen. Der neue FDA-Chef Scott Gottlieb kündigte jüngst zudem eine bevorzugte Zulassung bei Wirkstoffen an, die bisher von weniger als drei Herstellern angeboten werden.
„Ungünstigste Situation seit Jahren“
Branchenexperten der Banken beurteilen den Sektor daher zunehmend skep-
tisch. Der Preisdruck werde kurz bis mittelfristig kaum nachlassen, schätzt Pharmaanalystin Liav Abraham von der Citigroup. Ihre Kollegen bei HSBC sprechen von „einer der ungünstigsten Situationen“, die die Branche bisher erlebt habe. „Und das könnte sich bis weit in das Jahr 2018 hinein fortsetzen.“
Auch an der Börse hat die Generikabranche als Folge dieser Entwicklung deutlich an Attraktivität verloren. Die Aktienkurse von Firmen wie Teva, Perri-go, Hikma oder Endo haben sich seit Mitte 2016 nahezu halbiert, Mylan hat rund 20 Prozent verloren. Die ehrgeizigen Übernahmestrategien dieser Unternehmen haben sich damit aus Sicht der Aktionäre bisher fast durchweg als Fehlschlag entpuppt. Die zum Teil sehr ansehnlichen Bewertungen bei den Akquisitionen der vergangenen Jahre - zum Teil wurde mehr als das Fünffache des Umsatzes gezahlt -wirken aus heutiger Sicht vielmehr klar überzogen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund wird inzwischen offenbar mit deutlich bescheideneren Zahlen gerechnet: Für die zum Verkauf stehende Generikasparte des französischen Pharmakonzerns Sanofi etwa rechnen Analysten der Ratingagentur Moody's mit einem möglichen Verkaufserlös von zwei Milliarden Euro. Das wäre nur etwas mehr als einmal Umsatz.
Das dürfte dazu beigetragen haben, dass Vertreter der Generikabranche in Sachen Übernahmen inzwischen deutlich vorsichtiger geworden sind. Im
Bieterwettbewerb um Stada, die knapp
1,3 Milliarden Euro und damit 60 Prozent ihres Konzernumsatzes von
2,1 Milliarden Euro mit Nachahmer-Medikamenten erzielt, traten industrielle Interessenten erst gar nicht an.
Dabei schneidet der Bad Vilbeler Konzern derzeit sogar etwas besser ab als die Branche. Und auch die europäischen Märkte insgesamt entwickeln sich etwas günstiger als der US-Markt. Vor allem einige süd-und osteuropäischen Länder bieten noch bessere Wachstumsperspektiven, weil der Marktanteil von Generika dort noch vergleichsweise niedrig ist. Andererseits besteht die Gefahr, dass die großen, international tätigen Generikaanbieter angesichts der Schwäche im US-Geschäft nun den Kampf um Marktanteile in anderen Regionen intensivieren.
In etlichen wichtigen europäischen Ländern ist die Entwicklung ohnehin schon seit längerem eher schwierig für die Generikahersteller. In Deutschland etwa konnten sie rein mengenmäßig ihren Anteil am Pharmamarkt seit 2011 zwar um sieben Punkte auf 77 Prozent steigern. Beim Umsatz ist das Bild ganz anders: Nach Daten des Branchenverbands Pro Generika sank er im gleichen Zeitraum von 2,9 auf knapp zwei Milliarden Euro, vor allem als Folge der Rabattverträge, die von den Krankenkassen stetig ausgeweitet werden. Das entspricht nur einem Marktanteil beim Umsatz von weniger als zehn Prozent. Für die ersten fünf Monate 2017 errechnet der Verband ein Umsatzplus von 1,6 Prozent, wobei aber Rabatte noch nicht mit berücksichtigt sind.
Eine weitere Herausforderung für die Generikafirmen erwächst aus dem Strukturwandel der Pharmabranche: Das Geschäft der Originalhersteller ruht immer stärker auf komplexen, biotechnisch hergestellten Substanzen. Der Nachschub an chemisch einfach zu kopierenden Wirkstoffen droht damit nach und nach zu versiegen. So werden nach Daten des Informationsdienstes Insight Health in Deutschland 2017 zwar Originalmedikamente mit 617 Millionen Euro Umsatz ihren Patentschutz verlieren. Knapp 40 Prozent davon entfallen bereits auf Biopharmazeutika.
Kopien solcher Biotechmedikamente, die sogenannten Biosimilars, sind wesentlich aufwendiger zu produzieren und zu entwickeln als klassische Generika. Wollen Generikafirmen dort mitmischen, müssen sie höhere Investitionen und Risiken tragen. Das verstärkt den Zwang zur Größe.
Konzerne setzen auf eigene Biosimilars
Hinzu kommt die Herausforderung, dass man sich im Biosimilar-Geschäft mit einer neuen Gruppe von Konkurrenten auseinandersetzen muss: den etablierten, forschenden Pharmakon-zernen. So arbeiten unter anderem Pfizer, Merck & Co., Lilly und Boehringer sowie die großen Biotech-Konzerne Amgen und Biogen intensiv an der Entwicklung eigener Biosimilars. Das im Prinzip ansehnliche Wachstumspotenzial für Nachahmerprodukte, das sich durch die Patentabläufe bei
umsatzstarken Biotechmedikamenten ergibt, wird daher voraussichtlich zu einem erheblichen Teil durch etablierte Pharmakonzerne abgeschöpft. Dieser Trend relativiert auch die insgesamt soliden Prognosen für das Generikageschäft. Die britische Analysefirma Evaluate Pharma etwa prognostiziert für den Generikamarkt bis 2022 ein Wachstum auf 112 Milliarden Dollar, gegenüber knapp 80 Milliarden im Jahr 2016. Das entspricht knapp sechs Prozent Wachstum pro Jahr. Doch wenn man unterstellt, dass ein Großteil des Biosimilar-Geschäfts von den etablierten Originalherstellern selbst abgeschöpft wird, dürfte für die spezialisierten Generikafirmen deutlich weniger verbleiben. Auch vor diesem Hintergrund wird es eine erhebliche Herausforderung für die künftigen Eigner von Stada sein, das Kerngeschäft des Bad Vilbeler Konzerns erfolgreich weiterzuentwickeln.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/industrie/nachahmer-medikamente-pillen-kopierer-in-der-krise/20074320.html?ticket=ST-55581 3-04Y400H9ek7pp0gJxbmb-ap1


Bundesauschuss füllt die Auftragsbücher weiter

Datum: 18.07.2017

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat alle Hände voll zu tun. Doch die steigende Auftragszahl bringt Herausforderungen mit sich.
Von Ilse Schlingensiepen
KÖLN. Der Auftragseingang beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wächst kontinuierlich. Im vergangenen Jahr gingen 116 Aufträge zur wissenschaftlichen Bewertung bei dem Kölner Institut ein, nach 95 im Jahr 2015.
Von 2004 bis Ende 2016 hat das IQWiG insgesamt 582 Aufträge vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) und dem Bundesgesundheitsministerium erhalten. Das geht aus dem Jahresbericht 2016 hervor.
Nutzenbewertung inzwischen Routine
Die frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln sei nach fünf Jahren inzwischen Routine geworden, schreibt IQWiG-Leiter Professor Jürgen Winde-ler darin. „Doch die hohe Schlagzahl stellt uns erneut vor Herausforderungen.“ Zudem hat das IQWiG mit der Bewertung des Potenzials neuer
Untersuchungs- und Behandlungsmethoden ein zusätzliches Arbeitsgebiet erhalten. Mit dem ThemenCheck Medizin gab es 2016 eine weitere Neueinführung: In einem mehrstufigen Verfahren wählt das Institut seither jedes Jahr aus Vorschlägen aus der Bevölkerung fünf Themen für ein Health Technology Assessment aus.
Bei der frühen Nutzenbewertung hat das IQWiG 2016 insgesamt 44 Dossiers (ohne Orphan Drugs) bearbeitet und 47 Bewertungen erstellt. Die Zahl der Bewertungen lag höher, weil bei einem Wirkstoff zwei Anwendungsgebiete bewertet wurden und bei einem weiteren drei.
31 Mal kein Zusatznutzen
In 31 Fällen kam das IQWiG zu dem Ergebnis, dass kein Zusatznutzen vorlag, in 16 stellte es einen Zusatznutzen fest. Ihn stufte das Institut bei fünf Arzneimitteln als gering ein, bei acht als beträchtlich und bei drei als erheblich. Der GBA hat sich bei 26 Dossiers der Bewertung des IQWiG angeschlossen. Nach dem Jahresbericht wich der GBA 21-mal mit seinem Beschluss ab, indem er den maximalen Zusatznutzen in der Höhe oder der Aussagesicherheit elfmal
herab- und zehnmal hochstufte. Bei der Datenlage zu Hochrisiko-Medizin-produkten, die jetzt ebenfalls vom IQWiG bewertet werden, sieht das Institut noch Luft nach oben. Von den ersten acht der neuen Untersuchungsund Behandlungsmethoden, die auf den Prüfstand der Wissenschaftler kamen, konnten diese lediglich bei zwei das Potenzial für eine erforderliche Behandlungsalternative erkennen: dem ultraschallgesteuerten hochintensiven fokussierten Ultraschall bei Uterusmyomen und bei primären Lebertumoren. In beiden Indikationen deuteten Studien auf positive Effekte hin, Erprobungsstudien wurden für sinnvoll gehalten.
„Bei den sechs übrigen Bewertungen bestand die übermittelte Evidenz dagegen überwiegend aus Fallserien, die kaum Aufschluss über den potenziellen Nutzen oder Schaden der Methoden gaben“, erläutert das IQWiG in dem Bericht. Für eine Indikation seien gar keine Daten mitgeteilt worden.
Das IQWiG betreibt außerdem die Webseite gesundheitsinformation.de. Ihre Inhalte werden inzwischen von 14 Partnern genutzt. Im Jahr 2016 zählte das Institut jeden Monat durchschnittlich 850.000 Zugriffe auf die Seite.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/arzneimittelpolitik/article/940055/iqwig-bundesauschuss-fuellt-auftragsbuecher-weiter.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170718-_-Arzneimittelpolitik


Omnitrope ohne Wirkstoff in Frankreich entdeckt

Datum: 18.07.2017

Es sind offenbar Fälschungen des zentral zugelassenen Arzneimittels Omnitrope® (Somatropin) 15 mg/1,5 ml Injektionslösung der Firma Sandoz im Umlauf. Darauf weist das BfArM auf seiner Homepage hin. In Frankreich fielen Ampullen wegen zu geringer Befüllung auf. Sie hatten eine deutsche Aufmachung, heißt es. Untersuchungen ergaben, dass sie keinen Wirkstoff enthielten.
Verdachtsfälle wurden nicht nur aus Frankreich, sondern auch aus Dänemark und Mexiko gemeldet - es geht um Fälschungen von Omnitrope® (Somatropin) 15 mg/1,5 ml Injektionslösung. Auf der Homepage des BfArM finden sich Fotos, die sich auf den Fall in Frankreich beziehen. Dieser fiel auf, weil in den Ampullen zu wenig Lösung war. Den Fotos zufolge hat die Fälschung eine deutsche Aufmachung. Entscheidendes Erkennungsmerkmal
ist laut BfArM die Chargenbezeichnung EL9738 (Verfallsdatum 04/2018). Diese Charge existiert real bei für den deutschen Markt produzierter Ware nicht. Weitere leicht erkennbare Unterscheidungsmerkmale außer der Chargennummer sind nicht vorhanden. Wirkstoff enthielten die untersuchten Fälschungsmuster nicht.
Laut BfArM sind die Untersuchungen in diesem Fall noch nicht abgeschlossen. Eine abschließende Bewertung bezüglich der Vertriebskette sei nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht möglich, heißt es. Man untersuche, wo die Fälschungen herkommen und ob der deutsche Markt betroffen ist. Die Frage, die sich wohl jeder stellt, lautet: Ist die Fälschung in die legale Vertriebskette in Deutschland gelangt? Dem BfArM zufolge gibt es dafür bislang keine Belege. Die Arzneimittelkommission der Apotheker hat angekündigt, darüber zu informieren, so-
bald weitere Informationen vorliegen, werden sowohl das BfArM als auch die die AMK darüber informieren.
Apotheker sollen Bestände prüfen
Apotheker sind angehalten, eventuell vorhandene Bestände von Omnitrope® 15 mg/1,5 ml Injektionslösung auf die genannte Chargenbezeichnung hin zu überprüfen. Dazu fordern das BfArM und die AMK auf. Packungen, auf denen sich die genannten Charge findet, müssen unter Quarantäne gestellt werden - gesichert und kühl. Zudem sollen betroffene Apotheker unverzüglich die AMK sowie die zuständige Behörde informieren. Außerdem gilt natürlich wie immer der Appell, Verdachtsfälle zu Qualitätsmängeln oder unerwünschten Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Omnitrope® zu melden - unter www.arzneimittelkommission.de.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/07/18/omnitrope-ohne-wirkstoff-in-frankreich-entdeckt


Miese Preise, keine Besserung

Datum: 04.08.2017

„Gute Preise. Gute Besserung“ - so wirbt der Generika-Hersteller Ratiopharm. Doch Mutterkonzern Teva kämpft ums Überleben. Der Pharma-Riese hat sich bei der Expansion verzockt - und Milliarden an Börsenwert verbrannt.
FrankfurtDie Investoren waren auf schlechte Nachrichten vorbereitet.
Aber dass es beim Pharmakonzern Teva so mies läuft - damit hatten die Aktionäre nicht gerechnet. Teva, der in Deutschland für seine Marke Ratiopharm bekannt ist, weist zum Halbjahr mit einem Nettoverlust von rund 5,5 Milliarden Dollar auf. Der Konzern korrigierte zudem seine Ertragsprognose für das Gesamtjahr abermals deutlich nach unten und kürzte die Dividende um 75 Prozent. An der Börse stürzte die Aktie des israelischen Pharma-herstellers zeitweise um bis zu 24 Prozent - satte acht Milliarden Dollar Börsenwert waren innerhalb kurzer Zeit verbrannt. Seit Mitte 2015 hat die Teva-Aktie inzwischen zwei Drittel verloren und notiert auf dem niedrigsten Stand seit rund 14 Jahren.
Teva wird zum Opfer seiner eigenen, überambitionierten Akquisitionsstrategie. Ein Schicksal, das zuvor bereits den US-Konkurrenten Valeant ereilt hatte. Denn Teva hatte in den letzten Jahren durch eine ganze Serie von Zukäufen expandiert, darunter 2010 auch die Übernahme des führenden deutschen Generikaherstellers Ratio-
pharm. Als Desaster indessen erwies sich jetzt vor allem der Kauf der Generikasparte von Actavis, für die Teva
2016 rund 40 Milliarden Dollar an den Vorbesitzer Allergan überwies.
Mit der Übernahme stiegen die Israelis zwar zum unangefochtenen Führer im Geschäft mit patentfreien NachahmerMedikamenten auf. Aber das Timing war extrem schlecht und der Preis offenbar weit überzogen, was Teva jetzt mit einer Wertberichtigung von gut sechs Milliarden Dollar auf Actavis und andere US-Aktivitäten einräumte.
Durch die Übernahme wird der Konzern nun umso härter vom rasanten Preisverfall auf dem US-Generikamarkt getroffen. „Wir verbuchen beschleunigte Preiserosion und rückläufige Absatzmengen“, räumte Teva-Interims-chef Itzhak Peterburg ein.
Hintergrund ist ein deutlicher Wandel auf dem US-Pharmamarkt. Versicherer und andere Kostenträger schließen sich dort verstärkt zu Einkaufs-Kooperationen zusammen und setzen mit Ausschreibungen und Rabattverträgen zusehends größere Preisnachlässe bei Medikamenten durch. Zudem hat die Arzneimitteilbehörde FDA die Zulassung von Generika beschleunigt, was den Konkurrenzkampf zusätzlich anheizt.
Die Entwicklung zeichnet sich zwar schon seit dem vergangenen Herbst ab, ist aber offenbar noch weitaus brisanter als bisher erwartet und trifft Teva besonders hart. „Die Käufer beherr-
schen den Markt“, sagt Wells-Fargo-Analyst David Maris. Auch die Aktien anderer Generikahersteller wie Mylan oder Perrigo gerieten daraufhin unter Druck und verloren vier bis sechs Prozent an Wert. Wie heftig das Geschäft belastet wird, ist an den Zahlen von Teva auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Für das erste Halbjahr berichtete der Konzern einen Umsatzanstieg um 15 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar und ein Plus beim Betriebsgewinn von vier Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Aber darin ist erstmals auch das erworbene Actavis-Geschäft voll enthalten, das im Halbjahr 2016 noch 3,7 Milliarden Dollar Umsatz erzielt.
Das heißt: Wäre Actavis schon im Vorjahr vollständig in der Bilanz aufgetaucht, hätte Teva nun einen Umsatzrückgang von etwa 15 Prozent vermelden müssen. Damit hat sich der Pharma-Riese de facto ein schrumpfendes Geschäft eingekauft und dafür 35 Milliarden Dollar Schulden aufgenommen.
Deutsche Standorte werden verschont
Der Preisverfall auf dem US-Markt dürfte sich zudem noch verstärken, wie Peterburg und seine Kollegen im Analysten-Call andeuteten. Auch deshalb mussten sie rund fünf Milliarden Dollar auf den Wert der Actavis-Über-nahme abschreiben. Hinzu kommt noch eine weitere Herausforderung: Knapp ein Fünftel seines Umsatzes erzielt Teva bisher noch mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Copaxone. Dessen Patente sind inzwischen weitgehend ausgelaufen, so dass ab 2018 verstärkte Generikakonkurrenz drohen könnte.
Teva reagiert auf die Probleme jetzt mit einem deutlich verschärften Sparund Restrukturierungsprogramm. Bis Ende des Jahre will der Konzern jetzt insgesamt 7000 von weltweit 57.000 Arbeitsplätzen abbauen. Sechs Fabriken sollen in diesem Jahr geschlossen oder verkauft werden, weitere acht im kommenden Jahr. Bis Ende 2017 wolle man sich außerdem aus 45 Ländern zurückziehen, kündigte Peterburg an. Die Aktivitäten in Deutschland, wo Teva rund 2900 Menschen beschäftigt,
sind davon aber jedoch kaum berührt. Es gebe keine Pläne über den bereits im Frühjahr kommunizierten Arbeitsplatzabbau hinaus, sagte ein Sprecher. Im März hatte Teva den Wegfall von etwa 100 Stellen am Standort Ulm angekündigt, wo der Konzern eine relativ große Produktion für das Europageschäft betreibt. Im Gegenzug will Teva hier allerdings auch neue Stellen schaffen mit dem Bau einer Produktionsanlage für Biotech-Medikamente. Ungeachtet der neuen Sparmaßnahmen musste der Konzern seine Prognosen für 2017 abermals nach unten korrigieren. Der Umsatz wird jetzt bei um die 23 Milliarden Dollar erwartet, und damit gut eine Milliarde Dollar niedriger als bisher. Gleiches gilt für das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda), das Teva jetzt bei 7,2 bis 7,4 Milliarden Dollar sieht. Bisher hatte man mit acht bis
8,4 Milliarden Dollar gerechnet.
Das ist nicht zuletzt mit Blick auf die strapazierte Bilanzstruktur des Konzerns heikel: Die Ratingagentur Moody's hat Teva als Reaktion auf die schwachen Zahlen bereits herabgestuft, von „Baa2“ auf „Baa3“. Der Ausblick bleibt weiter negativ.
Die Rating-Agentur zeichnet ein düsteres Szenario für den Konzern: „Preisdruck und Verzögerungen bei Neueinführungen werden das US-Ge-nerikageschäft auch 2018 noch belasten“, schreibt Moody's-Analyst Morris Borenstein in einem Kommentar.
Und auch angesichts der erwarteten Konkurrenz für Copaxone gehe man davon aus, dass Gewinn und Cashflow auch 2018 weiter sinken werden. Zwar bemühe sich Teva, durch Desinvestitionen und Dividendenkürzung die Verschuldung zu reduzieren. Aber es sei unklar, wie schnell das gelinge.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/ratiopharm-mutter-in-der-krise-miese-preise-keine-besserung/20149000.html


Generika-Konzern Teva steht vor Kurskorrektur

Datum: 04.08.2017

Teva Pharmaceuticals hat für das zweite Quartal einen Verlust von sechs Milliarden Dollar vermeldet und einen harten Sparkus angekündigt.
Der israelische Generika-Konzern kämpft mit sinkenden Preisen im us-amerikanischen Generika-Markt und hat dort Unternehmenswerte von
6,1 Milliarden Dollar abgeschrieben. Vor solchen Sondereffekten stieg der Konzernumsatz im zweiten Quartal 2017 zwar auf 5,7 Milliarden Dollar, das bedeutet ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal im Vorjahr. Dies ist jedoch der Integration von Actavis zu verdanken. Die Generika-Sparte des Botox-Herstellers Allergan hatte Teva 2016 für etwa 40 Milliarden Dollar übernommen. Mit Blick auf das Jahr 2017 senkt Teva jetzt seine Umsatzerwartungen auf
22,8 bis 23,2 Milliarden Dollar statt zuvor 23,8 bis 24,5 Milliarden Dollar. Die Aktiendividende im zweiten Quartal fällt 75 Prozent niedriger aus als im ersten Quartal. Das Eigenkapital des Unternehmens ist per 30. Juni 2017 auf 29,6 Milliarden Dollar beziffert (im März des Vorjahres: 35,7 Milliarden Dollar), die Schulden summieren sich auf 35,1 Milliarden Dollar.
Interims-CEO Yitzhak Peterburg kündigte bei der Vorstellung der Quartalszahlen schnelle Maßnahmen und Kostenreduktionen an. Der Konzern will sich bis Ende 2017 aus 45 Ländern zurückziehen, rund 7.000 Mitarbeiter entlassen, sechs Produktionsstätten verkaufen - und neun weitere im Jahr 2018, wie die internationale Wirtschaftspresse berichtet. Teva sucht weiterhin nach einem neuen CEO.
Die Stelle ist nun seit sechs Monaten vakant.
Dr. Yitzhak Peterburg, Interims-CEO von Teva: „Im gegebenen Marktumfeld müssen wir schnell und entschlossen handeln.“ Das Unternehmen konzentriere sich darauf, bedeutende Kosteneinsparungen einzuleiten, die umsatztragenden Unternehmensbereiche zu rationalisieren und ihren Wert zu steigern sowie Devestitions-möglichkeiten aktiv zu verfolgen, um die Bilanz zu stärken. „In unserem us-amerikanischen Generika-Geschäft verzeichneten wir eine beschleunigte Preiserosion und sinkende Absatzvolumina, hauptsächlich begründet in Konsolidierungen auf Kundenseite, größerem Wettbewerb wegen steigender Generika-Zulassungen durch die FDA und einigen neuen Produktlaun-ches, die sich verzögerten oder mehr Wettbewerb ausgesetzt waren.“


Rubrik: Hersteller
Quelle: healthcaremarketing
Web: http://www.healthcaremarketing.eu/unternehmen/detail.php?rubric=Unternehmen&nr=50336


„Ich hoffe, die Pokerspieler haben dazugelernt“

Datum: 31.07.2017

Für ein halbes Jahr wurde Engelbert Tjeenk Willink zum Stada-Chef berufen. Im Interview spricht der Niederländer über die Perspektiven des Konzerns und die Erfolgsaussichten der Übernahme-Offerte von Bain und Cinven.
Vor nicht einmal vier Wochen wurde Engelbert Tjeenk Willink völlig überraschend für ein halbes Jahr an die Spitze der Stada AG berufen. Die Perspektiven des Pharmakonzerns beschreibt der lebhafte Niederländer trotzdem mit einem Elan, als sei er schon Jahre in der Schaltzentrale des Konzerns und wolle noch lange bleiben.
Herr Willink, was hat Sie dazu verleitet, Ihren Ruhestand zu unterbrechen, um den CEO-Posten bei Stada zu übernehmen?
Stada ist einfach ein tolles Unternehmen und befindet sich gerade in einem perfekten Sturm. In einer so spannenden Phase eine Rolle spielen zu können, das ist ein Privileg.
Aber was kann man in einer solchen Situation noch groß bewegen, kurz vor einer Übernahme durch Private-Equity-Investoren?
Fast alles bewegt sich. Meine Vorgänger haben schon viele zielführende Aktivitäten gestartet. Wir treiben das jetzt mit Elan weiter voran, werden aber an der ein oder anderen Stelle vielleicht noch ein wenig nachjustieren.
Und wenn Bain und Cinven das Ruder übernehmen, wird das alles wieder über den Haufen geworfen?
Nein, ich bin überzeugt, dass sie unsere Strategie unterstützen und in die gleiche Richtung marschieren werden.
In dieser Hinsicht bin ich völlig beruhigt. Die Möglichkeiten, die bisherige Strategie umzusetzen und voranzubringen, werden sich unter Bain und Cinven vielmehr noch verbessern.
Wie groß ist aus Ihrer Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Offerte für Stada diesmal erfolgreich sein wird?
Ich schätze die Chance als sehr hoch ein. Bain und Cinven haben ein gutes Angebot vorgelegt, das gegenüber dem ursprünglichen Angebot leicht erhöht wurde. Wir können es unseren Aktionären aus voller Überzeugung zur Annahme empfehlen. Sie haben die Mindestannahmeschwelle gesenkt, sich Andienungsverpflichtungen in Höhe von rund 20 Prozent gesichert und zudem die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt verbessert. Ein gewisses Problem ist sicher, dass wir eine andere Aktionärsstruktur haben als noch Anfang des Jahres. Einige der Aktionäre sind offensichtlich sehr kurzfristig orientiert. Trotzdem kann ich mir kaum vorstellen, dass die Offerte nochmals durchfällt.
Manche Hedgefonds pokerten beim ersten Angebot um einen höheren Preis und tun das womöglich auch nun wieder.
Wenn das so ist, dann hoffe ich, dass diese Pokerspieler inzwischen etwas dazugelernt haben.
Haben Sie denn schon mit Paul Singer gesprochen, der sich jüngst mit fast neun Prozent bei Stada einkaufte?
Nein, wir kennen nur die Stimmrechtsmitteilung und hatten darüber hinaus bisher keinen Kontakt.
Worin sehen Sie das Potenzial von Stada?
Stada ist ein Unternehmen mit einer starken Historie und einer starken Basis sowohl bei Generika als auch bei Markenprodukten. Vor allem die Internationalisierung bietet großes Potenzial, aber auch die Effizienz kann man noch erheblich steigern. Das sind Riesenmöglichkeiten.
Was bedeutet das konkret?
Ein Beispiel ist die Internationalisierung des Portfolios, die ja meine Vorgänger schon begonnen haben. Wir haben einige hervorragende Produkte in Deutschland, die noch kaum in anderen Märkten vertrieben werden. Auch die Integration der Zukäufe im Ausland ist noch sehr unvollständig. Stada ist eher eine Kollektion von Unternehmen als ein kohärenter Konzern. Viele Firmen haben ihre internationalen Aktivitäten deutlich stärker integriert. Da müssen wir nacharbeiten. Ist Stada auf Dauer groß genug?
Wir sind ein signifikanter Spieler in Europa. Aber langfristig gibt es sicherlich auch interessante Märkte in Übersee.
In dieser Hinsicht ist es ein Vorteil von Bain und Cinven, dass sie einen großen Erfahrungsschatz und Kapital mitbringen. Mit ihrer Hilfe könnten wir Zukäufe in anderer Größenordnung angehen als alleine, was die Globalisierung von Stada deutlich beschleunigen würde. Nicht zuletzt unter diesem Aspekt ist das Angebot kurzfristig das Beste für die Aktionäre und langfristig das Beste für das Unternehmen und die Mitarbeiter.
Es wird spekuliert, dass Bain und Cin-ven bereits eine Liste möglicher Zukäufe erstellt haben.
Das mag sein. Aber ich habe die noch nicht gesehen. Mit deutlich mehr Kapital im Rücken könnte man aber auf jeden Fall versuchen, größere Firmen zu übernehmen und so eine bedeutendere Präsenz in anderen Ländern aufzubauen. Mit zwei, drei solcher Transaktionen könnte Stada von einem europäischen zu einem dann wirklich globalen Player werden.
Hat die Kombination von Generika und Markenprodukten auf längere Sicht noch eine Zukunft?
Ich halte das für eine vielversprechende Kombination. Die Geschäfte entwickeln sich in unterschiedlichen Zyklen und geben daher dem Unternehmen Stabilität. Es gibt bei uns und,
nach allem was ich gehört habe, auch bei den potenziell künftigen Eignern keinerlei Pläne, das zu trennen. In vielen Märkten sind diese Bereiche zudem auch in Produktion und Vertrieb eng miteinander verzahnt.
Andererseits geraten die Margen im Generikageschäft offenbar zusehends unter Druck.
Das Geschäft wird zweifellos überall schwieriger, vor allem, was klassische Arzneimittel, die typischen weißen Pillen, angeht.
Für diesen Bereich versiegt allmählich auch der Nachschub an Patentabläufen. Auf der anderen Seite bieten Biosimilars interessante neue Perspektiven.
Wir sind mit zwei solcher Biotech-Me-dikamente bereits auf dem Markt und haben Lizenzverträge für fünf weitere.
Aber haben Sie wirklich eine Chance gegen die großen Pharmakonzerne, die sich bei Biosimilars ebenfalls stark engagieren?
Zum Teil brauchen sie dazu Generikafirmen als Partner. Und ich erwarte, dass sich dieses Geschäft im Laufe der Zeit ebenfalls zu einem typischen Markt für Nachahmerprodukte entwickeln wird, der uns einige Möglichkeiten bietet. Aber dazu würde ich mir eine noch korpulentere Pipeline wünschen. Stada muss dazu noch mehr investieren.
Höhere Vorleistungen für die Produktentwicklung und gleichzeitig höhere Erträge: Kann das funktionieren?
Das wird die Kunst sein in den nächsten Jahren. Stada muss zugleich größer und effizienter werden. Das ist unser Ziel.
Wie heftig müssen dazu die Einschnitte beim Personal ausfallen?
Es wird sicher Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur geben. Aber nicht unbedingt bei der Zahl der Mitarbeiter in Deutschland. Ich sehe da eher eine Verschiebung. Wenn wir den Konzern stärker zentral führen wollen, dann bedeutet das zum Beispiel, dass man in der Zentrale künftig neue Funktionen und andere Kompetenzen benötigt. Die Belegschaft von Stada in Deutschland ist relativ klein im Vergleich zu anderen Ländern. Wir beschäftigen hier nur elf Prozent unserer Mitarbeiter.
Angesichts der interessanten Aufgaben und Perspektiven: Würde es Sie nicht reizen, den Job bei Stada längerfristig zu übernehmen?
Nein, es geht darum, eine kurze Zeit zu überbrücken. Wir haben eine Vereinbarung für sechs Monate.
Und dann geht es zurück auf den Golfplatz?
Wenn mich die Eigentümer bitten würden, das eventuell noch zwei, drei Monate weiterzumachen, bis ein neuer CEO antreten kann, würde ich wohl auch nicht Nein sagen. Ich finde es toll zu helfen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung auch, welchen Preis man in solchen Jobs zahlt. Das heißt: Über einen längeren Zeitraum wäre der private Preis für mich einfach zu hoch.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Handelsblatt
Web: http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/industrie/stada-chef-engelbert-tjeenk-willink-ich-hoffe-die-pokerspieler-haben-dazugelernt/20120372.html?ticket=ST-566550-BZ2JmxgszUHSpgdOK14V-ap1


Erfolgreiches erstes Halbjahr für Roche

Datum: 27.07.2017

Roche hat seine Erwartungen nach oben geschraubt. Anlass für den Optimismus ist der gute Start einiger neuer Hoffnungsträger, wie dem Multiple-Sklerose-Mittel Ocrevus. Im ersten Halbjahr konnten die Schweizer ein Erlösplus von 5 Prozent für sich verbuchen.
Bei Roche laufen die Geschäft dank neuer Produkte weiterhin rund. Nach einem starken ersten Halbjahr trauen sich die Schweizer für das Gesamtjahr deshalb noch ein wenig mehr zu. So soll der Umsatz - berechnet zu konstanten Wechselkursen - im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen, wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag in Basel mitteilte. Zuvor hatte Roche die Messlatte etwas tiefer angesetzt und ein Erlösplus im unteren bis mittleren einstelligen Bereich angepeilt. Die Aktie stand am Morgen an der Schweizer Börse zuletzt mit 1 Prozent im Plus.
Seine zunehmende Zuversicht nimmt Roche aus dem guten Anlauf einiger Hoffnungsträger wie etwa seinem neuen Multiple-Sklerose-Mittel Ocreli-zumab (Ocrevus®). Ocrelizumab ist ein humanisierter, monoklonaler Antikörper gegen das auf B-Zellen expri-mierte, glykosylierte Phosphoprotein CD20. Und das erste Arzneimittel gegen primär progrediente MS. In den USA ist es seit März zugelassen.
Neue Arzneimittel sorgen für Umsatzwachstum
Die Einführung der Arznei verlaufe besonders erfreulich, sagte Konzernchef Severin Schwan. „Ocrevus® hatte einen sehr guten Start in den USA und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch weiterhin fortsetzen wird.“ Auch das kürzlich eingeführte KrebsImmuntherapeutikum Atezolizumab (Tecentriq®) trug maßgeblich zum Umsatzwachstum im ersten Halbjahr bei, ebenso wie der Blockbuster Per-
tuzumab (Perjeta®), der bei der Brustkrebstherapie eingesetzt wird. Atezolizumab hat vor Kurzem ein positives Votum der EMA für die EU-Zulassung erhalten. Zwischen Januar und Juni kletterten die Erlöse der Schweizer um 5 Prozent auf 26,34 Milliarden Schweizer Franken. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten. Beide Sparten - Pharma und die Diagnostik
- konnten zulegen; letztere profitierte vor allem von einer guten Nachfrage nach Produkten für die Immundiagnostik. Auch die Gewinnkennziffern fielen besser aus als gedacht: Der Kernbetriebsgewinn erhöhte sich um 3 Prozent auf rund 10,14 Milliarden Franken. Der nach dem Rechnungslegungsstandard IFRS ausgewiesene Konzerngewinn stieg um 2 Prozent auf knapp 5,58 Milliarden Franken. Für das Gesamtjahr peilt Roche beim Kerngewinn je Aktie einen Zuwachs ähnlich dem erwarteten Umsatzplus an. Zudem sei eine weitere Dividendenerhöhung das Ziel.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/07/27/erfolgreiches-erstes-halbjahr-fuer-roche


Stada will sich weiterhin übernehmen lassen

Datum: 25.07.2017

Vorstand und Aufsichtsrat des Phar-maherstellers Stada haben ihren Aktionären wie erwartet empfohlen, das neuerliche Übernahmeangebot der Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven anzunehmen.
Der Preis von 66,25 Euro pro Aktie böte den Eigentümern eine attraktive Prämie von 49,5 Prozent gemessen
am letzten von Übernahmeplänen unbeeinflussten Kurs, erklärte die Unternehmensspitze am Dienstag in Bad Vilbel.
Die Aktionäre könnten zudem sicherer sein, dass die bis zum 16. August befristete Transaktion im Gegensatz zum ersten Versuch klappe, weil die Annahmeschwelle auf 63 Prozent abgesenkt worden ist. Zudem verfüg-
ten die Bieter bereits über Zusagen von rund 20 Prozent der ausstehenden Stada-Aktien.
Mit ihrem ersten Angebot waren Bain und Cinven vor einigen Wochen nur knapp an der Mindestannahmeschwelle von damals 67,5 Prozent gescheitert. In ihrer zweiten Offerte haben sie 25 Cent pro Anteil draufgelegt und die Annahmeschwelle gesenkt.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/07/25/stada-will-sich-weiterhin-uebernehmen-lassen


Stada - die nächste Runde ist eingeläutet

Datum: 19.07.2017

Am heutigen Mittwoch wurde die Angebotsunterlage für das neue Übernahmeangebot für den Generikahersteller Stada veröffentlicht. Das teilen die Investoren Bain Capital und Cinven mit. Damit beginnt die vierwöchige Annahmefrist. Bain Capital und Cinven bieten den Aktionären
66.25 Euro pro Aktie. Damit der Deal zustande kommt, gilt eine Mindestannahmeschwelle von 63 Prozent.
66.25 Euro je Aktie - und damit 25 Cent mehr als beim ersten Anlauf -bietet das Investorenduo Bain und Cinven den Stada-Aktionären bei seinem neuen Versuch, das Pharmaunternehmen aus Bad Vilbel zu übernehmen.
Um zwei Prozentpunkte hatten Bain
und Cinven mit ihrem ersten Angebot die erforderliche Annahmequote verpasst. Mit der heutigen Veröffentlichung der Angebotsunterlage beginnt nun erneut eine vierwöchige Annahmefrist. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht („BaFin“) hatte zuvor die Veröffentlichung der Angebotsunterlage gemäß Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz gestattet.
Aktionäre von Stada können ab sofort das Angebot annehmen und einer von Bain und Cinven kontrollierten Holdinggesellschaft ihre Aktien andienen. Dazu müssen Stada-Aktionäre innerhalb der nächsten vier Wochen eine entsprechende Erklärung in schriftlicher oder elektronischer Form
bei ihrer Depotbank einreichen. Die Annahmefrist endet am 16. August 2017 um Mitternacht (Ortszeit Frankfurt am Main).
Damit das Geschäft zustande kommt, müssen 63 Prozent der Anteilseigner zustimmen. Die Mindestannahmeschwelle liegt somit niedriger als beim ersten Versuch, bei dem die erforderliche Annahmequote von 67,5 Prozent verfehlt worden war. Ursprünglich waren sogar 75 Prozent gefordert gewesen. Einen Tag vor dem Ende der Annahmefrist hatten aber erst 21,5 Prozent der Anteilseigner zugestimmt. Daher hatten die Investoren bereits einmal nachgebessert und sowohl die Schwelle gesenkt als auch die Frist verlängert - am Ende jedoch vergeblich.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/07/19/stada-die-naechste-runde-wird-eingelaeutet


Was verhindert Resistenzen am besten?

Datum: 02.08.2017

Stationäre Patienten ziehen sich seltener Infektionen mit resistenten Keimen zu, wenn im Krankenhaus ein Antibiotic-Stewardship-Programm existiert. Doch welche Maßnahmen helfen? Das haben Mediziner jetzt ausgewertet.
Von Beate Schumacher
TÜBINGEN. Strategien zum rationalen Einsatz von Antibiotika, sogenannte Antibiotic-Stewardship (ABS)-Program-me, reduzieren in Krankenhäusern nicht nur Antibiotikaverordnungen und Kosten. Laut einer Metaanalyse von Mitarbeitern der Universitätsklinik Tübingen kommen die Programme auch direkt den Patienten zugute, indem sie die Ausbreitung von resistenten Bakterien und Clostridium (C.) difficile verhindern. Besonders effektiv ist ABS demnach, wenn es mit Maßnahmen für eine verbesserte Handhygiene kombiniert wird.
32 Studien ausgewertet
In der Analyse haben die Mediziner um David Baur Daten aus 32 Studien ausgewertet, die mehr als neun Millionen Patiententage abdecken. Bei den Studien, von denen nur zwei eine gute und 26 eine mittlere Qualität hatten, handelte es sich mehrheitlich um Vorher-nachher- und Kohortenstudien. Die häufigsten ABS-Interventionen waren infektiologische Prüfungen (Audits) sowie eine restriktive Verord-
nungspolitik. In etwa 30 Prozent der Studien kamen zusätzlich Maßnahmen zur Infektionskontrolle zum Einsatz (The Lancet Infectious Diseases 2017; online 16 Juni).
Infektionen und Kolonisierungen mit folgenden Erregertypen waren nach der Einführung von ABS-Programmen signifikant reduziert: Multiresistente gramnegative Erreger gingen um 51 Prozent, ESBL(Extended-Spectrum Beta-Lactamase)-bildende um 48 und Carbapenem-resistente um 43 Prozent zurück. Bei Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) sank die Inzidenz um 37 Prozent. C. difficile wurde um 32 Prozent seltener festgestellt. Lediglich bei Aminogly-kosid- und Chinolonresistenz waren die Häufigkeiten nur numerisch, aber nicht statistisch signifikant verringert. Allerdings war zwischen den einzelnen Studien eine „substanzielle Heterogenität“ festzustellen, wie die Kollegen um Baur berichten. Die Differenzen konnten zumindest teilweise auf Unterschiede in den Resistenzmustern, der Art der ABS-Intervention und der Studiendauer zurückgeführt werden.
Die wirksamsten Maßnahmen
Die ABS-Programme waren in häma-toonkologischen Abteilungen besonders erfolgreich, mit einem Rückgang der Inzidenz resistenter Keime um 59 Prozent. Aber auch Patienten auf Intensivstationen (-23 Prozent) und in medizinischen Abteilungen (-22 Pro-
zent) profitierten von der Intervention. Durch die Kombination von ABS mit Maßnahmen für eine bessere Handhygiene konnte die Rate von Besiedlungen/Infektionen mit resistenten Bakterien weiter gesenkt werden (-66 statt -17 Prozent ohne intensivierte Handhygiene). Die Wirkung des ABS hing zu einem großen Teil von den Inhalten der Programme ab.
Drei Interventionen waren mit einer signifikanten Reduktion von Resistenzen assoziiert: Antibiotika-Cycling, also der schnelle Wechsel verschiedener Antibiotika (-51 Prozent), infektiologische Audits und Feedback (-34 Prozent) sowie eine restriktive Verordnungspraxis (-23 Prozent). Die Implementierung von Leitlinien und die Fokussierung auf eine einzige Antibiotikaklasse blieben dagegen wirkungslos.
Kombination mit Handhygiene sinnvoll
„ABS-Programme haben eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen, insbesondere von Mehrfachresistenzen bei gramnegativen Keimen“, betonen Baur und Kollegen. Wegen des synergistischen Effekts empfehlen sie die Implementation in Krankenhäusern in Kombination mit Handhygiene-Programmen.
Um den Nutzen unterschiedlicher Programme in Abhängigkeit von der Resistenzlage besser beurteilen zu können, seien jedoch weitere und qualitativ hochstehende Studien nötig.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/mre/article/940593/antibiotika-cycling-bis-handhygiene-verhindert-resistenzen-besten.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170803-_-MRE


Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Datum: 26.07.2017

Forscher zählen bei Männern immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit erlaubt das zwar nicht - möglicherweise ist der Schwund aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme.
JERUSALEM. Die Zahl der Spermien von Männern aus Europa und anderen Regionen geht immer weiter zurück. Zwischen 1973 und 2011 sei die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma bei Männern aus westlichen Ländern um 52,4 Prozent gesunken, berichten Forscher im Fachmagazin „Human Reproduction Update“. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss betrage der Rückgang sogar
59,3 Prozent. „Angesichts der Bedeutung der Spermien für die männliche Fruchtbarkeit und die menschliche Gesundheit ist diese Studie ein dringender Weckruf für Forscher und Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt“, sagt Studienleiter Hagai Levine von der Hebrew University in Jerusalem.
Keine Aussage zur Spermienqualität
„Spermienfunktionalität wie Beweglichkeit, aber auch morphologische Veränderungen wurden in dieser Analyse nicht berücksichtigt“, gibt Artur Mayerhofer vom Biomedizinischen Centrum der Ludwig-Maximilians-Uni-versität München zu den Ergebnissen zu bedenken. „Ob sich aus den Daten daher ableiten lässt, dass Männer so-
mit wirklich unfruchtbarer geworden sind, bleibt offen“, so die Einschätzung des Forschers, der nicht an der Analyse beteiligt war.
Die sinkende Spermienzahl sei aber womöglich nur die Spitze des Eisbergs, so Mayerhofer. Bedenklich sei der Trend, auf den die Arbeit hinweise: eine Zunahme von Hodentumoren, Kryptorchismus (Bauchhoden) und anderen Problemen sowie einen Zusammenhang mit allgemeiner Morbidität und Mortalität.
7518 Studien gesichtet
Die Wissenschaftler um Levine hatten zunächst 7518 Studien mit Daten zur Spermienanzahl in zwei Datenbanken gesichtet. Dann schlossen sie anhand eines strikten Auswahlkatalogs zahlreiche Studien aus, beispielsweise solche, die bei Männern durchgeführt wurden, die zeugungsunfähig waren oder chronische Erkrankungen hatten. Am Ende werteten die Wissenschaftler 244 Spermienzählungen aus 185 Studien aus, die an knapp 43 000 Männern durchgeführt worden waren. Wichtige Unterscheidungsmerkmale waren, ob die Männer bereits ein Kind gezeugt hatten (also nachweislich fruchtbar waren) oder ob dies nicht erhoben worden war. Außerdem gliederten Levine und Kollegen die Teilnehmer in zwei Weltregionen: die Länder mit westlichem Lebensstil (Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland) und die übrige Welt, vor
allem Asien, Afrika und Südamerika. Aus der übrigen Welt stammten 28 Prozent der untersuchten Spermienzählungen. Die Forscher rechneten nach eigenen Angaben mögliche andere Einflussfaktoren aus den Werten heraus.
Im statistischen Mittel ging die Spermienanzahl pro Milliliter bei westlichen Männern von 1973 bis 2011 jährlich um 1,4 Prozent zurück, bei der Gesamtzahl pro Spermaprobe sogar um 1,6 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf die Gruppe derjenigen, bei denen nicht festgestellt wurde, ob sie zeugungsfähig sind.
Bei den Männern mit Kindern betrug der jährliche Rückgang bei der Anzahl pro Milliliter und der Gesamtzahl jeweils etwa 0,8 Prozent. In den übrigen Weltregionen war kein statistisch bedeutsamer Trend zu erkennen. „Diese eindeutige Studie zeigt zum ersten Mal, dass dieser Rückgang stark und anhaltend ist“, erklärt KoautorinShanna Swan von der Icahn School of Medicine am Mount Sinai in New York (USA). Swan hatte im Jahr 2000 eine ähnliche, aber weniger umfangreiche Studie veröffentlicht. Es müsse untersucht werden, wodurch es zu diesem anhaltenden Rückgang komme, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können, schreiben die Forscher. Denkanstoß geschaffen Die Untersuchung liefere eine gute Diskussionsgrundlage, sagt Stefan Schlatt vom Universitätsklinikum Münster, der nicht an der Studie beteiligt war. Die aufgezeigte Tendenz sei allerdings nur ansatzweise bedenklich: „Wenn man sich die konkreten Zahlen ansieht, liegen sie immer noch weit über den Werten, die die Weltgesundheitsorganisation als Untergrenze der Zeugungsfähigkeit angibt.“
So beträgt in der Studie im Jahr 2011 die Spermiengesamtzahl westlicher
Männern ohne Fruchtbarkeitsnachweis 137,5 Millionen, als Untergrenze des Normalen sieht die Weltgesundheitsorganisation 39 Millionen an.
Die Spermienanzahl sei zwar maßgeblich bei der Beurteilung der Zeugungsfähigkeit. Allerdings spiele auch eine Rolle, wie beweglich die Spermien sind und ob sie vielleicht missgebildet sind
- dies sei in der Studie nicht betrachtet worden.
Unklare Ursachen
Als Ursachen für die Abnahme der Spermienanzahl stehen laut Schlatt
zahlreiche Gründe in Verdacht: von der zu warmen Windel bei Säuglingen über Aspirin bis zum Handy in der Hosentasche.
Der Mediziner selbst sieht einen wichtigen Grund abnehmender Zeugungsfähigkeit darin, dass Männer immer älter würden, wenn sie eine Familie gründen: Die Spermienqualität sinkt mit steigendem Alter. Deshalb müsse bei einem Kinderwunsch immer häufiger mit künstlicher Befruchtung nachgeholfen werden. (dpa)


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/urologie/article/940389/spermienkrise-europaeische-maenner-immer-unfruchtbarer.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170727-_-Urologie


HIV-Impfung generiert Immunantwort

Datum: 26.07.2017

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv.
PARIS. Eine „Mosaik-Impfung“ gegen HIV ist gut verträglich und erzeugt eine Immunantwort gegen das Virus in Gesunden. Das sind zwei Ergebnisse der APPROACH-Studie, die von den US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) unterstützt und vom Unternehmen Janssen Vaccines & Prevention gefördert wird. Die Ergebnisse der Studie wurden am Montag bei der Konferenz der Internationalen Aids-Gesellschaft in Paris vorgestellt.
Die experimentelle Impfung wurde an 400 gesunden Freiwilligen in den USA, Afrika und Thailand getestet.
Den placebo-kontrollierten Studien mit Menschen waren Untersuchungen bei Menschenaffen vorangegangen. Dort hatte der Impfstoff das Risiko einer Infektion um 94 Prozent verringert und einen 66-prozentigen Komplettschutz vor einer Infektion nach sechs Expositionen geboten.
Die Impfung fußt auf einem inaktivierten Strang eines gewöhnlichen Adenovirus, das als Vektor für drei Mosaik-Antigene dient. Diese wurden aus Genen von verschiedenen HIV-Varianten isoliert und sollen eine Immunantwort gegen eine breite Palette von HIV-Subtypen ermöglichen, die in verschiedenen Erdteilen vorkommen. „Die vielversprechenden Ergebnisse aus dem frühen Stadium der
APPROACH-Studie lassen eine weitere Erforschung dieser Impfstoffe sinnvoll erscheinen“, wird Dr. Dan Barouch, einer der Hauptverantwortlichen der Studie, in einer Mitteilung des NIH zum Kongress zitiert. In einem nächsten Schritt ist eine klinische Studie mit 2600 HIV-negativen Frauen in Südafrika geplant. Ob diese stattfindet, hängt noch von den Ergebnissen weiterer Untersuchungen ab.
Bei der Konferenz wurden außerdem Untersuchungsergebnisse dreier Kinder vorgestellt, die HIV-positiv geboren wurden und im Säuglingsalter eine antiretrovirale Therapie erhielten. Seit Absetzen der Medikation leben diese Kinder mit einer sehr geringen, stabilen Viruslast. (mmr)


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/aids/article/940366/immunschwaeche-hiv-impfung-generiert-immunantwort.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170726-_-AIDS+%2f+HIV


Deutschland ist Spitzenreiter bei Medikamententests

Datum: 25.07 2017

In keinem anderen EU-Land werden so viele klinische Tests vorgenommen wie in Deutschland. Experten warnen aber: Das Risiko steigt. Ein Überblick über die Rechts- und Forschungslage.
Von Christoph Zeiher
DÜSSELDORF. In Deutschland sind freiwillige Probanden gefragt: Nur in den USA werden noch mehr klinische Studien von Pharma-Unternehmen vorgenommen als bei uns. Nach Angaben des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) liegt Deutschland mit einer Beteiligung an 532 Studien, die 2016 begonnen wurden, deutlich vor Großbritannien mit 499 und Frankreich mit 390.
Die Tests sind dabei ein gewaltiger Markt. Die Bandbreite reicht von ambulanten Studien für 50 Euro bis zu mehrwöchigen Klinikaufenthalten, für die Probanden bis zu 6000 Euro erhalten.
Nach eigenen Angaben investieren Pharma-Unternehmen in Deutschland etwa 5,8 Milliarden Euro pro Jahr in Laborforschung und klinische Studien. Lukrative Angebote für die Probanden winken vor allem bei Phase-I-Studien. Dabei werden die Arzneimittel an gesunden Probanden getestet, um sie auf mögliche Nebenwirkungen zu überprüfen.
Phase-I-Tests immer gefährlicher?
Allerdings sind die Risiken nicht zu unterschätzen. „Phase-I-Tests werden immer gefährlicher“, sagt Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD. Immer häufiger würden Medikamente getestet, die auf den Immunmechanismus wirkten und dadurch zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen führen könnten als andere Medikamente. Diese Gefahr sieht auch Wolfgang Becker-Brüser vom „Arznei-Telegramm“. „Die Entwicklung von Immuntherapien gegen Krebs hat in den letzten Jahren einen beträchtlichen Aufschwung erlebt“, erklärt er. Aber: „Je komplexer und je innovativer ein Wirkprinzip ist, desto weniger kalkulierbar ist das tatsächliche Risiko für die Probanden.“ Auf Nachfrage bestätigen auch die Arzneimittelhersteller ein „erhöhtes Risikopotenzial“ durch derartige Medikamente.
Dramatische Auswirkungen hatte ein derartiges Mittel bereits im Jahr 2006: Nach einem Phase-I-Test in Großbritannien schwebten damals mehrere Probanden in Lebensgefahr. Bei dem Mittel handelte es sich um ein Medikament, das in das Immunsystem eingreifen sollte. Noch dramatischer verlief im vergangenen Jahr eine Studie in Frankreich. Dort starb ein freiwilliger Proband an den unvorhergesehenen Nebenwirkungen eines komplexen Testpräparats. Bislang ist es in Deutschland zu keinen ähnlich
schweren Zwischenfällen wie in Frankreich oder Großbritannien gekommen. Mehr als 100.000 gesunde Freiwillige haben nach Behördenangaben bei uns in den vergangenen elf Jahren an klinischen Tests teilgenommen - stets im Rahmen hoher Sicherheitsstandards, wie die Verantwortlichen betonen.
Ethik-Kommission muss OK geben
Bevor eine Studie in Deutschland durchgeführt werden kann, muss sie entweder vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) oder vom Paul-Ehrlich-Institut genehmigt werden. Zusätzlich muss eine Ethik-Kommission jedes Projekt absegnen. „Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels ist ein mit Blick auf die Probanden- und Patientensicherheit hochgradig regulierter Prozess“, versichert ein Sprecher des BfArM. Genaue Daten darüber, wer an den Tests teilnimmt, gibt es nicht. Für die meisten Phase-I-Studien sollte man aber kerngesund sein und auch genügend Zeit mitbringen - sprich jung sein und keine 40-Stunden-Woche haben. Studenten oder Selbstständige passen da perfekt ins Muster.
Auch Angehörige oder potenzielle Patienten seien immer wieder beteiligt, meint Annette Dufner vom Institut für Wissenschaft und Ethik an der Universität Bonn. Bei vielen bleibt jedoch der finanzielle Anreiz ausschlaggebend. (dpa)


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/940319/forschung-deutschland-spitzenreiter-medikamententests.html?cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20170725-_-Politik+%26+Gesellschaft


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